Motorradhandschuhe: Sicherheit und Vorschriften in Frankreich

Motorradfahren ist ein aufregendes Hobby, birgt aber auch Risiken. Die richtige Schutzausrüstung ist daher unerlässlich. Dabei spielen Motorradhandschuhe eine zentrale Rolle. Sie schützen die Hände nicht nur vor Umwelteinflüssen, sondern auch vor Verletzungen im Falle eines Sturzes. In Frankreich gibt es seit Frühsommer 2017 eine Handschuhpflicht für Motorradfahrer. Wer keine entsprechenden Handschuhe trägt, muss mit einem Bußgeld von 68 € rechnen.

CE-Konformität und Prüfzeichen

Die Handschuhe müssen CE-konform sein und ein entsprechendes Label tragen. Das neue Prüfkennzeichen “CE” bestätigt die umfangreichen Prüfprozesse. Die Kleidung gewährt Dir somit auch weiterhin einen möglichst hohen und angemessenen Schutz durch die ergonomische Gestaltung der Kleidung, die Abrieb- und Reißfestigkeit des Obermaterials und der Nähte sowie die Fixierung von Protektoren an sturzgefährdeten Stellen wie Schultern und Ellenbogen.

Das Europäische Parlament hat mit der Verordnung (EU) 2016/425 im Jahr 2016 beschlossen, die Bestimmungen für persönliche Schutzausrüstungen (PSA) auf Motorrad-Funktionsbekleidung auszuweiten. Als Persönliche Schutzausrüstung werden Jacken, Hosen und Handschuhe verstanden, die speziell für den Verwendungszweck des Motorradfahrens hergestellt und geprüft worden sind. Motorradhelme und Schuhe gehören ebenfalls zur Schutzausrüstung, werden aber wie erwähnt von einer anderen Verordnung erfasst.

Kategorien von Schutzausrüstung

Grundsätzlich wird PSA in drei Kategorien eingeteilt:

  • Kategorie 1: relativ niedrige Anforderungen - z.B. Brillen, die vor Steinschlag schützen
  • Kategorie 2: höhere Anforderungen - z.B. Motorradbekleidung wie Hosen, Schuhe und Jacken
  • Kategorie 3: hohe Anforderungen - z.B. Berufsbekleidung der Feuerwehr

Motorradbekleidung gehört also zur Kategorie 2 und wird z.B. vom TÜV Rheinland getestet. Kategorie 2 fächert sich wiederum in drei Unterkategorien aus: A, AA und AAA. Etliche Kriterien werden innerhalb dieser Unterkategorien getestet. Die wohl wichtigsten für den Motorradbereich sind Reißfestigkeit und Abriebfestigkeit. Für die Abriebfestigkeit wird jeweils bei 45 km/h, 75 km/h und 120 km/h getestet. Für die Reißfestigkeit wird mit 6 kN, 10 kN und 14 kN getestet.

  • A = 45 km/h & 6 kN - EN 17092-2
  • AA = 75 km/h & 10 kN - EN 17092-3
  • AAA = 120 km/h & 14 kN - EN 17092-4

Außerdem gibt es noch die Klassifizierung B (EN 17092-5) und C (EN 17092-6). Bei B handelt es sich um Bekleidung die die gleiche Abriebfestigkeit wie Bekleidung der Klasse A aufweist, jedoch keine Aufprallprotektoren hat. Bei der Klasse C handelt es sich um Bekleidung die nicht abrieb - oder reißfest ist.

Die Norm EN 17092 ist auf alles bedacht, was zur Gewährleistung von optimalem Schutz und größtmöglicher Sicherheit des Trägers erforderlich ist. In ihr sind die Anforderung und Prüfungen definiert, die ein Produkt erfüllen bzw. bestehen muss um verkauft werden zu dürfen. Sowohl Handschuhe, Protektoren als auch Schuhe zählen nicht zur Bekleidung und besitzen deshalb eine eigene Normen mit eigenen Anforderungen, die es zu erfüllen gilt.

Auswahl des richtigen Handschuhs

Die wichtigste Funktion der Motorradhandschuhe ist, die Hände des Fahrers bei Stürzen zu schützen. Gleichzeitig müssen sie die Beweglichkeit der Finger garantieren sowie deren Auskühlen verhindern. Lederhandschuhe sind abriebfester als Textilhandschuhe. Alle Handschuhe sollten Protektoren besitzen. Bei Kauf und Nutzung auf die Nähte achten. Bei fast 85 Prozent der Motorradunfälle sind die Hände mit betroffen.

Egal, wann und für welchen Zweck Motorradhandschuhe getragen werden: Sie müssen optimal passen. Neben Gasgriff, Brems- und Kupplungshebel müssen Sie mit Handschuhen alle Knöpfe und Schalter schnell und sicher betätigen können. Zu enge Handschuhe schnüren die Hände ein und können auf längeren Fahrten Taubheitsgefühle verursachen. Zu große Handschuhe können verrutschen und den richtigen Griff beeinträchtigen. Falten können zu Druckstellen an den Handinnenflächen führen. Motorradhandschuhe sollten generell eine Abstreif-Sicherung in Form eines Handgelenk-Riegels (meist Klettverschluss) haben, der sich verstellen lässt. Am besten ist der Verschluss zudem an der Handinnenseite abgedeckt, damit er sich bei einem Sturz nicht verhakt.

Handschuhe mit atmungsaktiven Membranen sind wegen ihres Schutzes gegen Schwitzen und Nässe von außen alltagstauglicher als Modelle ohne diese Funktion. Ob die Motorradhandschuhe aus Leder (häufig Känguru- bzw. Ziegenleder) oder Textilmaterial sind, ist nicht nur Geschmackssache. Ältere ADAC Tests haben bewiesen, dass gute Lederhandschuhe abriebfester sind als Exemplare aus Textilien. Außerdem wichtig: Generell sollten alle Handschuhe Protektoren besitzen, die die besonders gefährdeten Knöchel und die Handballen schützen.

Arten von Motorradhandschuhen

Es gibt verschiedene Arten von Motorradhandschuhen, die sich für unterschiedliche Einsatzzwecke eignen:

  • Touren-Handschuhe: wasserdicht und vielseitig
  • Übergangs- und Winterhandschuhe: stark gefüttert und gepolstert
  • Sporthandschuhe: sicher und bieten guten Kontakt zu Griffen und Hebeln
  • Offroad-Handschuhe: guter Grip und Dämpfung gegen Stöße und Vibrationen
  • Chopper-Handschuhe: Kompromiss zwischen Aussehen und Alltagstauglichkeit

Tipps zu Kauf und Pflege

Kaufen Sie Motorradhandschuhe nie zu groß, Leder dehnt sich bei Gebrauch. Die Finger müssen ohne Widerstand tief in die Fingersäcke reichen. Die Beweglichkeit der Finger sollte möglichst wenig beeinträchtigt werden. Bei der Anprobe Fingergymnastik machen. Das Futter darf beim Herausziehen der Hand nicht an den Fingern haften bleiben und sich nach außen stülpen. Dazu Handschuhe einige Minuten tragen. In Einzelfällen kann das "Kleben" der Finger in den Fingersäcken durch das Tragen dünner Innenhandschuhe vermieden werden. Das sollten Sie bei der Anprobe untersuchen. Die Innenhandschuhe können auch zur Temperaturanpassung dienen.

Beim Umgreifen des Lenkers sollten die Fingerkuppen nicht vorn im Handschuh anstoßen, es sollten sich auch keine Falten an der Innenhand bilden. Durch diese Falten können Druck- und Reibstellen an den Handinnenflächen entstehen. Wichtig sind weiche Protektoren oder zumindest Aufdoppelungen an den Handballen, den Handaußenkanten und den Knöcheln. Sie dürfen nicht drücken, wenn die Hände sich auf den Lenkergriffen abstützen. Die Nähte sollten möglichst doppelt vernäht sein. Außenliegende Nähte sind nicht per se schlechter oder zeugen von minderer Qualität. Sie ermöglichen eine bessere, dichter anliegende Passform für die Finger.

Die Stulpen der Handschuhe sollten über das Ärmelende der Kombi- bzw. der Motorradjacke passen. Damit wird verhindert, dass Wasser in den Ärmel läuft. Reflex-Streifen auf den Handschuhen erhöhen die Sichtbarkeit bei Dunkelheit. Kleine, integrierte "Scheibenwischer" am linken Zeigefinger sorgen bei Regenfahrten für bessere Sicht. Solche Gummiwischer können auch nachträglich über den Zeigefinger gezogen werden. Nasse Lederhandschuhe dürfen Sie auf keinen Fall mit starker Wärme (Wäschetrockner, Heizkörper, Feuer) trocknen. Das Leder wird sonst rissig. Auch das Trocknen auf noch heißen Motorradzylindern ist schädlich. Auch wenn Sie Ihre Lederhandschuhe gut pflegen, sollten Sie sie nach spätestens sechs Jahren erneuern. Vielfahrer sollten das schon früher tun, spätestens dann, wenn die Nähte anfangen sich aufzulösen.

Aktuelle Tests und Normen

Im aktuellen Handschuh-Test von MOTORRAD geht es um eine Handschuh-Pflicht auf dem Motorrad und um eine neue Norm für mehr Sicherheit. Derzeit wird in einem Gremium über eine neue Handschuh-Norm diskutiert. Grund dafür ist, dass mit der aktuellen Norm ein bisschen Schindluder getrieben wird. Künftig muss der ganze Handschuh etwas können - ähnlich wie bei Motorradanzügen soll es verschiedene Zonen geben, in denen unterschiedliche Anforderungen gelten. Eine weitere Änderung betrifft die Schutzklasse 2, die es auf dem Markt quasi nicht gibt. Sie soll so gestaltet werden, dass sie mit einem guten Handschuh auch wirklich erreichbar ist. Zudem könnte die Durchstichprüfung wegfallen, da Verletzungen durch Scherben oder Nägel laut Unfallstatistiken kaum eine Rolle spielen.

Die neue Norm betrifft erst mal die Hersteller, dann den Handel. Der Endkunde dürfte sogar weiterhin ohne Handschuhe fahren - auch wenn das natürlich nicht empfehlenswert ist.

Testergebnisse und Empfehlungen

Hier eine Auswahl von Motorradhandschuhen mit Testergebnissen und Preisen:

Handschuh Punkte Günstigster Preis
Spidi Ranger LT 94 ab 62,93 Euro
iXS Viper 91 ab 106,99 Euro
Modeka Panamericana 89 ab 70,90 Euro
Held Tour-Mate 88 ab 84,96 Euro
Rukka Airium 2.0 88 ab 81,07 Euro

Es ist ratsam, sich vor dem Kauf von Motorradhandschuhen im Fachhandel beraten zu lassen und verschiedene Modelle auszuprobieren, um den optimalen Schutz und Komfort zu gewährleisten.

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