Die Geschichte der Tour de France Femmes: Ein Neustart für den Frauenradsport

Jahrelang fehlte es dem Frauenradsport an den Investitionen, der Medienberichterstattung und der Aufmerksamkeit, die er verdient hätte. Doch bis 2022 versäumte der professionelle Frauenradsport das Kronjuwel des Radsportkalenders, die Tour de France. Die Einführung der Tour de France Femmes avec Zwift im Jahr 2022 änderte dies.

Dieses Rennen hat den Bekanntheitsgrad des Sports deutlich erhöht und damit nicht nur Geschichte geschrieben. „Als Gründungspartner sind wir stolz darauf, zu zeigen, wie sich der Sport seit der ersten Ausgabe des Rennens im Jahr 2022 entwickelt hat“, so Kate Veronneau, Director of Women’s Cycling bei Zwift. „Der Frauensport wird im Moment weltweit von einem Rückenwind des Interesses und Investitionen beflügelt.“

Die Anfänge in den 1980er Jahren

Die Geschichte der Tour de France Femmes reicht weit zurück: Bereits in den Achtzigerjahren rollte sie als Grande Boucle Féminine durch Frankreich. Bei ihrer Premiere siegte die US-Amerikanerin Marianne Martin. Sie war ursprünglich Leichtathletin, musste aber wegen Rückenproblemen mit dem Laufen aufhören - und wechselte zum Radsport.

Bei der Tour-Premiere übernahm sie nach der 14. Etappe die Führung und verteidigte sie bis Paris erfolgreich. So vielversprechend wie die Tour der Frauen begann, verlief sie auch in den Folgejahren. Dafür mitverantwortlich: die französische Ausnahme-Athletin Jeannie Longo und ihre italienische Kontrahentin Maria Canins. Die beiden lieferten sich fünf Jahre lang packende Duelle um den Gesamtsieg. Zwischen zehn und 15 Etappen umfasste die Grande Boucle Féminine damals.

Die Rundfahrt erreichte dennoch zu keinem Zeitpunkt die angestrebte Aufmerksamkeit - und wurde aufgrund von Rechtsstreitigkeiten und eines Sponsorenmangels 1990 und 1991 nicht ausgetragen. 1992 gab es einen Neustart-Versuch. Mit den Jahren sank das Interesse der Sponsoren und potenzieller Etappenstädte, sodass sich die Zahl der Etappen immer weiter reduzierte. 2004 fiel die Rundfahrt erneut aus.

Danach gab es noch einmal ein kurzes Aufflackern, ehe sie 2009, mit gerade einmal vier Etappen, ein letztes Mal rollte - und dann endgültig von der Bildfläche verschwand. Die Tour-Veranstalter der ASO hatten sich längst zurückgezogen und andere versuchten ihr Glück. Seit 2014 wurde im Rahmen der Frankreich-Rundfahrt jeweils das Eintagesrennen „La Course“ ausgetragen, das wieder unter der Federführung der ASO ausgerichtet wurde. Im ersten Jahr wurde das Rennen am Schlusstag der Tour auf den Champs-Elysées ausgefahren. Die Siegerin: Marianne Vos. Die Top-Athletin gewann La Course insgesamt zweimal.

Die Wiederbelebung im Jahr 2022

Acht Etappen, 1029 Kilometer und ein Finale an der Planche des Belles Filles: Das ist die Tour de France Femmes. Sie ist auch: ein Neustart. Bereits zwischen 1984 und 2009 wurde die Tour de France für Frauen, mit Unterbrechungen, ausgetragen. Nun ist sie wieder da. Mit mehreren Highlights. Eines davon ist der Anstieg zur „Planche“. Dessen Daten: sieben Kilometer, 508 Höhenmeter. Die Durchschnittssteigung: 8,7 Prozent.

Das Startdatum: der 24. Juli - der Finaltag der Tour de France der Männer. Allein zum Auftakt in Paris werden Millionen von Zuschauern erwartet, denn der Tagessieg wird auf den Champs-Élysées ausgetragen, wenige Stunden vor der Ankunft der Männer. Das Rennen wird, natürlich, live im Fernsehen zu verfolgen sein. Die Tatsache, dass am Tag des Männer-Finals gestartet wird, soll dem Rennen Rückenwind geben.

„Die Medien können das Rennen so einfacher begleiten“, sagt Prudhomme. Die mediale Aufmerksamkeit für den Frauenradsport hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Der Sender Eurosport wird die Tour der Frauen live übertragen. Und auch der Spartensender ONE zeigt die Entscheidungen täglich live.

Auswirkungen auf den Frauenradsport

Seit der Einführung der Tour de France Femmes avec Zwift im Jahr 2022 hat Zwift einen Anstieg der Zahl der Frauen auf der Plattform verzeichnet. Kurz vor der vierten Tour hat Zwift eine Umfrage unter 5030 Personen in vier Schlüsselmärkten - USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland - in Auftrag gegeben, um die Auswirkungen des Events auf den Zustand des Frauenradsports genauer zu untersuchen.

In einem Gespräch mit Zwift für den Bericht „Measuring The Impact of The Tour de France Femmes avec Zwift“ sagte Ruby Roseman-Gannon, die heute als Profi-Radsportlerin für das Team Liv AlUla Jayco fährt: „Die Tour de France Femmes avec Zwift bedeutet, dass mein fünfjähriges Ich, das Männern, aber nicht Frauen bei den größten Rennen der Welt zusah, seine Träume verwirklichen kann.“

Heute, im Jahr 2025, sehen 85 Prozent der Menschen den professionellen Radsport als einen Beruf an, den Frauen anstreben können. Die Einführung der World Tour im Frauenfeld durch die UCI im Jahr 2020 und die damit verbundenen Mindestgehälter für alle Fahrerinnen haben sicherlich dazu beigetragen. Im Jahr 2025 wurde außerdem eine Pro-Team-Kategorie mit einem Mindestgehalt von 20.000 Euro eingeführt, das bis 2027 auf 24.000 Euro steigen soll.

Laut The Cyclists‘ Alliance wird das Durchschnittsgehalt bis 2024 auf 50.000 Euro steigen, wobei 15 Prozent der Befragten 100.000 Euro oder mehr verdienen. Puck Pieterse vom Team Fenix-Deceuninck, stellt fest, dass sich die gestiegenen Budgets auf die Professionalisierung des Pelotons auswirken: „Obwohl ich noch nicht lange im Profi-Peloton fahre, ist es offensichtlich, dass sich die Landschaft in den vergangenen Jahren stark verändert hat. Einer der größten Unterschiede, der mir aufgefallen ist, ist, wie viel organisierter das Peloton geworden ist."

Anastasiya Kolesava vom Team Canyon-Sram Zondacrypto bestätigt die positiven Veränderungen im Peloton: „Das Niveau des Frauenradsports ist in den vergangenen Jahren wirklich stark gestiegen. Um ehrlich zu sein, ist es verrückt, wie sich alles verändert hat. So viele Fahrerinnen sind jetzt sehr stark an den Anstiegen und die Geschwindigkeiten, mit denen wir Rennen fahren, sind viel höher - auch wenn es bei Rennen oder Etappen jetzt generell viel mehr zu klettern gibt."

Der Radsport ist nach wie vor eine Sportart, die fast ausschließlich auf Sponsoren angewiesen ist. Die Tour de France Femmes avec Zwift verzeichnet die größte Zuschauerzahl im professionellen Frauenradsport. Das Rennen wird in 190 Ländern weltweit übertragen.

„Der vielleicht größte Wandel hat sich in der Medienberichterstattung vollzogen“, sagt Pieterse. „Als ich anfing, Frauenrennen zu verfolgen, gab es meist nur eine kurze Zusammenfassung nach dem Rennen der Männer oder vielleicht die finalen zehn Kilometer. Es fühlte sich nicht sehr ansprechend an. Dieser Mangel an Sichtbarkeit machte es den aufstrebenden Radsportlern schwer, sich einen Platz in diesem Sport zu erhoffen. Wenn man es nicht selbst sehen kann, ist es schwer zu glauben, dass es möglich ist."

Die erhöhte Präsenz der Tour de France Femmes avec Zwift trägt dazu bei, das Interesse am Profiradsport der Frauen zu steigern und das Publikum für alle Rennen zu vervielfachen. Von denjenigen, die sich für die Tour im Jahr 2024 interessiert haben, gaben 80 Prozent an, dass sie den Frauenradsport in Zukunft häufiger verfolgen werden.

Es gibt jedoch noch immer Raum für Verbesserungen. Während in Ländern wie Frankreich die Tour de France Femmes avec Zwift frei empfangbar ist, kann es für Fans in anderen Ländern schwieriger sein, das Rennen zu verfolgen. Es überrascht nicht, dass der einfache Zugang zu Live-Übertragungen von Rennen einen direkten Einfluss auf die Fangemeinde hat.

Die sozialen Medien sind nicht nur für die Live-Berichterstattung wichtig, sondern spielen auch weiterhin eine entscheidende Rolle für das Wachstum des Frauenradsports. Die Social-Media-Kanäle der Tour de France Femmes avec Zwift sind mit 2,6 Millionen Fans weiter gewachsen, ein Zuwachs von 700.000 gegenüber 2023. Die Zahl der Videoaufrufe stieg um 61 Prozent auf 120 Millionen im Jahr 2024 und die Zahl der Impressionen stieg um 257 Prozent gegenüber 2023 auf 357 Millionen.

Während die Tour de France Femmes avec Zwift die meisten Zuschauer anlockt, profitieren auch andere Rennen vom gestiegenen Interesse am Frauenradsport. Diese verstärkte Aufmerksamkeit führt zu einem neuen Interesse am Sponsoring, da nun auch etablierte Marken wie Nike in den Sport einsteigen. Der Spitzensport wächst mit zunehmender Medienpräsenz, dem Wachstum der sozialen Medien und steigenden Fahrergehältern.

Der Radsport ist zwar nach wie vor eine von Männern dominierte Sportart, aber wir sehen die ersten Ansätze eines Wachstums. Entscheidend ist, dass sich jüngere Menschen für den Radsport interessieren - eine jüngere Generation trägt zur Förderung des Radsports im Vereinigten Königreich bei: Die Zahl der Radfahrer unter 35 Jahren auf Strava ist seit 2019 um über 80 Prozent gestiegen, und die von Frauen erfassten Aktivitäten auf dem Rad sind um fast 20 Prozent gestiegen.

Die erhöhte Öffentlichkeitswirkung von Frauenrennen inspiriert die Menschen weiterhin dazu, aktiver zu sein. Was die Zukunft angeht, ist Pieterse zuversichtlich: „Mit Veranstaltungen wie der Tour de France Femmes avec Zwift und einem wachsenden Rennkalender von Frauen, einschließlich der großen Frühjahrsklassiker, gewinnt der Sport weiter an Dynamik und zieht ein wachsendes Publikum an.Wir sind auf einem guten Weg."

Die Daten zeigen, dass der Frauenradsport wächst, aber wir müssen dieses Wachstum fördern und unterstützen. Bei Watch the Femmes geht es nicht mehr nur ums Einschalten, sondern ums Dabeisein. Es ist eine globale Bewegung, die uns alle einlädt, unseren Teil dazu beizutragen, den Frauenradsport zu fördern. Wir brauchen die Stärke einer kollektiven Kraft, um sicherzustellen, dass dieses Momentum nur an Fahrt gewinnt und Möglichkeiten auf allen Ebenen des Sports schafft.

Marion Rousse über die Tour de France Femmes

TOUR: Marion Rousse, eine Veranstaltung zum zweiten Mal erfolgreich durchzuführen ist oft schwieriger als beim ersten Mal. Wie fällt Ihre Bilanz der zweiten Ausgabe der Tour de France Femmes aus?

Marion Rousse: Sie war sehr erfolgreich. Schon im ersten Jahr haben wir viel erreicht. Aber jetzt ging es darum, das zu bestätigen, einmal auf der sportlichen Seite, aber auch was den Zuschauerzuspruch angeht und auch den Aspekt, die Schönheit des Landes zu zeigen. Ich denke, das ist uns geglückt. Wir hatten ein spannendes Rennen, jeden Tag eine andere Siegerin und abachließend ein Zeitfahren, das bis zum Ende Spannung bot im Kampf um den zweiten und dritten Gesamtrang. Gefreut hat mich der veränderte Blick auf die Tour. Im letzten Jahr ging es vor allem darum, die Tour de France Femmes im Bewusstsein der Menschen zu verankern und zu zeigen: Ja, eine Tour de France der Frauen ist möglich. In diesem Jahr war das gar nicht mehr die Frage, sondern die Athletinnen selbst, ihr Kampf gegeneinander, ihre Persönlichkeiten standen im Mittelpunkt.

TOUR: Sie haben den Parcours schwerer gemacht, mit dem Tourmalet einen mythischen Gipfel der Tour de France ins Programm genommen. Wird es in Zukunft so weiter gehen, immer mehr Berge, und dann auch mehr Etappen?

Marion Rousse: Der Parcours für das nächste Jahr steht schon, in groben Zügen auch der für das Jahr darauf. Aber für den genauen Streckenplan muss ich Sie auf die offizielle Präsentation der Strecke im Herbst vertrösten. Was wir versucht haben mit dem Tourmalet, ist, die Tour de France Femmes in der Geschichte der gesamten Tour de France zu verankern. Es ging uns auch darum, zu zeigen, dass die Frauen fähig sind wie die Männer, die mythischen Anstiege zu meistern. Und ja, wir sind auf alle Fälle bestrebt, auch in den kommenden Jahren solche historischen Gipfel und überhaupt die schönen Bergketten Frankreichs in den Verlauf der Rundfahrt zu integrieren. Wir wollen aber auch darauf achten, soviel Fahrerinnen wie möglich die Gelegenheit zu geben, zu brillieren. Deshalb streben wir einen sehr vielseitigen Parcours an, für die Ausreißerinnen, die Baroudeusen, aber auch die Kletterinnen und die Sprinterinnen. In diesem Jahr hatten wir auch erstmals ein Zeitfahren. Für das nächste Jahr streben wir dieselben Elemente an.

TOUR: 2024 ist der Grand Depart allerdings in Rotterdam, da sind die mythischen Anstiege weit entfernt. Was gab den Ausschlag dafür? War es der Umstand, dass die Niederlande das Kernland des Frauenradsports sind und die Tour de France Femmes auf diese Art sportlich nach Hause kommt?

Marion Rousse: Es waren mehrere Gründe ausschlaggebend. Wie Sie schon sagen, ist der Frauenradsport in den Niederlanden sehr populär. In der Entwicklung sind die Niederlande anderen Ländern voraus. Und Radsport ist auch sehr in die Alltagskultur eingewoben. Das hat uns alles bewogen, den Grand Depart dort zu veranstalten. Ein weiterer Grund ist aber auch die Überschneidung mit den Olympischen Spielen in Paris 2024. Und letztlich geht es auch darum, die Tradition der Tour de France mit ihren vielen Auslandsstarts fortzusetzen.

TOUR: Sie waren selbst Radprofi. Wie sehr hat sich in Ihren Augen die Qualität des Pelotons im Frauenradsport verändert, und welchen Anteil hat die Frauen-Tour daran?

Marion Rousse: Der Frauenradsport hat sich in den vergangenen Jahren enorm verändert. Der Rennkalender ist reicher geworden, auch ohne uns. Aber die Aufmerksamkeit, die die Tour erzeugt, ist schon eine besondere. Das gilt für die Männer wie für die Frauen. Die Qualität im Peloton ist weiter gewachsen, die Leistungsdichte hat zugenommen. Das hat natürlich auch mit den Investitionen in diesen Sport zu tun. Und wir sehen, dass das Interesse der Sponsoren weiter wächst.

TOUR: Gibt es eigentlich zwischen Ihnen und Christian Prudhomme, zwischen der Tour de France der Frauen und der Tour de France der Männer, einen Wettbewerb? Intern im Unternehmen ASO, oder um die Etappenstädte, Sponsoren oder Zuschauerzahlen?

Marion Rousse: Nein, ganz und gar nicht. Wir sind inzwischen so weit, dass wir das als eine Tour de France sehen, als vier Wochen Tour de France, zu der im Sommer auch die Zuschauer an die Strecke kommen. Auch die Tour de France Femmes wird weltweit übertragen, wir haben gute Zahlen hier in Frankreich gehabt. Und es gibt immer mehr Bewerberstädte, die sich sowohl für die Tour der Männer als auch die für die Frauen interessieren. Aber natürlich muss man auch sagen, die Tour de France gibt es seit mehr als 100 Jahren, wir aber sind erst im zweiten Jahr. Da gibt es Unterschiede.

Die Gehaltsentwicklung im Frauenradsport

Die Einführung des Mindestlohns war ein weiterer wichtiger Schritt für die Entwicklung des Frauenradsports: Radsportlerinnen in der obersten Liga (World Tour) müssen mindestens 38.000 Euro im Jahr erhalten, Neu-Profis knapp 32.000 Euro. Hier ist der Abstand zu den Männern geringer, der Mindestlohn dort beträgt 42.000 Euro und 34.000 Euro bei den Neu-Profis.

Als sie vor gut zehn Jahren als Profi fuhr, verdiente sie gar nichts mit dem Radsport, es war ein reines Hobby: "Damals haben wir uns hinter den LKWs umgezogen, hatten keinen Bus dafür. Geschlafen haben wir nicht in Hotels, sondern in Schulen, Kasernen oder auch mal in einer Feuerwehrwache", erinnert sie sich. Auch dank der Tour de France Femmes sei der Frauenradsport "Lichtjahre von dem Sport entfernt ist, den ich einmal gemacht habe."

Dennoch ist für sie klar: "Wir müssen weiterkämpfen. Es wird noch ein paar Jahre dauern, den Frauenradsport finanziell weiterzuentwickeln.

Auch das Preisgeld fällt höher aus als bei den meisten Damen-Rennen üblich: Die Gesamtsumme der Preisgelder, die bei der Frauen-Tour ausgeschüttet werden, beträgt 250.000 Euro. Zum Vergleich: Die Siegerin des Klassikers Paris-Roubaix erhielt ein Preisgeld von 1535 Euro. Wobei es im Radsport üblich ist, alle bei einem Rennen eingefahrenen Preisgelder später nach einem bestimmten Schlüssel innerhalb des Teams - die Mechaniker, Köche, Betreuer, Trainer et cetera inkludiert - aufzuteilen.

Die Strecke der Tour de France Femmes

Die mehr als 1000 Kilometer lange Strecke ist anspruchsvoll, doch die ersten Etappen-Profile sind überwiegend flach, sodass je mit Sprintentscheidungen zu rechnen ist. Von Paris aus führt die Strecke über die Champagner-Stadt Reims weiter nach Épernay, Troyes und Bar-sur-Aube. Weiter geht es durch die Vogesen ins Elsass, wo am vorletzten Tag die „Königsetappe“ ansteht.

Während der siebten Etappe geht es über drei anspruchsvolle Berge: Beginnend mit dem Petit Ballon geht es anschließend sieben Kilometer bergauf zum Col du Platzerwasel. Am Schlussanstieg zum Grand Ballon könnte dann eine Vorentscheidung um den Gesamtsieg fallen. Die Daten des Anstiegs: 13,5 Kilometer, 902 Höhenmeter, 6,7 Prozent Durchschnittssteigung.

An diesem Tag kann man die Tour verlieren - aber noch nicht gewinnen. Denn: Die finale Etappe wird kein „Schaulaufen“ wie im Rennen der Männer, sondern der Tag der Entscheidung.

Die fast schon „natürliche“ Favoritin auf den Gesamtsieg heißt: Annemiek van Vleuten. Die Niederländerin ist eine Berg-, Zeitfahr- und Rundfahrten-Spezialistin. Zweimal gewann sie allein die bis dato wichtigste Rundfahrt einer Saison, den Giro d’Italia Donne. Doch: Die dreimalige Weltmeisterin ist inzwischen 39 Jahre alt.

Zu den weiteren Favoritinnen zählen etwa Ashleigh Moolman-Pasio aus Südafrika, ihre Teamkollegin von SD-Worx, die Niederländerin Demi Vollering und die junge Italienerin Marta Cavalli.

Demi Vollering und die Ungleichheit im Radsport

Demi Vollering kann mit Enttäuschungen umgehen. Kurz nachdem sie im Vorjahr die Tour de France Femmes im wohl dramatischsten Finale der insgesamt 122-jährigen Tour-Geschichte um gerade einmal vier Sekunden verloren hatte, stellte sie sich den Reporterfragen.

Noch nie wurde die Frankreich-Rundfahrt bei Männern oder Frauen mit einem so knappen Abstand entschieden wie im Vorjahr zwischen der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Niederländerin Vollering, doch Letztere blickt längst nach vorn. Nach ihrem Sieg bei der Vuelta, der Spanien-Rundfahrt, im Mai, den sie allen Menschen, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, widmete, schaut sie bereits auf die am Samstag beginnende Tour, die sie nach ihrem Triumph 2023 unbedingt erneut gewinnen will.

Aber es gibt da noch eine andere Sache, die sie umtreibt: Ungleichheit. Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen verdienen Profi-Radsportlerinnen deutlich weniger, und das ärgert die Niederländerin vom Team FDJ -SUEZ. Diesen Unterschied gibt es auch bei der Tour de France: Der Sieger erhält 500.000 Euro Preisgeld, die Siegerin nur 50.000 Euro. Ungleichheit herrscht vor allem bei den Gehältern. Radsportler können deutlich mehr verdienen als Radsportlerinnen.

Dass sich bei der Aufwertung des Frauenrennens etwas tut, zeigt auch der Blick auf die Anzahl der Etappen: Die Tour de France Femmes ist länger geworden und umfasst nun erstmals neun statt acht Tage - aber damit immer noch weniger als die Hälfte der 21 Etappen der Männer-Tour.

Marion Rousse sieht in der Verlängerung um einen Tag dennoch "eine starke Botschaft an den Frauenradsport", so die Chefin der Tour de France Femmes. "Unser Rennen ist immer noch sehr jung, es ist erst die vierte Auflage. Das sieht auch Ricarda Bauernfeind so. "Es hat sich viel getan. Wir haben jetzt neun Etappen, sie werden immer länger und anspruchsvoller. Und wir fahren auf namhafte Berge, wir fahren durch fast ganz Frankreich. Ich glaube, wir nähern uns weiter den Männern an. Diese Entwicklung ist sehr, sehr positiv", sagt die 25-jährige Deutsche aus dem Team Canyon-Sram zondacrypto im DW-Gespräch.

Die Bergspezialistin, die als wichtige Helferin für Titelverteidigerin Niewiadoma-Phinney ins Rennen geht, erlebte bei der Tour ihren Durchbruch, als sie 2023 eine Etappe gewann. "Das war mein größter Erfolg. Diese Vorreiterrolle sollte die Tour allerdings auch beim Preisgeld einnehmen, fordert Ricarda Bauernfeind. "Klar, die Männer fahren länger, leisten dadurch mehr. Aber die Tour de France hat eine Vorbildfunktion für alle anderen Rennen.

Ein wichtiger finanzieller Faktor ist dabei seit jeher die Medienpräsenz. TV- und Streaming-Minuten schaffen ein Werbeumfeld. Höhere Einschaltquoten und Social-Media-Reichweiten bringen Einnahmen und machen das Event für weitere Sponsoren interessant. Das liegt nicht nur am längeren Rennen, sondern auch an der Tatsache, dass die Tour de France in voller Länge übertragen wird, während die Übertragung der Tour de France Femmes erst im Verlauf des Rennens beginnt.

Das hat aus der Sicht von Ricarda Bauernfeind ganz konkrete Auswirkungen: "Die kleineren Teams bekommen keine Fernsehzeit, weil teilweise nur die letzte Stunde oder anderthalb gezeigt werden. Bei einer Übertragung von Beginn an können sich auch kleinere Teams zeigen und ihre Sponsoren präsentieren.

Immerhin: Bei den Einschaltquoten holt die Tour de France Femmes auf. Während die Tour de France der Männer auf Spitzenwerte von 6,3 Millionen Zuschauern im Gastgeberland kommt, erreichte das Frauenrennen beim dramatischen Finale 2024 hinauf nach Alpe d'Huez immerhin 3,5 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Und auch das Interesse der gastgebenden Städte und Gemeinden entlang der Strecke nimmt deutlich zu, berichtet Marion Rousse: "Inzwischen erhalten wir in 90 Prozent der Fälle Bewerbungen von Städten, die sich im selben Brief auf beide Rennen bewerben: die Tour der Männer und die der Frauen.

Pauline Ferrand-Prévot und ihr Ziel

Bei den Männern warten die Franzosen seit vier Jahrzehnten auf einen heimischen Tour-Sieger. Nun gelingt der Mountainbike-Olympiasiegerin Pauline Ferrand-Prévot der große Coup. Über eine Frau, die als Eiskunstläuferin begann.

Drei Jahre gebe sie sich Zeit, um die Tour de France zu gewinnen. Das sagte Pauline Ferrand-Prévot nach ihrem Wechsel vom Mountainbike zurück aufs Rennrad. Eine gewagte Aussage, auch für eine so herausragende Athletin wie sie. Ihre Konkurrentinnen? Allesamt routinierte Klassementfahrerinnen, stark am Berg, vertraut mit der Tour und ihren Tücken. Die Strecke? So anspruchsvoll wie nie zuvor.

Zusammenfassung der Etappen der Tour de France Femmes

Hier ist eine Zusammenfassung der Etappen der Tour de France Femmes:

  1. 24.
  2. 25.
  3. 26.
  4. 27.
  5. 28.
  6. 29.
  7. 30.
  8. 31.

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