Geflochtene Schnüre verschiedener Hersteller unterscheiden sich auf den ersten Blick nur wenig, doch in der Praxis zeigen sich teils erhebliche Unterschiede. Eine gute geflochtene Angelschnur kann unsere Angelei enorm verbessern.
Je dünner und stärker, desto weniger Widerstand in den Ringen und im Wasser. Desto weiter werfen wir und desto leichtere Bleigewichte können wir wählen. Besonders beim Meeresangeln ist der Schnurdurchmesser entscheidend. Kleine Abweichungen führen dazu, dass wir ein halbes Kilo Blei mehr montieren müssen.
Was macht eine hochwertige geflochtene Angelschnur aus?
Wer sich dennoch entscheidet, Geld für eine hochwertige Schnur auszugeben, hat schon den ersten Schritt gemacht. Eine Frage liegt auf der Hand: Was genau ist eine „hochwertige“ Schnur überhaupt - und wie in aller Welt soll man die Spreu vom Weizen trennen, wenn das Angebot im Angelladen so abnorm groß ist? Das ist wirklich schwer und dazu kommen wir später.
Zuerst sage ich Ihnen mal, woran man sie nicht erkennt: An der Verpackung. Denn der kann man häufig nicht glauben. Manche Firmen sind bezüglich der Schnurdurchmesser nicht so ganz ehrlich zu uns - höflich formuliert.
Tragkraft vs. Durchmesser: Auf die Werte kommt es an
Deshalb weise ich Sie mal dezent darauf hin: Wenn eine geflochtene Angelschnur auf der Verpackung exorbitant hohe Tragkraftwerte erreicht, dann vergessen Sie den angegebenen Durchmesser. Lassen Sie sich nicht verarschen. 10 kg bei einer echten 0,10 mm-Schnur sind einfach nicht realistisch! Bisher hat es kein Hersteller geschafft, das momentan technisch Machbare signifikant zu verbessern.
Steht auf einer 0,10 mm Schnur etwas von 10 kg Tragkraft, dann stimmt ein Wert wahrscheinlich: Die Tragkraft. Und einer garantiert nicht: Der Durchmesser. Im Gegensatz zum Durchmesser stimmen die Tragkräfte geflochtener Schnüre häufig - denn sie werden an Zugmaschinen gemessen.
Wieso stimmt die Tragkraft, aber nicht der Durchmesser? Tragkräfte werden an Zugmaschinen gemessen. Das geht schnell und ist genau. Bei den Durchmessern hingegen ist das nicht so leicht, denn Geflechtschnüre werden aus Einzelfäden verwoben. Mikroskopisch betrachtet weisen sie gar keinen runden Querschnitt auf, sondern sind ungleichförmig, haben kleine Berge und Krater.
Um die Sache einfacher zu gestalten, wird der Durchmesser von Geflechtschnüren anhand der Durchmesser der Einzelfäden bestimmt. Die Fäden werden dann einfach addiert, um auf den Durchmesserwert zu kommen. Dass dieser Schätzwert - Rechnung kann man es nicht nennen - stark fehleranfällig ist, brauche ich Ihnen wahrscheinlich nicht zu erzählen.
Besonders günstige Geflechtschnüre sind locker verwoben, sodass sich Luft in den Zwischenräumen einschließen kann, was die Schnur dicker macht. Unabhängig dieser Hochrechnung unterstelle ich teilweise sogar absichtliches Abrunden von Durchmesserwerten. Anders kann ich mir manche Entgleisungen von über 200 Prozent gegenüber dem Angegebenem auf der Verpackung überhaupt nicht erklären.
Als Daumenregel können Sie bei teuren Schnüren 10 bis 20 Prozent zum Durchmesser auf der Verpackung addieren (0,16 mm auf der Verpackung, ca. 0,18 bis 0,20 mm in Realität). Je billiger, desto eher nähern wir uns 40 bis 50 Prozent Abweichung, häufig bei 4-fach-Flechtungen ist das der Fall (0,16 mm auf der Verpackung, 0,25 mm in Realität). Und in Ausnahmen sogar 100 Prozent (0,16 mm auf der Verpackung, 0,32 mm in Realität). Das tritt am ehesten bei No-Name-Schnüren auf.
Line Laboratory: Eine zuverlässige Quelle für Tests
Eine sehr empfehlenswerte Adresse für alle, die auf der Suche nach der allerbesten Schnur auf dem Markt sind, ist das „Line Laboratory“. Die Betreiber kaufen geflochtene und monofile Schnüre - sind also in keinster Weise gesponsert - und testen Zugkräfte, Durchmesser und Abriebfestigkeit. Die Ergebnisse werden ungeschönt dargestellt. Hier gut zu sehen: Eine Abweichung von 169 Prozent (!) ggü. dem angegebenem Durchmesser.
Die Wahl der richtigen Schnur: Preis und Qualität
Was für ein Thema, oder? Fassen wir mal zusammen: Bei manchen Schnüren stimmen die Durchmesser überhaupt nicht. Die Spreu vom Weizen trennt man am einfachsten über den Preis. Wer billig kauft, kauft zwar nicht zwingend doppelt - muss aber zwei Nummern schwerer fischen, weil die 0,16er in Wahrheit eine 0,30er ist und von der Strömung so sehr erfasst wird, dass der Gummifisch nicht mehr am Grund hält.
Also lassen Sie sich nicht von bunten Verpackungen täuschen! Die Industrie ist clever, aber das sind wir auch. Wer den Seelachs auf 100 m Tiefe findet, kann sich glücklich schätzen, eine hochwertige, dünne Schnur zu fischen, die uns den Einsatz eines leichten Pilkers ermöglicht.
Empfehlungen für hochwertige geflochtene Angelschnüre
Wenn es um geflochtene Angelschnur geht, hat Blinker-Redakteur Florian Pippardt fünf Favoriten, bei denen er im Test nur sehr schwache Durchmesserabweichungen und realistische Tragkräfte feststellen konnte:
- WFT Gliss
- Sunline Siglon PE X8
- Sufix 91 G-Core X9 Braid
- Stroft GTP Typ E/ Typ SD
- Daiwa J-Braid (fällt etwas dicker aus, dafür sehr günstig)
Ganz weit vorn stehen die Schnüre von Stroft, deren Tragkräfte extrem realistisch angegeben werden. Das hat seinen Preis. Daiwas J-Braid ist zwar etwas dicker als angegeben - ist aber schön weich und preislich sehr erschwinglich. Ein guter Allrounder.
Geflochtene Angelschnur im Test: Fünf Hersteller im Vergleich
Eigentlich könnte die Welt ganz einfach sein: Die Spule der Rolle verrät die Schnurfassung und auf der Schnurspule stehen Durchmesser und Tragkraft. So sollte sich doch ganz leicht die passende Schnur in der entsprechenden Lauflänge im Handel finden lassen. Vielleicht haben Sie aber auch schon einmal erlebt, dass es in der Praxis leider oft etwas komplizierter ist.
Die Spule der Rolle sagt „200 m/0,20 mm“, sie spulen, laut Verpackung, eine „0,15er“ Geflochtene auf, aber nach 150 m ist die Rolle bereits bis zum Anschlag voll. Verdutzt starren Sie auf den üppigen Rest auf der Schnurspule - da müssten logischerweise doch mehr als 200 m auf die Rolle passen! Und nein, das Problem sind nicht ihre Mathematik-Kenntnisse!
Dieses Beispiel veranschaulicht viel mehr deutlich, dass die Durchmesser (und teils auch die Tragkräfte), die auf den Schnurspulen im Handel aufgedruckt sind, meist nur sehr wenig mit der Realität zu tun haben. Für unseren Test haben wir 5 geflochtene Schnüre zufällig ausgewählt, alle haben laut Hersteller einen Durchmesser von 0,08 mm.
Testkandidaten: Fünf 0,08 mm Geflochtene im Test
Beobachtungen wie eingangs beschrieben haben uns zur Entscheidung bewogen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Das Ziel war, verschiedene Schnüre aus dem Handel mit „Hausfrauen-Methoden für zu Hause“ nachzumessen, die aber nach unserer Erfahrung recht präzise Ergebnisse liefern.
Wer hat schon Zugriff auf ein Hightech-Labor mit Laser-Messgeräten oder ein Mikroskop mit Mikrometer? Für unseren Test haben wir uns für folgende geflochtenen Schnüre entschieden:
- Stroft GTP R3
- Power Pro
- FTM Omura Braid
- Balzer Iron Line 8
- Daiwa Tournament 8 EVO+
Der Durchmesser aller getesteten Angelschnüre liegt (laut Packung bzw. Hersteller) bei 0,08 mm. Vorher muss man sich einmal vor Augen führen, wie dünn echte (!) 0,08 mm eigentlich sind: Etwa so dünn wie ein menschliches Haar (durchschnittlich zwischen 0,05 und 0,08 mm). Mit Schnüren in diesem Durchmesser haben wir typische Finesse-Schnüre für Barsch, Forelle und andere leichte Anwendungen vor uns.
Neben relevanten Kriterien, nämlich dem tatsächlichen Durchmesser und der echten Tragkraft der Schnüre, haben wir auch wertvolle Eigenschaften wie Flechtung und Oberflächenbeschaffenheit der Schnüre beurteilt. Alle Messwerte sind Mittelwerte aus drei Messungen.
Die Makro-Aufnahme zeigt, dass fast alle Schnüre einen ähnlichen realen Durchmesser haben. Zusätzlich fällt die deutlich gröbere Flechtung der 4-fach geflochtenen Power Pro auf.
Testergebnisse: Durchmesser im Vergleich
Bei den Durchmessern gab es einen klaren Sieger: Stroft. Schon optisch wirkte die GTP R3 deutlich dünner als die anderen Schnüre. Das wurde im Test mit gemessenen 0,09 mm ebenfalls bestätigt, was in Anbetracht der Messabweichung der Schublehre von 0,01 mm ein wirklich gutes Ergebnis darstellt; der echte Durchmesser könnte also zwischen 0,08 und 0,10 mm liegen.
Das spricht für eine (ausnahmsweise) realitätsnahe Durchmesserangabe. Alle anderen Schnüre bewegten sich unserer Messung zufolge im Bereich von 0,12-0,14 mm. Hier darf man sich nichts vormachen: Das sind immer noch wirklich dünne Schnüre - aber gleichzeitig eben doch mit einer Abweichung von satten 50-75 % von den angegebenen Durchmessern!
Testergebnisse: Tragkraft im Vergleich
Auch bei den Tragkräften gab es deutliche Unterschiede zu den Werten auf der Spule. Hier lagen die Stroft GTP R3 und die Power Pro überraschenderweise sogar über den angegebenen Werten (Stroft R3 2,9 kg, statt angegebene 2,5 kg; Power Pro 4,9 kg statt 4 kg).
Wirklich präzise schien die Tragkraftangabe bei der FTM Omura Braid zu sein. Bereits auf der Spule war die Tragkraft mit 3,62 kg enorm präzise angegeben und dieser Wert wurde im Test mit 3,6 kg auch sehr genau erreicht. Die anderen Schnüre erreichten die angegeben Tragkräfte nicht ganz, wobei die Abweichung der Tragkraft bei der Balzer Iron Line 8 beinahe 40 % betrug.
Tabelle: Durchmesser und Tragkraft im Test
| Geflochtene Angelschnur | Durchmesser in mm (Hersteller) | Durchmesser in mm (Messung) | Abweichung | Tragkraft in kg (Hersteller) | Tragkraft in kg (Messung) | Abweichung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Stroft GTP R3 | 0,08 | 0,09 | +13 % | 2,5 | 2,9 | +15 % |
| Power Pro | 0,08 | 0,12 | +50 % | 4 | 4,9 | +22 % |
| Omura Braid | 0,08 | 0,14 | +75 % | 3,62 | 3,6 | -1 % |
| Balzer Iron Line 8 | 0,08 | 0,14 | +75 % | 7,2 | 4,5 | -38 % |
| Daiwa Tournament 8 EVO+ | 0,08 | 0,13 | +63 % | 4,9 | 3,9 | -21 % |
Um die Tragkraft nicht durch Knoten zu schwächen, wurden für die Messungen Knotenlosverbinder verwendet.
Flechtung und Oberfläche im Fokus
Alle getesteten Schnüre waren, wie man es von einer geflochtenen Angelschnur von bekannten Herstellern erwartet, sauber, und relativ rund verflochten. Die Oberfläche der Power Pro fühlte sich aufgrund der Vierfach-Flechtung etwas rauer an als die 8-fach geflochtenen Vergleichsschnüre. Besonders auffällig war hier die Daiwa Tournament 8 EVO+, die über eine wirklich enorm glatte Oberfläche verfügt. Verantwortlich hierfür ist eine spezielle Teflon-Oberflächenbeschichtung.
Fazit: Die beste geflochtene Angelschnur im Test
Mit Ausnahme der Stroft GTP R3 lagen alle Schnüre unseren Messungen zufolge in einem ähnlichen Durchmesserbereich von ca. 0,12-0,14 mm und wichen entsprechend deutlich von den auf der Spule angegebenen 0,08 mm ab. Diese Abweichung von ca. 0,05 mm fällt natürlich bei so feinen Schnüren mehr ins Gewicht als bei größeren Schnurstärken, ist aber insgesamt betrachtet eine akzeptable Abweichung.
Die Stroft GPT R3 ist die beste geflochtene Angelschnur im Test. Die echten Tragkräfte der Schnüre bewegten sich - analog zum Durchmesser - in einem vergleichbaren Bereich. Es zeigte sich: Schnüre mit dem selben echten Durchmesser haben auch eine ähnliche echte Tragkraft. Der klare Sieger bei unserem Test war die Stroft GTP R3 - wirklich ehrliche Durchmesserangaben und eine Tragkraft, die sogar höher liegt als die Herstellerangabe. Das ist eine echte Ausnahme und selten auf dem Schnurmarkt.
Die Power Pro war die zweitdünnste Schnur in unserem Test und hielt ebenfalls mehr als die angegebene Tragkraft, was positiv hervorzuheben ist. Eher negativ fiel hier jedoch die vergleichsweise sehr raue Oberfläche ins Auge, dagegen sind 8-fach geflochtene Schnüre aus dem gleichen Preissegment um ein Vielfaches glatter.
Daiwa Tournament 8 EVO+: Pluspunkt für glatte Oberfläche. Interessant war diesbezüglich die Daiwa Tournament 8 EVO+. Hier lag der Durchmesser zwar wie bei den anderen Schnüren über der Angabe und die Tragkraft lag etwa 20 % unter dem Wert des Herstellers, das Verhältnis vom wirklichen Durchmesser zur tatsächlichen Tragkraft bewegte sich aber im selben Bereich wie die anderen Test-Schnüre.
Besonders ins Auge fiel hier die enorm glatte Oberfläche der Schnur, diese dürfte sich gerade beim feinen Fischen sehr positiv bemerkbar machen und fast lautlos durch die Rutenringe gleiten, was gerade bei intensiv beangelten Gewässern einen Unterschied machen kann.
Der Geflochtene-Angelschnur-Test für zu Hause
Durchmesserbestimmung
Mit einem digitalen Messschieber (erhältlich ab ca. 10 €) mit einer Messabweichung von nur 0,01 mm ist das Bestimmen des Schnurdurchmessers überraschend gut machbar. Dabei wird die Schnur im Messschieber platziert und etwas unter Spannung gebracht.
Im Anschluss wird der Messschieber mit Fingerspitzengefühl so weit geschlossen, bis die Schnur noch gerade so ohne größeren Widerstand zwischen den beiden Backen des Messschiebers durchgezogen werden kann. Der Messschieber liegt dann gerade so noch an, komprimiert die Schnur aber nicht.
An diesem Punkt zeigt der Messschieber erstaunlich präzise den (echten) Durchmesser der Schnur. Bei monofiler Schnur hat man noch leichteres Spiel und kann den Messschieber einfach zusammenschieben, bis er anliegt. Da Mono anders als Geflecht nicht nennenswert zusammengedrückt werden kann, wird so der reale Durchmesser der Schnur sofort bestimmt.
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