Der Satz "Wer später bremst, ist länger schnell" ist wohlbekannt. Nicht nur beim Downhill, sondern bei jeder Mountainbike-Disziplin möchte man ein Maximum an Geschwindigkeit mitnehmen. Damit man spät bremsen kann, braucht man aber auch die jeweils beste Bremse. Nicht nur bei Mountainbikes, sondern auch bei Autos ist die Bremse als "sicherheitsrelevantes Bauteil" eingestuft. Auf Deutsch heißt das, dass es eins der Teile ist, von dem die Gesundheit und sogar Leben des Fahrers abhängen.
In diesem Artikel werden wir uns mit Produkten der Firma GALFER beschäftigen. Bei unserem Sport ist die Bremse eines der wichtigsten Bestandteile am Rad. Sie muss immer funktionieren damit in gefährlichen Situationen gut abgebremst werden kann. Bremsbeläge und Bremsscheiben sind ein entscheidender Faktor für die Bremsleistung und Performance.
Galfer: 70 Jahre Bremstechnik aus Spanien
Da gibt es was zu feiern: Der Bremsenhersteller Galfer wird 70 Jahre alt. Zum Jubiläum laden die Spanier zum Test ihrer neuen Racing-Produkte ein. Trotz dessen, dass die Produkte des spanischen Herstellers weltweit auf der Straße und im Rennsport genutzt werden, sind sie in deutschen Motorrad-Gefilden eher unbekannt. Erschwert wird das Bekanntwerden dadurch, dass die Produkte in Deutschland schwierig bis gar nicht zu bekommen sind, man kann sie zumeist nur direkt über Galfer beziehen. Einen deutschen Vertrieb für die Rennprodukte findet man nicht.
Im deutschsprachigen Fahrradbereich sieht das ganz anders aus. Vor allem bei den Mountainbikern gehört Galfer zu einem wichtigen Hersteller für Performance Bremsscheiben und -beläge.
Die Geschichte von Galfer
Im Jahr 1952 wurde Galfer von dem Italiener Maffio Milesi in Barcelona gegründet. Der Ort Barcelona war nicht zufällig gewählt: Die FIAT-Gruppe eröffnete in dem Jahr in der katalanischen Großstadt ein Seat-Werk und benötigte einen lokalen Zulieferer für Bremsscheiben. Durch Kontakte bekam Milesi, der zu der Zeit in Italien Bremsprodukte entwickelte, den Zuschlag, und Galfer war geboren. Nach einigen Jahren entwickelten er und sein Team auch Produkte für die Motorradindustrie, ab den siebziger Jahren fokussierte man sich dann mehr und mehr auf den ganzen Zweirad-Markt.
Milesi wusste, dass die besten Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Produkte im Rennsport liegen, und so begann das Unternehmen, sich aktiv in nationalen und internationalen Meisterschaften einzuklinken - mit Erfolg. Neben revolutionären Technologien und Produkten wie den ersten Belägen für Motorrad-Scheibenbremsen (Ducati), krönte man sich 1989 mit dem ersten Gewinn einer Weltmeisterschaft, dem 125er-Tietel mit Alex Criville. Ab dann ging die Erfolgskurve im Motorsport steil bergauf. Fahrer wie Marc Marquez, Jorge Lorenzo, Lorenzo Baldassari, Joan Mir, Toni Bou oder Jorge Martin vertrauten oder vertrauen auf Produkte der Spanier. Auch Teams und Hersteller wie Beta, Honda und viele weitere nutzen die Beläge und Scheiben. Insgesamt wurden in der bisherigen Geschichte von Galfer 95 Titel von Teams und Fahrern gewonnen, die mit Racing-Produkten von Galfer ausgestattet waren. Und auch im Straßensektor ist Galfer breit aufgestellt. Beispielsweise sind 70 Prozent aller KTM und Husqvarna Modelle im Serienzustand mit Belägen und Scheiben von Galfer ausgestattet.
Galfer Produktlinien für Fahrräder
Gerade im Fahrradsport hat sich Galfer Bike das Ziel gesetzt nur das Beste anzubieten. Das erkennt man schon an der Sortimentsaufstellung der Bremsbeläge. Hier unterscheidet Galfer Bike zwischen Performance (schwarz), Advanced (rot), Pro (grün) und seit 2016 ganz neu: Road (blau) - wobei die Bezeichnung Standard keineswegs 0815-Ware darstellt. Viel mehr stellt diese Produktunterteilung die verschiedenen Einsatzbereiche dar:
- Performance (schwarz): Für XC und Enduro, zeichnen sich durch Haltbarkeit aus und punkten bei Fading-Resistenz, Bremskraft und Einsatz in Dreck und Schlamm.
- Advanced (rot): Alleskönner für Trail-Bikes, DH, Enduro und XC - diese Bremsscheiben lassen einen nicht im Stich. Vor allem das direkte Ansprechverhalten sowie progressives Bremsen sorgen auch bei nassen Bedingungen für andauernde Sicherheit. Die roten Advanced-Beläge sind wahre Alleskönner. Egal ob in Trail-Bikes, DH oder Enduro und XC - diese Bremsbeläge lassen einen nicht im Stich. Dadurch bekommt der Fahrer eine dauerhaft gleichbleibende Rückmeldung der Bremse bei anhaltender Qualität während der gesamten Nutzungsdauer.
- Pro (grün): High-End Produkte für die Rennstrecke. Höchste Bremskraft und Fading-Resistenz sorgen für präzise Bremsmanöver bei allen Bedingungen. Die grünen Pro-Beläge sind die High-End Produkte aus dem Hause Galfer. Sie sind auf den Rennstrecken zu Hause und machen da weiter wo andere Beläge schon längst aufgegeben haben. Dadurch bekommt der Fahrer eine dauerhaft gleichbleibende Rückmeldung der Bremse bei anhaltender Qualität während der gesamten Nutzungsdauer.
- E-Bike (violett): Die semi-metallischen Beläge sind speziell für die schnelleren und schwereren E-Bikes entwickelt worden. Die violetten Bremsbeläge stehen für Hitzebeständigkeit, hohe Bremskraft, Haltbarkeit und geräuscharmes Bremsen.
- Road (blau): Speziell für den Rennradbereich entwickelt. Die hohe Bremskraft bei allen Wetterverhältnissen in Kombination mit langer Haltbarkeit machen diese Bremsbeläge zu einem treuen und zuverlässigen Begleiter auf langen Touren.
Die Disc Wave ® Bremsscheiben sind aus hochwertigem Edelstahl mit hohem Karbon-Anteil und zeichnen sich durch kraftvolle, progressive Bremsleistung sowie einem wirksamen Rostschutz-Finish aus.
Test der neuen Galfer Racing-Produkte
Zum Jubiläum präsentierte Galfer ihre neuen Bremsbeläge G1310 und neue Floatec-Bremsscheiben. Als Teststrecke dient der Rundkurs Parcmotor Castellioli, etwa 60 Kilometer von Barcelona gelegen. Mit seiner Länge von 4,1 Kilometern und einem wahnwitzigen Höhenunterschied von 70 Metern der perfekte Ort, um den Belägen und Scheiben auf den Zahn zu fühlen. Als Testmaschinen stand eine ganze Bandbreite an Motorrädern aller Art in den Boxen, von einer KTM RC 390 bis hin zu rennfertigen R1-en. Insgesamt spulte jedes Motorrad den Tag etwa 200 Kilometer auf den Scheiben und Belägen ab, was in Summe nicht allzu viel ist, aber für auf Rennstreckenperformance ausgelegte Bremsbeläge und Scheiben schon eine gewisse Distanz ist. Diese Distanz schluckten die Beläge ohne jegliches Murren, der Verschleiß hielt sich sehr in Grenzen. Etwas fehl am Platz fühlten sich die Stopper auf der KTM RC 390 und einer KTM 790 Duke an, denn für die zwei Motorräder war die Bremsleistung schon etwas zu krass, ein schwänzelndes Heck vor den Kurven zumeist vorprogrammiert. Glänzen konnten die Anker dann auf den Superbikes: Selbst nach mehreren Runden mit heftigsten Angasen auf den Tausendern gab es keine Spur von Fading oder Performance-Verlust.
Einzig auf der Kawasaki ZX-10R wanderte der Druckpunkt mehr und mehr in Richtung Lenkerstummel, doch dies ist eher auf die serienmäßige Bremspumpe zurückzuführen. Bei den rennfertigen Yamaha R1 und einer R6, alle ausgestattet mit Magura-Bremspumpen, blieb der Druckpunkt auf einem konstant hohem Niveau. Übertriebene Vollbremsungen stellten kein Problem dar. Schön das Gefühl, dass die Beläge und Scheiben beim Bremsvorgang dem Piloten übergeben. Man spürt ganz fein, mit welchen Druck die Beläge von den Kolben auf die Scheiben gedrückt werden und bekommt so einen guten Überblick, wie sehr man die Bremse noch belasten kann.
Wichtig anzumerken ist, dass die Scheiben und Beläge eine KBA-Nummer haben, vom deutschen TÜV zertifiziert und somit für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen.
Erfahrungen mit Galfer Wave Bremsscheiben
Es gibt jedoch auch kritische Stimmen. Ein Benutzer berichtet, dass seine Galfer Wave Scheiben den Brembo Z04 Belägen zum Opfer gefallen sind und nach etwas über einem Jahr verschlissen waren. Sein Fazit: Sie sehen nett aus aber die Qualität ist einfach unterirdisch. Andere Benutzer konnten keinen Unterschied zwischen Galfer/Braking Wave Scheiben und den originalen Bremsscheiben feststellen.
Floatech Road Bremsscheiben im Test
Die aus dem Rennsport abgeleitete, straßentaugliche Version der in der Moto3 und Moto2 verwendeten schwimmenden Bremsscheiben sind ein unumgängliches Upgrade für all diejenigen, die auf der Landstraße alles aus dem Motorrad rausholen möchten.
Die Floatech-Road Bremsscheiben weisen viele Vorteile im direkten Vergleich zu herkömmlichen aber auch im Vergleich zu Racing-Bremsschreiben auf. In erster Linie ist die zusätzliche Bremsleistung und die längere Lebensdauer der Bremsbeläge zu nennen; die zusätzliche Bremsleistung ist dem innovativen Reibring und Innenstern sowie dem Träger-Ring, der beide miteinander verbindet, zu verdanken. Die längere Lebensdauer der Bremsbeläge ist hingegen auf die zusätzliche Auflagefläche zurückzuführen. Ein weiterer Vorteil ist die Hitzeresistenz der Bremsscheibe. Als dritten Vorteil nennt Galfer die längere Lebensdauer der Bremsbeläge, die darauf zurückzuführen ist, dass zwischen Bremsschreibe und Beläge so viel Platz ist, dass kein ungewollter Abrieb entsteht. Das bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich und zwar, dass es zu keinem Quietschen beim Betätigen der Bremsen kommt.
Aus technischer Sicht unterscheiden sich Galfers Moto3 und Moto2 Racing-Bremsscheiben von der Road-Version nur beim Träger-Ring. Der Testtag begann unter denkbar schwierigen Bedingungen: nasse Fahrbahn, kühle Temperaturen und damit Rahmenbedingungen, die nicht nur das Material, sondern auch den Fahrer fordern.
Auf der Straße fiel zunächst der weiche Druckpunkt des Bremshebels auf eine Charakteristik, die sich besonders bei kräftigen Verzögerungen aus höheren Geschwindigkeiten, bemerkbar machte. Dann kam der Offroad-Test auf der Roccos Ranch. Dann erfuhr ich, dass auch auf dem erdigen, teils matschigen und rutschigen Terrain die Betätigung der Vorderbremse keine Gefahr für einen Sturz barg. Das System hatte keine negativen Überraschungen in petto, sondern lieferte eine sehr angenehme Dosierbarkeit, die maximale Kontrolle vermittelte.
ECE R90-Zertifizierung für Galfer E-Bike Bremsbeläge
Die Galfer Bike Bremsbeläge G1652 für E-Bikes haben die begehrte ECE R90-Zertifizierung erhalten. Dadurch wird bestätigt, dass ihr Qualitäts- und Wirkungsgrad dem des Originalmaterials entspricht bzw. darüber liegt.
Diese Zertifizierung unterstreicht das Engagement von Galfer für höchste Qualität und Sicherheit, insbesondere im Bereich der E-Bikes, wo höhere Geschwindigkeiten und Gewichte eine zuverlässige Bremsleistung unerlässlich machen.
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