Fahrradbremse mit Ölfunktion: Hydraulische Bremsen im Detail

Fahrräder, insbesondere Mountainbikes, sind entweder mit mechanischen Bremsen oder mit hydraulischen Bremsen ausgestattet. Beide Systeme sind in vielen Mountainbikes verbaut, jedoch sind hydraulische Bremsen unter Mountainbike-Enthusiasten die bevorzugte Variante.

Wie funktionieren hydraulische Bremsen?

Bei hydraulischen Bremsen üben die Steuerhebel keinen Druck über das Kabel aus, sondern über eine kleine Pumpe. Diese bringt Öl in den Bremskreislauf und setzt dieses unter Druck. Da es nicht komprimierbar ist, übt das Öl den gleichen Druck auf die Kolben im Bremssattel aus. Die Kolben übertragen den Druck auf die Beläge, die die Bremsung dann durchführen.

Sie reagieren besonders schnell, sind robust und bieten eine gute Kontrolle der Bremskraft.

Wartung hydraulischer Bremsen

Bei der optimalen Wartung sollte man auf zwei Dinge achten. Diese beziehen sich auf den Austausch der Beläge und das Entleeren und Ersetzen der Bremsflüssigkeit. Das Wechseln der Bremsflüssigkeit ist wichtig, da sie sich bei intensivem Gebrauch der Bremsen zersetzt.

Quietschende Fahrradbremse: Was tun?

Das Geräusch kann einen in den Wahnsinn treiben: "Quiiiietsch" bei jeder Bremsung. Was tun? Vielleicht sollte sie mal wieder geölt werden? Achtung: Bei Bremsen gibt es Einiges zu beachten! Warum Öl und Bremsen am Fahrrad keine gute Kombi sind, erklären wir hier.

Grundlagen der Fahrradbremsen

Um die Frage zu beantworten, ob Öl bei quietschenden Bremsen hilft, müssen wir zuerst grob wissen, wie Fahrradbremsen überhaupt funktionieren. Generell gibt’s zwei gängige Arten von Bremsen an Fahrrädern: Felgenbremsen und Scheibenbremsen.

Felgenbremsen

Die Felgenbremse bremst mittels eines Bowdenzuges oben an der Felge. Hier sind zwei Bremsbacken links und rechts am Laufrad positioniert. Zieht man am Bremshebel, ziehen sich beide mittels eines Kabelzuges (Bowdenzug) zusammen und drücken ihre Beläge an die Felge - das Rad kommt zum Stehen. Aufgrund der einfachen Wartung sind sie ideal für City- und Klappräder.

Scheibenbremsen

Mittlerweile Standard bei modernen Mountainbikes, Trekkingrädern, Rennrädern und Gravelbikes sind Scheibenbremsen. Sie haben mehr Bremskraft, sind sicherer als Felgenbremsen und funktionieren auch bei Nässe zuverlässig. Die Scheibenbremse bremst über eine Scheibe mittig am Rad. Auch lösen Bremsbeläge die Bremsung aus. Sie drücken aber nicht auf das Laufrad selbst, sondern auf eine Scheibe in der Mitte des Rades.

Weiterer Unterschied zur Scheibenbremse: Hier wird die Bremskraft nicht durch einen Kabelzug, sondern durch ein Hydrauliksystem mittels Bremsflüssigkeit und Kolben übertragen. Genau wie beim Auto.

Warum quietschen Bremsen?

Nachdem wir die Grundfunktion verstanden haben, fällt es leicht, Gründe fürs nervige Quietschen zu identifizieren:

  • Schmutz auf der Bremsscheibe oder den Bremsbelägen
  • Nässe
  • Bei Felgenbremse: Die Bremsbeläge sind falsch montiert und stehen in einem falschen Winkel zur Felge. Die richtige Position für die Bremsbacken ist mittig über der Bremsfläche der Felge.
  • Bei Scheibenbremse: Nicht alle Schrauben sind ausreichend festgezogen

Was kann man gegen quietschende Felgenbremsen tun?

Der erste Schritt bei quietschenden Bremsen ist eine gründliche Reinigung. Spüle Schmutz mit Wasser und einem umweltschonenenden Spülmittel speziell für Fahrräder und E-Bikes ab. Da kann man nichts falsch machen. Außerdem - und hier kommt Öl ins Spiel - kannst du die beweglichen Teile der Felgenbremse, die Gelenke, vorsichtig ölen. Wichtig: Kein Öl an die Bremsbacken kommen lassen. Am besten dazu einen Lappen über Reifen und Felge legen und dann vorsichtig mit einem handelsüblichen Öl (z.b. WD40) die beweglichen Teile fetten.

Was kann man gegen quietschende Scheibenbremsen tun?

Ist das Fahrrad ganz neu und frisch aus dem Laden, ist eine quietschende Bremse nicht ungewöhnlich. Hier solltest du sie einmal ordentlich einbremsen, indem du mehrmals hintereinander stark bremst. Hilft das nicht, müssen die Beläge getauscht werden. Es gibt unterschiedlich gehärtete Bremsbeläge, dies muss dann berücksichtigt werden. Bei einem gebrauchten Fahrrad solltest du dich als erstes an die Reinigung machen. Eine oberflächliche Reinigung funktioniert genau wie bei der Felgenbremse - mit Wasser und Spülmittel Schmutz abspülen. ISt die Bremse danach immer noch laut, geht's an die Tiefenreinigung. Die ist bei Scheibenbremsen aufwändig - besser von Fachleuten machen lassen.

Achtung! Wer selbst an seinen Fahrradbremsen herumschraubt, sollte wissen, was er oder sie tut! Ohne ausreichende Erfahrung lieber auf Nummer sicher gehen und das Rad zu den Profis in die Werkstatt bringen.

Öl auf die Bremse: Auf keinen Fall!

Während bei anderen Quietsch- und Schleifgeräuschen am Fahrrad Öl durchaus helfen kann, ist es bei den Bremsen ein absolutes No Go! Im Gegenteil, mit Öl kannst du deine Bremsen ganz schnell unbrauchbar machen. Kommt nämlich Öl auf die Bremsscheibe oder die Bremsbeläge, hat die Bremse keinen Grip mehr. Die Bremskraft ist dahin. Im schlimmsten Fall ist der Schaden sogar irreparabel und du brauchst eine neue Bremse.

Bremsflüssigkeiten: Mineralöl vs. DOT

Ein kurzer Überblick über die Unterschiede zwischen Mineralöl und DOT als Bremsflüssigkeit für Mountainbikes, Rennräder, Gravelbikes und andere Fahrräder.

Druck und Hitze: Was eine Bremsflüssigkeit können sollte

Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass sich das Bremsmedium nicht komprimieren lässt. Mineralöl und DOT unterscheiden sich darin nicht nennenswert. Entscheidend ist, dass sich keine Luft im System befindet, denn sie ist komprimierbar. Durch sorgfältiges Entlüften stellst Du einen stabilen Druckpunkt sicher. Da zwischen Deinen Bremsbelägen und Deiner Bremsscheibe große Hitze entstehen kann, die zu einem Teil auch die Flüssigkeit im Bremssattel erreicht, sollte das Bremsmedium temperaturstabil sein - also einen hohen Siedepunkt haben. Im Normalbetrieb wirst Du hier kaum Unterschiede feststellen. Sowohl Mineralöl- als auch DOT-Bremsen können ziemlich viel ab, wenn sie gut gewartet sind. Erst wenn sich Wasser ins System schleicht, kann es zu Problemen kommen.

Eigenschaft Mineralöl DOT
Mischbarkeit mit Wasser Bleiben getrennt Entsteht eine homogene Flüssigkeit
Haltbarkeit Sehr haltbar, kann jahrelang verwendet werden Regelmäßig erneuern, da hygroskopisch
Auswirkung von Wasser Wasser sammelt sich im Bremssattel, kann bei Hitze kochen Senkt den Siedepunkt des Gesamtsystems
Aggressivität Greift Kunststoffe und Lacke in der Regel nicht an Aggressiv gegenüber Lacken, manchen Kunststoffen und der Haut

Mineralöl

Die spezifischen Eigenschaften von Mineralöl in Bremsen können im Detail zwischen den Herstellern variieren, da sie nicht genormt sind. Generell sind Mineralöle sehr haltbar und können oft jahrelang in einer Bremse ihren Dienst verrichten. Sie greifen Kunststoffe und Lacke in der Regel nicht an und auch Hautkontakt ist weniger kritisch als mit DOT. Dennoch solltest Du Hautkontakt vermeiden und das Mineralöl direkt wegwischen oder abwaschen, wenn Du etwas gekleckert hast. Mineralöl ist nicht hygroskopisch, das heißt, es vermischt sich nicht mit Wasser. Das sorgt sowohl für eine lange Haltbarkeit in der Bremse als auch in einer angefangenen Mineralöl-Flasche in der Werkstatt. Sollte doch etwas Feuchtigkeit den Weg ins System finden, mischt es sich nicht mit dem Mineralöl und hat daher keine Auswirkungen auf dessen Siedepunkt. Erst wenn sich Wasser im Bremssattel ansammelt (da es schwerer als Öl ist, findet es mit der Zeit den Weg nach unten), kann es bei Hitzeentwicklung zu kochen beginnen und Probleme verursachen. Aber keine Sorge: Die Bremsen sind in der Regel so gut gedichtet, dass das bei einem gut gewarteten System nicht vorkommt.

DOT

Unter DOT werden Bremsflüssigkeiten auf Glykolbasis zusammengefasst - genauer DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1. Sie stammen aus der Automobil- und Motorradwelt, wo dafür Minimalanforderungen standardisiert sind. Die jeweiligen Ausführungen unterscheiden sich im Siedepunkt und der Viskosität. Am Fahrrad wird meist DOT 4 oder 5.1 verwendet, da sie temperaturstabiler sind als DOT 3. DOT sollte in Fahrradbremsen regelmäßig erneuert werden, da es hygroskopisch ist und Wasser zieht - auch durch mikroskopisch kleine Ritzen und Poren im System. DOT vermischt sich mit Wasser und dadurch sinkt der Siedepunkt des Gesamtsystems. Die Hygroskopie hat aber auch einen Vorteil: Es kann sich nirgends pures Wasser mit seinem deutlich niedrigeren Siedepunkt sammeln. Wenn Du die vom Hersteller empfohlenen Wartungsintervalle einhältst, sollte der Siedepunkt der minimal verwässerten Bremsflüssigkeit im grünen Bereich bleiben. Beim Arbeiten mit DOT solltest Du darauf achten, dass es aggressiv gegenüber Lacken, manchen Kunststoffen und der Haut ist. Beachte, dass DOT auch in einer angefangenen Flasche Feuchtigkeit aus der Umgebung zieht. Es ist also auch in der Werkstatt stehend nur begrenzt haltbar.

Bitte nicht mischen! Mineralöl und DOT dürfen auf keinen Fall gemischt werden. Zudem musst Du die Bremse immer mit dem spezifischen Bremsmedium befüllen, also DOT-Bremsen immer mit DOT und Mineralöl-Bremsen immer mit Mineralöl. Die Dichtungen in Bremshebeln und -sätteln bestehen aus Gummi, das speziell für das jeweilige Bremsmedium ausgewählt wurde. Sie könnten sonst versagen und Deine ganze Bremse unbrauchbar machen. Auch bei Mineralölen verschiedener Hersteller ist Vorsicht geboten, da sie unterschiedliche Zusätze (Additive) beimischen. DOT 3, 4 und 5.1 kannst Du grundsätzlich mischen, die Eigenschaften verändern sich dabei aber. Das silikonbasierte DOT 5 solltest Du nicht beimischen.

Alternative: Mechanische Scheibenbremsen

Von vielen belächelt, aber für manche Bikes dennoch beliebt: Mechanische Scheibenbremsen funktionieren mit einem Bowdenzug statt mit Bremsflüssigkeit. Während hydraulische Bremsen bei Bremsleistung und Dosierbarkeit klar vorn liegen, haben mechanische Bremsen andere Vorteile: Sie müssen nie entlüftet werden und sind mit einfachem Werkzeug auch unterwegs zu warten. Das kann auf Reisen in abgelegenen Gegenden sehr praktisch sein. Wenn Dir einfache Wartung wichtiger ist als maximale Power und Dosierbarkeit, dann sind mechanische Bremsen eine Überlegung wert.

Hydraulische Bremse am Fahrrad warten

Auch hydraulische Bremsen am Fahrrad können Sie bei Bedarf selbst überholen. Wer viel und gerne Fahrrad fährt, sollte das Rad auch regelmäßig reinigen. Bei abnehmender Bremswirkung wird man zunächst die Nachstellschraube am Bremshebel justieren - diese ist vor allem zum Ausgleich der kleiner werdenden Belagstärke bei Verschleiß der Bremsklötze gedacht. Die Einstellung ist korrekt, wenn die Bremse bereits bei geringer Betätigung anspricht und die volle Bremsleistung vor Nutzung des kompletten Hebelwegs erreicht wird. Ist ein weiteres Nachstellen nicht mehr möglich, sollten Sie zunächst die Belagstärke kontrollieren und die Bremsklötze bei Bedarf wechseln.

Tritt das Problem auch mit neuen Belägen auf, sollte das Leitungssystem der Bremse wie in der Bildergalerie gezeigt entlüftet werden. Damit eventuell im Leitungssystem enthaltene Luft austreten kann, wird neue Flüssigkeit von unten nach oben in das Leitungssystem eingefüllt. Als Einlassöffnung wird die Verschluss-Schraube am rechten Bremszylinder genutzt, sie ist unter einer Schutztülle verborgen. Wir haben das Vorgehen an der Hinterrad-Bremse gezeigt, vorne funktioniert es aber praktisch gleich. Damit die Austrittsöffnung am Bremsgriff zum höchsten Punkt wird, lösen Sie dessen Befestigung und drehen den Hebel nach oben oder - wenn sich die Entlüftungsschraube seitlich befindet - in die Waagerechte.

Stören beim Drehen des Griffs andere Lenker-Anbauten, so können Sie den Griff auch komplett demontieren und zum Beispiel an einem Besenstiel montieren - so vermeiden Sie auch die Verschmutzung der Umgebung durch eventuell versehentlich austretendes Öl. Pressen Sie solange frisches Hydrauliköl in das Leitungssystem, bis keine Luftblasen mehr in die oben am Griff befestigte Spritze austreten. Pumpen Sie während des Füllvorgangs immer wieder mit dem Bremsgriff verbliebene Luft aus dem System. Zuletzt Nachstellschraube wieder justieren.

Das richtige Öl für die hydraulische Bremse am Fahrrad

Damit das Hydrauliköl ungehindert durch das Leitungssystem geleitet werden kann, muss in der am Griff befestigten Spritze die entweichende Luft entweichen können. Dazu ziehen Sie den Kolben möglichst weit auf und bohren - soweit nicht schon vorhanden - ein kleines Loch etwas oberhalb der maximalen Skalenangabe in den Zylinder. Wird der Kolben später bei gefüllter Spritze vor das Loch geschoben, wird ein unkontrolliertes Entweichen der Flüssigkeit sicher verhindert. Benutzen Sie keine Bremsflüssigkeit!

Das Hydrauliköl in Fahrradbremsen muss übrigens nicht regelmäßig gewechselt werden, da es sehr alterungsbeständig ist. Bei Undichtigkeit oder nachlassender Bremswirkung ist ein Wechsel oder eine Ergänzung der Flüssigkeit jedoch nötig.

Entlüften der hydraulischen Scheibenbremse

Mit der Zeit kann es vorkommen, dass sich der Druckpunkt (jener Punkt, an dem die Bremsen zu greifen beginnen) nach hinten verschiebt. Als Biker kommt man dann nicht umhin, die Bremsen zu entlüften. Anschließend besitzt das Rad wieder einen klar definierten, präzisen Druckpunkt - so, wie es sein sollte.

Um den Entlüftungsvorgang zu verstehen, muss man wissen, was eine hydraulische Scheibenbremse überhaupt ist und wie sie funktioniert. Hydraulische Scheibenbremsen arbeiten mit einem geschlossenen Ölsystem. Sobald man als Fahrer den Bremshebel betätigt, überträgt sich der dabei entstandene Impuls auf einen Geberkolben. Dieser leitet den Druck verlustfrei über die Bremsflüssigkeit in der Leitung an den Bremssattel weiter.

Generell gilt: Sobald sich der Druckpunkt beim Bremsen schwammig anfühlt, sollte man die Bremsen entlüften. Ob dabei auch ein Wechsel der Bremsflüssigkeit angezeigt ist, hängt vor allem von der Farbe des Mineralöls im Behälter ab. Weist es Verfärbungen auf, so sollte man die Bremsflüssigkeit austauschen. Es gibt drei potenzielle Ursachen für eine nachlassende Bremsleistung bei Scheibenbremsen: Verschmutzung, Überhitzung und Luft im System. Bei Verschmutzung hilft eine gründliche Reinigung. Überhitzung tritt vor allem nach längeren Abfahrten auf. Abkühlen (=abwarten) ist in diesem Fall das Mittel der Wahl.

Wer sich als Neuling mit der Technik einer Shimano Scheibenbremse auseinandersetzt, wird schnell feststellen: Das, was auf den ersten Blick einigermaßen kompliziert erscheint, ist in Wahrheit simpel aufgebaut. Ähnlich verhält es sich mit dem Reinigen und Entlüften des Bremssystems. Es ist nicht mehr als eine durchschnittliche Begabung für handwerkliche Tätigkeiten notwendig, um zufriedenstellende Resultate zu erzielen.

Schnellentlüftung

Für eine oberflächliche Schnellentlüftung ist kein vollständiges Entlüftungskit, sondern lediglich ein Entlüftungstrichter erforderlich. Dieser ist - wie das Kit - im Handel erhältlich. Um die Shimano Bremsen zu entlüften, muss man zunächst den Bremshebel horizontal ausrichten, damit die Öffnung mit der Schraube der höchste Punkt des Systems ist. Danach muss die Schraube entfernt und der Trichter aufgesetzt werden. Anschließend wird der Trichter etwa bis zur Hälfte mit Hydrauliköl gefüllt und der Hebel unter leichtem Neigen des Fahrrads angezogen. Beim folgenden Pumpen entweicht nach und nach die überschüssige Luft aus dem System.

Komplettentlüftung

Etwas aufwendiger als die soeben skizzierte Schnellentlüftung ist die Komplettentlüftung. Im Handel sind verschiedene Entlüftungssets für Shimano Scheibenbremsen zu kaufen. Wer seine Shimano Bremsen entlüften möchte, sollte in der Produktbeschreibung darauf achten, dass das Set für das Bremssystem des Fahrrads ausgelegt ist. Entlüftungskits für andere Hersteller wie Magura sind untauglich, weil das darin enthaltene Hydrauliköl nicht für Shimano Scheibenbremsen geeignet ist und an den Kolbendichtungen Schaden anrichtet.

Schritte zur Komplettentlüftung

  1. Spritze zu zwei Drittel mit Mineralöl befüllen.
  2. Überprüfen, ob Luft in der Spritze ist.
  3. Mit einem Lappen Flüssigkeit am Bremssattel abwischen.
  4. Bremshebel zur Überprüfung bis an den Griff ziehen.
  5. Trichter entfernen.

Hat man den Entlüftungsvorgang - wie beschrieben - sorgfältig durchgeführt, fühlt sich die Bremse deutlich aggressiver an. Man sollte deshalb die ersten Bremsmanöver vorsichtig angehen, um sich an die stärkere Bremsleistung zu gewöhnen.

Problemlösung: Schwammiger Druckpunkt

In einigen (seltenen) Fällen reicht es nicht aus, die Shimano Bremse zu entlüften: Der Druckpunkt ist und bleibt schwammig. Meist liegt dies an verschlissenen oder defekten Dichtungen.

Was tun bei Öl auf der Scheibenbremse?

In diesem Blog-Beitrag gehen wir der Aussage bzw. These nach, dass bzw. ob Öl auf der Scheibenbremse die Bremsbeläge und Bremsscheibe tatsächlich unbrauchbar macht. Speziell, wenn etwas flott erledigt werden muss, passiert oftmals ein dummer Fehler oder Missgeschick. Schnell vor der Fahrradtour noch etwas Öl auf die Kette und los geht’s. Wer jedoch nicht konzentriert bei der Sache ist, vertut sich schnell mal und schon geht der Sprühstoß Kettenöl nicht auf den Antriebsstrang, sondern leider komplett auf die Bremsscheibe der gegenüberliegenden Seite. Wenn Sie diesen Ausrutscher schnell genug merken, können Sie mit viel Glück noch das Schlimmste verhindern. Reinigen Sie die Bremsscheibe dann schnell und sorgfältig mit Isoropyl-Alkohol, bevor die Ölschicht die Bremsbeläge komplett durchtränkt. Seien Sie auch mit fettigen Fingern vorsichtig: Mit diesen auf die Bremsscheibe zu fassen, ruft das gleiche unerwünschte Ergebnis hervor.

Verölte Bremsbeläge

Wenn die Bremsbeläge auch nur einmal mit Öl oder Fett in Kontakt gekommen sind und sich vollsaugen konnten, reduziert sich die Bremswirkung quasi auf null. Dies ist sehr gefährlich - gerade in brenzligen Situationen muss die Bremse auf Anhieb funktionieren. Die Bremsbetätigung in einer Gefahrensituation, die dann im ersten Moment ohne Geschwindigkeitsreduzierung erfolgt, kann kritisch werden. Wenn die Bremsbeläge komplett schmutzig und verunreinigt sind, müssen Sie die Beläge unbedingt austauschen und die Bremsscheibe reinigen. Falls Sie unterwegs sind, wenn Ihnen dieses Missgeschick passiert, gerade keine Ersatzbeläge dabeihaben und die Fahrradtour aber zwingend weitergehen muss, lesen Sie unsere nachfolgenden Tipps.

Sie können die Gefahr verölter Bremsbeläge bzw. Bremsscheiben extrem reduzieren, indem Sie ein Kettenöl aus der Dosierflasche nutzen. Bei einer herkömmlichen Sprayflasche gehen bei Nutzung teils mal eben schnell ein Großteil daneben.

Was man nicht tun sollte

Oftmals liest man auch, dass man mit Feuer das Öl aus dem Bremsbelag brennen könnte. Jedoch hat das Feuer nichts gebracht: Beim anschließend durchgeführten Bremstest war immer noch eine sehr starke Verzögerung zu spüren; die Bremswirkung ungenügend - so wie zuvor. Abschleifen der Bremsbeläge brachte auch nur eine minimale Verbesserung.

Reinigung und Prüfung der Bremsscheiben

Um an der Bremsanlage arbeiten zu können, müssen natürlich die Laufräder vom Rad abmontiert werden. Vorher aber kannst Du noch prüfen, ob die Bremsscheiben gerade oder eventuell verzogen sind. Eine verzogene Scheibe erkennst Du daran, dass sie bei Rotation im Bremssattel seitlich “taumelt“. Ein leichter Verzug ist zu verschmerzen und kann mit einem Richtwerkzeug begradigt werden. Dieser Verzug kann im Fahrbetrieb teils auffallen - Du spürst während des Bremsens ein leichtes, frequentes Pulsieren. Wenn Dich das nicht sonderlich stört, kann die Scheibe ruhig so weitergefahren werden. Ist die Scheibe stark verzogen, so dass der Bremssattel nicht mehr schleiffrei einstellbar ist, kann es sein, dass sie nicht mehr zu begradigen ist und ausgetauscht werden muss.

Nun wird noch die Reibfläche der Scheiben geprüft. Diese unterliegt natürlich, genau wie die Beläge, einem gewissen Verschleiß, auch wenn dieser aufgrund der Härte des Stahls deutlich langsamer fortschreitet als bei den Bremsbelägen. Nimmst Du Dir die Scheibe vor, kannst Du mit dem Fingernagel am Übergang zwischen Reibfläche und Trägerarmen oft eine „Stufe“ spüren. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Reibfläche bereits dünner geworden ist. Mit dem Messschieber kannst Du die genaue Dicke messen. Ist sie nahe der Verschleißgrenze oder gar darunter, muss sie getauscht werden. Diese Verschleißgrenze ist auf der Scheibe aufgedruckt.

Wenn die Scheibe rot- bis bläuliche Verfärbungen aufweist, ist dies ein Indiz dafür, dass sie mindestens einmal auf einer Abfahrt sehr heiß geworden ist. Das darf aber durchaus sein und ist kein Grund zum Austausch - es sei denn, die Scheibe sieht komplett „verglüht“ aus. Schau Dir auch die Reibfläche genauer an: Siehst Du dort eingebrannte Fragmente der Beläge, hat sich Material dieser gelöst und mit der Scheibe unter Hitzeeinwirkung „verbunden“. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Bremsbeläge an ihre Belastungsgrenze gekommen sind. Falls Du organische Beläge nutzt, wäre der Umstieg auf Sintermetall-Beläge ratsam, da diese mehr Hitze vertragen.

Um nichts auszulassen, empfiehlt es sich, noch die Verschraubung der Scheiben an den Naben zu prüfen, idealerweise mit dem Drehmomentschlüssel. Die Drehmomentwerte sind jeweils auf der Scheibe bzw. auf dem Center Lock-Verschlussring aufgedruckt. Findest Du keine Angabe auf der 6-Loch-Scheibe, sind 6-7Nm ein guter Anhaltspunkt. Bei Center Lock ist ein Wert von 40Nm vorgesehen.

Sind die Bremsscheiben verölt oder stark verdreckt, müssen sie gereinigt werden. Hierzu nimmst Du einen herkömmlichen Bremsenreiniger , der auf einen Öl- und fettfreien Lappen gesprüht wird. Damit werden beide Seiten der Bremsfläche gründlich abgewischt. Anschließend empfehlen wir, noch einmal mit einem in Wasser getränkten Lappen nachzuwischen, denn Bremsenreiniger hinterlässt Rückstände auf der Scheibe, die den Reibwert verringern und somit temporär die Bremsleistung verschlechtern.

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