Fahrradhelm-Test: Sicherheit, Komfort und Schutz im Fokus

Die Fahrradbranche boomt, und speziell E-Bikes tragen zur enormen Popularität der Zweiräder bei. Durch das höhere Tempo der elektrifizierten Räder steigt allerdings auch die Unfallgefahr. Laut Deutscher Gesellschaft für Unfallchirurgie könnten 60 bis 70 Prozent der tödlichen Hirnverletzungen mit Kopfschutz vermieden werden. Daher ist es umso wichtiger, einen Fahrradhelm zu tragen, der optimalen Schutz bietet.

Testkriterien und -methoden

Um die aktuelle Helmgeneration realitätsnah zu prüfen, wurde ein Helmprüfstand entwickelt, der sich an den in der Wissenschaft und von forschenden Herstellern eingesetzten Methoden orientiert. Für den Test wird der Helm auf einen 4,9 Kilogramm schweren Prüfkopf aus Aluminium angepasst. Helm und Kopf werden beim simulierten Sturz auf einem Schlitten geführt und treffen mit 21 km/h auf eine im Winkel von 45 Grad geneigte Stahlfläche auf.

Ein Sechs-Komponenten-Sensor im Prüfkopf zeichnet Beschleunigung und Drehraten um die drei Achsen im Raum beim Aufprall und in der sich anschließenden Flugphase auf. Die Beschleunigung wird nach dem größten resultierenden Wert ausgewertet - je niedriger, desto besser. Die Kopfrotation wird zum BrIC (Brain Injury Criterion) umgerechnet, das aussagt, wie schädlich die Bewegung für das Gehirn ist.

Zusätzlich zu den Crash-Prüfungen wurden die Belüftung an einem entwickelten Prüfstand gemessen, das Gewicht ermittelt und das Anpassungssystem beurteilt. Um den optimalen Helm zu finden, lohnt sich also ein Blick in die Steckbriefe.

Rotationssysteme im Test

Das schwedische Unternehmen MIPS gilt als Vorreiter, wenn es um die Reduzierung schädlicher Rotationskräfte auf das Gehirn geht. Neben MIPS existieren noch weitere Systeme wie 360° Turbine (Leatt), WaveCell (Bontrager) oder Smartshock (100%). Außer bei MIPS konnten wir im Test allerdings nur bei WaveCell einen positiven Effekt gegen die Rotationskräfte nachweisen. Beide senken das Risiko einer Gehirnerschütterung im Schnitt um mehr als 50 Prozent im Vergleich zu Helmen ohne diese Systeme.

Alternative Rotationssysteme

  • Smartshock / 100%: Zwischen Helmschale und Polster sind kleine, bewegliche Elastomere integriert. Die Smartshock-Puffer sollen Stöße absorbieren und die bei einem schrägen Aufprall auftretende Rotationsenergie ableiten. Auf dem Prüfstand zeigt Smartshock keine überzeugende Wirkung.
  • WaveCell / Bontrager: WaveCell ist eine komprimierbare Zellstruktur an der Innenseite der Helmschale. Bei einem Aufprall verbiegen sich die Zellen, werden dann komprimiert wie ein Stoßfänger und sollen sich schließlich verschieben, um die Energie vom Kopf wegzuführen. Das System liegt unter dem Durchschnitt der MIPS-Werte.
  • 360˚ Turbine / Leatt: Kleine, um 360 Grad bewegliche Scheiben aus flexiblem Kunststoff an der Innenseite der Helmschale sollen lineare Stöße um bis zu 30 Prozent dämpfen und Rotationsbeschleunigung um bis zu 40 Prozent verringern. Im Vergleich zu Helmen mit MIPS liegt das Risiko einer Gehirnerschütterung deutlich höher.

Ergebnisse und Erkenntnisse

Mit 129,7 g liegt selbst der schlechteste Helm in diesem Test weiter unterhalb des Grenzwerts. Die Spanne reicht jedoch von 84,2 g (Specialized) bis zu 129,7 g (Endura) und zeigt, dass die Helme durchaus unterschiedlich gut schützen. Zwar liegen auch hier viele MIPS-Helme mit guten Werten weit vorne. Ein Zusammenhang zwischen reduzierter Rotationsbeschleunigung und guter Stoßdämpfung ist aber nicht festzustellen.

Bei Helmen mit MIPS haben wir ein Risiko einer Kopfverletzung von im Schnitt 16,2 Prozent ermittelt. Im Vergleich beträgt das Risiko bei Modellen ohne MIPS 35,5 Prozent. Nur Bontragers WaveCel-Technologie liefert vergleichbar gute Werte. Bei Abus konnten wir trotz fehlendem MIPS einen passablen Wert beim Rotationsschutz feststellen, was mit der Konstruktion der Helmschale und des Polsters zusammenhängt.

Risiko einer Gehirnerschütterung bei den Test-Helmen

Die Tabelle zeigt die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Biker, bei dem von uns simulierten Sturzszenario eine mittlere Gehirnerschütterung erleiden würde. Das Risiko für eine Gehirnerschütterung liegt zwischen 6 und 44 Prozent.

Beschleunigung in g bei den Test-Helmen

Alle Helme im Test bleiben bei den Beschleunigungswerten, also den Kräften, die bei einem Aufprall noch auf den Kopf wirken, weit unterhalb der Norm (250 g). Die Spanne reicht jedoch von 84,2 g (Specialized) bis zu 129,7 g (Endura) und zeigt, dass die Helme durchaus unterschiedlich gut schützen.

Interview mit Christiane Reckter, TÜV-Ingenieurin

Christiane Reckter, TÜV-Ingenieurin, betont die Wichtigkeit der Passform: "Demnach ist die Passform enorm wichtig. Super wichtig! Viele Helme besitzen zwar einen Kopfring, der sich zuzurren lässt, doch ist der Helm zu groß, wird’s schnell gefährlich. Warum? Weil zuerst der Helm aufschlägt und dann der Kopf im zu großen Helm. Folge: Schädel-Hirn-Trauma. Bei passenden Helmen passiert das nicht."

Sie erklärt auch, dass kleinere Beschleunigungswerte besser sind: "Je kleiner der Beschleunigungswert, desto besser dämpft der Helm. 100 g machen einen riesigen Unterschied."

MIPS - Funktionsweise

Bereits 1996 entdeckten Hans von Holst und Peter Halldin die schädliche Wirkung eines schrägen Aufpralls. Das von ihnen entwickelte MIPS sollte das Risiko einer Kopfverletzung senken. Wissenschaftliche Forschungen belegen, dass das Gehirn besonders empfindlich auf Rotation reagiert. Durch MIPS soll die Rotationsenergie bei einem Aufprall verringert werden, indem die reibungsarme MIPS-Schale ein zum Kopf versetztes Gleiten des Helms ermöglicht.

Kinderfahrradhelme im Fokus

Ein Fahrradhelm für Kinder sollte sicher, gut sitzend und bequem sein. Besonders wichtig sind ein hoher Sicherheitsstandard, eine gute Passform und ein angenehmer Tragekomfort. Zusätzlich sollten die Testergebnisse von Stiftung Warentest und ADAC berücksichtigt werden.

Testsieger bei Kinderfahrradhelmen

Unabhängige Verbraucherorganisationen, Testinstitute, Clubs und spezialisierte Fachmagazine testen Produkte in standardisierten Verfahren nach objektiven Kriterien. Wir vergleichen die Ergebnisse von Stiftung Warentest, ÖKO-TEST, ADAC, TÜV, OEKO-TEX sowie weiteren Institutionen und listen die jeweiligen Testsieger in einer kompakten Tabelle, um euch einen optimalen Überblick zu verschaffen.

Kinderfahrradhelm Größe Testergebnisse
Abus Youn-I 2.0 2 Größen (48 - 57 cm) Testsieger Fahrradhelm für Kinder (Gesamtnote 2,2) bei Stiftung Warentest 2022
Alpina Pico Flash 50 - 55 cm „gut“ (Gesamtnote 2,4) bei Stiftung Warentest 2022
Casco Mini 2 46 - 52 cm „gut“ (Gesamtnote 2,4) bei Stiftung Warentest 2022
Lidl Crivit Kinder Fahrradhelm Art.-Nr. 366848 2 Größen (46 - 54 cm) „gut“ (Gesamtnote 2,4) bei Stiftung Warentest 2022
Woom Kids Helm 3 Größen (46 - 56 cm) „befriedigend“ (Gesamtnote 2,6) bei Stiftung Warentest 2022

Worauf du bei einem Kinderfahrradhelm achten musst

  • Helmpflicht: Kinder bis 12 Jahre müssen beim Fahrradfahren einen Helm tragen.
  • Größe: Die Größe entscheidet, ob der Helm angenehm und dennoch sicher sitzt.
  • Perfekter Sitz: Wenn euer Kind den Kopf schütteln kann und der Helm dabei sicher, aber nicht zu eng sitzend an seiner Position bleibt, habt ihr den idealen Helm gefunden.
  • Riemen: Dieser sollte so fest wie nötig und so locker wie möglich eingestellt sein.
  • Speziell für Kinder: Besonders bei Kinderhelmen solltet ihr darauf achten, dass der gesamte Kopf geschützt ist. Vor allem der Hinterkopf sollte noch zusätzlich geschützt sein.
  • Verschluss: Zu guter Letzt können Fahrradhelme mit einem Magnetverschluss Pluspunkte sammeln.

Empfehlenswerte Modelle

Einige der im Test genannten Modelle, die besonders hervorstechen, sind:

  • Uvex Urban Planet LED: Bietet zusätzlichen Schutz im Heck- und im Schläfenbereich, ist angenehm zu tragen und perfekt auf die Kopfform einstellbar.
  • Uvex Finale Visor: Verfügt über ein klappbares Visier, Beleuchtung und Insektenschutz.
  • Abus Pedelec 2.0: Hat einen Regenschutz integriert und ist mit einem LED-Licht ausgestattet.
  • POC Omne Beacon Mips: Ein stylisches Accessoire mit guter Schutzwirkung.
  • Fischer Urban Plus Brooklyn: Bietet Beleuchtung, Sonnen- und Insektenschutz zu einem günstigen Preis.

Es gibt viele gute Helme auf dem Markt. Doch nur, wenn die Hersteller auch auf die kleinen Details achten, wird ein sehr guter Helm daraus.

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