Um den Fahrradsattel ranken sich die Mythen wie um griechische Gottheiten: Ein weicher Sattel fährt sich komfortabler. Das Loch in der Mitte entlastet den Dammbereich. Legenden, die inzwischen allesamt widerlegt sind oder zumindest nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Die Wahrheit ist: Der passende Fahrradsattel ist so individuell wie der persönliche Fingerabdruck.
In diesem Artikel erfahren Sie, worauf Sie beim Kauf eines Fahrradsattels achten sollten, welche ergonomischen Besonderheiten in Bezug auf den gesundheitlichen Nutzen wichtig sind, und wie der Komfort der Sättel entsprechend ihrem Einsatzgebiet variiert. Tipp: In der Rubrik „Sattelvergleich“ können Sie dann Ihre Favoriten vergleichen und den am besten passenden Sattel herausfiltern.
Worauf Sie beim Kauf eines Fahrradsattels achten sollten
Der beste Sattel nützt nichts, wenn er falsch montiert und eingestellt wird. Auch die „Sattelhöhe“ ist ein wichtiges Kriterium, damit beim Radfahren Freude aufkommt. Viele Sattelhersteller bieten mittlerweile ihre Sattelmodelle in verschiedenen Breiten an.
Härtegrad der Polsterung
Fakt ist: Je länger ein Fahrer im Sattel sitzt, desto härter darf der Sattel gepolstert sein. Schon nach 30 Minuten sinkt der Körper so tief in ein zu weiches Polster, dass sich der Druck auf die empfindlichen Weichteile und tiefer liegende Muskelschichten unangenehm erhöhen kann. Sportsättel sind straffer gepolstert, können aber trotzdem komfortabel sein.
Satteltypen und ihre Einsatzgebiete
Die Anforderungen an Deinen MTB-Sattel hängen vom genauen Einsatzgebiet und Deiner Anatomie ab. Je sportlicher Sie auf dem Mountainbike sitzen, desto schmaler darf übrigens der Sattel sein. Bei gestreckter Sitzposition verlagert sich der Druck zunehmend auf die schmaler zulaufenden Schambeinäste. Ist der Sattel dagegen zu breit, rutscht der Fahrer automatisch nach vorne und muss sich aktiv wieder zurück auf die Sitzfläche schieben.
Hier eine Übersicht über verschiedene Satteltypen und ihre typischen Einsatzgebiete:
- City: Holland- und Tourenrad mit aufrechter Sitzposition
- Tour: Trekkingbike, Reiserad und bequemes MTB
- Sport: Mountainbike, Rennrad und Gravelbike
Sportliche Sättel für Rennräder, Gravelbikes und Mountainbikes haben oft eine Obergrenze von 100 kg. Bei Trekkingrädern und Citybikes sind überwiegend Sättel bis 120 kg verbaut.
Sattelbreite
Der wichtigste und am einfachsten zu bestimmende Parameter, um einen bequemen Sattel fürs MTB zu finden, ist die richtige Sattelbreite. Ist der Sattel zu schmal, liegen die Sitzknochen nicht optimal auf der Sitzfläche auf und Schmerzen oder Taubheitsgefühle sind oft die Folge. Ist der Sattel zu breit, reibt er an den Oberschenkeln und/oder Du rutschst beim Treten ständig nach vorne.
In unserem Artikel: Sitzknochenabstand zuhause messen erklären wir Dir, wie Du den Sitzknochenabstand ermittelst und worauf Du achten solltest, um die richtige Sattelbreite zu finden. Er gibt Dir mehr Bewegungsfreiheit. Dasselbe gilt, wenn Du mit einer gestreckten Sitzposition Cross-Country oder Marathon fährst: Der Druck wird in dieser Position weiter auf dem Sattel nach vorne verlagert. Hier stehen die Knochen enger zusammen und Dein Sattel darf schmaler ausfallen. Zudem hast Du mehr Druck auf den Händen - und bei einer ambitionierten Fahrweise zusätzlich auf den Pedalen, also den Füßen - sodass der Sitzbereich weniger von Deinem Körpergewicht tragen muss.
Ergonomische Besonderheiten und gesundheitlicher Nutzen
Die medizinischen Sättel sind meist so konstruiert dass der Dammbereich zu 100% entlastet wird. Am besten geeignet sind diese Sättel für Fahrräder mit aufrechter Sitzposition. Der Kontakt und die Führung zum Fahrrad geht durch die fehlende Sattelnase verloren. Ausser beim SQlab Sattel 600 active, dieser besitzt eine tiefergelegte Sattelnase.
Doch auch wenn die Sattelbreite zum Körperbau passt, sind Druckschmerzen und Taubheitsgefühle nicht auszuschließen. Auf einer stark gewölbten Satteldecke liegen die Sitzhöcker eventuell tiefer als der Dammbereich, und die Nerven werden irritiert. Eine Vertiefung in der Mitte des Sattels entlastet die Nervenbahnen und lässt das Blut besser zirkulieren. Unsere Testbriefe zeigen zwar die nutzbare Breite, die Härte der Polsterung und wie gut der Dammbereich beim jeweiligen Modell entlastet wird. Den perfekten Sattel finden Biker aber nach wie vor nur durch eine ausgiebige Probefahrt.
Entlastung des Dammbereichs
Ein Loch in der Satteldecke kann die sensiblen Nervenbahnen entlasten, klar. Unsere Druckmessungen und eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln zeigen aber, dass an den Rändern der Aussparungen dafür hohe Lastspitzen auftreten können. Im Gelände kann das zu schmerzhaften Tritten in den Genitalbereich führen.
Es gibt verschiedene Satteldesigns, die darauf abzielen, den Dammbereich zu entlasten:
- Lochsättel: Sie haben eine Aussparung, um die empfindlichen Stellen unterhalb des Schambeinbogens zu entlasten. Sie eignen sich für Fahrer/innen, die häufig Taubheitsgefühle bekommen, aber keine Probleme mit Druck im Dammbereich haben.
- Stufensättel: Bei diesen Sätteln ist der hintere breite Teil des Sattels höher, der vordere Teil liegt tiefer. Der Fahrer sitzt mit seinen Sitzknochen auf dem erhöhten hinteren Teil, wodurch weniger Gewicht auf dem Dammbereich und den Genitalien lastet. Stufensättel können den Druck je nach Modell um bis zu 80 Prozent reduzieren und eignen sich sowohl für Männer als auch für Frauen, besonders für Radfahrer, die bei konventionellen Sätteln Schmerzen oder Taubheitsgefühle haben.
- Spaltensättel: Die Sattelnase ist zweigeteilt mit einem Spalt dazwischen. Ähnlich wie beim Lochsattel verhindert der Spaltensattel Taubheitsgefühle, allerdings darf der Fahrer nicht druckempfindlich an den Seiten des Dammbereiches sein.
Die richtige Sattelform
Der schwierigste Faktor beim Finden eines bequemen MTB-Sattels ist wohl die richtige Form. Je nach Herstellerkonzept unterscheidet sie sich in verschiedenen Aspekten: in der Ansicht von oben, von der Seite und von vorne. Allen Konzepten gemein ist das Ziel, den besten (individuellen) Kompromiss aus Komfort, Druckverteilung und Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Hier geben wir Dir einen Überblick, worauf Du achten kannst:
- Die Ansicht des Sattels von oben kann eher einem „V" oder einem „Y" gleichen. Diese Ausprägung beeinflusst maßgeblich die Beinfreiheit beim Pedalieren, die Druckverteilung im mittleren Bereich des Sattels und Deine Bewegungsfreiheit in der Abfahrt. Je Y-förmiger, desto mehr Beinfreiheit hast Du und desto mehr liegt der Druck auf den Sitzknochen. Je V-förmiger der MTB-Sattel, desto weniger frei sind Deine Oberschenkelinnenseiten beim Pedalieren, dafür verteilt sich der Druck in einer sportlichen Sitzposition (oder beim Sitzen auf der Sattelnase) gleichmäßiger und der Sattel kann in der Abfahrt besser an Deinen Oberschenkeln entlanggleiten.
- Die Ansicht des Sattels von der Seite, also ein Längsschnitt durch den Sattel, kann einer gerade Linie gleichen oder eine geschwungene Form mit einem leicht hochgezogenen Heck haben. Eine gerade Linie verteilt den Druck gleichmäßiger und lässt kleine Anpassungen Deiner Sitzposition nach vorne oder hinten einfacher zu. Die geschwungene Form hingegen kann helfen, etwas mehr Druck in den hinteren Bereich des Sattels zu bringen und den vorderen Bereich zu entlasten. Die geschwungene Form gibt Deine Sitzposition allerdings stärker vor.
- Die Ansicht der Sitzfläche des Sattels von vorne, also ein Querschnitt durch die Sitzfläche, kann eine gewölbte Form oder eine flache Form aufweisen. Ist die Sitzfläche runder beziehungsweise gewölbter, bedeutet das, dass die Sitzfläche von der Mitte zu den Seiten stärker abfällt. Dadurch verteilt sich der Druck gleichmäßiger auf dem Sattel und das ist vorteilhaft, wenn Du empfindliche Sitzknochen hast. Empfindest Du häufig zu hohen Druck oder Taubheit im Damm- oder Genitalbereich, ist diese Form nicht optimal für Dich. Ein flacher Sattel ist dann besser, denn er verteilt das Körpergewicht stärker auf die Sitzknochen und kann so den sensiblen Weichteilbereich entlasten.
Materialien
Carbon ermöglichen die Konstruktion leichterer Sattel-Rails, das Material ist allerdings recht teuer. Stahl hingegen ist robust und preisgünstig, bricht aber beim Gewicht keine Rekorde. Titan oder Aluminiumlegierungen liegen in Bezug auf Preis und Gewicht zwischen Carbon und Stahl.
Die Sattelschale bildet das Fundament und ist je nach Auslegung entweder sehr steif oder gezielt flexibel. Bei sehr leichten und hochwertigen Sätteln sind nicht nur die Rails, sondern auch die Schale aus Carbon. Gezielter Flex sorgt bei wenig oder gar nicht gepolsterten Sätteln für etwas Komfort.
Die meisten MTB-Sättel kommen mit Kunstleder, Polyester oder Mikrofaser-Materialien. Sie sind robust und pflegeleicht. Grundsätzlich gilt: Je glatter die Oberfläche, desto leichter die Reinigung. Und je rauer die Oberfläche, desto weniger rutschst Du.
Komfort der Sättel entsprechend ihrem Einsatzgebiet
Wer mit seinem Fahrrad längere Radtouren oder sogar mehrtägige Radreisen unternimmt muss auf jeden Fall seinen Fahrradsattel schon längere Zeit getestet haben.
Hier sind einige Modelle von verschiedenen Herstellern für unterschiedliche Einsatzbereiche:
- Ergon: ST Core Prime (Tourenfahrer), SC Core (Damen und Herren)
- Terry: Anatomica (Damen und Herren)
- SQlab: 621 M-D Active (aufrechte Sitzposition)
- Selle Royal: Torx Relaxed (aufrechte Sitzposition, Breite von 25cm)
Spezielle Satteltypen
- Kernledersättel: Diese Sättel bestehen aus Leder und passen sich an die Anatomie des Menschen an. Sie sind langlebig, benötigen aber regelmäßige Pflege und eine Einfahrzeit.
- Standardsättel: Sie haben eine flache Sitzfläche und eignen sich für alle Arten von Fahrrädern.
- Rocksättel: Sie wurden ursprünglich für Damen entwickelt, die mit Kleid Rad fahren.
Sattel für Alltagsfahrer
Der Alltagsfahrer nutzt sein Fahrrad täglich ob zum einkaufen oder für den Weg zur Arbeit. Dabei werden meist kurze bis mittlere Strecken zurückgelegt. Meist fährt der Alltagsradler in konventioneller Freizeitkleidung. Für diesen Einsatzbereich haben sich breitere Fahrradsättel bewährt. Je aufrechter der Oberkörper desto breiter darf der Sattel sein.
MTB-Sättel im Test: Empfehlungen für verschiedene Fahrstile
Unsere Testbriefe zeigen zwar die nutzbare Breite, die Härte der Polsterung und wie gut der Dammbereich beim jeweiligen Modell entlastet wird. Den perfekten Sattel finden Biker aber nach wie vor nur durch eine ausgiebige Probefahrt. Auf einen Test spezieller Damenmodelle haben wir übrigens bewusst verzichtet. Solange der Sattel zur Anatomie und der individuellen Sitzposition der Fahrerin passt, kommen Frauen auch bestens mit Unisex-Sätteln zurecht.
Hier eine Auswahl von getesteten MTB-Sätteln, unterteilt nach Einsatzgebiet:
MTB-Sättel für Touren-Biker
Diese Sättel bieten Komfort und Unterstützung für lange Ausfahrten im Gelände.
- Ergon SM Pro Men: Bietet viel Druck auf die Sitzhöcker und entlastet den Dammbereich.
- Fabric Scoop Race Shallow: Straffe Polsterung und leicht geschwungene Form für verschiedene Sitzpositionen.
- Fizik Gravita Alpaca X5: Kurzer, schmaler Sattel mit harter Polsterung für Enduro-Einsätze.
- Natural Fit Venec+: Komfortabel gepolsterter Sattel für aufrechte Sitzposition.
- Procraft Tour S: Preiswerter Sattel mit dicker Polsterung für kurze Ausritte.
- Pro Turnix Gel: Straffe Polsterung und schmale Sattelnase für sportliche Fahrer.
- Selle Italia SLR Boost X-Cross Superflow: Kurzer, schmaler Schnitt mit flexibler Sattelschale.
- Selle San Marco GND Supercomfort Racing: Geschwungene Form für sportliche Haltung.
- SQlab 60X Ergowave Active: Stufenkonzept für vollständige Entlastung des Dammbereichs.
- Syncros Tofino R 1.0: Sportlich-straffer Sattel für Vielfahrer und lange Touren.
MTB-Sättel für Race- und Marathon-Biker
Diese Sättel sind leicht und bieten eine effiziente Kraftübertragung für schnelle Rennen.
- Fabric ALM Ultimate Shallow: Carbon-Gestell und -Schale mit leichter Blattfederwirkung.
- Fizik Tundra M5 VS: Schmaler Sattel mit flachem Kanal und guter Druckverteilung.
- Merida Expert CC: Günstiger Race-Sattel mit klassischer Form.
- Pro Stealth Offroad: Kurze, breite Nase mit großzügiger Aussparung für gute Entlastung.
- Selle Italia X-LR Kit Carbonio SuperFlow: Stark gewölbte Sitzfläche für sportliche Fahrposition.
- Selle San Marco Sella Allroad Openfit CFX: Leicht geschwungene Form mit guter Unterstützung.
- Selle SMP Drakon: Ergonomisch geformter Sattel mit großem Entlastungskanal.
- Specialized Power S-Works: Kurzer Sattel mit breiter Nase für aggressive Sitzposition.
- SQlab 612 Ergowave R: Stufenförmiger Sattel mit guter Druckverteilung.
- Syncros Belcarra R 1.0: Leichter Sattel mit flacher Form und guter Kraftübertragung.
Die richtige Satteleinstellung
Die richtige Satteleinstellung am Mountainbike ist essenziell. Der beste MTB-Sattel bringt nichts, wenn Neigung oder Höhe nicht passen. Die persönlichen Vorlieben spielen hier genauso eine Rolle wie der Einsatzzweck und die weitere Einstellung des MTBs. In unserem 1x1 der Fahrradergonomie gehen wir dazu ins Detail.
Eine kleine Besonderheit bei der Einstellung Deines neuen MTB-Sattels solltest Du noch beachten: Sobald Du Dich aufs Rad setzt, federn Federgabel und Dämpfer ein (insofern Du sie nicht komplett blockiert hast). Durch das Einfedern ändert sich die Bike-Geometrie und damit auch die Sattelneigung. Stelle zu Beginn den Sattel so ein, dass die Sattel-Oberfläche parallel zum Boden steht! Von dieser Einstellung ausgehend kannst Du kleine Anpassungen vornehmen - je nachdem, ob Du das Gefühl hast, vorne oder hinten am Sattel zu viel Druck zu verspüren oder ständig ungewollt vor- beziehungsweise zurückzurutschen.
Weitere Tipps
- Alte Radfahrer Weisheit! Je weicher der Sattel desto größer der Schmerz.
- Fahrradsattel-Ratgeber Fazit! Aus meiner Sicht können Männer wenn sie die richtige Sattelbreite wählen auch einen Damensattel fahren. Vor allem durch die kürzere Sattelnase wird der Dammbereich entlastet.
Solange der Sattel zur Anatomie und der individuellen Sitzposition der Fahrerin passt, kommen Frauen auch bestens mit Unisex-Sätteln zurecht.
Ich hoffe, dieser umfassende Artikel hilft Ihnen, den perfekten Fahrradsattel für Ihr Mountainbike zu finden!
| Sattel | Einsatzbereich | Besondere Merkmale |
|---|---|---|
| Ergon SM Pro Men | Tour | Hohe Druckentlastung im Dammbereich |
| Fabric Scoop Race Shallow | Tour | Anpassbare Sitzpositionen |
| Fizik Gravita Alpaca X5 | Enduro | Kurz und schmal für viel Bewegungsfreiheit |
| SQlab 60X Ergowave Active | Tour | Stufenkonzept für maximale Entlastung |
| Fabric ALM Ultimate Shallow | Race | Sehr leicht, Carbon-Konstruktion |
| Fizik Tundra M5 VS | Race | Gute Druckverteilung, schmal |
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