Frankreich Alpen Motorradtouren: Ein Paradies für Biker

Vom rauen Atlantik bis zum warmen Mittelmeer, von den Alpen hin zu den Pyrenäen - wie kaum ein anderes Land hat Frankreich landschaftliche Vielfalt zu bieten. Klar, dass man als Motorradfahrer dort einige der schönsten Touren Europas unter die Räder nehmen kann. Tief haben sich die Flüsse Ardèche und Tarn in den Kalkstein gegraben und damit beeindruckende Schluchten geschaffen. Höher hinauf geht’s nicht mehr.

Vom Genfer See bis zur Côte d’ Azur reihen sich auf knapp 700 Kilometern 15 spektakuläre Alpenpässe hintereinander, darunter die höchsten Europas. Hoch oben im Vulkangestein der Auvergne entspringt die Dordogne, strömt durchs zauberhafte Périgord und mündet im Weinparadies Bordelais.

Die legendäre "Route des Grandes Alpes"

»Route des Grandes Alpes« - das ist mehr als nur die simple Bezeichnung einer Touristenstrecke durch die französischen Westalpen. Für viele Motorradfahrer verbirgt sich dahinter der ganz große Traum. Der Traum, einmal Kurven zu fahren, bis die Welt scheinbar aus den Fugen zu geraten scheint. Die »Route des Grandes Alpes« (RdGA) führt, wie der Name schon sagt, über einige der schönsten und auch höchsten Alpenpässe Frankreichs.

Die offizielle und durchgehend ausgeschilderte Strecke erstreckt sich über rund 700 Kilometer von Thonon-les-Bains am Genfer See bis nach Menton an der Côte d’Azur. Im offiziellen Streckenverlauf überquert die RdGA 17 Hochalpenpässe, davon neun über 2000 Meter. Höhepunkte sind sicherlich der Col de l’Iseran, der Col du Galibier, der Col d’Izoard und der Col de la Cayolle.

Darüber hinaus gibt es verschiedene reizvolle Nebenstrecken zur RdGA, die über weitere imposante Pässe führen, wie z.B. den Col d’Agnel in Italien oder den Col de la Bonette. Doch die Route des Grandes Alpes sowie die Gegenden links und rechts der Strecke haben noch so viel mehr zu bieten.

Die »Route des Grandes Alpes« ist erst seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts als durchgehende Strecke befahrbar. Im Jahr 1909 begannen die Arbeiten an der Route. Bereits 1913 wird die noch lückenhafte Alpenstraße eingeweiht. Der Erste Weltkrieg unterbricht die Arbeiten bis 1918. Im Jahr 1930 ist der Bau der Straße so weit fortgeschritten, dass die Strecke Nizza-Chamonix in rund eineinhalb Tagen zurückgelegt werden kann. Ein wichtiges Teilstück kommt 1937 mit der Eröffnung der höchsten Passstraße Europas, dem 2.770 Meter hohen Col de l’Iséran, hinzu.

Die Angaben über die Anzahl der Pässe an der »Route des Grandes Alpes« schwanken - je nach Zählweise - zwischen 17 und 21. Viele der Pässe oberhalb zweitausend Metern werden ab 15.

Einige Pässe entlang der Route

  • Col des Gets: Mit 1.172 Metern ein eher unscheinbarer Pass. Die Passhöhe liegt mitten im Ort Les Gets auf einem flachen Sattel und wird durch die dortige Ski-Station dominiert.
  • Col de la Colombière: Der Colombière weist teilweise schon Hochgebirgscharakter auf. Die Passhöhe ist von den markanten Gipfeln des Bornes-Massivs umgeben. Bei der Abfahrt hat man einen schönen Blick auf die felsige Aravis-Kette am Horizont.
  • Col des Aravis: Mit 1.487 Meter Höhe bildet er mit der Aravis-Kette den höchsten Gebirgszug der Savoyer Voralpen. Die Passhöhe mit Souvenirshop und Gasthof ist sehr touristisch ausgelegt.
  • Cormet de Roselend: Der erste Hochalpenpass der »Route des Grandes Alpes«. Der Cormet verbindet Albertville mit Bourg St. Maurice und bietet landschaftlich sehr viel Abwechslung. Durch bewaldetes Gebiet erreicht man zunächst den Col de Méraillet, der auf 1.605 Metern am Ende des bewaldeten Abschnitts liegt. Das Passschild steht auf einer großen Kreuzung und ist eher unspektakulär. Wenige Meter weiter bietet sich ein phantastischer Blick auf den Lac de Roselend. Hier lohnt ein Fotostopp. Am Rande des Sees liegt ein kleines Refugium.
  • Col de l'Iseran: Er ist mit 2.764 Metern der höchste Pass der Alpen. Will man noch höher hinaus, muss man weiter bis zur Cime de la Bonette, die mit ihrer extra angelegten Rundstrecke auf 2.802 Meter hinaufführt. Auf dem Weg ins Tal Richtung Süden lohnt sich ein Stopp in Bonneval-sur-Arc.
  • Col du Télégraphe: Der Col du Télégraphe gilt mit 1.566 Metern als Eintrittstor zum Col du Galibier.
  • Col du Galibier: Der Col du Galibier ist mit 2.645 Metern der fünfthöchste asphaltierte Alpenpass und mit seinem grandiosen Panorama landschaftlich ein absolutes Highlight und einer der schönsten Pässe der Route. Bei klarer Sicht kann man von der Passhöhe sogar das Mont-Blanc-Massiv sehen.
  • Col du Lautaret: Der Lautaret ist ein eher unscheinbarer, aber sehr gut ausgebauter Verbindungspass ohne nennenswerte Highlights. Am Pass selbst befindet sich ein großer Alpengarten.
  • Col d'Izoard: Der Izoard hat verkehrstechnisch keine große Bedeutung, da es durch das Durance-Tal eine gute Alternativstrecke gibt. Im unteren Teil ist er bewaldet, im oberen Teil eröffnet sich jedoch eine grandiose Serpentinenstrecke in zerklüfteter und wilder Felslandschaft. Auf der Passhöhe befindet sich nur ein Obelisk und ein kleiner Laden, ansonsten wirkt alles eher wie eine Wüstenlandschaft. Die »Casse déserte« ist absolut beeindruckend und landschaftlich gesehen ist der Col d’Izoard einer der abwechslungsreichsten Pässe der Route.
  • Col de Vars: Der gut ausgebaute Col de Vars markiert die Grenze zwischen den Départements Hautes-Alpes und Alpes-de-Haute-Provence und ist häufig Bestandteil der Tour de France.
  • Col de la Cayolle: Der Cayolle beeindruckt mit einer bizarren Felsenlandschaft und besticht mit Ruhe und wilder Romantik. Die Landschaft entwickelt jetzt immer mehr einen südlichen Charakter. Von Norden kommend beginnt die wunderschöne Anfahrt durch die Schluchtenlandschaft »Gorges du Bachelard«. Erst spät ist ein wirklicher Anstieg auszumachen, der in wenigen Kehren zum Scheitel des Passes führt. Die Abfahrt gen Süden ist das komplette Gegenteil.
  • Col de Valberg: Der Col de Valberg verbindet auf 1.673 Metern die Orte Guillaumes und Beuil und ist ähnlich wie der Col des Saisies mehr eine Ortschaft als ein typischer Alpenpass.
  • Col de la Couillole: Zusammen mit dem Col de Valberg bildet der Couillole eine überaus flüssig zu fahrende Strecke, die viel Fahrspaß bietet. Die 25 km lange und gut ausgebaute Straße verbindet St-Martin-Vésubie mit dem Tinéetal.
  • Col de Turini: Der vorletzte Pass der RdGA ist der Col de Turini mit 1.607 Metern in den provencialischen Seealpen. Bekannt geworden ist er durch die Rallye Monte Carlo und als Schauplatz einer rasanten Verfolgungsjagd in einem James-Bond-Film.
  • Col de Castillon: Der Col de Castillon ist mit seinen 706 Metern der letzte Pass der »Route de Grandes Alpes«.

Die Strecke über den Col du Pré (1.703 m) führt von Beaufort über Arèches zum Lac de Roselend und gilt somit als alternativer Anfahrtsweg zum Cormet de Roselend. Und sie ist wegen seiner landschaftlichen Schönheit und des geringeren Verkehrs wohl auch die lohnendere Route. Kurz nach der Passhöhe befindet sich ein kleines Restaurant mit herrlichem Blick auf den Lac de Roselend.

Weitere lohnende Pässe

  • Col de la Madeleine (2.000 m): Der Col de la Madeleine war in den letzten Jahren immer wieder Teil der Tour de France und ist daher in einem sehr guten Zustand. Lag die Passhöhe früher bei 1.993 Metern, so prangt das neue Passschild dank einer Aufschüttung nun auf 2.000 Metern. Auf der Passhöhe gibt es einen großen Parkplatz und ein uriges Bistro. Bei gutem Wetter reicht die Fernsicht bis zum Mont Blanc.
  • Lacets de Montvernier (782 m) / Col du Chaussy (1.532 m): Lacets de Montvernier bedeutet aus dem Französischen übersetzt in etwa »die Schnürsenkel von Montvernier«. Schon von weitem sieht man, dass dieser Name nicht von ungefähr kommt: Wie ein überdimensionaler Schnürsenkel, der vom Himmel gefallen ist, schneidet sich die Strecke von Pontamafrey nach Montvernier in die Felsen über dem Maurienne-Tal. Achtzehn übereinander gestapelte Haarnadelkurven führen aus dem Tal auf die insgesamt 3.400 Meter lange Steigung. Siebzehn dieser Kehren winden sich auf einer Strecke von zwei Kilometern, das bedeutet etwa alle 120 Meter einen Richtungswechsel von fast 180 Grad.
  • Col de la Croix de Fer (2.067 m): Der Col de la Croix de Fer verbindet die Orte Allemond und St.-Jean-de-Maurienne. Der Pass liegt in einer herrlichen alpinen Landschaft und bietet ein fantastisches Panorama mit Blick auf die Chaîne de Belledonne und die Aiguilles d’Arves. Das Croix de Fer gehört zu den schönsten Alpenpässen abseits der RdGA. Mit der schönen Schluchtenlandschaft im unteren Teil der Nordrampe, den malerisch gelegenen Seen auf der Südseite und dem kargen, hochalpinen Hochtal rund um die Passhöhe ist er einen Besuch allemal wert. Das Eiserne Kreuz, das dem Pass seinen Namen gegeben hat, gibt es übrigens tatsächlich.
  • Col de Glandon (1.924 m): Die Auffahrt zum Col de Glandon von Süden her, vorbei am idyllisch gelegenen Lac de Grand Maison, besticht durch herrliche Landschaften und wenig Verkehr. Etwas oberhalb des Parkplatzes auf der Passhöhe befindet sich eine Informationstafel zu den umliegenden Gipfeln. Obwohl der Col du Glandon häufig auf dem Programm der Tour de France steht, gehört er nicht zu den beliebtesten Pässen der französischen Alpen.
  • Alpe d’Huez (1.860): Alpe d’Huez, vor allem als Skigebiet bekannt, bietet Motorradfahrern eine kurvenreiche Anfahrt mit oft starkem Verkehr und vielen Radlern auf der Strecke, die sich den berühmten Anstieg emporschrauben. Eine alternative und auch sehr empfehlenswerte Verbindung zwischen Alpe d’Huez und dem Col du Lautaret führt über den Col de Sarenne (1.999) auf einer ruhigen, verträumten und fast verkehrsfreien Hirtenstraße durch ein Naturschutzgebiet.
  • Col du Mont Cenis (2.117 m): Die Straße über den Col du Mont Cenis verbindet Lanslebourg-Mont-Cenis in Frankreich mit Susa in Italien. Als Teil der wichtigen Verkehrsverbindung Lyon - Turin ist die Straße durchgehend zweispurig ausgebaut und relativ stark befahren. Die Passhöhe liegt auf französischer Seite, nördlich des Stausees Lac du Mont Cenis, an dessen Nordostufer die Straße verläuft. Der Stausee bietet vor allem bei Sonnenschein ein fantastisches Panorama und lädt zu Fotostopps ein.
  • Col d’Agnel (2.744 m): Der Col d’Agnel zählt nach dem Stilfser Joch und dem Col de l’Iseran zu den höchsten Alpenpässen und ist die höchste grenzüberschreitende Passstraße der Alpen. Aufgrund seiner Höhe ist er im Sommer nur wenige Monate befahrbar, etwa von Mitte Juli bis Mitte September. Beide Passrampen sind asphaltiert, jedoch stellenweise etwas schmal und nicht immer im besten Zustand. Dafür geht es auf dem verkehrstechnisch unbedeutenden Pass eher ruhig zu. Auf der Passhöhe mit dem markanten Grenzstein befindet sich etwas oberhalb der Straße ein Aussichtspunkt mit Orientierungstafel.
  • Col de la Bonette (2.715 m) / Cime de la Bonette (2.802 m): Die Route de la Bonette ist eine ca. 80 km lange Alternativroute zur RdGA, die über einige hohe Alpenpässe führt und mit der Straßenschleife um die Cime de la Bonette ihren Höhepunkt erreicht. Der Col de la Bonette wird oft als der höchste Straßenpass der Alpen bezeichnet, eigentlich zu Unrecht, denn erst mit der Umrundung der Cime de la Bonette erreicht man die Höhe, um den Col de l’Isèran oder das Stilfser Joch zu übertrumpfen. Die kurze Straße, die den Gipfel der Cima de la Bonette umrundet, beginnt und endet am Col de la Bonette. Am Scheitel der Straße befinden sich ein Gedenkstein und eine Aussichtstafel. Der Blick von hier über die Alpen ist atemberaubend, gute Sicht vorausgesetzt.

Tourenvorschlag: 10 Tage durch die französischen Alpen

Als langjährige Frankreich-Spezialisten nehmen wir euch mit auf diese anspruchsvolle und erlebnisreiche Reise in die Französische Alpen. Unsere Anreise führt uns durch die Vogesen, dem Jura, den Savoyer Hochalpen, den Rhone Alpen in die Region der Seealpen. Von unserem Basishotel nahe Barcelonnette unternehmen wir ausgewählte Tagestouren, die neben maximalem Fahrspaß die Schönheit dieser Alpen-Region zeigen. Unsere Ausfahrten in den Parc National Du Mercantour und den Parc National des Ecrins mit einigen der höchsten Pässe Europas und dem Grand Canyon du Verdon sind spektakulär und hinterlassen mit ihren einzigartigen Panoramen sicherlich unvergessliche Eindrücke.

Tag Route
1 Anreise durch die Vogesen, Lutzelbourg, Schiffshebewerk, Dabo, Col de Valsberg, Mont Sain-Odile, Col du Kreuzweg, Col des Bagenelles, Col de la Schlucht, Route de Cretes, Grand Ballon nach Bad Säckingen
2 Anfahrt Genfer See, Martigny, Col de Grand Saint-Bernard, Aostatal, Col Du Petit Saint-Bernard nach La Rosiere
3 Col de L'Iseran - Mont Centis - Lac Du Mont-Centis - Susa (Italien) - Briancon, Col de Izoard , Schlucht Guillestre, Lac de Serre Poncon nach Uvernet-Fours
4 Über den Col de la Bonette, Col de la Couillole, Gorges du Cians, Col de Saint-Raphael, Col de Felines, Entrevaux, Gorges de Daluis, Col de la Cayolle
5 Col D'Alos, Col de la Saint-Michel, Lac de Castillon, Grand Canyon du Verdon, Castellane, Col des Leques, Clue de Taulanne, Col de Corobin, Col de Pierre Basse, Col du Labouret, Col de Maure
6 RUHETAG -- Relaxen am Pool oder Bummel in Barcelonnette
7 Lac de Serre-Poncon über Col Lebraut, Col de Izoard, Briancon, Col du Lautaret, Col du Galibier, Col de Telegraphe, Kuven von Montvernier, Col Madelaine nach Aime-la-Plagne
8 Comet de Roselend, Col des Saisies
9 Durch den Naturpark Jura, Source de la Loue, Vogesen, Ballon d'Alsace, Col de Bussang, Le Markstein, zur Elsässischen Weinstraße nach Riquewihr
10 Heimreise durch die Vogesen, Col du Ribeauville, Col de la Fouchy, Col de Steige, Col Du Donon, Felsenhäuser Graufthal, Col de Puberg nach St. Ingbert

Hinweis: Bitte beachtet immer unsere Hinweise zu "Fahrkönnen" und Schwierigkeitsgrad!

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