Irgendwann ist selbst der hochwertigste Fahrradreifen so abgenutzt, dass ein Wechsel erfolgen sollte. Obwohl bei den Komponenten eines Reifens bei den Herstellern hohe Qualitätsansprüche herrschen, kann das Material nach jahrelanger Nutzung durchaus ermüden. Hat man erkannt und entschieden, dass ein Wechsel erfolgen sollte, gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Viele Radfahrer suchen die Fahrradwerkstatt ihres Vertrauens auf und lassen den Reifen dort durch fachkundiges Personal austauschen. Ja, grundsätzlich kann ein Reifenwechsel in den meisten Fällen mit etwas Geschick und der passenden Anleitung auch selbst durchgeführt werden. Am Rennrad den Reifen oder Schlauch wechseln ist überhaupt kein Hexenwerk und mit ein bisschen Übung in 10 Minuten erledigt.
Wann sollte man den Reifen wechseln?
Wenn Dein Schlauch die Luft verliert, dann ist es natürlich ganz offensichtlich Zeit, den Schlauch zu wechseln. Aber wann sollte ein Reifen - also der Mantel - gewechselt werden? Das kommt ganz darauf an, wie viele Kilometer Du schon damit gefahren bist und welche Verschleißerscheinungen erkennbar sind. Einige Rennradreifen haben sogar eine praktische Verschleißanzeige, an der Du schnell sehen kannst, wann es Zeit für einen Wechsel ist.
Prinzipiell gilt: Spätestens, wenn Du eine größere Beschädigung am Reifen hast, das Gewebe des Reifens sichtbar ist oder der Reifen bereits „eckig“ aussieht (also die Lauffläche schon sehr abgefahren ist), dann solltest Du den Reifen aus Sicherheitsgründen wechseln.
Vorbereitung
Suchen Sie sich einen Platz, an dem Sie gut arbeiten können. Eine Garage oder ein Keller sind im Winter ideal, bei gutem Wetter können Sie den Reifen auch an der frischen Luft wechseln. Vor dem Wechsel sollte der Untergrund abgedeckt werden, z. B. mit einer Packdecke oder dünnem Karton, um Schäden wie Kratzer zu vermeiden.
Benötigte Werkzeuge und Materialien:
- Neuer Reifen und ggf. neuer Schlauch
- Zwei gute Reifenheber
- Pumpe (am besten Standpumpe)
- ggf. Montagefluid
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Laufrad ausbauen
Zuerst wird das Laufrad mit dem passenden Werkzeug gelöst. Beim Hinterrad achten Sie darauf, ob das Rad eine Schaltung besitzt. Auch Felgenbremsen müssen beim Demontieren berücksichtigt werden. Entfernen Sie das Hinterrad, stellen Sie zuvor den niedrigsten Gang ein.
Für Räder mit Felgenbremsen: Mach zunächst die Bremse auf - das geht mit einem kleinen Hebel direkt an der Bremse.
Für Räder mit Scheibenbremsen: Bei Scheibenbremsen darauf achten, die Bremse nicht zu betätigen, solange das Laufrad nicht eingebaut ist.
Falls Du Schlauch oder Reifen beim Hinterrad wechseln möchtest, am besten die Kette vorne auf das größte Blatt und hinten auf das kleinste Ritzel schalten. Danach den Schnellspanner oder die Steckachse lösen und das Laufrad ausbauen. Wichtig: Achtung, das Rad nie auf die Schaltung legen!
2. Reifen demontieren
Sobald Sie den Reifen erfolgreich aus dem Fahrradrahmen genommen haben, öffnen Sie das Ventil und lassen die Luft aus dem Schlauch. Anschließend wird der Reifen von der Felge gehebelt. Entscheidend hierbei: Beginnen Sie an der gegenüberliegenden Seite des Ventils und heben Sie den Schlauch nur an einer Seite des Reifens herunter.
Jetzt ist das Laufrad ausgebaut und das Fahrrad unfallfrei abgelegt. Jetzt brauchen wir die Reifenheber. Mit einem Reifenheber hebelst Du vorsichtig zwischen Reifen und Felge und ziehen den Mantel an dieser Stelle über die Felge. Wenn Dein Reifenheber einen entsprechenden Clip hat, kannst Du den Reifenheber an den Speichen einklemmen, damit Du beide Hände für den zweiten Reifenheber frei hast. Mit dem zweiten Reifenheber gehst Du ebenfalls vorsichtig unter den Mantel und ziehst ihn einmal rund um das Laufrad, damit der Mantel auf einer Seite komplett aus der Felge kommt.
3. Schlauch entfernen und Felgenband prüfen
Jetzt siehst Du den Schlauch im Inneren des Mantels. Zunächst prüfen, ob der Ventilring noch dran ist und gegebenenfalls entfernen - sonst kannst Du das Ventil nicht aus der Felge ziehen. Am Ventil beginnend können wir jetzt den Schlauch aus dem Mantel ziehen.
Sollte das Felgenband Schäden aufweisen, können Sie es bei dieser Gelegenheit austauschen. Typische Felgenbandschäden: Risse, Dellen oder Abrieb. Ein neues Felgenband kann relativ einfach angebracht werden.
Bei diesem Schritt kannst Du auch prüfen, ob Dein Felgenband in Ordnung ist.
4. Reifen vorbereiten
Bevor Du den neuen Schlauch einziehst, gehe erst gewissenhaft innen am Reifen und am Felgenbett entlang, um auszuschließen, dass sich dort noch ein Steinchen oder eine Scherbe verbirgt, die dann den nächsten Schlauch direkt beschädigt.
Pro-Tipp: Wenn Du schon dabei bist, schau, dass sich das Logo des Reifens direkt an der Ventilöffnung befindet - so findest Du das Ventil beim nächsten Aufpumpen oder bei der nächsten Panne schneller.
5. Neuen Schlauch einsetzen
Jetzt brauchen wir den neuen Schlauch. Das Ventil aufdrehen und mit wenigen Hüben aufpumpen, damit der Schlauch einigermaßen stabil seine Form behält. Dann wird zunächst das Ventil eingeführt in das Ventilloch der Felge und dann rundum der Schlauch in den Reifen mit den Händen gewalkt.
Pumpe den Schlauch leicht auf, bis er eine runde Form hat. Das Ventil durch die vorgesehene Bohrung der Felge stecken. Schlauch in den Reifen einlegen.
6. Reifen montieren
Wie beim Entfernen wird auch beim Aufziehen des neuen Reifens über eine Seite gearbeitet: Stülpen Sie den Reifen einseitig über die Felge. Der Schlauch wird nicht direkt komplett eingesetzt. Sie setzen zunächst nur das Stück ein, in dem sich das Ventil befindet.
Wenn der Schlauch komplett im Mantel liegt, kann der Reifen wieder auf die Felge gehebelt werden. Das geht normalerweise recht einfach, nur bei den letzten Zentimetern musst Du wahrscheinlich mit den Reifenhebern nachhelfen - aber Vorsicht: klemm‘ dabei den Schlauch nicht ein!
Überprüfen Sie die Laufrichtung des Fahrradreifens, indem Sie sich am Profil und dem Rotationspfeil, den Sie seitlich am Reifen finden, orientieren. Dann kommt die Reifenmontageflüssigkeit zum Einsatz.
Der Reifen wird über das Felgenhorn geschoben, soweit dies möglich ist. Das geht bis zu einem gewissen Grad mit der Hand, dann muss eventuell Werkzeug zum Einsatz kommen. Prüfen Sie, ob der Reifen wirklich gut auf der Felge sitzt.
7. Aufpumpen und Kontrolle
Am besten noch einmal mit den Händen rund um den Reifen gehen und etwas kneten, um sicherzustellen, dass der Schlauch ordentlich drinliegt und nicht verdreht oder eingeklemmt ist. Wenn Du den Schlauchwechsel unterwegs machen musst, dann einfach mit Deiner Minipumpe zumindest so lange pumpen, wie Luft hineingeht und der Reifen ohne große Verformung gefahren werden kann.
Wenn Sie sicher sind, dass das der Fall ist, kann der Schlauch nun aufgepumpt werden.
Zentriere den Reifen, bevor Du ihn bis zum gewünschten Druck aufpumpst. Benutze ein Manometer (z. B. Schwalbe Airmax Pro) um den Reifendruck einzustellen. Der zulässige Druckbereich ist auf der Reifenflanke angegeben.
Kontrolliere den Reifendruck mindestens einmal pro Monat mit einem Luftdruckprüfer.
8. Laufrad einbauen
Das runderneuerte Laufrad mit Reifen und Schlauch kann nun wieder am Fahrradrahmen bzw. in der Gabel montiert werden.
Tipps und Tricks
- Montagefluid verwenden: Unser Montagefluid Easy Fit lässt sich sehr einfach mit der praktischen Schwammdose- ohne Hilfsmittel und schmierige Finger - auf den Reifenwulst auftragen. Beim Aufpumpen gleitet der Reifenwulst dann leicht in die richtige Position auf der Felge. Nach ca. 10 Minuten verflüchtigt sich die Flüssigkeit vollständig.
- Tubeless-Felgenband: Wenn sich Fahrradreifen schwer montieren bzw. demontieren lassen, hilft in den meisten Fällen die Verwendung eines Tubeless-Felgenbands anstatt der üblich verbauten Standardfelgenbänder.
- Laufrichtung beachten: Bevor Sie aber beginnen, den neuen Fahrradreifen auf die Felge aufzuziehen, müssen Sie noch die Laufrichtung des Reifens beachten. Das Reifenprofil ist entsprechend der Laufrichtung ausgerichtet. Das heißt, nur in diese Richtung wird das Profil optimal "greifen" und während der Fahrt den nötigen Grip und Stabilität gewährleisten. Auf der Reifenflanke ist ein Pfeil mit einer Bezeichnung (z.B. Rotation) aufgedruckt.
- Beschädigungen vermeiden: Verwende zur Montage keine scharfen Montierhilfen. Achte dabei darauf, dass der Reifenwulst keinen Schaden nimmt. Immer nur ein kleines Stück hebeln und den Reifenheber lieber öfter ansetzen. Auf keinen Fall Reifenheber aus Metall verwenden.
- Reifendruck: Wir empfehlen einen Luftdruck von 6-7 bar am Vorderrad und ca. 7 bar am Hinterrad - je breiter der Reifen, desto geringere Drücke können gefahren werden, ohne Durchschläge zu riskieren. Jeder Reifen hat eine sogenannte Kennlinie. Sie sollte umlaufend mit gleichem Abstand zur Felge sichtbar sein. Falls das nicht der Fall ist, muss der Reifendruck erhöht werden, bis der Reifen richtig auf der Felge sitzt.
- Westwood-Felgen: Eine "Hakenfelge" ist heutzutage der Normalfall - also eine Felge, bei der die Felgenhörner oben mit einem Haken nach innen abschließen. Es gibt aber auch noch viele, sogenannte "Westwood" Felgen im Markt. Hollandräder sind z. B. häufig darauf unterwegs. Diese klassischen Felgen haben keinen Haken, der den Reifen festhält und zentriert. Zudem bestehen Westwood-Felgen aus Stahl mit einer sehr glatten Oberfläche. Diese Felgen erfordern bei der Montage besondere Aufmerksamkeit.
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