Eine neue Federgabel kann die Performance Deines Mountainbikes auf ein neues Level heben. Es gibt nur wenige Teile am Bike, die die Performance so verbessern können wie eine neue Gabel. Auswahl und Kauf sind mehr oder weniger einfach - der Einbau hingegen birgt ein paar Tücken. Wie Du den Gabeltausch selbst erledigen kannst, zeigen wir Dir Schritt für Schritt in diesem Beitrag. Für die Anleitung haben wir die Federgabel an einem Mountainbike getauscht. Die Arbeitsschritte funktionieren aber auch bei einer Rennradgabel und an den meisten anderen Fahrrädern.
Werkzeug und Vorbereitung
Bevor Du anfängst zu schrauben, macht es Sinn, Dir alle Werkzeuge und Hilfsmittel zurechtzulegen. Für den Gabeltausch brauchst Du folgende:
- Montageständer
- Innensechskant- und Torx-Schlüsselsatz
- Transportsicherung für die Scheibenbremse
- Kurze Packriemen bzw. -gurte oder Kabelbinder
- Gabelkonus-Abzieher
- Fett und ggf. Montagepaste
- Gabelkonus-Aufschlagwerkzeug
- Hammer
- Bleistift oder spitzer Gegenstand
- Rohrschneider oder Säge und Schneidführung
- Entgrater oder Feile
- Einschlagwerkzeug für Ahead-Kralle
- Neue Ahead-Kralle
- Drehmomentschlüssel
Ausbau der alten Federgabel
Der erste Schritt zur neuen Federgabel ist der Ausbau der alten Federgabel. Hierfür wird nur wenig Werkzeug und etwas Geschick benötigt - schon können Sie den Austausch Ihrer Federgabel selbst bewerkstelligen.
- Hänge Dein Bike in den Montageständer.
- Baue das Vorderrad aus. Hier gibt es verschiedene Verschlüsse. Am häufigsten sind Steckachsen mit Innensechskant und Schnellspanner. In unserem Fall mussten wir das Vorderrad mit einem Innensechskant lösen.
- Entferne nun die Leitungsführung der Gabel.
- Vor dem Abschrauben des Bremssattels solltest Du die Kolben mit einer Transportsicherung sichern. Jetzt kann der Bremssattel abgeschraubt werden.
Tipps: Wenn Du den Bremssattel abgeschraubt hast, kannst Du Schrauben, Unterlegscheiben und Adapter sichern, indem Du einen O-Ring auf das Schraubengewinde schiebst. Ein mehrfach um beide Schrauben gewickeltes Haushaltsgummi tut es auch. So kann nichts abrutschen. Damit der Bremssattel nicht herumbaumelt, kannst Du ihn mit einem Spanngurt oder einem Kabelbinder am Lenkergriff sichern.
- Löse zuerst die Ahead-Kappe des Steuersatzes und entferne sie. Das gilt auch für etwaige Spacer oberhalb des Vorbaus.
- Nach dem Lösen der Klemmung des Vorbaus auf dem Gabelschaft kannst Du den Vorbau zusammen mit dem Lenker abnehmen.
Zurre Lenker und Vorbau mit einem Gurt und etwas Polsterung am Rahmen fest. So sind sie in einer sicheren Position und die Leitungen können nicht abknicken. Nimm die Spacer und die oberen Teile des Steuersatzes ab, merke Dir die Reihenfolge und lege sie sicher beiseite. Ziehe die Gabel nach unten aus dem Schaftrohr heraus. Nimm das untere Steuersatzlager heraus und lege es ebenfalls sicher beiseite. Reinige alle Teile und die Innenseite des Steuerrohrs gründlich mit einem Tuch.
Vorbereitung der neuen Gabel
- Mit einem Gabelkonus-Abzieher kannst Du den Konus von Deiner alten Federgabel entfernen. Säubere den Konus im Anschluss.
- Bevor Du den Konus auf Deine neue Gabel aufschlägst, fette das Schaftrohr im unteren Bereich etwas. Ist der alte Konus nicht beschädigt, kannst Du ihn ohne Bedenken auf das Schaftrohr der neuen Gabel aufschlagen. Nutze dafür ein Aufschlagwerkzeug für Gabelkonen!
Tipp: Manche Steuersätze haben einen geschlitzten Konus, den Du ohne Werkzeug abnehmen und montieren kannst.
Gabelschaft kürzen
Damit Deine neue Gabel zum Steuerrohr und Deinem Cockpit passt, musst Du in den meisten Fällen den Gabelschaft kürzen. Um herauszufinden, wie weit der Schaft gekürzt werden soll, setzt Du das untere Steuerlager auf den Gabelschaft und schiebst anschließend die neue Gabel von unten ins Steuerrohr Deines Rahmens, als würdest Du sie montieren. Von oben kannst Du dann die oberen Teile des Steuersatzes, die Spacer und den Vorbau aufschieben. Ziehe die Klemmschrauben des Vorbaus leicht an, damit die Gabel nicht nach unten herausfällt. Achte dabei darauf, dass zwischen den Teilen des Steuersatzes, den Spacern und dem Vorbau sowie zwischen Steuersatz und Gabelkrone keine Lücken sind.
Jetzt nimmst Du Dir einen Schlitzschraubendreher oder einen anderen spitzen Gegenstand und reißt direkt über dem Vorbau eine Markierung an. Ein Bleistift tut es in vielen Fällen auch. Anschließend baust Du die Gabel wieder aus, wie oben beschrieben. Nun kannst Du den Gabelschaft entweder mit einem Rohrschneider oder einer Säge und Führung kürzen. Aber Achtung: Schneide oder säge nicht an der Markierung, sondern 5 mm darunter. Das ist nötig, damit Du später mit der Ahead-Kappe den Steuersatz vorspannen kannst. Ist die Gabel gekürzt, solltest Du noch die innere und äußere Schnittkante gründlich entgraten, sodass kein Wulst und keine scharfen Kanten bleiben.
Tipp: Hattest Du in der Vergangenheit das Gefühl, dass eine höhere Lenkerposition besser für Dich sein könnte, ist eine neue Gabel eine gute Gelegenheit, mehr Spacer unter dem Vorbau auszuprobieren. Das musst Du allerdings vor dem Kürzen des Schafts entscheiden und dementsprechend berücksichtigen.
Ahead-Kralle einschlagen
In den passend gekürzten Gabelschaft kannst Du nun die Ahead-Kralle einschlagen. Wenn Du einen Steuersatzexpander nutzt (z. B. bei einem Carbonschaft), dann montierst Du diesen statt einer Kralle. Es ist wichtig, dass die Kralle gerade in den Schaft eingeschlagen wird. Deswegen solltest Du dafür ein entsprechendes Einschlagwerkzeug verwenden. Die Kralle wird in das Werkzeug eingelegt und auf den Gabelschaft gesteckt. Mit Hammerschlägen treibst Du die Kralle dann in das Schaftrohr. Ist die Kralle richtig eingeschlagen, sitzt das Gewinde ungefähr 15 Millimeter tief im Rohr.
Einbau der neuen Federgabel
Nach getaner Vorarbeit kannst Du nun Deine neue Gabel einbauen. Fette den Gabelschaft im Bereich der oberen und unteren Lagerschale, um Knacken und Knarzen vorzubeugen. Fette die Oberseite des unteren Steuersatzlagers und setze es in die Lagerschale ein. Jetzt kannst Du die Gabel von unten in den Rahmen schieben. Oben steckst Du wieder die oberen Lager und Teile des Steuersatzes sowie Deine Spacer und den Vorbau auf den Gabelschaft. Auch hier solltest Du zusätzlich die Lager etwas fetten. Beim Vorbau kannst Du Montagepaste verwenden.
Damit die Gabel nicht mehr nach unten rausfallen kann, schraubst Du direkt die Ahead-Kappe auf - aber noch nicht fest. Wie Du den Steuersatz richtig vorspannst, zeigen wir Dir hier. Dabei wird auch der Vorbau mit dem korrekten Drehmoment auf dem Schaft geklemmt. Schraube nun den Bremssattel an die Gabel. Wie Du ihn zur Bremsscheibe ausrichtest, zeigen wir Dir hier. Sichere die Bremsleitung an der Führung der Gabel.
Fast fertig. Baue nun noch das Vorderrad ein. Vergiss nicht, Deine neue Gabel auf Dich und Deinen Fahrstil einzustellen!
Starrgabel vs. Federgabel
Die Entscheidung für eine Starrgabel oder eine Federgabel hängt stark vom Einsatzzweck ab. Je klarer dieser ist, desto einfacher fällt die Wahl.
Vorteile einer Starrgabel:
- Gewicht: Eine Starrgabel wiegt deutlich weniger als eine typische Federgabel. Eine Gewichtsreduzierung zwischen 800 - 1800 Gramm ist absolut realistisch. Die noshox Boost MTB Gabel bringt nur dezente 560 Gramm auf die Waage.
- Energieeffizienz: Bei der Starrgabel entfällt der Effekt des Eintauchens und Aufschaukelns, wodurch die gesamte Energie in Vortrieb umgesetzt wird.
- Wartung: Eine Starrgabel ist quasi wartungsfrei bzw. anspruchslos.
- Kosten: Eine einfache Starrgabel aus Stahl kannst du für weit unter 100 € kaufen und selbst mit der teuersten Carbon-Gabel inkl. landest du bei max. 700€.
Nachteile einer Starrgabel:
- Komfort: Eine Starrgabel federt nicht.
Eine gut getrimmte Federgabel ist in Sachen Federung und Komfort eindeutig im Vorteil, wenn es holprig wird. Das Fahrverhalten ist anders als bei einer Federgabel. Allgemein das Cockpit-Setup sowie die Rahmengeometrie sind weitere Eigenschaften, die maßgeblichen Einfluss auf das Fahrverhalten haben.
Einstellmöglichkeiten bei Federgabeln
Viele Hersteller bieten diverse Tuning-Möglichkeiten in Form von externen Verstellknöpfen an der Gabel an. Unverzichtbar ist eine Einstellmöglichkeit der Druckstufendämpfung, die die Einfedergeschwindigkeit regelt und über die die Gabel auf das Fahrergewicht abgestimmt wird. Ebenso wichtig ist eine Rebound-Verstellung (Zugstufendämpfung), die die Ausfedergeschwindigkeit regelt. Angenehm, aber nicht zwingend ist ein Hebel zum Blockieren oder zur Wippunterdrückung.
Wichtige Aspekte beim Kauf einer Federgabel
Die Gabel darf weder zu kurz noch zu lang sein, sie sollte ungefähr genauso hoch bauen wie die alte Gabel oder aber zur Vorgabe des Rahmenherstellers passen. Das entscheidende Maß ist der Abstand zwischen Achsmitte des Laufrades und Unterkante des Steuerrohrs vom Rahmen. Eine falsch gewählte Einbaulänge verändert den Lenkwinkel.
Auch die Laufradgröße spielt eine Rolle. Vor allem 29-Zoll-Biker sollten darauf achten, dass sie die richtige Gabelhöhe ergattern. Für Plus-Reifen benötigt man Gabeln mit Boost-Achsen.
Aktuell haben sich bestimmte Bauweisen etabliert. Gabeln haben heute fast alle ein konisches Schaftrohr, das sich von 1,5" unten auf 1 1/8" Durchmesser verjüngt. Bei den Achsen gibt es den klassischen Schnellspanner, dann 15- und 20-mm-Steckachsen. Am verbreitesten sind 15-mm-Achsen in den Breiten 100 und 110 mm. Wenn man Plus-Reifen fahren möchte, benötigt man die breiten 110-mm-Achsen, auch Boost genannt.
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