Freiburg versteht sich als Fahrradstadt. Eine fahrradbegeisterte Bevölkerung, günstige Randbedingungen und ein dichtes Radverkehrsnetz ermöglichen es, dass über ein Viertel (27%) der Wege innerhalb der Stadt mit dem Rad zurückgelegt werden, deutlich mehr als mit dem ÖPNV oder zu Fuß.
Damit leistet das Fahrrad einen unverzichtbaren Beitrag zur Entlastung der Stadt von Stau, Lärm, Abgasen und zugeparkten Straßen und somit zur Gesundheit und Lebensqualität der Freiburger Bevölkerung.
Grundlage für den Ausbau dieses Radnetzes ist das Radkonzept, welches bereits 2012 entwickelt wurde. Seitdem arbeitet die Verwaltung kontinuierlich an der Umsetzung der Ziele und Maßnahmen des Radkonzeptes. Der angestrebte Radverkehrsanteil wurde schon übertroffen: 2016 ergab eine Befragung, dass 34 Prozent der Wege innerhalb Freiburgs mit dem Rad zurückgelegt werden.
Das Radkonzept hat der Gemeinderat im Jahr 2013 beschlossen. Seitdem ist es die konzeptionelle Grundlage für den Ausbau der Freiburger Radinfrastruktur. Das Konzept definiert Routen, benennt angestrebte Standards und listet Ausbaumaßnahmen auf.
Das RadNETZ plus
Das im Radkonzept enthaltene Rad-Routen-Netz wurde im RadNETZ plus weiterentwickelt, das im Frühjahr 2023 vom Gemeinderat beschlossen wurde. Das RadNETZ plus ersetzt nicht das Radkonzept, sondern ist die nächste Umsetzungsstufe des weiterentwickelten Netzes. Es soll die Umsetzung von Radmaßnahmen der nächsten Jahre priorisieren.
So sollen zusammenhängende Achsen ausgebaut und durchgängig besser nutzbar werden. Das RadNETZ plus dient auch als Grundlage für Berechnungen im Klimamobilitätsplan, bei dem der Ausbau des Radnetzes ein wichtiges Handlungsfeld ist.
In den letzten Jahren hat der Regionalverband Südlicher Oberrhein (RVSO) Machbarkeitsstudien für vier Radschnellwege in der Region Freiburg erstellen lassen. Diese Verbindungen sind hierarchisch oberhalb der Rad-Vorrang-Routen angesiedelt und stellen das Rückgrat des (über-)regionalen Radverkehrs dar. Vier Radschnellwege werden nun mithilfe des RadNETZ plus sinnvoll ins Freiburger Radnetz der Zukunft integriert.
Für den Radschnellweg RS6 nach Norden läuft aktuell die konkrete Planung mit dem Ziel einer Umsetzung in den nächsten Jahren. Die Linienführungen der Radschnellwege wurden den Machbarkeitsstudien bzw. dem Planungsstand des RS 6 entnommen und sind dort erläutert.
Ziele des Radkonzepts
- Ein zusammenhängendes, durchgängig gut befahrbares Radverkehrsnetz sicherzustellen.
- Eine neue Qualität gegenüber der bisherigen Radverkehrsförderung ist das geplante Rad-Vorrang-Netz.
- Die Routen sollen ein angenehmes Radfahren auch über längere Distanzen ermöglichen.
- Sie sollen auch den zunehmenden Pedelecs gerecht werden und die Pendler-Potenziale im Stadt-Umland-Verkehr mobilisieren.
Im Routen- und Maßnahmenplan ist dazu in blau das Netz der Vorrang-, Haupt- und Nebenrouten dargestellt. Auf diesem Netz sind in rot die geplanten Maßnahmen dargestellt.
Radvorrangrouten in Freiburg
Zentraler Punkt des Radkonzepts ist es, ein Premium-Radnetz aus Rad-Vorrang-Routen zu entwickeln, von denen zunächst drei Pilotrouten umgesetzt werden. Die vom Gemeinderat 2012 mit dem Radkonzept beschlossenen drei Pilotrouten FR1 bis FR3 wurden bereits in weiten Teilen ausgebaut.
Die Kennzeichnung des FR3 wird in absehbarer Zeit beginnen. Auf Basis dieser drei Pilot-Vorrang-Routen und der vier Radschnellwege wird eine Auswahl an fünf weiteren Rad-Vorrang-Routen aus dem Radkonzept 2020 getroffen. Zum Teil wurden die Linienführungen angepasst oder die Routen neu aufgeteilt.
Mit dem Radkonzept 2020 hat das Garten- und Tiefbauamt der Stadt Freiburg 2012 das neue Element Radvorrangrouten in die Radsystematik eingeführt, wenige Jahre später wurde es bundesweit übernommen.
Radvorrangrouten sind eine Stufe zwischen dem Basis-Standard "normaler" Radwege und dem höchsten Standard, den "Radschnellwegen", die vor allem auf die regionale Verknüpfung abzielen. Radvorrangrouten bieten einen dazwischen liegenden, dem städtischen Verkehrsraum angepassten hohen Standard und sollen direkte, sichere und attraktive Verbindungen auch über längere Strecken mit geringen Wartezeiten ermöglichen.
Merkmale der Vorrang-Routen sind eine besonders gute Qualität und wenig Verzögerungen durch einen möglichst durchgängigen „Vorrang“ gegenüber querenden Verkehren. Dies soll bei separat geführten Radwegen (z.B. Dreisamuferradweg) durch kreuzungsfreie Führung erreicht werden, bei Radwegen oder Radstreifen an Hauptverkehrsstraßen (z.B. Eschholzstraße) durch auf den Radverkehr abgestimmte Ampelschaltungen und bei Fahrradrouten in Nebenstraßen durch Fahrradstraßen mit Vorfahrt (z.B. Hindenburgstraße).
Mit dem Radkonzept 2020 wurden vom Freiburger Gemeinderat zunächst drei Radvorrangrouten als Pilotprojekte beschlossen und seitdem ausgebaut. Die beiden Radvorrangrouten FR1 und FR2 sind bereits auf den Wegen und Straßen markiert, die dritte Route FR3 soll in absehbarer Zeit folgen.
Die Radvorrangrouten FR1, FR2 und FR3
Der FR1 entlang der Dreisam ist 10 km lang, kreuzt keine einzige Ampel und führt mit nur 2 Mal „Vorfahrt achten“ durch die ganze Stadt - und selbst das wird noch optimiert. Er verläuft - durch entsprechende Piktogramme auf dem Boden markiert - landschaftlich reizvoll entlang der Dreisam und ist die schnellste Verbindung von Ost nach West.
Der FR1 ist 12 km lang, kreuzt keine einzige Ampel und führt nahezu ohne Wartezeiten durch die ganze Stadt. Er ist fast komplett beleuchtet und verläuft - durch entsprechende Piktogramme auf dem Boden markiert - landschaftlich reizvoll entlang der Dreisam und ist die schnellste Verbindung von Ost nach West.
Auf dem FR2 könnt ihr große Teile der Stadt in Nord-Süd Richtung ohne Ampel, zügig und bequem durchqueren - fast durchgängig entlang der Güterbahnlinie. Auf 4 km Länge hat der FR2 bereits den Standard einer Rad-Vorrang-Route. Wichtige Ziele wie die Uni-Klinik, die technische Fakultät, die Messe, die Gewerbegebiete Nord und Haid oder das Güterbahnhofgelände sowie die Stadtteile St.
Auf dem FR2 können Sie große Teile der Stadt in Nord-Süd Richtung ohne Ampel, zügig und bequem durchqueren. Auf über 6 km Länge ist der FR2 bereits als Radvorrangroute ausgebaut und durchgängig beleuchtet. Wichtige Ziele und viele Stadtteile liegen am FR2 und werden über diese Route fahrradfreundlich angebunden.
Sie führt durch Waldkircher Straße, Friedhofstraße (beide gerade schon entsprechend umgebaut), Eschholzstraße und Lörracher Straße zentral durch die dicht besiedelten Stadtteile Brühl/Beurbarung, Stühlinger und Haslach. Im Norden bindet sie Herdern und Zähringen sowie im Süden St. Georgen und Vauban an.
Auswirkungen des Ausbaus
Dass der Ausbau der Radvorrangrouten etwas bewirkt, sieht man eindrucksvoll an der Häufigkeit ihrer Nutzung. Die Stadt Freiburg betreibt ein Zähldisplay an der Wiwilibrücke, welches bis zu 18.000 Radfahrende am Tag zählt und vor Ort die Zahl anzeigt. 35 Millionen Radfahrten wurden seit 2012 dort gezählt, fast 10.000 an durchschnittlichen Wochentagen - gerade wird es erneuert.
Die Vorrangroute mit den meisten Ausbaumaßnahmen, der FR2, hat auch den eindrucksvollsten Zuwachs: Wurden dort zu Beginn der Zählungen 2015 an Spitzentagen knapp über 3.000 Räder erfasst, waren es zuletzt, erstmalig über 6.000 an einem Tag.
In der Stadt wird es zukünftig nicht nur die drei bestehenden Radvorrangrouten geben, in den nächsten Jahren sollen fünf weitere schrittweise ausgebaut werden. Die Routen FR4 bis FR8 sorgen für eine flächenhafte Anbindung der Stadtteile an das Vorrangroutennetz und übernehmen auch die Feinverteilung der vier geplanten Radschnellwege.
Bestandteile des RadNETZ plus
Bestandteil des RadNETZ plus ist auch eine verbesserte Rad-Anbindung der Ortschaften und außen liegenden Statteile. Die Routen werden in den Plänen konkret dargestellt, sind aber erst mal prinziphaft zu verstehen.
Im RadNETZ plus sind auch einige Rad-Verbindungen an Nachbarkommunen dargestellt. Für eine Befahrbarkeit bei Dunkelheit sind beidseitige durchgängige Randmarkierungen vorgesehen. Ggf. ist eine Beleuchtung zu prüfen, auch punktuelle Beleuchtungen an Engstellen, Kurven, Querungen oder ähnlichen Punkten sind denkbar.
Für eine ganzjährige Befahrbarkeit ist der Winterdienst und die ausreichende Reinigung von Verschmutzungen (Laub etc.) zu prüfen und ggf.
Innovative Ansätze und Herausforderungen
Freiburg wagt sich an innovative Radwege ran. Manche davon sind günstig, andere nicht. Der Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) lobt den Mut.
Das Rathaus möchte das Problem mit Bewegungsmeldern lösen. Seit Dezember sind solche auf drei Radrouten installiert: auf dem FR1 von Lehen nach Umkirch, auf dem Radweg vom Gewerbegebiet Haid nach Tiengen und am Höheweg zwischen Zähringen und Gundelfingen.
Frank Uekermann, Chef des Garten- und Tiefbauamts, will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: weniger Energiekosten, mehr Artenschutz. Denn Dauerbeleuchtung störe die Tiere. Zum Einsatz komme neuste LED-Technik - teilweise solarbetrieben. Bis März soll der Test gehen.
Neue Wege gibt’s auch an der Messe: Im Januar soll dort die „erste Solar-Radwegüberdachung Deutschlands“ in Betrieb gehen. Für eine Million Euro werden 300 Meter Radweg ausgerüstet.
Ein Zeichen setzen möchte die Stadtverwaltung Freiburg im geplanten Stadtteil Dietenbach. Uekermann kündigt eine Fahrradbrücke in Schneckenform an, ein „optisches Highlight als verkehrspolitisches Signal“.
Finanzierung und Umsetzung
Die investiven Maßnahmen des Radkonzeptes erreichen insgesamt einen Kostenumfang von etwa 30 Mio. €, sind z.T. aber auch erst nach dem Zieljahr 2020 umzusetzen. Die Dauer der Umsetzung richtet sich nach den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln.
Die Umsetzung des RadNETZ plus wird mit hoher Priorität vorangetrieben, die Zeiträume sind aber abhängig vom eingesetzten Personal und den zur Verfügung gestellten Haushaltsmitteln. Konkrete Kosten werden mit der Ausarbeitung einzelner Abschnitte ermittelt.
Auch die Prioritäten innerhalb des RadNETZ plus sind im Rahmen der weiteren Umsetzung festzulegen. Diese sollten sich eher auf Maßnahmen oder Abschnitte beziehen, weniger auf ganze Routen. Das ist flexibler und kann eher dem Bedarf und den Möglichkeiten angepasst werden.
Insgesamt listet das Radverkehrskonzept, das vom Garten- und Tiefbauamt unter Mitwirkung der Gemeinderatsfraktionen, der Fahrradverbände und der Polizei erarbeitet wurde, rund 150 Vorhaben auf.
Unterwegs auf der Rad-Vorrang-Route FR1
Wir starten an der Kronenbrücke und rollen Richtung Osten auf der rechten Seite der Dreisam. Der Radweg ist eine Rad-Vorrang-Route. Man erkennt es am weißen Zeichen FR1 auf blauem Grund. Hier haben Radler_innen grundsätzlich Vorfahrt.
Nach kurzer Zeit sehen wir gegenüber das Café Extrablatt (barrierefreie WCs). Weiter geht es bis zur Greiffeneggbrücke. Hier sieht man 21 Wasserbecken, die auch als Swimmingpools genutzt werden. Sie sollen aber eigentlich eine Aufstiegshilfe für Fische sein.
Bald kommt rechts der Biergarten der Ganter-Brauerei. Auf dem Gelände ist auch die Wodan-Halle, in der viele Veranstaltungen stattfinden. Jetzt führt unsere Radroute durch die Hindenburgstraße, am Deutsch-Französischen- und am Bertold- Gymnasium vorbei.
Kurz vor der Sandfangbrücke erzeugt ein Wasserkraftwerk Strom für ca. 120 Haushalte. Und wieder lädt eine Fischtreppe auch die Menschen im Sommer zum Baden ein. Klar, dass hier und auf der Wiese rechts bei gutem Wetter eine große Partyzone ist.
Hier an der Sandfangbrücke wird das Wasser für den Gewerbekanal und die Freiburger Bächle abgezweigt. Jetzt fahren wir an vielen Sportstätten der Uni und anderen Sportvereinen entlang.
Gegenüber auf der anderen Flussseite liegt auf einer Anhöhe die alte Kartaus. Früher war das ein Kloster, später ein Pflegeheim. Heute ist es das UWC - United World College der Robert Bosch Stiftung. 200 junge Leute aus aller Welt leben und lernen hier friedlich miteinander.
Bald tauchen vor uns rechts die Flutlichtmasten des Schwarzwaldstadions am Himmel auf. Das neue Stadion des SC Freiburg ist beim Freiburger Flugplatz. Direkt hinter dem Stadion kann man im Sommer im Fun-Strand eine Pause einlegen, etwas trinken und/oder Minigolf spielen. Das Gelände gehört zum Strandbad, das von April bis September geöffnet ist.
Auf der anderen Flussseite sehen wir jetzt die Jugendherberge Freiburg (barrierefrei). Bis hier sind wir rund 4 km gefahren. Der Dreisam- Radweg führt nun weiter am Stadtteil Ebnet vorbei. Ein Abstecher über die Schwarzwaldstraße zum nahegelegen Schloss Ebnet lohnt sich. Dort finden viele Kulturveranstaltungen statt. Es gibt auch ein Storchen-Beobachtungszentrum.
Wer den Radweg weiter fährt, überquert den Brugga- Zufluss und verlässt dann die Dreisam. Man kann bis Kirchzarten fahren. Von dort aus fährt die Regio-Bahn zurück zum Hauptbahnhof. Oder man fährt nach einer kleinen Erfrischung auf der fast durchgängig leicht abfallenden Strecke fast ohne Anstrengung wieder zurück.
Die Tourist Information Dreisamtal gibt die Broschüre „Dreisamtal barrierefrei“ heraus.
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