Mountainbike-Sättel für Damen: Ein umfassender Test

Machen wir uns nichts vor - Frauen sind untenrum anders gebaut als Männer. Darum liegt es auch nahe, dass Frauen andere Anforderungen an einen Fahrradsattel haben, als Männer. In diesem Beitrag erklären wir dir die Unterschiede zwischen einem Mountainbike Sattel für Männer und einem Mountainbike Sattel für Frauen.

Das weibliche Becken und seine Besonderheiten

Frauen sind im Becken deutlich beweglicher als Männer. Anatomisch bedingt liegt bei Frauen die Schambeinfuge (vordere Knorpelverbindung der beiden Beckenhälften) etwa um ein Viertel tiefer als bei Männern. Außerdem ist der Winkel der Schambeine zueinander größer. Aufgrund der Besonderheiten ihres Beckens leiden Frauen auf herkömmlichen Sätteln häufig unter Beschwerden an den Genitalien.

Das Becken macht den großen Unterschied zwischen Männern und Frauen, wie du hier nachlesen kannst. Bei Frauen ist das Becken so gebaut, dass sie Kinder gebären können. Daraus resultiert, dass bei Frauen der Schambeinbogen tiefer liegt als bei Männern.

Auswirkungen einer Schwangerschaft

Durch eine Schwangerschaft kann sich bei einer Frau das Becken verändern. Schon öfter haben wir von Frauen gehört, die nach einer Schwangerschaft plötzlich unbequem auf ihrem perfekt ausgemessenen Sattel sitzen, den sie sich vor der Schwangerschaft gekauft haben. Daher ist es zu empfehlen, nach einer Schwangerschaft den Sitzknochenabstand noch einmal zu überprüfen.

Die Bedeutung der richtigen Sattelform

Da die Beckenknochen V-förmig nach vorne zulaufen, muss der Sattel bei unterschiedlichen Sitzpositionen in der Lage sein den Sitzknochen eine ausreichend große Auflagefläche zu bieten. Da MTB-Fahrerinnen generell aufrechter auf ihrem Sattel sitzen, haben wir die Rampe am Sattelende weniger steil konzipiert. Zudem ist der Radius des Beinausschnittes so gewählt, dass der SM Women stets genügend Sitzfläche für eine dynamische Position hat.

Sattelnase und Sitzposition

Im Idealfall sitzt die Sattelnase bei einem Fahrradsattel für Damen etwas tiefer als der hintere Teil des Sattels. So wird gewährleistet, dass die Sattelnase nicht zu viel Druck auf das Schambein ausübt. Die Sattelnase lässt sich nach unten korrigieren.

Entlastung des Dammbereichs

Viele Hersteller verkaufen spezielle Fahrradsattel für Damen mit einem Loch in der Mitte. Dieses Loch soll den Druck auf den Schambereich / Dammbereich von Frauen mindern, denn wo nichts ist, kann auch nichts drücken. Es gibt eine Studie, die belegt, dass durch ausgeschnittene zu schmale Fahrradsättel den Satteldruck erhöhen. Letztlich musst du aber für dich selbst herausfinden, ob du eine Aussparung im Sattel als angenehm empfindest.

Der SM Women nimmt ihnen den Druck von den sensiblen Zonen: Der anatomisch ideal platzierte Entlastungskanal mit seiner Öffnung verhindert Taubheitsgefühle und Schmerzen. Nach intensiven Forschungen und Auswertungen des Feedbacks unserer Testfahrerinnen haben wir Entlastungskanal und -öffnung des SM Women berechnet und weit vorn platziert.

Sitzknochenabstand und Unisex-Sättel

Wie oben schon beschrieben, unterscheiden sich die Sitzknochen von Männern und Frauen kaum. Die Sitzknochen-Abstände sind bei Frauen und Männer jedoch relativ ähnlich. Es gibt sowohl Frauen mit einem weiten Sitzknochen-Abstand als auch Männer mit einem schmalen Sitzknochen-Abstand und umgekehrt. Aus diesem Grund kann mit dem richtigen Sitzknochenabstand auch ein Unisex-Fahrradsattel verwendet werden.

Die Vermessung der Sitzknochen

Die Sitzknochen können bei vielen Fahrradhändlern vermessen werden. Alternativ bietet der Ergonomieexperte SQlab auch ein kostenloses Vermessungskit an. Die Kölner Sportschule hat sogar bei einer Studie rausgefunden, dass der Fahrradsattel nicht an das Geschlecht angepasst werden muss, sondern an die Aktivität und den Sitzknochenabstand. Als Frau findest du also den richtigen Fahrradsattel zum Mountainbiken, in dem du einen MTB Sattel in der richtigen Größe auswählst.

Die Wahl des richtigen Sattels

Was wichtig ist, dass der Sattel die Sitzknochen stabil unterstützt und man nicht zu tief einsinkt. Ein guter Fahrradsattel für Damen muss nicht weich und möglichst breit sein. Er muss ausreichend hart sein und die perfekte Breite haben.

Um den Fahrradsattel ranken sich die Mythen wie um griechische Gottheiten: Ein weicher Sattel fährt sich komfortabler. Das Loch in der Mitte entlastet den Dammbereich. Legenden, die inzwischen allesamt widerlegt sind oder zumindest nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Fakt ist: Je länger ein Fahrer im Sattel sitzt, desto härter darf der Sattel gepolstert sein. Schon nach 30 Minuten sinkt der Körper so tief in ein zu weiches Polster, dass sich der Druck auf die empfindlichen Weichteile und tiefer liegende Muskelschichten unangenehm erhöhen kann.

Ein Loch in der Satteldecke kann die sensiblen Nervenbahnen entlasten, klar. Unsere Druckmessungen und eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln zeigen aber, dass an den Rändern der Aussparungen dafür hohe Lastspitzen auftreten können. Im Gelände kann das zu schmerzhaften Tritten in den Genitalbereich führen. Die Wahrheit ist: Der passende Fahrradsattel ist so individuell wie der persönliche Fingerabdruck.

Je sportlicher Sie auf dem Mountainbike sitzen, desto schmaler darf übrigens der Sattel sein. Bei gestreckter Sitzposition verlagert sich der Druck zunehmend auf die schmaler zulaufenden Schambeinäste. Ist der Sattel dagegen zu breit, rutscht der Fahrer automatisch nach vorne und muss sich aktiv wieder zurück auf die Sitzfläche schieben. Doch auch wenn die Sattelbreite zum Körperbau passt, sind Druckschmerzen und Taubheitsgefühle nicht auszuschließen. Auf einer stark gewölbten Satteldecke liegen die Sitzhöcker eventuell tiefer als der Dammbereich, und die Nerven werden irritiert. Eine Vertiefung in der Mitte des Sattels entlastet die Nervenbahnen und lässt das Blut besser zirkulieren.

Individuelle Anpassung und Testfahrten

Egal, welcher Sattel - wichtig ist es, ihn ausgiebig zu testen. Jeder Po ist unterschiedlich und in Kombination mit der Sitzposition auch unvergleichbar mit anderen. Viele Händler bieten daher an, dass Fahrradsattel über einen gewissen Zeitraum getestet werden können - ganz ohne Verbindlichkeiten. Frage einfach beim Fahrradhändler deines Vertrauens nach, ob du bei ihm auch einen Sattel austesten kannst.

Solange der Sattel zur Anatomie und der individuellen Sitzposition der Fahrerin passt, kommen Frauen auch bestens mit Unisex-Sätteln zurecht.

Überblick über getestete MTB-Sättel

Hier ist eine Übersicht einiger getesteter MTB-Sättel, die für Touren-Biker geeignet sind:

SattelPreisGewichtGestellVerstellbereichBreiten / Nutzbare BreiteAusstattung / Optionen
Ergon SM Pro Men109,95 Euro255 grTiNox75 mmS/M; M/L / 126/140 mmZubehöraufnahme / drei Farben und zwei Breiten verfügbar
Fabric Scoop Race Shallow89,90 Euro255 grTitan65 mmFlat / Shallow / Radius / 100 / 110 / 123 mmJe nach Sitzposition in drei Shapes erhältlich / versch. Gestelle und Farben
Fizik Gravita Alpaca X579 Euro224 grAlu60 mm130 / 110 mmCarbon-Nylon-Schale; Zubehöraufnahme
Natural Fit Venec+89,95 Euro291 grCrMo60 mmRegular / Large / 115 / 120 mmGlasfaserschale; Zubehöraufnahme / auch als Damenversion erhältlich
Procraft Tour S26,90 Euro304 grCrMo50 mm158 mm / 132 mmAuch in einer Variante ohne Loch erhältlich
Pro Turnix Gel94,95 Euro303 grEdelstahl50 mm142/152 cm / 116/122 mmGlasfaserverstärkte Schale; Zubehörmontageoption / Carbon - Gestell
Selle Italia SLR Boost X-Cross Superflow224,90 Euro198 grTitan65 mm130/145 mm / 115/125 mmFaserverstärkte Schale; Stoßdämpfer im Gestell
Selle San Marco GND Supercomfort Racing159 Euro204 grXsilite50 mmNarrow / Wide / 124 / 134 mmCarbon-verstärkte Schale; Geleinsatz / zahlreiche Ausführungen in dieser Form
SQlab 60X Ergowave Active149,95 Euro268 grS-Tube60 mm13 / 14 / 15 / 16 cm / 133 / 143 / 150 / 155 mmKevlar-Flanken; Elastomere in drei unterschiedlichen Härtegraden
Syncros Tofino R 1.0149,95 Euro193 grCarbon (7 x 9 mm)60 mm135 mm / 115 mmZubehöraufnahme / auch als Lochsattel und mit versch. Gestellen erhältlich

Unsere Testbriefe zeigen zwar die nutzbare Breite, die Härte der Polsterung und wie gut der Dammbereich beim jeweiligen Modell entlastet wird. Den perfekten Sattel finden Biker aber nach wie vor nur durch eine ausgiebige Probefahrt.

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