Kaum zu glauben, dass es im Zeitalter hypermoderner Textilfasern und wasserdichter Lederkombis noch die dünnen Plastik-Überzieher für nasse Tage gibt. Das Angebot ist reichhaltig, der Absatz stimmt vor allem im unteren Preissegment bis 50 Euro. Für 10 Regenkombis in einteiliger Form heißt es nun: Wasser marsch!
Haben Sie das Bild auch noch lebhaft vor Augen? Eine Gruppe Motorradfahrer, die sich in der Gischt unter der Autobahnbrücke zusammenrottet und sich mehr oder weniger elegant in Regenkombis hineinzappelt? Jetzt denken Sie aber mal ganz scharf nach und sagen, wann Sie diese Szenerie zum letzten Mal gesehen haben? Sie haben Recht, das ist verdammt lange her.
Denn der Tourenprofi ist mittlerweile fast ausnahmslos im allwettertauglichen Textil unterwegs. Im Idealfall bewegt er sich ohne Stopp von guter in schlechte Witterung und zurück. Droht Regen, muss er maximal anhalten, um seine Belüftungsreißverschlüsse zu schließen. Auch die Lederfraktion muss in Sachen Allwettertauglichkeit kaum noch zurückstecken. Denn auch hier hat die wasserdichte Klimamembran-Technik von Gore-Tex und Co. mittlerweile Einzug gehalten.
Ausstattung und Besonderheiten
Das heißt jetzt allerdings nicht, dass kaum noch ein Motorradfahrer die klassische Regenkombi kauft. Darüber wird es schon schwer, jemanden für einen doch eher sparsam ausgestatteten Regenüberwurf zu begeistern. Gerade Hochpreisprodukte wie die IXS-Kombination Niagara für knapp 100 Euro müssen in diesem Feld bereits mit günstigen Textilkombinationen konkurrieren. Entsprechend versucht man, den teureren Regenanzügen das eine oder andere Schmankerl mit auf den Weg zu geben.
Bei der Difi Sirocco hat man sich beispielsweise Gedanken über einen möglichst leichen Einstieg gemacht: Die Hosenbeine lassen sich per Klett am Oberschenkel fixieren, so dass man ohne groß anzuecken selbst mit klobigen Stiefeln durchsteigen kann. Gleichzeitig hat man die Verstaumöglichkeit bedacht und die Transporttasche gleich in Form einer übergroßen Einstecktasche in die Kombi integriert - ein Umschnallgurt inklusive. Weiteres Ausstattungs-Highlight hier: der extrem hohe, weit unter den Helm reichende Kragen.
Gleiches bietet auch die Hein Gericke Competition. Der Entwickler muss ein Mann der Praxis gewesen sein, dem wahrscheinlich schon häufiger die nasse Suppe von hinten in den Kragen geträufelt ist. Bei den FLM-Kombinationen von Polo geht man gleich einen Schritt weiter und hat eine eng anliegende Helmkapuze im Kragen verstaut. Darüber hinaus versucht man der Gattung der Regenkombis mit dem Modell FLM Stormchaser die Krone aufzusetzen, indem hier eine Klimamembrane integriert ist. Diesen Luxus sucht man im übrigen Testfeld vergeblich.
Allerdings lässt sich die knapp ein Kilogramm wiegende Stormchaser deutlich komfortabler tragen als das gut doppelt so schwere Modell Tornado aus gleichem Hause. Um dieses Ausstattungsgimmick aber wirklich sinnvoll nutzen (und effektiv spüren) zu können, sollte die darunter getragene Lederkombination möglichst großflächig perforiert sein. Ein Blick aufs Testfeld zeigt ohnehin: Die Gattung "schweres Ölzeug" ist out.
Wasserdichtigkeit im Test
Egal, wie umfangreich oder sparsam nun die Regenkombi ausgestattet ist. Unterm Strich zählt letztendlich nur eines, und das ist die Wasserdichtigkeit. Unter der Dusche wurde ein kräftiger Dauerregen simuliert, dem alle Anzüge zehn Minuten standhalten sollten. Das Ganze nicht stehend, sondern in typischer Motorradsitzhaltung.
Die Ausfälle hielten sich mit 30 Prozent bei den Einteilern im Rahmen, bei den zweiteiligen Anzügen gab es erfreulicherweise keine Ausfälle. Der Schwachpunkt, an dem im Regelfall Wassereinbruch droht, ist die Einstiegsöffnung. Aus Komfortgründen ist ein weit übers Bein reichender Diagonaleinstieg mittlerweile üblich. Problematisch ist, wenn der Reißverschluss von innen nicht mit einem entsprechend hoch gezogenen Latz hinterlegt wird.
In der Sitzfalte sammelt sich Wasser und sickert trotz Labyrinthabdeckung mit durchgehender Klettleiste durch den Reißverschluss. Beim Anziehen ist also absolute Sorgfalt angesagt: Latz möglichst weit oben fixieren (bei einigen Anbietern lässt er sich sogar mittels Druckknopf fixieren), Reißverschluss schließen und mit der Klettleiste möglichst faltenfrei abdecken.
Vor- und Nachteile von Einteilern und Zweiteilern
Wer sich dagegen bewusst für die zweiteilige Form der Regenkombi entschieden hat, umgeht diesen neuralgischen Schwachpunkt elegant. Die Hosen haben im Regelfall einen extrem hochgezogenen Bund (à la Modell Obelix), und die Überlappung mit der Jacke ist entsprechend breit. Dass man damit deutlich entspannter auf eine feucht-fröhliche Ausfahrt gehen kann, zeigt der Test mit null Prozent Ausfallquote in diesem Segment mehr als eindrucksvoll.
Zudem lassen sich die Zweiteiler deutlich entspannter anziehen und können - wie beispielsweise die IXS Horton-Kombination - mit einem extrem kompakten Packmaß glänzen, das mühelos in einem Tankrucksack verstaut werden kann. Ein Argument, das man nicht vernachlässigen sollte.
Viele Motorradfahrer bevorzugen Zweiteiler, weil sie leichter anzuziehen sind und die Jacke oft auch als Wind- und Kälteschutz dient. Eine Kapuze unter dem Helm schützt den Nacken vor Nässe. Einige tragen bei längeren Regenfahrten zusätzlich Gamaschen und Gummihandschuhe.
Es gibt auch Stimmen, die Einteiler bevorzugen, da sie sich besser "verpackt" fühlen und Wind und Wasser weniger Angriffsfläche bieten, wenn man sie richtig anzieht. Die Wahl zwischen Ein- und Zweiteiler ist also oft eine Frage der persönlichen Präferenz und des Einsatzzwecks.
Detail-Tests ausgewählter Regenkombis
Im Folgenden werden einige der getesteten Regenkombis detaillierter betrachtet:
BF-hardwear
- Preis: 49,90 Euro
- Material: Nylon/Polyester
- Gewicht: 1365 Gramm
- Plus: Weiter Einstieg, Latz-Fixierung, enger Beinabschluss
- Minus: Schwergängiger Reißverschluss, kurze Ärmel, nur am Oberkörper gefüttert
Büse
- Preis: 64,95 Euro
- Material: Polyester/Polyester
- Gewicht: 970 Gramm
- Plus: Bequemer Einstieg, guter Beinabschluss
- Minus: Schwächen bei der Wasserdichtigkeit, nur am Oberkörper gefüttert
Difi
- Preis: 74,95 Euro
- Material: Polyamid mit PVC-Beschichtung/Polyester
- Gewicht: 1340 Gramm
- Plus: Bequemer Einstieg mit Anziehhilfe, dichter Beinabschluss, gute Ausstattung
- Minus: Ärmelabschluss nur mit Gummizug, kein Klettriegel am Kragen
IXS Niagara
- Preis: 99,95 Euro
- Material: Polyester mit PU-Beschichtung/Polyester
- Gewicht: 1194 Gramm
- Plus: Sehr bequemer Einstieg, gute Weitenanpassung, sehr gute Ausstattung
- Minus: Schwächen bei der Wasserdichtigkeit, Beine zu lang
IXS Horton
- Preis: 49,95 Euro
- Material: Nylon mit PU-Beschichtung/Nylon
- Gewicht: 520 Gramm
- Plus: Extrem leicht, sehr kleines Packmaß, bequemer Einstieg, dichter Beinabschluss
- Minus: Keine Taschen, nur am Oberkörper gefüttert, sackartige Passform
Louis
- Preis: 24,95/27,95/29,95 Euro
- Material: Polyester mit PVC-Beschichtung/Polyester
- Gewicht: 1384 Gramm
- Plus: Üppige Ausstattung, sehr gute Weitenanpassung, geringe Flatterneigung
- Minus: Schwächen bei der Wasserdichtigkeit, unbequemer Einstieg
Modeka
- Preis: 79,90 Euro
- Material: Polyester/Polyester
- Gewicht: 1010 Gramm
- Plus: Bequemer Einstieg, Latz fixierbar, gute Passform
- Minus: Ärmelabschluss nur mit Gummizug, Latz kann sich im Reißverschluss verfangen
FLM Stormchaser
- Preis: 69,95 Euro
- Material: Polyamid/Polyester
- Gewicht: 1030 Gramm
- Plus: Sehr bequemer Einstieg, dichter Beinabschluss, praktische Kapuze, gute Ausstattung
- Minus: Futter kann sich im Reißverschluss des Beinabschlusses verfangen
FLM Tornado
- Preis: 59,95 Euro
- Material: Polyamid/Polyester
- Gewicht: 1908 Gramm
- Plus: Bequemer Einstieg, enger Beinabschluss möglich, geringe Flatterneigung
- Minus: Schweres Gewicht
Motorrad-Regenkombi Vergleich 2025
Die besten Motorrad-Regenkombis im Überblick:
| Modell | Material | Eigenschaften | Vorteile | Nachteile | Kundenwertung bei Amazon |
|---|---|---|---|---|---|
| Ilm ilm-rs02 | Nanostoff | Zweiteiler, atmungsaktiv, winddicht | Umweltfreundlich, verschleißfest, bequem, atmungsaktiv | Ohne Reflektoren, nicht verstellbare Bünde | 2035 Bewertungen |
| JDC Motorrad-Kombi SHIELD | Polyamid | Einteiler, atmungsaktiv | Atmungsaktiv, Signalfarbe, Weitenverstellung | Nicht winddicht, ohne Kapuze | 2933 Bewertungen |
| Coutyuyi CZ-208-D47 | Nanostoff | Zweiteiler, atmungsaktiv, winddicht | Geruchlos, langlebig, umweltfreundlich | Schnitt der Jacke etwas kurz, keine Beutel | 1260 Bewertungen |
| Rebelhorn motorrad-regenkombi | Polyester | Zweiteiler, winddicht | Elastisch, leicht zu reinigen, mit Reflektor | Ohne Taschen, keine Beutel | 293 Bewertungen |
| Nerve Hard Rain Regenkombi | Polyester | Einteiler, winddicht | Wasser- und winddicht, sportlich-bequem | Nicht verstellbare Bünde, keine Beutel | 35 Bewertungen |
| HEYBERRY Motorrad Regenkombi | Polyester | Zweiteiler, atmungsaktiv, winddicht | Mit Reflektoren, atmungsaktiv | Nicht verstellbare Bünde, keine Beutel | 734 Bewertungen |
| Flm Regenkombi Motorrad | Polyamid | Zweiteiler, atmungsaktiv, winddicht | Sehr atmungsaktiv, leicht anzulegen, Helmhaube | Keine Beutel, nicht verstellbare Bünde | 17 Bewertungen |
Die Qual der Wahl
Die Hersteller haben es jedenfalls nicht leicht: Niemand kann wissen, was der Kunde nachher unter der Kombi trägt. Die perfekte Regenkombi, sie passt stets genau darüber, ist nirgends zu eng, flattert aber auch bei hoher Geschwindigkeit nicht. Mit der perfekten Regenkombi passiert das nicht: Sie ist im Notfall schnell angezogen, dank langer Reißverschlüsse und großer Öffnungen auch mit klobigen Motorradstiefeln übergestülpt.
Mit einer Klimamembran ausgerüstet, schützt sie außen vor Wind und Wasser, die Feuchtigkeit aus dem Innern transportiert sie nach draußen. Doch existiert der in der Praxis überhaupt? Die Regenkombis im Test machten einen größtenteils ordentlichen Job.
Tatsächlich arbeiten die Hersteller daran, den gehobenen Ansprüchen der Motorradfahrer gerecht zu werden. Schließlich handelt es sich in erster Linie um ein bisschen Plastik. Oder? Nun, bei genauerem Hinsehen überrascht es dann nicht mehr, dass das günstigste Testexemplar in diesem Feld 90 Euro, das teuerste fast 200 Euro kostet. Doch gibt es sie nun, die perfekte Regenkombi?
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