Der Garmin Edge 530 ist ein GPS-Radcomputer, der sowohl für Rennradfahrer als auch für Mountainbiker geeignet ist. In diesem Testbericht werden die Funktionen, die Navigation und die Eignung des Geräts für verschiedene Fahrertypen untersucht.
Design und Hardware
Mit 50 x 82 x 20 mm und einem Gewicht von 76 Gramm ist der Edge 530 kompakt und leicht. Gegen Wasser und Dreck ist der Edge 530 nach IP67 geschützt.
Für die Bedienung stehen zusätzlich zu den üblichen zwei Tasten an der Unterseite (Runde & Start/Stop) noch drei Tasten auf der linken Seite (Power, hoch, runter) und zwei Tasten auf der rechten Seite (Bestätigen und Zurück) zur Verfügung.
Zur Positionsbestimmung ist ein 3-fach Satelliten Empfänger verbaut. Du kannst GPS, GPS und GLONASS oder GPS und Galileo einstellen. Zu Beginn vom Test gab es große Probleme mit dem Galileo Empfang, welche per Firmware Update behoben wurden. Dann kam noch ein Update der getrennten GPS Firmware. Aber auch später lag der Empfang häufig etwas daneben. Dazu das Problem, dass selbst in der kürzesten Unterführung die Meldung (mit Piepton) über verlorenen GPS Empfang auftaucht.
Der interne Speicher umfasst 16 GB. Davon sind laut Explorer noch 7,2 GB frei. Einen Speicherkartenslot für externe microSD Speicherkarten gibt es nicht.
Seine Energie bezieht der Edge 530 aus einem fest eingebauten Li-Ion Akku. Geladen wird über die microUSB Buchse, welche unten, zwischen den beiden Tasten liegt. Geschützt wird die Buchse von einer stabilen Kunststoff Kappe mit Gummi Dichtung.
Zusätzlich gibt es wieder die vom Edge 1030 bekannten Kontakte in der Halterung. Darüber lässt sich das Garmin Power Pack koppeln und sorgt für eine verdoppelung der Akkulaufzeit.
Eine Akkuladung soll laut Garmin bis zu 20 Stunden halten. Im Batteriesparmodus sogar 40 Stunden. Bei mir im Test war mit automatischer Helligkeitsregelung und fast immer verbundenem Sensor nach rund 19 Stunden Schluss - ein sehr guter Wert.
Leider steht Garmin nicht für Nachhaltigkeit. Ein Wechsel vom Akku ist nicht möglich und so wird der Edge, sobald die Batterie schwächer wird, einfach nur Elektroschrott.
Bedienung
Von der Startseite geht es in drei Richtungen los. Nach oben zur Statusseite, Nach unten ins Menü und die Bestätigen Taste führt über die Profil Auswahl zur Trainingsansicht. Im Prinzip wurde die von Garmin gewohnte Bedienlogik gut an die Tastenbedienung angepasst.
Die Anordnung der Tasten gefällt mir nicht wirklich. Am kompakten Gehäuse liegen viele Tasten an der linken und rechten Seite eng zusammen gegenüber. Damit ist kein Zangengriff möglich. Um Gegendruck aufbauen zu können muss sich der Finger an der Kante abstürzen. Dabei ist es mir im Test öfter passiert, dass ich die Taste auf der falschen Seite gedrückt habe. Trotz allem hat eine Tastenbedienung ihre Vorteile. Etwa bei Regen oder mit langen Mountainbike Handschuhen. Am Ende bleibt es Geschmackssache ob du Touch oder Tasten bevorzugst.
Es dauert eine Weile bis das Zusammenspiel der sieben Tasten und des teils unübersichtlichen Menüs verinnerlicht ist - da haben Edge Fahrradcomputer mit Touchscreen eine deutlich steilere Lernkurve!
MTB Bundle
Sowohl den Edge 530 als auch den Edge 830 gibt es als MTB Bundle:
- MTB Halterung
- Gummi Schutzhülle
- Geschwindigkeitssensor (Gen. 2)
Besonders die integrierte TrailForks Karte und die Freischaltung der Trail Navigation sind spannend. Damit handelt es sich beim MTB Bundle nicht nur um ein Set mit zusätzlicher Hardware, sondern das Bundle unterscheidet sich auch bei der Software.
Navigation
Die Navi-Funktionen beschränken sich auf Zielnavigation mit Zieleingabe per Karte oder über die Favoriten. Eine Adresseingabe ist nicht möglich, würde über Tasten aber auch keinen Spaß machen. Beste Ergebnisse liefert die Track Navigation entlang geplanter Strecken.
Dabei kannst du wählen, ob du mit oder ohne Abbiegehinweise entlang des Tracks geführt werden möchtest. Verzichten musst du auf Adresseingabe, POI Suche und Round-Trip-Routing.
Neu hinzugekommen ist der Menüpunkt Mountainbike-Trailnavigation innerhalb der Navigation. Leider kamen im Test an drei verschiedenen Orten keine Ergebnisse raus. An allen gab es Trails auf der TrailForks Webseite und die Strecken waren auch als Trails im Edge Display zu sehen.
Statt über die Suche Trails aufzulisten erscheint nur die Meldung „Keine Routen gef. Startpunkt der Suche anpassen, sodass er sich in einem Trail-Netzwerk befindet, und erneut vers.„. Zum einen ist die Traildichte in Mitteleuropa sehr gering. Zum anderen werden Strecken, die auf der TrailForks Webseite vorhanden sind, einfach nicht gefunden. Insgesamt ein sehr enttäuschendes Feature bei dem nur die Hoffnung bleibt, dass es mit kommenden Updates besser wird.
In Version 4.10 wurde verstärkt daran gearbeitet und es kam ein Screen zum Trail-Netzwerk wählen hinzu. An der Praxistauglichkeit hat das aber nichts geändert. Falls die MTB-Trailnavigation irgend wann mal funktionieren sollte, werde ich in einem getrennten Artikel darüber berichten.
Konnektivität
Als vollwertige Sportnavigation kannst du natürlich auch alle Arten an Fitness Sensoren verbinden. Du kannst neben den ANT Sensoren auch Bluetooth Modelle koppeln.
Garmin empfiehlt seit einem der letzten Firmware Updates aber ganz klar den ANT Sensoren den Vorzug zu geben und Bluetooth nur zu nutzen, wenn es kein ANT gibt.
Neben den Sensoren gibt es noch die Bluetooth Verbindung zum Smartphone. Leider beschränkt die sich auf Funktionen der Garmin Connect Mobile App. Für eine einfache GPX Track Übertragung per Bluetooth waren die Garmin Software Entwickler wieder unfähig.
Auch der Bike Alarm gehört zu den Connected Funktionen. Du definierst als erstes einen Code zum entsperren. Unterwegs aktivierst du den Fahrradalarm über langes drücken der Power Taste. Gleichzeitig soll bei verbundenem Smartphone eine Push-Nachricht am Smartphone auftauchen. Im Test kam da bei mir am Android von Sony aber nie etwas an.
Den Alarm kannst du entweder in der Garmin Connect App oder am Edge per Code ausschalten.
Funktionen
Der Funktionsumfang des Edge 530 ist immens - zumal er sich mit Connect IQ Apps noch einmal deutlich erweitern lässt.
Versteckte Funktionen, die bei Touchscreen Edge Geräten hinter der (Burger) Menü-Taste versteckt sind, wandern beim Tasten - Edge mehr in den Sichtbereich. Das vereinfacht die Bedienung etwas und zeigt ansonsten versteckte Optionen präsenter an.
Auch der Garmin Edge 530 verfügt über die neue Climb Pro Funktion. Diese Funktion dient zum Visualisieren von Anstiegen.
Daneben gibt es eine Vielzahl an internen Sensoren, inklusive einem barometrischer Höhenmesser, einem Umgebungslichtsensor zum Regeln der Displaybeleuchtung und einem Temperatursensor. Übrigens, die Funktion zum manuellen Kalibieren des Höhenmessers ist gut versteckt.
Bluetooth und Wi-Fi - über diese beiden Schnittstellen stehen viele weitere Funktionen zur Verfügung:
- Automatisches Hochladen von Aktivitäten zu Garmin Connect
- Notfallhilfe
- Ansagen (Statusmeldungen und Abbiehehinweise via Smartphone wiedergeben, z.B. über ein Bluetooth-Headset oder einen smarten Fahrradhelm)
- Fahrradalarm
- Connect IQ (Apps, Datenfelder & Widgets installieren und verwalten)
- Übertragen von Strecken
Dahinter stecken Grit- und Flow-Werte für die Schwierigkeit einer Tour bzw. Flüssigkeit des Fahrstils (Definitionen siehe unten).
Der Grit ist ein Messwert für die Schwierigkeit einer Mountainbike-Tour. Er berücksichtigt Faktoren wie die Geschwindigkeit von Anstiegen und Abstiegen und den Winkel von Kurven während der Tour. Der Grit-Wert sollte bei verschiedenen Fahrern auf demselben Trail vergleichsweise einheitlich bleiben. Der Messwert bietet sich an, um die Schwierigkeit verschiedener Trails zu vergleichen, auf denen Sie fahren.
Der Flow gibt an, wie gut Sie während der Mountainbike-Tour die Geschwindigkeit beibehalten. Er berücksichtigt Faktoren wie Anstieg und Abstieg sowie den Winkel von Kurven während der Tour. Der Flow ist ein guter Messwert, um die Radfahrleistung auf Trails zu analysieren. Beispielsweise können Sie den Flow-Wert von zwei Touren auf demselben Trail miteinander vergleichen, um zu sehen, wo Sie sich im Hinblick auf die Flüssigkeit des Fahrstils verbessert oder verschlechtert haben.
Eine eklatante Schwäche gibt es: Das Verhalten beim Abweichen von einer Strecke ist nicht mehr zeitgemäß, beim Re-Routing bietet das Edge 1030 Plus inzwischen tolle Optionen! Mitbewerber machen ebenfalls vor wie es funktionieren sollte, beste Beispiele sind Hammerhead und Wahoo.
Andere Funktionen peppt Garmin dagegen über Updates auf, Beispiele sind die Kartenthemes (Abbildungen), die zusätzlichen Richtungspfeile entlang von Routen und Strecken und die Darstellung einer "Popularity Map" mit viel befahrenen Wegen.
Das Trainieren ist eine weitere Stärke des Edge 530 - inklusive Trainingspläne, Strava bzw. Garmin Segmente, Intervalle, Ziele, Antreten gegen Aktivitäten (z.B. Strecken) und zahlreiche Performance-Werte wie Trainingszustand, Erholung usw.
Alternativen
Du suchst einen komplett ausgestatteten GPS Radcomputer mit Tastenbedienung und vollwertiger Navigation? Dann könnte der Edge 530 etwas für dich sein.
- Lezyne Super GPS / Mega GPS: Die günstige Edge 530 Alternative wenn es mehr Trainingscomputer als Navigation sein soll. Entweder der kleine Super GPS oder etwas mehr Navigation beim Mega GPS.
- Wahoo ELEMNT BOLT 2: Auch mit Tastenbedienung, allerdings durch die Einrichtung per Smartphone und Verzicht auf Profile deutlich einfacher in der Bedienung.
Vor- und Nachteile
Ein klassisches Garmin Edge Gerät. Viele Funktionen, teilweise nervige Besonderheiten und einige Bugs. Hat man sich damit arrangiert beziehungsweise daran gewöhnt, ist der Edge 530 ein guter Fahrrad-Begleiter. Dabei ist er eher für das sportliche Training als für eine entspannte Radtour gedacht.
Vorteile
- Starke Technik
- Umfassende Konnektivität
- Viele ext. Funktionen
Nachteile
- Funktionale Abstriche bei der Zieleingabe
- Nachholbedarf beim Abweichen von einer Route
Fazit
Mit dem Edge 530* hat Garmin einen weiteren starken GPS-Fahrradcomputer im Programm! Das von mir getestete "Edge 530 Mountain-Bundle" ist nicht nur Mountainbikern*innen zu empfehlen - vorausgesetzt, das komplexe Menü und die nicht so einfache Tastenbedienung werden in Kauf genommen. Dafür gibt es einen durchaus kompakten GPS-Fahrradcomputer mit einem starken Funktionsumfang und universellen Kommunikationstalenten.
Garmin Edge 530 vs. Garmin Edge 830
Die Bedienung des Edge 830 erfolgt per Touchscreen und drei Tasten, beim Edge 530 dagegen über sieben Tasten. Die Benutzeroberfläche fällt demnach anders aus. Das Edge 830 wiegt mit 79,1 g etwas mehr als das Edge 530 mit 75,8 g. Das Edge 830 bietet deutlich mehr Navigationsfunktionen und entspricht in dieser Hinsicht eher dem Edge 1030 Plus.
Wegen der komplexen Tastenbedienung wundert es nicht, dass Garmin beim Edge 530 auf diverse Navigationsfunktionen verzichtet. Selbst das Festlegen eines einzelnen Ziels über die Karte stellt schon eine Herausforderung dar. Auch das Zoomen der Karte ist im Vergleich zu den Touchscreen-Geräten aufwendig, da einige Schritte nötig sind.
Einen Edge mit Tasten oder einen Edge mit Tasten und Touchscreen wählen? Geschmacksache! Und eine Frage der Funktionen, da das 530 nun einmal über weniger Navigationsfunktionen als die Touchscreen-Pendants verfügt!
Montage
Die am Lenker verschraubte Mountainbike-Halterung sorgt für einen absolut stabilen Sitz. Dadurch befindet sich das Edge vor dem Lenker. Eine Anordnung, die aber nicht jede(r) Biker*in mag. In diesem Fall kann die mitgelieferte Standardhalterung zum Befestigen oben auf dem Lenker zum Einsatz kommen.
Die zwei mitgelieferten Standardhalterungen eignen sich auch super für das Zweit- bzw. Davon abgesehen, das kompakte Edge 530 lässt sich prima am Vorbau befestigen, beispielsweise mit einer Top Cap Halterung* . Ein Tipp aus der Mountainbike-Realität: Es empfiehlt sich das Edge 530 mittels der Befestigungsschlaufe zu sichern und noch per Silikonhülle zu schützen.
Zubehör
Die Edge Fernbedienung - ich habe sie separat getestet - bewährt sich nicht nur auf anspruchsvollen Trails und rasanten Abfahrten: Ohne die Hand vom Lenker zu nehmen ist per Daumendruck ein Wechsel von Seite zu Seite möglich!
Der mitgelieferte Geschwindigkeitssensor eignet sich zum Indoor-Training auf der Rolle oder wenn genaue Geschwindigkeitsmessungen erforderlich sind (z.B. bei schlechtem GPS-Empfang), lässt sich aber auch unabhängig vom Edge 530 einsetzen (alle Infos: Garmin Fahrradsensoren).
Garmin Edge 530 im ROADBIKE-Dauertest
Wer einen möglichst kompakten GPS-Radcomputer sucht, der dennoch nahezu alle Funktionen sowie eine Kartendarstellung wünscht, wird relativ schnell auf den neuen Edge 530 stoßen, mit dem Garmin die Vorgänger Edge 520 sowie 520 plus abgelöst hat.
Technische Daten
- Preis: 299,99 Euro Gerät (z.B. bei Rose schon für 219,95 Euro)/ 399,99 Euro Sensor-Bundle (HF, TF, Speed, bei Rose für 309,95 Euro)
- Gewicht: 78,6 g (ohne Halterung)
- Display: 2,6 Zoll Farbdisplay, 246x322 Pixel
- Akku/Laufzeit: Lithium-Ionen / 20 h (Herstellerangabe)
- Wasserdichtigkeit: IPX7 (Schutz vor Schäden bei max. 30 Min in 1 m Wassertiefe)
- Höhenmesser: Barometrisch
- Schnittstellen: ANT+, Bluetooth Smart
- Ortung: GPS, GLONASS, Galileo
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