Bikeschuhe haben es nicht leicht: Sie werden bei jedem Wetter mit Steinen bombardiert, mit Schlamm und Wasser getränkt und anschließend auf der Heizung getrocknet. Sobald sie dann kaputtgehen, beschwert sich jeder online über die schlechte Haltbarkeit.
Manche Fahrer wandern auf der Suche nach epischen Erstbefahrungen stundenlang mit geschultertem Bike, andere kämpfen vor Millionenpublikum in internationalen Rennen um Millisekunden, während wieder andere einfach nur eine kleine Runde durch den Wald fahren wollen, um danach mit ihren Freunden im Pub zu sitzen. Was haben all diese Leute gemein? Sie tragen die gleichen Schuhe.
Auf der Suche nach dem besten Clipless-Mountainbike-Schuh wurden 6 der besten Modelle miteinander verglichen. Das war nicht ganz einfach, denn das Leben mit einem Schuh kann wie eine schlechte Beziehung sein: Erst neu und spannend, dann wird es angenehm, bevor zu guter Letzt alles auseinanderbricht.
Um mit Sicherheit alle Höhen und Tiefen mit unseren Schuhen erlebt zu haben, wurden sie eine ganze Saison lang getestet. Durch Wind und Wetter, bei strahlender Sonne und bei Schneegestöber wurden insgesamt über 3.000 km zurückgelegt und die Schuhe in vielerlei Hinsicht schlecht behandelt. Ein guter Mountainbike-Schuh sollte leicht und bequem sein und schnell trocknen.
Was macht einen guten Mountainbike-Schuh aus?
Ein guter Mountainbike-Schuh sollte:
- Leicht und bequem sein
- Schnell trocknen
- Leicht anzupassen sein
- Eine steife Sohle für effizientes Treten haben, aber flexibel genug zum Gehen
- Genug Grip für kurze Wanderungen durch Matsch bieten
- Aussparungen für Cleats haben, die leicht einstellbar sind und viele verschiedene Cleat-Positionen erlauben
- Ein Schnürsystem haben, das präzise Einstellungen ermöglicht, ohne Druckstellen zu erzeugen
- Einen coolen Look haben
Genau wie bei Carbon-Laufrädern oder -Rahmen ist steif gut, zu steif aber schlecht. In allen Clipless-Trailschuhen verläuft in der Sohle ein Schaft, der die Steifigkeit gewährleistet, die man braucht, um die Kraft der Beine auf die Pedale zu übertragen. Ist die Sohle jedoch zu hart, wird der Schuh beim Gehen unbequem und auch auf dem Rad verliert man das Feingefühl, Stichwort „tanzen in Skistiefeln“.
Wie wichtig ist die Trocknungszeit?
Kaum etwas versinnbildlicht Biken im Winter mehr als der Moment, wenn man morgens in ein noch kaltes und nasses Paar Schuhe schlüpft. Diesem schrecklichen Gefühl entgeht man nur, wenn der Schuh möglichst wenig Wasser absorbiert.
Um zu bestimmen, welche Schuhe am schnellsten trocknen, wurde gemessen, wie viel Wasser jeder Schuh nach einer Minute im Wasser aufgenommen hat. Danach wurden die Schuhe wie in einem typischen Vorraum bei konstanten 17°C getrocknet, um zu sehen, wie lange es dauert.
Mit Abstand am schlechtesten haben die Five Ten Hellcat abgeschnitten: Mit mehr als einem halben Liter aufgenommener Flüssigkeit pro Paar - das ist mehr als 6-mal so viel wie die Konkurrenz von Shimano und Specialized - waren sie selbst nach 5 Tagen Trocknen noch sehr nass. Der Rest der Gruppe liegt näher beieinander, aber am besten haben sich der Shimano SH ME7 und der Specialized 2FO Cliplite geschlagen. Beide haben nur ungefähr 50 ml pro Schuh aufgesaugt und sind schnell getrocknet.
Testergebnisse und Empfehlungen
Nach einer kompletten Bike-Saison ist es an der Zeit, einen Gewinner zu küren. Die Five Ten Hellcat scheiden aufgrund ihres schlechten Verhaltens bei Nässe leider aus. Bei allen Testern kam die angenehm gepolsterte Passform der Mavic XA Elite sehr gut an und auch der Preis ist sehr verlockend. Allerdings ist die sehr steife Sohle bei längeren Wanderungen unbequem.
Die Shimano SH ME7 und der Giro Terraduro Mid bieten beide beeindruckende Wetterfestigkeit und ermöglichen kraftvolles Pedalieren, aber es sind der Boa-Verschluss und die leichte Bauweise, die dem Specialized 2FO Cliplite den Testsieg einbringen. Allerdings treibt einem der Preis von 219,95 € Tränen in die Augen. Der ION Rascal punktet mit seiner super Balance aus On- und Off-Bike-Performance, dem fairen Preis und seiner grandiosen Optik.
Warum sind spezielle Radschuhe sinnvoll?
Mit richtigen Schuhen macht Radfahren noch mehr Spaß: Man fährt schneller, ermüdet langsamer und die Gelenke werden geschont. Alle Radschuhe haben eine steife Sohle. Sie verteilt die Kraftübertragung auf den gesamten Fuß und entlastet so die Bereiche, die auf dem Pedal aufliegen.
Viele Radschuhe können mit Pedalplatten (auch engl. Cleats genannt) ausgerüstet werden. Zusammen mit entsprechenden Pedalen als Gegenstück fährt man so »eingeklickt«: Schuh und Pedal sind nach dem ersten Eindrücken verbunden. So drückt man beim Pedalieren nicht nur auf das Pedal, sondern zieht es auch hoch. Zudem sitzt der Fuß immer an der optimalen Stelle am Pedal.
Zum Lösen der Verbindung wird die Ferse zur Seite gedreht. Viele Radfahrer fallen mindestens einmal um, weil sie bei den ersten Ausfahrten das Ausklicken beim Anhalten vergessen. Wer das beherrscht, man lernt es mit etwas Übung schnell, möchte wahrscheinlich nicht mehr ohne fahren.
SPD-System: Eine gute Wahl für Radreisen und Pendelstrecken
Es gibt mehrere Systeme für die Verbindung von Schuh und Pedal. Weitverbreitet und auch für Radreisen und Pendelstrecken geeignet ist das System SPD (Shimano Pedaling Dynamics). Im Unterschied zu bei Rennradfahrern verbreiteten Systemen erlaubt SPD eine versenkte Integration der Pedalplatte aus Metall in die Sohle. So läuft man mit den Schuhen, ohne dass die Pedalplatten auf dem Boden klackern. Wir haben daher nur Schuhe getestet, die für SPD-Pedalplatten geeignet sind.
Die Qual der Wahl: Welcher Schuh für welchen Einsatz?
Bei diesem Test kann es keinen Sieger geben. Alle Schuhe eignen sich für ihren Einsatzzweck - und jeweils ein Stück darüber hinaus.
Es gibt auch Alternativen zu echten Radschuhen, wie die kürzlich neu vorgestellten Klickpedal-Adapter ClipClap Explore. Sie bestehen aus einer Platte, die unten SPD-Pedalplatten aufnimmt. Oben sind sie mit breiten Klettstreifen versehen. Das Prinzip: Man bindet diese Adapter unter Straßenschuhe und kann so in eingeklickt fahren. Das funktioniert im Prinzip gut.
Weitere Aspekte bei der Wahl des richtigen MTB-Schuhs
Wer einen Mountainbike-Schuh sucht, verliert leicht den Überblick. Allerdings lassen sich die Modelle durchaus in verschiedene Kategorien einteilen. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Aspekte: Erstens die Sohle, zweitens der Schaft und drittens die Schnürung.
Sohle
Grundsätzlich besitzen Mountainbike-Schuhe mehr Profil wie etwa die Modelle aus dem Rennradbereich. Schließlich muss man beim Biken immer wieder kurze Distanzen zu Fuß zurücklegen - und dafür braucht es eben den nötigen Grip. Die Stärke des Profils orientiert sich dabei am Gelände. Wer zum Beispiel bevorzugt im Hochgebirge oder auf Geröllpisten mit Hindernissen fährt, benötigt grobe Stollen, für einfache Hügeltrails hingegen reichen flache Nocken. Wichtig ist zudem die Härte der Sohle. Konkret: Je schwieriger das Gelände, desto härter und verwindungssteifer sollte die Sohle sein. Das ist zwar nicht allzu bequem, dafür aber sicherer. Zudem überträgt ein harter Schuh die Kraft besser auf die Pedale.
Schaft
Durchaus vergleichbar ist die Problematik beim Schaft. Das heißt: Leider muss man sich zwischen Tragekomfort und Stabilität entscheiden. Bequemer sind sicher Modelle, deren Schaft kaum über den Knöchel reicht. Allerdings ist die Verletzungsgefahr - etwa durch Umknicken - hier relativ groß. Sie eignen sich deshalb im Grunde nur für Freizeitfahrten. In schwierigem Terrain hingegen sollte ein hoher Schaft Pflicht sein. Auch das ist unbequem, dafür wird der Fuß in aller Regel ziemlich gut fixiert - etwa bei heftigen Sprüngen oder bei der Überquerung unzugänglicher Felspassagen.
Schnürung
Bleibt zu guter Letzt noch die Frage nach der Schnürung. Hier hat man die Wahl zwischen zwei Systemen. Zum einen gibt es nach wie vor klassische Schnürsenkel, mit denen sich der Schuh zumindest einigermaßen individuell an die Fußform anpassen lässt. Und zum amderen kommen immer mehr Modelle mit Klett- oder Ratschenverschluss auf den Markt.
Klickpedale vs. Flatpedale
Die Wahl zwischen Klickpedalen und Flatpedalen hängt vom Fahrstil und den Vorlieben ab.
Klickpedale
Sie haben meist die steifere Sohle und bringen die Kraft besser aufs Pedal, das spart auf langen Touren Körner. Außerdem muss man nicht ständig nach der optimalen Position auf dem Pedal suchen und kann sich voll auf den Trail konzentrieren. Aktuelle Modelle sind längst keine steifen “Stöckelschuhe” mehr. Griffige Sohlen, angenehme Laufeigenschaften und lässige Optik - Fahrradschuhe mit Klicksystem sind für mich die optimalen Allrounder für lange Touren.
Flatpedale
Wer es nicht eilig hat, sollte auf Flat-Schuhe setzen. Sie fördern einen aktiven Fahrstil, weil man für die Verbindung mit dem Bike eine Bogenspannung zwischen Fuß, Beinen, Rumpf und Armen erzeugen muss. So agiert man mehr, als sich mit einem defensiven Fahrstil auf die mechanische Verbindung zu verlassen. An kritischen Stellen kann ich zudem schnell den Fuß absetzen, dadurch bin ich mental offensiver. Schiebepassagen lassen sich ohne Cleats an der Sohle auch besser meistern.
Die wichtigsten Eigenschaften von Touren-Fahrradschuhen
Die Optik von Touren-Fahrradschuhen geht immer mehr von Wander-Boots zu Sneakern. Die Kernkompetenzen bleiben aber gleich: gute Kraftübertragung, Schutz vor Felskontakt, Grip und Komfort auf Schiebepassagen. Die wichtigsten Eigenschaften im Detail.
- Schutz: Eine TPU-verstärkte Zehenkappe bieten die meisten Schuhe. Wer mehr Schutz möchte, sollte ein Modell mit innen hochgezogenem Knöchelbereich wählen. Strick- oder Neopren-Gamaschen verhindern, dass Schmutz in den Schuh gelangt und Reibung verursacht.
- Mesh-Einsätze oder Laser-Cuts: Mesh-Einsätze oder Laser-Cuts verbessern die Belüftung an heißen Tagen und verhindern, dass man im eigenen Saft steht. Wer mehr Schutz vor Schlamm und Spritzwasser sucht, sollte auf nahtloses und geschlossenes Obermaterial setzen.
- Schnürung: Erstaunlich viele Hersteller gehen wieder zurück zur klassischen Schnürung. Vorteil: So lässt sich der Bike-Schuh über den kompletten Spann perfekt an den Fuß anpassen. Das gelingt mit den praktischeren Drehverschlüssen nicht immer. Zudem sind Boa und Co schmutz- und defektanfällig und unterwegs kaum zu reparieren. Dafür lassen sie sich auch während der Fahrt feinjustieren. Hochwertige Schnürsenkel sind ein Muss, an den Testschuhen fransen sie teils schon bei Kontakt mit den Klettverschlüssen aus. Tipp: Fädelt man die Schnürsenkel von außen nach innen, verbessert das den Halt erheblich.
- Laufsohle: Je steifer die Sohle, desto besser kommt die Kraft aufs Pedal. Umso schlechter rollt der MTB-Schuh in der Regel aber auch ab. Beim Schieben schlüpft dann schon mal die Ferse halb aus dem Schuh. Ein aufgebogener oder weicherer Zehenbereich verhindert Schlupf. Richtig grobes Profil, das auch auf felsigem Grund Halt gibt, bieten nur noch wenige Modelle. Für Alpen-Touren sollte man aber unbedingt ein Modell mit griffigem Gummi und ausreichend Profil wählen.
- Montagebereich: Laut Ergonomieexperten sollten die Cleats etwa unter den Zehen-Grundgelenken montiert sein. Je weiter vorne, desto besser ist die Kraftübertragung aufs Pedal. Wer eher bergab unterwegs ist, platziert die Cleats weiter hinten für einen stabileren Stand. Das entlastet auch die Muskulatur in der Abfahrt. Ein möglichst langer und abgeflachter Cleat-Kanal erleichtert den Einstieg ins Pedal und verbessert die Selbstreinigung bei schlammigen Bedingungen.
- Die Einlegesohle: Die Einlegesohle ist maßgeblich für den Tragekomfort verantwortlich. Hier sparen viele Hersteller. Gute Sohlen gibt es bei Fox, Scott oder Specialized. Wer mehr Komfort und Effizienz will, greift zu Spezialsohlen wie Currex, Solestar oder SQlab.
Testergebnisse im Überblick
Hier eine Zusammenfassung der Bewertungen einiger getesteter Mountainbike-Schuhe:
| Schuhmodell | Kraftübertragung / Standsicherheit | Gehen / Grip | Verschluss / Handling | Gewicht | Bike-Urteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Crankbrothers Mallet E Boa | 8 von 10 Punkten | 9 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | sehr gut - 51 Punkte |
| Five Ten Trailcross CL | 6 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | 10 von 10 Punkten | sehr gut - 48 Punkte |
| Fizik Gravita Tensor | 9 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | sehr gut - 50 Punkte |
| Fox Union | 6 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | 7 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | gut - 45 Punkte |
| Ion Rascal Select Boa | 6 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | 6 von 10 Punkten | 6 von 10 Punkten | gut - 41 Punkte |
| Leatt 4.0 Clip | 8 von 10 Punkten | 7 von 10 Punkten | 6 von 10 Punkten | 4 von 10 Punkten | gut - 41 Punkte |
| Ride Concepts Tallac Clip | 10 von 10 Punkten | 10 von 10 Punkten | 9 von 10 Punkten | 4 von 10 Punkten | sehr gut - 50 Punkte |
| Scott MTB Shr-alp Boa Evo | 9 von 10 Punkten | 9 von 10 Punkten | 9 von 10 Punkten | 8 von 10 Punkten | sehr gut - 52 Punkte |
Die Auswahl an Mountainbike-Schuhen ist groß und vielfältig. Letztendlich hängt die Wahl des richtigen Schuhs von den individuellen Bedürfnissen, dem Fahrstil und den persönlichen Vorlieben ab. Wichtig ist, dass der Schuh gut passt, eine gute Kraftübertragung ermöglicht und sowohl auf dem Pedal als auch beim Gehen Komfort bietet.
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