Fahrrad Fett Typen und Anwendung

Fett ist nicht gleich Fett: Das ist keine neue Erkenntnis, aber eine, der sich Rennradler gerne verweigern. Bei Arbeiten am Rad verwenden sie ein und dasselbe Schmiermittel, ganz gleich, ob sie eine Schraube fetten oder ein Lager schmieren. Dabei werden ganz unterschiedliche Fähigkeiten verlangt.

Die verschiedenen Farben der Fette deuten zwar deren Unterschiede an, verraten aber noch nicht, wofür sie geeignet sind. Hier gibt’s Tipps und Tricks für mehr Geschmeidigkeit am Rad - und wichtige Erkenntnisse über eine neue Montagepaste für Teile aus Carbon.

Die wichtigsten Schmiermittel fürs Mountainbike im Detail

Öl, Fett, Paste oder Spray: Die Auswahl an Fahrrad-Schmiermitteln ist so vielfältig wie das Weinsortiment im Supermarkt. Wir erklären, was an welche Stelle am Bike gehört und welche Teile Sie unbedingt schmieren sollten.

Kettenöl

Wie der Name schon sagt, gehört dieses Öl auf die Kette. Neben klassischen Ölen und Kettensprays gibt es auch Trockenschmierstoffe und Schmiermittel auf Wachsbasis*. Sie sorgen dafür, dass der Antrieb leichtgängig läuft, verzögern den Verschleiß und schützen die Kette vor Korrosion.

Kriechöl bzw. Sprühöl

WD40 und Brunox Turbo-Spray sind die bekanntesten Vertreter der Kriechöle. Sie lassen das Öl in kleinste Spalten kriechen. Dabei verdrängt es nicht nur Wasser, sondern löst auch Dreck und leichten Ansatz von Rost. So macht es schwergängige Verbindungen wieder gängig. Durch die dünnflüssige Konsistenz hält die schmierende Wirkung nicht lange an, deshalb eignen sie sich nicht für das Schmieren der Kette.

Achtung: Die Lösungsmittel im Kriechöl können vorhandenes Schmierfett und Kunststoff-Dichtungen (z. B. an der Federgabel) angreifen.

Silikon-Spray

Silikon-Sprays werden meist nach dem Reinigen zum Aufpolieren von Rahmen oder Laufrädern verwendet. Aber auch fürs Schmieren von Pedal-Cleats sind sie geeignet. Sie verhindern Korrosion und fördern die Gleitfähigkeit des Cleats. Das Ein- und Ausklicken ist so definierter.

Schmierfett bzw. Montagefett

Fett verringert die Reibung zwischen sich bewegenden Bauteilen, schützt vor Korrosion, erhöht die Lebensdauer und sorgt für Leichtgängigkeit in allem, was dreht oder gleitet. Es sorgt beispielsweise dafür, dass Kugeln im Inneren eines Industrielagers leicht laufen oder schmiert die Drehbewegungen an Steuersatz, Hinterbau oder Tretlager.

Regelmäßiges Reinigen und Fetten am Steuersatz sorgt dafür, dass die Lager geschmeidig laufen und sie besser vor Dreck und Wasser geschützt sind. Zudem beugt die Fettpackung nervigen Knackgeräuschen vor.

Carbon-Paste

Für Carbon-Klemmungen - zum Beispiel an Sattelstütze und Lenker - gibt es spezielle Montagepaste, die die Fasern nicht angreift und die Reibung erhöht. Empfindliche Carbon-Teile kommen dadurch mit geringerem Anzugsmoment aus.

Spezielle Fette und ihre Anwendungen

  • Peaty's Speed Grease: Läuft 2,5 mal schneller als das Montagefett und bietet dennoch eine lang anhaltende Leistung unter extremen Bedingungen. Das Fett erfüllt die höchste Stufe der biologischen Abbaubarkeit nach OECD-Test 301B.
  • Peaty's Suspension Assembly Grease: Ein lithiumfreies Fett, das speziell für den Einsatz in Federgabeln, Dämpfern und Dropper-Sattelstützen entwickelt wurde.
  • r.s.p. Bearing Buster: Selbstschmierend, schützt Kugellager vor Feuchtigkeit und verhindert Korrosion.
  • r.s.p. Creak Freak: Als Montagepaste sowie Schmiermittel für Aluminium und Titanteile verwendbar.
  • r.s.p. Go Flow: Fließfett zur Schmierung von Freiläufen.
  • r.s.p. Slick Kick: Für Gabeln und Dämpfer auf Strecken mit höchstem Performance-Anspruch.
  • r.s.p. Boots: Calciumverseiftes, sehr wasserbeständiges Fett, geeignet für Stellen mit viel Wasserkontakt, z.B. in Federgabeln.

Worauf Sie bei der Wahl des richtigen Schmierfetts achten sollten

Je nach Anwendungsfall gibt es bei der Wahl des richtigen Produkts einige zentrale Aspekte zu beachten.

Viskosität

Damit es haften bleibt, sollte es eine hohe Viskosität aufweisen und zugleich Schutz vor Reibung bieten. Sehr dünnflüssige Schmiermittel können hohen Belastungen sich langsam bewegender Teile nicht standhalten, während ein sehr dickflüssiges Schmiermittel nicht dazu geeignet ist, einen hochtourigen Elektromotor zu schützen. Daher ist es wichtig zu wissen, welches Produkt für welchen Anwendungsbereich am besten geeignet ist.

Grundöl

Das Grundöl kann entweder konventionell oder synthetisch sein, was einen erheblichen Unterschied ausmacht. Synthetische Schmierfette bieten einen besseren Oxidationsschutz und die höchste Wetterbeständigkeit.

Scherstabilität

Die Konsistenz eines Fettes kann sich bei Beanspruchung oder Scherung verändern. Die Stabilität dieser Konsistenz wird als Scherstabilität bezeichnet. Fette, die durch Scherung dünnflüssiger werden, sind thixotrop; Fette, die durch Scherung zähflüssiger werden, sind rheopex.

Additive

Schmierfette enthalten weitere Zusätze, die je nach Anwendungsfall zur Verbesserung der Qualität beitragen und daher bei der Wahl berücksichtigt werden sollten.

Konsistenz

Die Konsistenz ist die Widerstandsfähigkeit gegen Krafteinwirkung. Sie wird durch die Art und Menge des verwendeten Eindickers und die Viskosität des Grundöls beeinflusst. Der Messwert für die Konsistenz wird als Penetration bezeichnet. Die Penetration hängt davon ab, ob die Konsistenz des Fettes durch Beanspruchung, Bearbeitung oder Walken verändert wurde.

Spezielle Hinweise zur Montage von Carbonteilen

Gemeinsam ist beiden Schmierstofftypen, dass sie an Carbonteilen nichts zu suchen haben.

Selbst manche Hersteller wissen nicht, was bei der Montage von Sattelstützen oder Lenkern aus Carbon Schwierigkeiten hervorrufen kann. Die falsch eingefetteten Teile finden kaum Halt in einer Klemmung, Schrauben werden so stark angezogen, dass die Carbonfasern gequetscht und beschädigt werden können. Der spätere Bruch kann so schon programmiert sein.

Carbon gar nicht zu fetten, ist allerdings nicht die ideale Lösung. Eine neue Montagepaste für Carbon und Aluminium der Marke Dynamic soll nun Abhilfe schaffen.

Der Hersteller mengt einer relativ dünnflüssigen Trägerkomponente kleine Festkörper aus Kunststoff bei. Die dringen etwas in die Oberfläche des Carbons ein und sollen die Reibung in der Passung erhöhen,damit die Schraubenkräfte niedrig bleiben können. Hoher Druck und die Scherkräfte einer Verschraubung hingegen zerreiben die Körnchen.

Im TOUR-Test an einer Carbonsattelstütze zeigte sich, dass das Anzugsmoment der Schraube bei Verwendung der Dynamic-Paste im Vergleich zur trockenen Montage fast halbiert werden konnte. Mit üblichem Fett oder einer Standard- Montagepaste muss die Schraube um mehr als das Doppelte angezogen werden, um die Stütze sicher zu klemmen. Bei einer Aluminiumstütze bestätigte sich die gleiche Tendenz. Mit Dynamic-Paste halbes Schrauben-Drehmoment, mit üblichem Fett das Eineinhalbfache der trockenen Montage.

Langzeiterfahrungen mit dem Schmierstoff gibt es zwangsläufig noch keine, aber es scheint wenig wahrscheinlich, dass sich die Kunststoffpartikel zersetzen und die Wirkung nachlässt. Für die Montage von Lenkern und Sattelstützen aus Carbon oder von Vorbauten auf Carbongabelschäften ist die Dynamic-Paste daher empfehlenswert; für alle anderen Fette und Schmierstoffe gilt aber weiterhin: für Carbon ungeeignet!

Tipps und Tricks

  • Vorneweg zwei Tipps fürs Schmieren/Fetten/Ölen:
    • Ob Kette, Schaltwerk oder Steuersatzlager: Die Bauteile vor dem Schmieren immer gründlich reinigen! Sonst vermischen sich Fett/Öl mit dem Dreck zu einer Schleifpaste.
    • Ob Kettenspray oder Silikonspray: Immer penibel darauf achten, dass nichts davon auf die Bremsscheiben kommt!
  • TIPP 1: Bei Montagepaste führt nicht die Menge, sondern die gleichmäßige Verteilung auf den Kontaktflächen zum Erfolg.
  • TIPP 2: Fetten Sie beide Teile dünn ein und wischen Sie überschüssiges Fett gleich nach der Montage ab, damit es keinen Schmutz anzieht.
  • TIPP 3: Lager sollten so voll wie möglich aufgefüllt werden.

Werkzeuge und Materialien

  • Werkzeug: Pinsel, Fettpresse, Bordwerkzeug
  • Material: Lagerfett, Montagepaste, Reinigungsbenzin, Spiritus oder Azeton, Lappen

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