Autofahren mit 16: Der Fiat 500 Ellenator und andere Alternativen

Die Zeiten, in denen sich Jugendliche auf ihren 18. Geburtstag freuten, weil sie dann allein mit dem Auto fahren durften, gehören seit der Einführung des Begleiteten Fahrens mit 17 Jahren der Vergangenheit an. Aber mit der passenden Führerscheinklasse (AM, A1, 1b, 3 oder B) und dem dazugehörigen passenden Fahrzeug dürfen sich Jugendliche sogar noch ein Jahr früher hinter das Steuer eines vierrädrigen Gefährts setzen. In den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und das Land Mecklenburg-Vorpommern wurde das Mindestalter für die Klasse AM sogar von 16 auf 15 Jahre abgesenkt.

Fahrzeuge für Führerschein AM, A1, 1b, 3 oder B

Autofahren mit 16 oder sogar noch früher ist nicht erst seit dem begleiteten Fahren möglich. Es kommt aber auf die passende Führerscheinklasse wie etwa AM, A1, 1b, 3 oder B sowie das passende Gefährt an. In Deutschland öffnet sich für Jugendliche ab 16 Jahren eine spannende Möglichkeit: das Fahren eines Autos bzw. Leichtfahrzeugs mit bis zu 45 km/h. Autos ab 16 bieten Mobilität und Unabhängigkeit.

AM- und A1-Führerschein

Der AM-Führerschein ist eine Fahrerlaubnis der Klasse M, die dem Inhaber gestattet, bestimmte Fahrzeuge zu fahren, die eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h nicht überschreiten. Seine Kosten belaufen sich auf etwa 600 bis 900 Euro. Um ihn zu erwerben, musst du mindestens 15 Jahre alt sein und eine theoretische sowie praktische Prüfung bestehen. Besitzer dieses Führerscheins dürfen Leichtkraftfahrzeuge, Mopedautos und Microcars sowie E-Autos ab 16 Jahren fahren. Im Gegensatz zum EU-Führerschein der Klasse B ist der AM-Führerschein jedoch nicht in jedem Land anerkannt. Bei ihm handelt es sich um eine nationale Fahrerlaubnis.

Jugendliche ab 16 Jahren können dann den sogenannte A1-Führerschein erwerben. Mit diesem ist es möglich, leichte Motorräder mit einem Hubraum von bis zu 125 ccm zu fahren. Außerdem berechtigt er zum Führen des Ellenators, einem umgebauten Fiat 500. Erlaubt sind Zweiräder bis 11 kW (15 PS) und Autos bis 15 kW (20 PS).

Der Fiat 500 Ellenator

Eine dieser speziellen Fahrzeugklassen trägt den Namen L5e. Sie umfasst dreirädrige Kraftfahrzeuge mit drei symmetrisch angeordneten Rädern, mit Hubraum über 50 Kubikzentimeter und/oder einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45 Kilometer pro Stunde. Zudem darf die Masse in fahrbereitem Zustand nicht höher als 1.000 Kilogramm liegen.

Zu diesen Dreirädern zählen seit ein paar Jahren mehrere hundert in Dösingen umgebaute Fiat 500. Der Vater des Ellenator, Wenzl Ellenrieder, nutzt für seine Umbauten einen kleinen Nebensatz im Gesetzestext aus. Das Stichwort innerhalb der L5e-Definition lautet "Doppelrad": "Zwei auf einer Achse montierte Räder, die als ein Rad angesehen werden und bei denen der Abstand zwischen den Mittelpunkten der Aufstandsflächen der Reifen auf der Fahrbahn 460 mm oder weniger beträgt." Die im Allgäu umgebauten Fiat 500 fallen daher von hinten gesehen durch ihre beiden sehr nah beieinander positionierten Hinterräder auf. Gleichzeitig wirken die geschlossenen hinteren Radkästen regelrecht aerodynamisch optimiert.

Beim Ellenator handelt es sich um einen umgebauten Fiat 500, der nominell als Dreirad eingestuft ist. Während der normale Fiat 500 zwischen 70 und 118 PS haben kann, ist der Ellenator auf 20 PS gedrosselt, sodass er von 16-Jährigen gefahren werden darf. Mit dem Fahrzeug lassen sich bis zu vier Personen befördern. Wie auch das Original hat der Ellenator Airbags sowie ABS und ESP. Außerdem verfügt er über ein Navigationssystem, ein Radio und eine Klimaanlage.

Seit 2015 wird das Gefährt in Serie produziert, nachdem 2013 eine Gesetzesänderung Dreiräder in den A1-Führerschein inkludierte. Ursprünglich baute der Erfinder - Wenzeslaus Ellenrieder - den Ellenator, um seinem Sohn ein Fahrzeug zu bieten, das sicherer ist als ein Moped oder Microcar. Wahlweise ist der Ellenator auch als Cabrio erhältlich. Seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 90 km/h bei einem Verbrauch von etwa 5 Litern auf 100 Kilometern. Er hat eine 6-Gang-Schaltung und ist 3,57 Meter lang.

Umbau und Kosten

Der 5.580 Euro teure Umbau des Fiat 500 mit 1,2 Liter großem Saugbenziner beinhaltet nicht nur das nach innen Verlegen der Hinterräder. Die Leistung wird auf 15 Kilowatt, sprich 20 PS reduziert, was noch für eine Höchstgeschwindigkeit von 90 Kilometer pro Stunde reicht. Dass der Kofferraum aufgrund des Umbaus ein wenig an Volumen verliert, dürfte keinen 16 Jahre jungen Nachwuchsfahrer stören. Viel wichtiger ist, dass der umgebaut 21.490 Euro teure Fiat 500 1.0 Hybrid Lounge 250 ganz allein von ihm gefahren werden darf. Zudem finden drei weitere Passagiere Platz im Ellenator.

Ellenator im Einsatz für Auszubildende

Die Augel GmbH aus Weibern in Rheinland-Pfalz hat einen zum Dreirad umgebauten Fiat 500 angeschafft, um Auszubildenden die Anreise zu erleichtern. Denn die Ortsgemeinde im Landkreis Ahrweiler, wo das Bauunternehmen seinen Sitz hat, ist nicht besonders gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Umgebauter Fiat 500 mit A1-Führerschein. Der „Ellenator“ ist ein zum Dreirad umgebauter Fiat 500 mit auf 125 cm3 eingeschränkter Leistung, das heißt mit maximal 11 kW. Entwickelt wurde das Fahrzeug von KFZ-Meister Wenzel Ellenrieder aus dem baden-württembergischen Dösingen/Westendorf. Den umgebauten Fiat, der eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf die Straße bringt, können Jugendliche ab 16 Jahren mit einem Motorradführerschein A1 fahren - und so einfacher zum Augel-Stammhaus sowie zu den Baustellen des Unternehmens gelangen.

Alternativen zum Ellenator

Neben dem Ellenator gibt es auch andere Fahrzeuge, die bereits von Jugendlichen gefahren werden dürfen:

  • Renault Twizy 45: Ein Mix aus Pkw und Roller, der von einem fünf PS starken Elektromotor angetrieben wird und bis zu 45 Kilometer pro Stunde schnell ist.
  • Aixam City: Ein Leichtfahrzeug aus Frankreich mit einem acht PS starken Zwei-Zylinder-Dieselmotor, der es auf 45 Kilometer pro Stunde schafft.
  • Microcar MGO: Bietet mit 690 Litern Kofferraumvolumen und Ausstattungsmerkmalen wie Klimaanlage ein Pkw-ähnliches Umfeld.
  • Opel Rocks-e: ist mit einem Neupreis von etwa 8.000 Euro sowohl ein sehr günstiges Microcar als auch ein E-Auto ab 16 mit einer großen Reichweite.
  • Ligier Myli: Der günstigste davon ist der G.OOD mit einem Neupreis von knapp 13.000 Euro. Er hat eine Reichweite von 63 Kilometern. Auf etwa doppelt so viel kommt die größte Variante des Myli. Der R-EBEL kostet neu reichlich 18.000 Euro.

Renault Twizy 45

Ein Fahrzeug, das bereits von 15 Jahre jungen Fahrern mit dem Führerschein der Klasse AM geführt werden darf, ist der Renault Twizy 45. Der fahrende Mix aus Pkw und Roller wird von einem fünf PS starken Elektromotor angetrieben und ist bis zu 45 Kilometer pro Stunde schnell. Der Grundpreis beträgt 6.950 Euro zuzüglich der Batteriemiete, die mit monatlich zwischen 50 und 164 Euro zu Buche schlägt. Türen sind optional, der zweite Sitzplatz direkt hinter dem Fahrer nicht - der ist immer mit an Bord.

Da der Twizy 45 mit fensterlosen Türen wetteranfällig ist, wundern die verbauten Materialien nicht. So besteht der Innenraum aus Kunststoff und im Boden befinden sich Löcher mit der Funktion eines Wasserablaufs. Eine Klimaanlage gibt es verständlicherweise nicht, da diese ohne Fenster sinnfrei wäre. Gar nicht sinnfrei ist die Mitbestellung von Parksensoren. Das Leichtfahrzeug lässt eine Heckscheibe vermissen und bietet somit keinerlei Übersicht nach hinten.

Aixam City

Ebenfalls aus Frankreich stammt das Leichtfahrzeug Aixam City. Mithilfe seines acht PS starken Zwei-Zylinder-Dieselmotors schafft es 45 Kilometer pro Stunde. Der, wie der Twizy 45, mit der Führerscheinklasse AM fahrbare Aixam kostet ab 11.290 Euro. Sein Vorteil gegenüber dem Twizy 45 liegt vor allem in seinem 700 Liter fassenden Kofferraum. Der Aixam City ist 2,78 Meter lang, 1,50 Meter breit und 1,47 Meter hoch. Mit seinem 16 Liter großen Dieseltank schafft der 425 Kilogramm leichte Zweisitzer rund 500 Kilometer.

Microcar MGO

Aus dem Hause Microcar kommt der MGO für Führerschein-Frühstarter infrage. 690 Liter Kofferraumvolumen, zwei Sitze, bis zu 14 Zoll große Leichtmetallfelgen, eine Rückfahrkamera und eine Klimaanlage bieten ein von Pkw gewohntes Umfeld. In puncto Motorleistung hat er etwas weniger als der Aixam zu bieten. Hier sorgen 5,5 PS für eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometer pro Stunde. Der MGO ist 3,00 Meter lang, 1,50 Meter breit und 1,56 Meter hoch. Im fahrbereiten Zustand bringt er 400 Kilogramm auf die Waage. Sein Dieseltank fasst 17,5 Liter.

Tabelle: Vergleich von Fahrzeugen für Fahranfänger

Fahrzeug Führerscheinklasse Höchstgeschwindigkeit Leistung Besonderheiten
Fiat 500 Ellenator A1 90 km/h 20 PS Umbau zum Dreirad, Viersitzer
Opel Rocks-e AM 45 km/h - Microcar, E-Auto, große Reichweite
Renault Twizy 45 AM 45 km/h 5 PS Mix aus Pkw und Roller, optional mit Türen
Aixam City AM 45 km/h 8 PS Zwei-Zylinder-Diesel, 700 Liter Kofferraum
Microcar MGO AM 45 km/h 5,5 PS Pkw-ähnliches Umfeld, Klimaanlage

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