Die Fahrradreifen stellen den Kontakt zur Straße her und haben einen erstaunlich großen Einfluss aufs Fahrverhalten. In unserem Reifen-Kapitel erfahren Sie alles über Luftdruck, Grip und Rollwiderstand.
Fahrradreifen haben kein leichtes Leben: Steine, Dornen und Glasscherben trachten täglich nach ihrer Luft. Die schwarzen Rundlinge müssen also viel leisten, wodurch das Lastenheft dementsprechend lang ausfällt. Damit ein Reifen bestmöglich mit allen Ansprüchen und Bedingungen zurecht kommt, ist immer ein Kompromiss nötig.
Um Ihnen daher den bestmöglichen Überblick zu verschaffen, haben wir einen Praxis- und Prüfstandtest durchgeführt. Dabei erfolgt der Praxistest auf zahlreichen Testfahrten im Alltag, beim Pendeln und Wochenendtouren.
Aufbau und Eigenschaften von Fahrradreifen
Der Reifen besteht aus der Karkasse, einem nylonverstärkten Gewebe, das seine Grundstruktur bildet. Darüber haben moderne Reifen einen Pannenschutzstreifen aus Kevlar und darauf dann das Profil aus Gummi.
Wie gut ein Reifen haftet, hängt bei Fahrten auf Asphalt vor allem von der Gummimischung ab: Je weicher, desto griffiger und weniger haltbar; je härter, desto haltbarer und weniger griffig. Das Profil ist vor allem bei Fahrten auf unbefestigtem Untergrund und auf Schnee wichtig.
Reifentypen
Bei Fahrradreifen lassen sich in der Regel vier verschiedene Größenbezeichnungen aufzählen. Die zeitgemäße Bezeichnung ist nach der Europäischen Reifen- und Felgennorm (ETRTO), die englische und französiosche Bezeichnung ist allerdings ebenfalls noch häufig zu finden.
- Drahtreifen: Diese Reifen haben starre Stahl- oder Kevlar-Drähte, die in die Kante des Reifens eingearbeitet sind und auf der Felge sitzen. Sie sind in der Regel günstiger, aber auch schwerer und schwieriger zu montieren.
- Faltreifen: Faltreifen sind vom Aufbau ähnlich wie Drahtreifen, allerdings besitzen sie biegsame Kevlar-Drähte, was sie leichter und einfacher zu transportieren macht, da sie faltbar sind.
- Tubeless Reifen: Diese Reifen werden ohne Schlauch gefahren und benötigen eine spezielle tubeless-kompatible Felge. Sie bieten Vorteile bei der Pannensicherheit und können mit geringerem Luftdruck gefahren werden, was mehr Komfort und besseren Grip ermöglicht.
Pannensicherheit im Test
Beim Pannenschutz setzen die Hersteller auf zwei verschiedene Systeme: Hochdichte, engmaschige Gewebe sind besonders leicht und flexibel, sind aber teuer und schützen nicht so effizient vor Durchschlägen. Sie werden meist bei Gravelreifen und eher teuren Trekkingreifen eingesetzt.
Dicke Gummieinlagen unter der Lauffläche agieren als Abstandhalter, erhöhen aber das Gewicht und teils den Rollwiderstand recht deutlich.
Testergebnisse zum Pannenschutz
Am Ende kristallisieren sich in Summe aller Pannenschutztests folgende Champions heraus: Bei den Trekkingreifen bestechen Michelins CityStreet und vor allem Schwalbes Marathon E-Plus. Bei den Gravelreifen überzeugen vor allem Teravail und Schwalbe.
Rollwiderstand und Komfort
Während das Gewicht eher nur beim Beschleunigen wichtig ist, spielt der Rollwiderstand immer eine große Rolle. Beim Abrollen des Reifens entsteht nämlich zwischen den verschiedenen Reifenkomponenten sowie zwischen Reifen und Schlauch ein Walkeffekt, der Energie vernichtet.
Ein geringer Rollwiderstand sorgt also für ein zügiges Vorankommen und eine gute Agilität, der Fahrer spart zudem Energie. So rollen die Gravelbikes den Trekkingreifen durch die Bank davon, wobei Schwalbes G-One und Specialized besonders effizient arbeiten.
Beim Fahrkomfort arbeiten zwei Punkte Hand in Hand: Der Komfort selbst wird durch eine geschmeidige Reifenkonstruktion erzielt. Hier spielen die Gravelreifen in Summe ihre Stärke aus, wobei uns die Modelle von Rene Herse, Schwalbe und Specialized besonders gut gefallen haben.
Praxistest und Fahreigenschaften
Am Ende zeigt die echten Fahrqualitäten nur der Praxistest. Dazu wurden die Testmodelle auf Fahreindruck, Laufgeräusche, Komfort, Dämpfungsverhalten und Traktion überprüft. Für die Fahrdynamik besonders wichtig ist ein geringes Gewicht. Schließlich muss der Reifen nach jedem Ampelstopp oder einer Kurve wieder in Fahrt gebracht werden.
Bei den Gravelreifen haben wir am Ende drei Favoriten: Wer einen maximal traktionsstarken Reifen mit tollem Komfort sucht, aber bei der Pannensicherheit Einbußen in Kauf nimmt, greift zum Rene Herse. Im Trekkingsegment bieten Continental und Schwalbes Green Marathon eine durch die Bank solide Leistung ohne echte Schwäche, heimsen dadurch eine Empfehlung ein.
Winterreifen für Fahrräder
Fürs Fahrrad gibt es solche Gebote nicht. Dennoch können spezielle Reifen die Fahrt im Winter auch für Radler und Radlerinnen sicherer machen. Die richtige Wahl für: Radelnde, die ab und an auf verschneiten Wegen fahren.
Auf vereisten Flächen kommen aber auch herkömmliche Fahrrad-Winterreifen an ihre Grenzen. Etwas mehr Halt bieten nur Modelle mit Spikes.
Tipps für winterliche Fahrbedingungen
- Reifendruck reduzieren: Die einfachste Maßnahme, das Rad fit für winterliche Straßen zu machen: den Reifendruck des Standard-Reifens auf ein Minimum zu reduzieren. Dadurch erhält der Reifen eine breitere Auflagefläche und wird spürbar griffiger.
- Eis meiden: Großflächig blankes Eis macht eine sichere und kontrollierte Fahrt nahezu unmöglich.
- Fahrradbeleuchtung: Bei schlechten Sichtverhältnissen ist eine funktionstüchtige Fahrradbeleuchtung ganzjährig ein Muss.
- Akku warm halten: Die Akkus sind in einer frostfreien Umgebung am besten aufgehoben.
Empfehlenswerte Fahrradreifen im Überblick
Hier ist eine Zusammenfassung einiger empfohlener Fahrradreifen, basierend auf verschiedenen Tests und Nutzerbewertungen:
| Reifenmodell | Typ | Besondere Eigenschaften | Fazit |
|---|---|---|---|
| Schwalbe Marathon PLUS 14 Draht Reflex | Drahtreifen | Hohe Pannensicherheit, geringer Rollwiderstand, SmartGuard-Einlage | Überzeugt durch Haltbarkeit und geringen Rollwiderstand, ideal für E-Bikes |
| Continental Ride Tour | Drahtreifen | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, robust, für Gelände und City geeignet | Vielseitig einsetzbar, ideal für Pendler und Tourenfahrer |
| Schwalbe G-One Allround Performance | Faltreifen, Tubeless | Tubeless-kompatibel, hohe Pannensicherheit, gute Bodenhaftung | Hervorragende Bodenhaftung, für Asphalt und unebene Fahrbahn geeignet |
| Continental Grand Prix 4-Season | Rennradreifen | Hohe Reißfestigkeit, robustes Material, langlebig | Ideal für erfahrene Fahrer, die ein robustes und langlebiges Produkt suchen |
| Fincci Fahrradreifen | Drahtreifen, Faltbar | Pannensicher, gerilltes Profil für guten Grip | Sichere Fahrweise in unterschiedlichen Geländebedingungen |
| Schwalbe Marathon GreenGuard | Drahtreifen | Hoher Grip, pannensicher, für Trekking- und Crossbikes | Zuverlässige Wahl für alltägliches Radfahren oder längere Touren |
| Schwalbe Marathon Winter Plus | Winterreifen mit Spikes | Bietet guten Grip auf Eis und Schnee, Nachteil auf Asphalt | Für Radfahrer, die auch bei Eis und Schnee sicher unterwegs sein wollen |
Zubehör für Fahrradreifen
Oft sind Tuningteile teuer, sparen nur wenige Gramm, besitzen ein Gewichtslimit oder eine verringerte Lebensdauer. Beim Tausch der Reifen sollten auch gleich die Schläuche mitgewechselt werden, denn sie unterliegen ebenfalls einem Verschleiß. Zudem sollte man einen Blick auf die verschiedenen Materialien Butyl, Latex und TPU werfen.
- Felgenband: Hochwertige Felgenbänder reduzieren schon ab Werk das Pannenrisiko.
- Flickzeug: Für Butylschläuche hat sich Flickzeug von TipTop stehts bewährt.
- Luftdruckprüfer: Beste Performance gibt’s nur mit dem richtigen Luftdruck.
- Reifenheber: Intelligente Reifenheber wie der Maxalami NoodLever können mehr: Er hebelt nicht nur, sondern hat auch eine clevere De- und Montagefunktion.
- Schlauch: Ist der Schaden an Tubelessreifen oder Schlauch zu groß, hilft oft nur ein Ersatzschlauch.
- Standpumpe für die Werkstatt: Die große Standpumpe ist ideal für Werkstatt, Garage und Auto und macht das Aufpumpen zum Kinderspiel.
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