Motorrad-Treffen am Kyffhäuser: Ein legendärer Ort für Biker

Spätestens seit Ostern ist die Zweirad-Saison eröffnet, und überall im Harz sind Motorradfahrer wieder unterwegs. Die Strecke rauf auf den Kyffhäuser, 36 Kehren auf gut vier Kilometern, hat einen legendären Ruf. Kurz vor dem Anstieg liegt das „Café 36“, oder die „Biker-Oase“. Auf dem üppigen Parkplatz sieht man am Wochenende alles, was auf zwei Rädern vorstellbar ist.

Es gab in den vergangenen Jahren verschiedenste Maßnahmen, die oft tödlichen Unfälle zu verhindern. Das ging bis zur kompletten Streckensperrung - die aber wegen heftiger Proteste wieder aufgehoben wurde. 2020 wurden dann Rüttelstreifen auf den Straßen angebracht und das half endlich.

Die Herausforderung des Kyffhäusers

Aber wie ist denn nun der Weg nach oben? Spektakulär, sicher, aber auch ein begrenztes Vergnügen. Vier Motorrad-Kilometer sind schnell absolviert, und außerdem muss man ständig auf Rennmaschinen gefasst sein, mit denen ein neuer Rekord angepeilt wird. Die Fraktion der Knieschleifer - das sind diejenigen, die sich so tief in die Kurve legen, dass ein Knie den Asphalt berührt - ist überproportional vertreten. Und wenn man oben ist? Wenden und wieder runter fahren. Manche verbringen so einen ganzen Tag und haben ihren Motorrad-Spass. Ganz in der Nähe warnt die Polizei Sachsen-Anhalt mit einem Spruchband: „Schnell, schneller … tot“, aber das hält natürlich niemand ab.

Wenn man im Café 36 mit einzelnen Bikern ins Gespräch kommt, klingen die sehr sicherheitsbewusst: Man kenne die Gefahr und liebe den Nervenkitzel, und kaum jemand brettere hirnlos den Berg hinauf. Aber es gebe Situationen, die nicht vorhersehbar sind, und nicht alle könnten diese Situationen beherrschen.

Alternative Routen im Harz

Mit reicht’s, ich will wieder stressfrei fahren. Also zurück in den Harz auf Stolberg zu. Das ist eine Harzer Vorzeigestadt; malerisches Fachwerk, oben das Schloss derer zu Stolberg, und reichlich Möglichkeiten für einen gepflegten Boxenstopp. Hinter Stolberg schrauben sich die Kurven nach oben in die Höhenlage. Die letzten Kilometer zurück nach Harzgerode lassen die Tour gemächlich ausklingen; die Knieschleifer bleiben zurück, denen ist das hier zu langweilig. Rechts und links der Straße blühende Sträucher, an den Laubbäumen ist zartes Grün sichtbar. An einer Schranke in Harzgerode hat die Schmalspurbahn Vorfahrt - laut pfeifend quert sie die Straße.

Eine Motorradtour durch Deutschlands nördlichstes Mittelgebirge hält einige Überraschungen bereit: imposante Naturschönheiten, sehenswerte Ortschaften, historische Bauwerke, technische Attraktionen und vor allem jede Menge kurvenreicher Bergsträßchen. Die rund 230 Kilometer lange Rundtour lässt sich gut an einem Tag fahren. Wer unterwegs länger verweilen und sich die eine oder andere Stadt genauer ansehen will, der sollte zwei bis drei Tage einplanen. Die Route führt größtenteils über gut ausgebaute Straßen und hält viel Abwechslung bereit, von der breiten Bundesstraße bis zu schmalen Bergstraße ist alles verfügbar.

Routenempfehlung für eine Harz-Rundfahrt

Die Kaiserstadt Goslar am Nordrand des Harzes eignet sich sehr gut als Startort und ist über die Autobahn A 7 zu erreichen. Nach dem obligatorischen Spaziergang durch die Altstadt Goslars geht es Richtung Osten über den Industrievorort Oker nach Bad Harzburg. Breite Straße, sanfte Kurven, ein ruhiger Auftakt. Auch in Bad Harzburg heißt es wieder: Maschine abstellen, Helme in die Seitenkoffer, eine Runde zu Fuß gehen. Das lang gestreckte Kurstädtchen verfügt zwar über keine besondere Sehenswürdigkeit, doch ist alleine seine entspannte Atmosphäre einen Abstecher wert.

Wir vermeiden die schnelle Verbindung nach Wernigerode über die B 6 und nehmen stattdessen lieber die Landstraße. Des Kurvenspaßes wegen. Zuerst nach Stapelburg, dann weiter nach Ilsenburg und Drübeck. Schließlich kommt Wernigerode in Sicht. Ein Tipp: Am besten gleich einen Parkplatz am Stadtrand ansteuern und dort das Motorrad abstellen. Der Dichter Hermann Löns nannte Wernigerode die „bunte Stadt am Harz“. Wieso? Sieht man die wunderschönen farbigen Fachwerkhäuser, kennt man die Antwort.

Jetzt schwenkt die Route nach Süden und zielt mitten ins Herz des Harzes. Das bedeutet - genau: kräftige Höhenunterschiede, viele Kurven. Was sich da als Bundesstraßen 244 und 27 vors Vorderrad wirft, verdient durchaus das Prädikat „motorradgeeignet“. So manche Landstraße kann dagegen einpacken. So genießen wir die Kurverei, kommen an Rübeland mit seinen beiden Tropfsteinhöhlen vorbei und erreichen nach einigen letzten Schräglagen das an einem Hang gelegene Städtchen Blankenburg. Besondere Kennzeichen: Renaissance-Rathaus und Barock-Schloss. Anhalten?

Thale, der nächste Ort, liegt romantisch am Eingang des Bodetales. Von hier aus bietet sich ein Abstecher zum Hexentanzplatz an (einige Kilometer in südlicher Richtung). Auf kurviger Mittelgebirgsstraße geht es weiter nach Gernrode und Harzgerode. Danach nehmen uns die lang gezogenen Bögen der B 242 auf. Entspanntes Gleiten auf gut ausgebautem Asphalt. Tiefer dunkler Wald links und rechts der Fahrbahn. Etwa sechs Kilometer hinter Hasselfelde links ab Richtung Benneckenstein. Und sofort bekommen Bremsen, Getriebe und Fahrwerk Arbeit. Aussichtsreich geht es weiter. Über Zorge am Ebersberg vorbei nach Braunlage. Als Wintersportort und Sommerfrische hat sich Braunlage einen Namen gemacht. Sein Kern wird geprägt von dunklen holz- oder schieferverkleideten Häusern. Der Grund für diese Isolierung ist das raue Klima hier oben im Oberharz. Kurz hinter Braunlage rechts ab nach St. Andreasberg. Die Zufahrt zur höchstgelegenen Stadt im Harz gefällt durch Kurven wie am Fließband. Ein Traum.

An der Sösetalsperre vorbei erreichen wir auf kurviger und waldreicher Straße Osterode. Kaffeepause und Stadtbummel sind hier Pflicht. Denn der Markplatz mit dem Steinturm der Kirche St. Die breite und gut ausgebaute B 241 bringt uns zügig nach Clausthal-Zellerfeld. Die Bergwerksstadt mit dem Doppelnamen wurde erst 1924 zusammengefasst. Besonders interessant: Die Kirche in Clausthal ist mit 2200 Plätzen eine der größten Holzkirchen Europas. Also auch hier runter vom Bike und ab in die Stadtkerne.

Mögliche Etappen der Rundfahrt:

Goslar - Wernigerode - Blankenburg - Thale - Gernrode - Harzgerode - Zorge - Braunlage - St. Andreasberg - Osterode - Clausthal-Zellerfeld - Goslar (ca. 230 km)

Der Brocken: Sagenumwobener Treffpunkt

Der Brocken wurde 1540 erstmals als Treffpunkt der Hexen und als einer ihrer Tanzplätze genannt. Ominöse Gestalten sollen zum Gipfel gegangen und dort ihre Versammlungen abgehalten haben. Zu den Sagen trug auch bei, dass an der Brockenspitze an über 300 Tagen im Jahr Nebel auftritt. Dadurch sind seltene optische Effekte wie das so genannte Brockengespenst zu beobachten, das den Wanderern Schrecken einjagt.

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