Fernpass mit dem Fahrrad: Erfahrungen und Alternativen

Der Fernpass (1.210 m) ist ein wichtiger Pass in Nordtirol, der die Wasserscheide zwischen dem Inn und dem Außerfern überquert. Er stellt neben Kufstein die verkehrsgünstigste Verbindung von Norden ins Innere Tirols dar. Das Verkehrsaufkommen ist dementsprechend hoch, obwohl seit 2010 eine Gewichtsbeschränkung von 7,5 t zwischen Vils und Nassereith gilt.

Viele Reiseradler nehmen den Fernpassweg auf sich, der jedoch oft zum Horrortrip mutiert. Die Straße ist oft so schmal, dass LKW´s, Caravans, Wohnmobile und sogar Autos nicht überholen können. Dies führt zu Staus und genervten Verkehrsteilnehmern, sowie zu einer hohen Belastung durch Feinstaub und Abgase.

Es gibt für Radfahrer zwei Routen, um über den Pass zu kommen: die Bundesstraße (viel Verkehr) und der "Römerweg", der mitunter steil ist, jedoch mittlerweile gut ausgebaut wurde. Die Passhöhe ist vor 10.000 Jahren durch einen Bergsturz entstanden, der die Verbindung zwischen den Tälern auf beiden Seiten verschüttete.

Ein Radfahrer berichtete von seinen Erfahrungen auf dem Schotterweg mit einem straßenbereiften MTB und Gepäck: "Der Weg fängt gut fahrbar an, wird dann aber immer schlechter und steiler. Viel loser Untergrund, teilweise ziemlich grob. An durchfahren war da aber für mich nicht zu denken."

Alternativen zum Fernpass

Es gibt landschaftlich reizvollere und ruhigere Alternativen zum Fernpass, die sich für Radfahrer lohnen. Die Mountainbikeroute entlang des Fernpasses wird hier bewusst ausgeklammert, da sie den meisten bekannt ist.

1. Route über Mittenwald und Leutasch

Diese Route führt über Mittenwald und Leutasch ins Inntal. Die Strecke bis Garmisch wird an der Loisach fernab des Verkehrs zurückgelegt. Danach geht es an einer zwar viel befahrenen Strecke Richtung Mittenwald, aber hier verläuft ein Radweg. In Klais hat man zwei Möglichkeiten nach Mittenwald zu fahren: entweder direkt über die Teerstraße oder mit einem Abstecher nach Elmau über einen Schotterweg (100 hm) in Richtung Ferchensee und Lautersee. Nach der Abfahrt geht es durch die Leutaschschlucht Richtung Leutasch weiter. Ab hier geht es immer weiter nach Süden mit Abfahrt ins Inntal und weiter nach Imst.

2. Route über das Hahntennjoch

Anfangs geht es traumhaft von Füssen auf dem Lechtalradweg durchs einsame Lechtal. Dann folgen 1000 hm am Stück aufs Hahntennjoch. Wer gerne Passstraßen fährt, kann diese Route wählen. Sie ist toll für gut Trainierte, wobei es weniger Höhenmeter sind als bei der ersten Alternative.

3. Mountainbiketour rund um das Wettersteingebirge

Ab Ehrwald nimmt man die Mountainbiketour rund um das Wettersteingebirge. Circa drei Viertel der Auffahrt sind geteert, aber die Steigung mit circa 12% sollte man nicht aus dem Blick lassen. Oben, wenn es eine Schotterstraße wird, nimmt die Steigung etwas ab. Es folgt eine lange traumhafte Schotterabfahrt entlang der Leutascher Ache. Weiter geht es dann wie bei Variante eins.

Die Alternativen 2 und 3 sind herausfordernder und richten sich eher an leidensfähigere Radler, die mit 2 Stunden bergauf radeln mit Gepäck kein Problem haben. Alternative 3 ist auch sicherlich eine tolle Runde für Bikepacking Reisende.

Weitere Routen und Überlegungen

Es gibt noch weitere Alternativen, die in Betracht gezogen werden können:

  • Innradweg: Von Rosenheim über Kufstein und Innsbruck.
  • München-Venezia-Radweg: Über Bad Tölz bzw. Tegernsee zum Sylvensteinsee, Achenpass und Achensee.
  • Route über den Achensee: Von München aus die Standardverbindung, da der Zirler Berg für Radler gesperrt ist.
  • Loiblpass: Alpine Route (Passstraße aus dem Jahre 17irgendwas).
  • Rhein-Radweg (Eurovelo 15): Über Chur nach Disentis und dann weiter über den Lukmanier nach Bellinzona und dann weiter am Eurovelo 5.

Bei der Wahl der Route sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Verkehrsaufkommen: Besonders an Wochenenden und während der Ferienzeiten kann es zu hohem Verkehrsaufkommen kommen.
  • Steigungen: Je nach Trainingszustand und Gepäck sollten die Steigungen berücksichtigt werden.
  • Wegbeschaffenheit: Einige Routen führen über Schotterwege, die mit einem Trekkingrad oder Reiserad schwerer zu befahren sind.
  • Landschaft: Die verschiedenen Routen bieten unterschiedliche landschaftliche Reize.

Erfahrungen mit der Via Claudia Augusta

Die Via Claudia Augusta ist eine beliebte Route für Alpenüberquerungen mit dem Fahrrad. Sie ist größtenteils auch für weniger gestählte Körper gut zu meistern, abgesehen von ein paar Schotterpassagen rund um den Fernpass. Die Landschaft ist abwechslungsreich und atemberaubend. Es gibt aber auch kritische Stimmen:

  • "Die Anfahrt zum Reschenpass ist bis Martina (CH) ein Genuss. Der anschließende Anstieg zur Norbertshöhe ist eine langweilige Kurbelei."
  • "Ich habe den Fernpass als anspruchsvoller in Erinnerung als den Reschenpass."

Es ist wichtig, sich vorab gut über die Strecke zu informieren und die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.

Fernpass MTB-Route

Die MTB-Route über den Fernpass ist vor ein paar Jahren deutlich entschärft bzw. ausgebaut worden, d.h. mittlerweile kommt man auch mit Reiserad und Gepäck recht gut über den Fernpass abseits des Verkehrs.

Ein Radfahrer schrieb: "Moin, bin die MTB-Route vor zwei Wochen mit dem Reiserad gefahren. Gut, einige Abschnitte musste ich schieben, aber insgesamt fand ich sie fahrbar. Hab mich gefreut, abseits der Blechkarawane zu fahren."

Allerdings gibt es auch hier Einschränkungen. Die Schiebestrecke wird wohl aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben. Rein fahrtechnisch ist es mit dem MTB kein Thema, eher etwas mit einem vollbepackten, ungefederten Reiserad.

Verkehrssituation am Fernpass

Die Verkehrssituation am Fernpass ist angespannt. Mehr als 20000 Autos an 41 Tagen bedeuten etwa 1000 Autos pro Stunde, die dich überholen wollen.

Einige Radfahrer beschreiben die Situation wie folgt:

  • "Bist du Radfahrer, fährst du entweder rechts und wirst aufgrund wütender, genervter Autofahrer Richtung Leitplanke/Böschung gedrängt - oder du fährst als Verkehrshindernis in der Spurmitte."
  • "Die Fernpassstraße ist so gut oder schlecht wie viele viel befahrene Alpenpässe."

Es ist wichtig, sich der Gefahren bewusst zu sein und entsprechend vorsichtig zu fahren.

Hinweis: Es ist völlig legitim, als Radfahrer den Fernpass zu benutzen, und das sollte auch so bleiben. Die Straßen sollen für alle da sein. Jedoch sollte man sich der Verkehrssituation bewusst sein und gegebenenfalls auf eine der Alternativrouten ausweichen.

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