Mountainbike Federgabel richtig einstellen: Eine detaillierte Anleitung

Die Federgabel am Mountainbike (MTB) ist ein entscheidender Faktor für Komfort und Kontrolle im Gelände. Ist die Federgabel zu hart, zu weich oder verhält sie sich unharmonisch, ist es Zeit, die Gabel und somit die Dämpfung richtig einzustellen. Mit der passenden Fahrwerk-Einstellung sorgt die Federgabel am Trekking-Bike, Cross-Country- oder Mountainbike zuverlässig für Komfort sowie Kontrolle beim Fahren im unwegsamen Gelände.

Werkzeug und Vorbereitung

Wer an seinem Mountainbike die Federgabel einstellen möchte, braucht neben einer Dämpferpumpe mit Manometer auch einen Gummi-O-Ring (Alternative: Kabelbinder), einen Zollstock bzw. ein Maßband sowie einen sauberen Lappen für die Reinigung verschmutzter Teile. Vor der Einstellung der Federgabel sollte man das Standrohr und das Tauchrohr der Gabel gründlich reinigen, damit keine Rückstände die Arbeit erschweren.

Benötigtes Werkzeug:

  • Dämpferpumpe mit Manometer
  • Gummi-O-Ring oder Kabelbinder
  • Zollstock oder Maßband
  • Putzlappen
  • Montageständer (optional)

Schritt-für-Schritt Anleitung zur Einstellung der Federgabel

Im Folgenden werden die wesentlichen Schritte zur Optimierung des Bikes, abgestimmt auf den Fahrstil und die Trails, die man liebt, erläutert.

Schritt 1: Dämpfungseinstellungen deaktivieren

Um den Federweg ohne Folgen einstellen zu können, müssen alle Dämpfungseinstellungen ausgeschaltet werden. Starte mit der Zugstufe, oder auch Rebound genannt. Drehe den meist großen roten Knopf an der Unterseite der Federgabel gegen den Uhrzeigersinn bis zum Anschlag. Die Komprimierungsstufe sollte ebenfalls auf die geringstmögliche Stufe eingestellt werden. An der Oberseite der Federgabel befindet sich üblicherweise ein Hebel, der gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden muss. Die Druckstufe sollte sich vor der Justierung der Federgabel immer auf der niedrigsten Stufe befinden.

Schritt 2: Federweg bestimmen

Der Federweg oder Maximalhub gibt bei einer MTB-Federgabel an, wie viel Arbeitsweg die Gabel maximal zurücklegen kann. Bevor die Gabel mit dem optimalen Luftdruck aufgepumpt wird, sollte man den Federweg unbedingt kennen. Dieser wird ermittelt, indem man zunächst die Luft aus der Gabel komplett ablässt. Danach muss man am Standrohr direkt oberhalb der Dichtungen einen O-Ring anbringen. Anschließend wird die Gabel mit voller Kraft komprimiert und wieder losgelassen. Vor dem Loslassen muss die Gabel mit circa 30 - 40 PSI aufgepumpt werden, damit sie sich wieder aus der komprimierten Position herauslösen lässt. Ist die Federgabel wieder vollständig herausgefahren, so kann man anhand der Differenz zwischen dem O-Ring und den Dichtungen den Federweg ablesen.

Schritt 3: Luftdruck ermitteln und einstellen

Bei manchen Federgabeln bleibt der Druck über Jahre hinweg konstant. Bei anderen ist eine regelmäßige Anpassung erforderlich, weil die Federgabel nach und nach an Luft verliert. Als Nächstes folgt das Aufpumpen der Federgabel am Fahrrad nach Herstellerangaben. Bei den meisten Gabeln befindet sich ein entsprechender Hinweis direkt auf der Gabel. Als groben Richtwert kann man das eigene Körpergewicht (plus eventuelles Gepäck) 1:1 in PSI übersetzen. Bei den meisten Dämpferpumpen wird der Luftdruck in PSI angegeben. Für die Umrechnung in bar sollte man eine Umrechnungstabelle aus dem Internet heranziehen.

Schritt 4: Sag (Negativfederweg) einstellen

Der Negativfederweg ist jener Weg, den die Federgabel am Fahrrad ohne weiteres Zutun allein durch das Gewicht des Fahrers zurücklegt. Man ermittelt ihn, indem man aufs Rad steigt und anschließend die Distanz zwischen O-Ring und Dichtung misst. Damit die Gabel nicht durchschlägt, sollte nach dem Fahrrad-Federgabel-Einstellen immer ein Restweg von 1 cm an der voll komprimierten Gabel zwischen Maximalhub und O-Ring übrig sein.

Sag ist der Federweg, der einer Federgabel oder einem Dämpfer zum Ausfedern zur Verfügung steht. Der Negativfederweg sorgt dafür, dass ein Laufrad in ein Schlagloch absacken kann, um permanent Bodenkontakt zu halten. Nur so kann optimale Fahrsicherheit gewährleistet werden.

Aufs Rad steigen, in kompletter Montur (mit Helm, Rucksack usw.), Sattel mit Teleskopstütze komplett absenken, Grundposition einnehmen (stehend, Kurbeln waagerecht). Eine zweite Person kann helfen, das Rad zu halten; allein lehnt man sich an eine Wand oder ein Geländer. Jetzt ein paar Mal wippen, um die Federelemente eintauchen zu lassen.

Möglichst stillstehen und den Gummiring am Standrohr so weit wie möglich nach unten schieben. Vorsichtig, ohne Wippen, vom Rad steigen und darauf achten, dass sich der Gummiring nicht mehr verschiebt. Jetzt zeigt der Abstand zwischen Tauchrohrdichtung und Gummiring den Negativfederweg (Sag) an. 20 bis 30 Prozent des Gesamtfederweges werden als ideal betrachtet.

Schritt 5: Zugstufe (Rebound) einstellen

Als Erstes muss die Zugstufe - auch als Rebound bekannt - vollständig zurückgedreht werden. Dies geschieht über einen Drehknopf an der Unterseite der MTB-Gabel. Die Zugstufe definiert die Schnelligkeit des Zurückschnellens der Gabel in die Ausgangsposition.

Die Zugstufe kontrolliert die Geschwindigkeit, mit der die Gabel ausfedert. Zu schnelles Ausfedern lässt das Rad unkontrolliert springen, federt die Gabel zu langsam aus, steht beim nächsten Impact nicht der gesamte Federweg zur Verfügung. Der Rebound-Knopf an der Gabel ist meistens rot.

Bevor man die Zugstufe einstellt, sollte diese ganz geöffnet werden. Den Lenker kräftig und schnell nach unten drücken, um die Gabel einfedern zu lassen. Beim Ausfedern den Lenker loslassen; das Vorderrad sollte jetzt nicht den Kontakt zum Boden verlieren. Hebt das Vorderrad vom Boden ab, die Ausfedergeschwindigkeit verlangsamen, d.h. Zugstufe Klick für Klick reindrehen.

Schritt 6: Druckstufe (Compression) einstellen

Aus dem gerade genannten Grund muss auch die Druckstufe neutralisiert werden. An der Oberseite der Federgabel befindet sich üblicherweise ein Hebel, der gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden muss. Die Druckstufe sollte sich vor der Justierung der Federgabel immer auf der niedrigsten Stufe befinden.

Nun die Druckstufe einstellen. Diese dämpft/bremst das Einfedern der Gabel bei Schlägen ab. Die Einstellung der Druckstufe richtet sich bei den meisten Federgabeln nach dem Fahrergewicht. Leitlinie: je schwerer der Fahrer, desto mehr Druckstufendämpfung wird empfohlen.

Bei Gabeln mit nur drei Settings (zum Beispiel Open, Medium, Firm) empfehlen wir stets das offene oder mittlere Setting. Für Federgabeln zum Beispiel mit Fit4 Kartusche wie bei der FOX 36 empfehlen wir den "3-Position Lever" in der offenen Stellung zu fahren und den "Open Mode Adjuster" (kleines Stellrad) anhand der FOX Empfehlungen einzustellen.

Schritt 7: Feinabstimmung auf dem Trail

Nach dem Federgabel-Einstellen reagiert die Gabel auf dem Trail wie gewünscht - vorausgesetzt, man vernachlässigt die Federgabel-Pflege nicht. Wichtig aber ist das passende Grundsetup, das man Fahrt für Fahrt auf seine persönlichen Vorlieben und Einsatzbereich anpassen kann.

ROTWILD Mitarbeiter Fedor Shipulin hat dafür noch wichtige Tipps:

  • Auf dem Trail eine Dämpferpumpe mitnehmen, am besten immer die gleiche verwenden.
  • Eine vertraute Strecke mehrfach fahren und Fahrwerk leicht nachjustieren. Zwischendurch immer wieder kontrollieren.
  • Die Einstellungen - auch das Grundsetup - notieren.

Einstellung der Zugstufe am Federbein

Auch am Federbein ist der Rebound-Knopf meistens rot. Zum ersten Einstellen sucht man sich am einfachsten eine Bordsteinkante. Die Bordsteinkante langsam herunterrollen, der Dämpfer sollte dabei ungefähr 1,5-mal wippen. Das bedeutet, er sollte einmal komplett einfedern, etwas nachwippen und sich dann stabilisieren. Wippt der Hinterbau länger nach, ist die Ausfedergeschwindigkeit zu hoch, ein schwer zu kontrollierendes, hüpfendes Hinterrad wären die Folge. Also: die Zugstufe etwas reindrehen, damit sich der Rebound verlangsamt.

Tipps zur Optimierung der Fahrwerkseinstellung

Viele Suspension-Elemente bieten darüber hinaus noch eine Menge weiterer Einstellungsmöglichkeiten, um das Fahrwerk auf den eigenen Fahrstil einstellen zu können.

Hier sind einige zusätzliche Tipps:

  • Federrate anpassen: Die Federrate ist die Balance zwischen Support bei großen Schlägen und Feinfühligkeit bei kleinen Unebenheiten.
  • Volumen-Spacer hinzufügen/entfernen: Für eine progressivere Federrate können Volumen-Spacer hinzugefügt werden, um das letzte Stück des Federwegs straffer zu gestalten.
  • Zugstufeneinstellungen berücksichtigen: Fahrt für maximale Performance mit einer so schnellen Zugstufeneinstellung, wie es gerade noch angenehm ist.
  • Lowspeed-Druckstufen-Dämpfung anpassen: Eine höhere Lowspeed-Druckstufe kann helfen, wenn das Bike bei Bremsen, in Kurven oder vor Sprüngen zu stark in den Federweg eintaucht.
  • Highspeed-Druckstufen-Dämpfung anpassen: Bei Highend-Dämpfern kann die Highspeed-Druckstufe angepasst werden, um die Dämpfung bei hohen Einfedergeschwindigkeiten zu kontrollieren.

Federgabel mit Stahlfeder einstellen

Eine Federgabel mit Stahlfeder bietet normalerweise weniger Anpassungsoptionen, erfordert aber weniger Wartung. Die Gabel mit Stahlfeder kann bis zu einem bestimmten Grad vorgespannt werden. Diese Einstellung verschafft allerdings nicht mehr oder weniger Federweg, sondern macht die Gabel nur härter oder etwas weicher.

Bevor du ein Mountainbike mit Stahlfedergabel kaufst, solltest du dich darauf setzen und prüfen, wie tief die Gabel allein unter deinem Gewicht durchhängt.

Faustregel: Der negative Federweg darf 30 % des vorhandenen Federwegs nicht überschreiten. Du kannst dies mit einem O-Ring oder einem am Riser befestigten Kabelbinder messen.

Wenn die Gabel unter deinem Gewicht tiefer durchhängt, wähle ein anderes Modell. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits besteht die Gefahr, dass diese Gabel bei Fahrten im Gelände versagt, wodurch sie schnell kaputt geht. Zugleich lässt sich der Federweg einer Stahlfeder nicht verändern. Wenn eine Gabel beim Kauf zu weich ist (sie sinkt zu tief unter deinem Gewicht ein), ist sie stets zu weich und daher für den vorgesehenen Zweck unbrauchbar. Du kannst die Federn austauschen, dies ist jedoch zeitaufwendig und sollte nur vom Fachhändler durchgeführt werden.

Die Zugstufe wird über einen Drehmechanismus eingestellt. Hier gibt es „+“ und„-“. Rock-Shox-Federgabeln haben auch ein Hasen- und Schildkröten-Symbol (schnell oder „-“ und langsam oder „+“).

Zusammenfassung

Durch die richtige Einstellung der Federgabel kann das Fahrverhalten eines Mountainbikes erheblich verbessert werden. Es ist wichtig, die einzelnen Schritte sorgfältig durchzuführen und das Fahrwerk auf den eigenen Fahrstil und die bevorzugten Trails abzustimmen.

Einstellung Cross-Country Touring/All-Mountain Enduro
Negativfederweg (SAG) 20% des max. Federwegs 25% des max. Federwegs 30% des max. Federwegs

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