Die Ursprünge des Motorradfahrer-Comics und der Kult um Brösel

Im Laufe der Jahre hat sich ein Wortschatz gebildet, der die vielfältigen Situationen des Motorradfahrens bildhaft darstellt und die subkulturelle Abgrenzung zu anderen Verkehrsmitteln und deren Benutzern betont. Ein weiterer Bereich ist der sogenannte „Motorradfahrergruß“. Basierend auf dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Motorradfahrer ist es heute noch üblich, dass sie sich im Straßenverkehr grüßen.

Motorradfahrer-Jargon: Eine eigene Sprache

Die Welt der Motorradfahrer hat ihre eigene Sprache entwickelt, um die besonderen Erfahrungen und Herausforderungen des Fahrens auf zwei Rädern auszudrücken. Hier sind einige Beispiele:

  • Affenschaukel: Siehe unten.
  • Angstnippel: An den Enden der Fahrerfußrasten angebrachte, zur Fahrbahn hin gerichtete Stifte, die bei zunehmender Schräglage deutlich vor dem kritischen Bereich (Schräglagenfreiheit, Haftgrenze) aufsetzen, um Fahrer oder Fahrerin durch Geräusch und Bewegung frühzeitig zu warnen. Können bedenkenlos oder gewissenlos abgeschraubt werden, je nach Weltanschauung.
  • Angstrand: (Angststreifen, Angstschwarte, Vernunftstreifen) Der am Motorradreifen sichtbare Beweis zauderhaften Fahrstil, ein mehr oder minder breiter Rand nicht angefahrenen Profils am Hinterreifen, auf dessen Feststellung gemeinhin mit einem gemurmelten „geringe Schräglagenfreiheit“ begegnet wird.
  • ankern, den Anker werfen: Hart bremsen.
  • Applauskurve: Fahrerisch anspruchsvolle Kurve auf einer anerkannten öffentlichen Heizstrecke.
  • Arschheizung: Siehe unten.
  • ausreiten: Siehe unten.
  • Autofahrer: Natürlicher Feind des Motorradfahrers. Autofahrer versuchen ihre Beute vornehmlich durch falsches Abbiegen und Schneiden zu erlegen, was nur bei kleinen Krads und sehr bequemen Kradfahrern funktioniert.
  • Bandit: Oft gefahrenes Suzuki-Modell (GSF 1200), das häufig vergeblich zum Streetfighter umgebaut wird.
  • Begrenzer: Drehzahlbegrenzer, Vorrichtung, die verhindert, dass der Motor höher als eine bestimmte Drehzahl dreht.
  • Beiwagen: Dem Anhänger verwandtes, einrädriges Vehikel, das seitlich am Motorrad befestigt wird, die Transportleistung um 100 Prozent verbessert, seine Fahreigenschaften aber um 150 Prozent verschlechtert, es sei denn der Gespannfahrer beherrscht dasselbige.
  • Betonmischer: Ursprünglich der Spitzname der Moto Guzzi-Falcone 500 cm³, heute für alle Guzzi-Modelle.
  • BIG: Auch „die Big“ oder Dr.
  • Biker: (1) Fahrradfahrer. (2) (auch Rocker) Ein meist bierbaeuchiger Tschopperfahrer mit Kutte, der in einem MC [Motorradclub] Mitglied ist und sich mit Gleichgesinnten auf Bikertreffen trifft. "Normalos, Moechtegern-Motorradfahrer und Eisdielenposer", die sich beispielweise ein Sportmotorrad kaufen, ohne es jemals artgerecht zu bewegen und durch ihren breiten Angstrand leicht zu erkennen sind, bezeichnen sich haeufig ebenfalls als Biker.
  • Bikini-Verkleidung: Verkleidung eines Motorrades, die im Gegensatz zur Vollverkleidung nicht die ganze Maschine, sondern zur Verbesserung der Optik nur die hässlichsten Teile der Motorrades abdeckt.
  • blasen: Intensiv fahren, z. B.
  • Bodenprobe: Sturz.
  • Bonsai-Harley: Liebevoll für japanische (möchtegern-) Chopper, wie z.B.
  • Boosten: Mäxchen-Fahrer bezeichnen das Bewegen ihres Heizeisens (Yamaha VMX1200 V-max) so.
  • Bordwerkzeug: Werkzeug, um Wand-Borde zu montieren.
  • Bückeisen: Sportmaschine (wg.
  • (wachtmeister): Liebevoll gemeinter Ausdruck für Polizist.
  • Bürgerkäfig: Personenkraftwagen (auch: Dose) die Wortschöpfung wird dem österr.
  • Burn out [börnaut]: ‘Burning out’ beschreibt das Durchdrehen des Hinterrades bei stehendem Motorrad, wodurch sich der Hinterreifen in Rauch und einen schwarzen Strich auf der Straße umwandeln lässt.
  • Charakter: Summe der werksseitigen und im Laufe der Zeit erworbenen Mängel eines Motorrads. Ein Motorrad, das z. B. schlecht anspringt, klappert, ölt, ein grottenschlechtes Fahrwerk und lebensgefährlich unwirksame Bremsen hat, hat sehr viel Charakter. Wird i. d. R.
  • Colours: „backpatch“ Farben bzw. Klub-Emblem von MC-Mitgliedern.
  • Crosser: Leichtes Geländemotorrad ohne Straßenzulassung. Meist Einzylinder zwischen 125 und 650 cm³.
  • Custom Bike [seltener auch Cuztom: Englisches Wort für Einzelanfertigung.
  • Damenknöpfchen: Abfällige Bezeichnung des E-Starterknopfes.
  • Dampfkesselverein: Andere Bezeichnung für TÜV.
  • Diva: (1) Yamaha XJ Diversion.
  • Dixi Klo: BMW C1 Roller (u.a.
  • Donut [dounat]: Neudeutsch, s.
  • Dosenbahn auch BAB: Oder Bundesautobahn.
  • DR Big: Gesprochen „Doktor Big“, s.
  • Dreiviertel GIXXER: Die 750 ccm-Ausführung aus der GIXXER-Reihe von Suzuki.
  • Drei-Zimmer-Küche-Bad: Honda Gold Wing mit Beiwagen.
  • drücken: Das Motorrad für die Kurve in Schräglage bringen, dabei jedoch den Oberkörper in der Senkrechten belassen. Wird bei plötzlichen Ausweichmanövern, schnellem Slalom und besonders in Linkskurven enger Bergsträsschen zur Lebensverlängerung eingesetzt.
  • durchladen: Beim starken Beschleunigen, z. B.
  • Eisen: Motorrad.
  • Eisenhaufen: Gemeinhin abschätzig für Harley-Davidsons bzw.
  • EisenSchwein: (1) Motorräder der MZ ES-Baureihe. (2) Yamaha XS 1100.
  • Eiserne Jungfrau: Liebevoll für die Virago-Modelle von Yamaha (lat.
  • Elefantentreffen: Alljährlich stattfindendes winterliches Motorradtreffen im Bayerischen Wald und am Nürburgring, zur kältesten Jahreszeit und mit allem, was dazugehört (dickes Fell halt).
  • Emme: MZ-Motorräder.
  • entjungfern: Mit Motor o. a.
  • Erdferkel: Geländemotorrad, z.B.
  • Expressmaut: (auch Expressgebühr) Nicht örtlich gebundene Gebühr, die durch die Rennleitung bei Unterschreitung der Mindestfahrzeit für eine gegebene Wegstrecke erhoben werden kann. Der Berechnungssatz ist länderspezifisch und dynamisch.
  • Fahrstuhleffekt: Das Aufstellmoment beim Gasgeben bei alten BMW-Kardanmotorrädern.
  • Fellfighter: Ein mit (Kunst-)Fell bezogenes Motorrad.
  • Fighter: S.
  • Flexscheibe: S.
  • Foege Proof (tm): Hundertprozentig originaler Zustand eines historischen Motorrades (z.B.
  • Frisösen-Harley (bzw.: Tittentrimm) abwertend für Harley-Davidson-Modelle, die mit viel Chrom und sonstigem Zierrat versehen sind.
  • Fuhre: Schwerfälliges, unhandliches Motorrad, sei es ab Werk oder durch hohe Zuladung. „Die Fuhre bockte auf schlechtem Asphalt wie eine Herde Ziegen, das Fahrwerk war dem Soziusbetrieb offensichtlich nicht gewachsen.“. - „Die zwei 320er Bremsscheiben waren ausreichend dimensioniert, um die 350-Kilo-Fuhre vor der nächsten Kurve wieder einzufangen (s.
  • Graue: (die, weibl.
  • Grüßen: Wird immer wieder kontrovers diskutiert, so auch hier (s.
  • Gummikuh: BMW mit 2-Ventil-Boxermotor und altem Fahrwerk ("Fahrstuhleffekt") (z.B.
  • Hahn: Gasgriff.
  • Handmixer: Eher abfällige Bezeichnung für Mopeds bzw.
  • Harleyoide: Im Design an Modelle der Firma Harley-Davidson angelehnte Motorräder, meist japanischer Herkunft (s a.
  • Highslide: S.
  • Hog: (1) (amerikanisch: „(schweinchen)“) Kosename, den Harleyfahrer in USA ihrem Mopped geben. (2) H.O.G. Abkürzung für Harley Owners Group. Entsprechend H.O.G.
  • Husky: Liebevoll für Husqvarna.
  • Hut: Ugs.
  • Ilse: Abfällig für die älteren BMW K-Modelle (K75, K100).
  • Joghurtbecher: Bezeichnung für ein schnelles japanisches vollverkleidetes Motorrad.
  • Kabel: Gashahn, -zug.
  • kaltverformen: Das Gefährt bei einem Unfall zerstören bzw.
  • Kampflinie: (1) Kurvenfahrstil mit dem Ziel, den Kurvenradius zu vergrößern: Eine Kurve wird außen angefahren, der Scheitelpunkt wird möglichst weit innen, der Kurvenausgang wieder möglichst weit außen gefahren. Lässt keinen Spielraum für Korrekturen. (2) Im Rennsport: Als Vorausfahrender die Fahrlinie so wählen, dass der Gegner am Überholen gehindert wird, bzw.
  • KaYaHoSu: Zusammenfassend für japanische Motorräder. Kunstwort aus den Anfangsbuchstaben der vier großen japanischen Hersteller, KAwasaki, YAmaha, HOnda und SUzuki. Wird (meist) abwertend gebraucht und soll auf die angebliche Gleichförmigkeit und Langweiligkeit japanischer Motorräder hinweisen: „Die hebt sich wohltuend vom bekannten KaYaHoSu-Einerlei ab.“. Die Reihenfolge der Initialen ist dabei beliebig, „Hoyasuka“, „Yakasuho“, „Yasuhoka“, „Hawasuzi“ etc.
  • KickBack: Plötzliches, heftiges Lenkerschlagen, entsteht häufig bei starkem Beschleunigen durch das entlastete Vorderrad.
  • Kreis ziehen: Auch Donuts ziehen: das Motorrad mit gezogener Handbremse und durchdrehendem Hinterreifen um das Vorderrad drehen, bei Vollendung des Kreises dann die Handbremse lösen und losfahren (gibt im Idealfall einen wunderschönen Kreis/Donut auf der Straße). Besonders beliebt auf Hochzeiten mit zwei Motorrädern stilisierte Eheringe auf die Straße zu zeichnen.
  • Kult: Bezeichnung für die Suzuki Bandit-Modelle bis Bj. 1999 (600er), sowie bis Bj.
  • Lebensretter: Gebogenes und abgewinkeltes Blech, welches die Ölleitung in der Ölwanne einer V-max vor dem Rausrutschen bewahrt. Bietet 100% Sicherheit.
  • Lederbiker: Die Inserate von Lederbikern kann man des öfteren in Motorradmagazinen unter der Rubrik „Sonstige Kontakte“ lesen. Dabei sucht der „gemeine Lederbiker“ meist eine Mitfahrgelegenheit bei einem gleichgeschlechtlichen männlichen Pendant, verbunden durch Interessen, die über das Motorradfahren hinausgehen.
  • legen: (1) Bei der Kurvendurchfahrt den Oberkörper parallel zur Hochachse des Motorrades halten. Der Kopf bleibt jedoch senkrecht. Gegensatz: drücken.
  • Lehmann: Liebevoll für ein LeMans-Modell von Moto Guzzi.
  • Lenkerschlagen: Gefährliches Hin- und Herschlagen des Lenkers.
  • Lowsider: Sturz zur Neigungsseite oft durch wegrutschendes Vorderrad.
  • L-Twin: Ducati bzw.

Comic-Highlights des Jahres: Eine subjektive Auswahl

Bei einem Jahresrückblick auf 2022 bietet es sich an, die Realität außenvor zu lassen und sich auf Comics zu beschränken. Jede TOP-Liste ist ungerecht, weil sie mehr verschweigen muss als sie empfehlen kann. Aber doch bietet sie eine hilfreiche Orientierung im Comic-Markt, viel mehr, als eine TOP 50 mit beliebiger Reihenfolge es leisten könnte.

Dennoch ist es schade, dass die kurze Liste ohne so grandiose Titel wie Hamed Eshrats Coming of H (avant-Verlag), Peter Milligans Enigma (Cross Cult), Zuzus Cheese (Edition Moderne) oder Bruno Duhamels Falsche Fährten (avant-Verlag) auskommen muss.

Die Welt von Brösel und Werner

Als Brösel am 17. März 1950 in Zimmer 2 des groß­väterlichen „Hotel Stadt Hamburg“ an der Uferpromenade Travemündes in den Alltag der Welt katapultiert wurde, loderte gemäß alter Sitten und Traditionen die Frage der Namens­gebung des Erst­geborenen unter den Familien­mitgliedern hell auf - auf dass ihr Stammhalter ihren Namen trüge. Da nun bei der Namens­findung niemand übergangen werden sollte, entschied man sich, dem neuen Erden­bewohner sämtliche Namen der altehr­würdigen Familien­mitglieder zu übertragen. Und so wurde der Knabe auf den schlichten Namen Rötger Werner Friedrich Wilhelm Feldmann getauft.

Brösels Kindheit spielte sich zunächst in Travemünde ab, das mit seiner Strand­promenade, den weißen Yachten und dem Spielcasino für ihn so etwas wie das St. Tropez des Nordens war. Über allem lag die Geräuschkulisse der Werften, in denen mächtige Niethämmer Tag für Tag mit lautem Donner die Stahlplatten neuer Schiffe zusammen­fügten.

Doch die Tage an der schönen Travemündung waren gezählt. Papa Feldmann tauschte seine Wasserschutz­polizei­uniform gegen die eines Leutnants der neuen Bundesmarine, und „verschleppte“ seine fünfköpfige Familie nach Flensburg-Mürwik, in eine der frisch hoch­gezogenen Miets­kasernen an der „Osterallee 15”. Unsägliches Heimweh nach Travemünde überfiel den armen Brösel. Der unwillkommene Ortswechsel hatte ihm nicht nur die Sicht auf Meer und Schiffe genommen, sondern ihn auch all seiner Freunde und Spielkameraden beraubt.

1964 zog die neustrukturierte Familie in die Flensburger Innenstadt, genauer gesagt in die Friesische-Straße 41, in das Friesenhaus, das im vierten WERNER-Film von Meister Röhrich von grundauf „saniert” wird. In eben genau diesem Gebäude waren jene Charaktere anzutreffen, die durch ihre Eigenarten dafür sorgten, dass Brösels Phantasie mit reichlich Stoff genährt wurde, was sich in seinen späteren Comics niederschlug und zu Figuren wie der immer meckernden und um die Sauberkeit des Treppenhauses besorgten Frau Gloer und dem schusseligen Biernot führte.

Nach Beendigung der Lehre im April 1969 bestand Brösel die Führer­schein­prüfung und stieg somit in die Oberklasse der Zweirad-Welt auf. Seine Zündapp-Combinette wurde durch eine leistungs­stärkere Maschine ersetzt, eine Horex Regina 350. Das einzige was den jungen Brösel bewegte, allmorgend­lich aus den Federn zu kriechen, war die 10 km Vollgashatz auf Flensburgs neuer Umgehungs­straße, die ihn zu seinem Arbeitsplatz führte. Er hatte seine „Regina“ ins Herz geschlossen und widmete den größten Teil seiner Freizeit ihrer Modifizierung - technisch wie auch optisch. Ständig befand er sich im Kampf mit der Polizei, dem TüV und der Zulassungs­stelle.

Der Staat hat's gegeben, der Staat hat's genommen. Man muss sich ab und an dazu herablassen, etwas zu arbeiten. Brösel hat im Tiefbau mit Wasser in den Gummistiefeln und von eisigem Wind umwehter Nase in schwindelnden Höhen auf Stahlbeton­bauten ziemlich alle Akkorde der malochenden Klasse durchlebt - von Gas-Wasser-Scheiße bis zur Elektro­installation.

Neben seinen Lieblings­beschäftigungen Schrauben, in der Sonne liegen und Bier abpumpen, zeichnete er gern Begeben­heiten aus seiner Umgebung auf, die ihm mit seinen Kumpels passierten - die Erlebnisse auf den Baustellen, der Ärger mit der lieben Polizei, mit seinen speziellen Freunden vom TüV und andere bizarre Vorkommnisse.

In Kiel war Brösel Dauergast in der Kneipe „Erbse“ in der Calvinstraße 20. Hier bezog er in der über der Kneipe gelegenen Wohnung ein Zimmer. Die Zahlung der Miete hatte Brösel in Form eines Bildes pro Monat, das er mit Wand­farben auf Holz anfertigte, an die Erbse zu entrichten. Diese Art der Miet­zahlung war Auslöser, dass aus der Erbse die „Comic-Galerie-Kneipe Erbse” wurde, in der Brösels Bilder als Dauer­­ausstellung zu sehen waren.

Im Club 68 in der Ringstraße, in der sich zu später Stunde, während andere Kneipen bereits zumachten, die Szene traf, war Brösel ebenfalls stets anzutreffen. Und natürlich auch Betreiber und Wirt Holger „Holgi“ Henze. So nach und nach kamen die beiden ins Gespräch. Holgi, der schon immer ein waches Auge für stille Talente hatte und ein großes Herz für die „Ausgestoßenen” der Gesellschaft, nahm sich unseres Brösels an. Er brachte ihn dazu, endlich mal ein paar Comic-Geschichten zu veröffent­lichen.

In dem damals sehr renommierten Satire­magazin Pardon erschienen dann Brösels „Die Bakuninis“ als erste seiner publizierten Comics. Er saß nun regelmäßig in der Galerie vom Club 68 und arbeitete für diese Zeitung. Das brachte Geld und er kam damit ganz gut über die Runden.

Und dann kam Winfried „Winni“ Bartnick, Brösels alter Saufkumpan, mit seinem Stadt­magazin „Station“ und meinte, es wäre doch ganz toll, wenn er dafür jeden Monat einen Comic zeichnen würde.

Inzwischen schmiedete Winni Bartnick an der Gründung seines Semmel Verlachs. Und da er von Brösels Arbeiten sehr angetan war, unter­breitete er ihm den Vorschlag, sämtliche vorhandenen Comics zu überarbeiten, um WERNER als zentrales Verbindungs­glied einzubinden. Nach der Zustimmung Brösels zu diesem Vorhaben kümmerte sich Winni um das Startkapital seines neuen Verlages, das damals bei ca. 30.000 DM lag.

Auch wenn die großen Medien zunächst nichts von WERNER wissen wollten, breitete sich der Kult schnell aus. Durch „Insider-Tipps” wurden die WERNER-Comics ein begehrens­wertes Gut, das immer mehr Menschen haben wollten. In den folgenden Jahren erschienen immer neue WERNER-Bände - mit steigenden Auflagen - und der Kult weitete sich aus. Schließlich wurde WERNER zum Inbegriff des gutmütigen Anarcho­rockers, der keinen gesellschaft­lichen Regeln Achtung zollt. Brösels Geschichten fanden immer größeren Zuspruch, was sich in den steigenden Verkaufs­zahlen der WERNER-Comics niederschlug.

Ein weiteres unvergessenes Ereignis bahnte sich 1983 auf dem Hinterhof des Club 68 an, auf dem Rötger und Holgi je eine Garage angemietet hatten und dort neben­einander vor sich hin­schraubten. Abfällige Bemerkungen über den fahrbaren Untersatz des jeweils anderen trieben die Kontrahenten in einen regel­rechten Wettstreit. Brösel, der diesen trotz allem nicht ernst gemeinten Zwist in seinem Comic „WERNER - EISKALT!” (1985) zu Papier brachte, ahnte wohl selbst kaum, was er damit auslöste, als er Holgi im Übereifer versprach, ihn samt seinem 911er Porsche mit seiner Horex zu verblasen, selbst wenn er hierfür vier Horex-Motoren zusammen­bauen müsste. Es entsprach Holgis Ehrgefühl, diese Heraus­forderung anzunehmen. Und so wurde diese denk­würdige Kampf­ansage in Form eines Vertrages zwischen den beiden Streithähnen eiligst auf drei aneinander­geklebte Notizzettel, wie sie in deutschen Kneipen üblich waren, nieder­geschrieben.

Ölfuß war durch seinen hervor­ragenden Ruf unter den Schraubern der erste Mann, wenn es um das Modifizieren von Horex-Motoren ging. In schweiß­treibender Arbeit entstand nach schier endlosem Niederringen so manch heikler Schwierig­keit eine Legende edelster Erscheinung - der Red Porsche Killer!

Auf dem Flugplatz Hartenholm kam es zum Kräfte­messen zwischen Porsche und Red Porsche Killer. Obwohl man sich mit außer­ordentlicher Gründ­lichkeit auf Das Rennen vorbereitet zu haben glaubte, konnte beim besten Willen niemand voraussehen, dass der Besucher­andrang derart ausfallen würde, dass die A7 samt Elbtunnel bis zur Ausfahrt Hartenholm (ca. 100 km) in einer einzigen Blech-Lawine ersticken und der komplette Verkehr zum Stillstand kommen würde. Hartenholm selbst versank im Ansturm der Menschen­massen. Für die nächsten drei Tage herrschte in weitem Umkreis der Ausnahme­zustand - und doch blieb alles friedlich.

Nach zwei Tagen Nonstop-Party rollten im Morgen­grauen des dritten Tages Holgis Porsche und Brösels Red-Porsche-Killer zur Startlinie der Rennbahn. Sekunden nach dem Startschuss war das Rennen gelaufen und Brösel geschlagen; aber das war eigentlich vollkommen egal. Und dass die Katzendreck-Maschine, die den Verlierer des Rennens in einem Berg von Katzenscheiße hätte versinken lassen sollen, sich unkontrollierbar gegen die Besucher richtete, steigerte höchstens noch die Partylaune. Die Frage nach Gewinner oder Verlierer verhallte im allgemeinen Freudentaumel „Das Rennen von Hartenholm” endete nach drei Tagen unaufhörlichen Feierns und entließ seine 250.000 Gäste in euphorischem Taumel.

Gemeinsam mit Bernd Eichinger, Herman Weigel (damals Neue Constantin Film/München), Michael Schaack (TFC Trickompany/Hamburg) und Gerd Hahn (Hahn-Film, Berlin) wurden 1989 die Parameter für den ersten WERNER-Film festgelegt. Erst nach Anwendung aller Regeln der Überredungs­kunst gelang es, den hoffnungs­los über­arbeiteten Brösel für den ersten WERNER-Zeichentrick-Film zu gewinnen. „WERNER - BEINHART!” lockte 1991 über 5 Millionen Besucher in die deutschen Kinos.

Nach einem Rundschreiben an vierzig Brauhäuser konnte Brösel die Gilde-Brauerei aus Hannover dafür gewinnen, pünktlich zum Filmstart Bölkstoff auf den Markt zu bringen. Eigentlich hätte Werner es besser gefunden, wenn sein „Lebens­elexier” in heimschen Kesseln gebraut worden wäre. Aber das sollte sich erst zehn Jahre später erfüllen.

Nach einigen Querelen und Rechts­streitigkeiten mit seinen ehemaligen Geschäfts­partnern, die nicht willens waren, kampflos von WERNER abzulassen, gelang es Brösel und seiner ihm am 18. März 1999 angetrauten Frau Petra (die er im Club 68 kennen gelernt hatte und mit der er seit 1993 liiert ist), sämtliche zukünftigen WERNER-Rechte und seine Buch-Rechte für sich zu sichern.

Die Reaktivierung und Modifizierung des Red-Porsche-Killers wurde 2004 durch Ölfuß vorgenommen. Dass WERNER nach wie vor seinen festen Platz nicht nur in Deutschlands Comic-Welt hat, bewies 2004 das Event „WERNER - DAS RENNEN”, bei dem Brösel sechzehn Jahre nach Hartenholm seine Revanche bekam - und sie vergeigte.

Das umfangreiche Motorsport-Rahmen­programm machte „WERNER - DAS RENNEN 2018“...

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