Die Geschichte des Fahrrads

Stellt euch vor, ihr lebt zu einer Zeit ohne Autos, ohne Straßenbahnen und ohne Motorrad. Um eure Freundinnen, Freunde oder Verwandten zu besuchen, habt ihr entweder die Möglichkeit zu laufen oder mit einer Droschke, einer Art Kutsche, zu diesen zu fahren. Nicht alle Menschen besaßen zudem ein Pferd und eine Kutsche. Die Erfindung des Fahrrads vor 200 Jahren war deshalb ganz wichtig.

Die Anfänge: Von der Laufmaschine zum Veloziped

Den Anstoß zur Entwicklung des modernen Fahrrads gab 1817 der großherzoglich-badische Karl Freiherr von Drais, der 1849 während der Badischen Revolution seinen Adelstitel per Zeitungsanzeige niederlegte und sich fortan Bürger Karl Drais nannte. Drais’ bedeutendste Erfindung ist der Vorläufer des Fahrrads die Laufmaschine oder Draisine. Er hatte die Vision eines zweirädrigen, einspurigen Gefährts, auf dem der Fahrer sitzt und sich mit den Beinen abstößt. Die Idee der Laufmaschine war geboren, die dem Fußgänger und sogar der Postkutsche in Punkto Geschwindigkeit deutlich überlegen war.

Die erste Fahrt mit seiner Laufmaschine, auch „Draisine“ oder „Veloziped“ genannt, von Mannheim zum Schwetzinger Relaishaus im heutigen Mannheimer Stadtteil Rheinau unternahm er am 12. Juni 1817. Seine zweite Zweiradfahrt unternahm er am 28. Juli von Gernsbach über den Berg nach Baden-Baden. Um seine Erfindung bekanntzumachen, veranstaltete Drais öffentliche Fahrten. Veranstaltungen durch eine Fernfahrt von Karlsruhe nach Kehl in der letzten Augustwoche. Zudem veröffentlichte er Artikel in Zeitschriften.

Er erhielt am 12. Januar 1818 ein Großherzogliches Privileg, vergleichbar mit einem heutigen Patent (Baden hatte damals kein Patentgesetz). Der Fahrer sitzt auf einem gepolsterten Holzbalken, dem Teil des Rahmens, an dem die beiden Räder befestigt sind. Das Vorderrad ist lenkbar. Die Laufmaschine hat sogar eine einfache Bremse.

Drais ließ sich seine aus Holz gefertigte Erfindung 1818 gesetzlich schützen und verkaufte gegen eine Gebühr die Baupläne sowie die damit erworbene Lizenzplakette mit dem Wappen der Familie Drais - das Äquivalent zum heutigen Markenemblem der Autohersteller auf Motorhauben. Das Patent bezog sich jedoch nur auf das Großherzogtum Baden und die Laufmaschinen waren teuer, weshalb es zu vielen lizenzfreien Nachbauten kam.

Rückblickend betrachtet erfreute sich die Draisine nur kurzer Beliebtheit, und dieser vorzugsweise im Kreise des wohlhabenden Bürgertums und des Adels. Recht schnell wurden Fahrverbote für Laufmaschinen verabschiedet, die als „Vélocipède“ oder „Hobby Horse“ nur noch in Frankreich und insbesondere England von „Dandys“ gefahren wurden. Es folgte eine recht lange Pause in der Geschichte der Fahrradentwicklung, ehe 1867 auf der Pariser Weltausstellung das sogenannte „Vélocipède“ des französischen Kutschenbauers Pierre Michaux (1813 - 1883) und dessen Sohn Ernest (1842 - 1882) vorgestellt wurde.

Pierre Michaux (* 26. Juni 1813 in Bar-le-Duc; † Dezember 1883 ebenda) und sein Sohn Ernest Michaux gelten als mögliche Erfinder des Pedalantriebs beim Fahrrad. Ihre Konstruktion verfügte über eine am Vorderrad angebrachte Tretkurbel. Wer diese tatsächlich erstmals an einem Vorderrad anbrachte, wird kontrovers diskutiert. Auf der Weltausstellung wurde das Fahrzeug ein Verkaufserfolg.

Der Franzose Ernest Michaux (andere Quellen nennen Pierre Lallement) führt angeblich den Tretkurbelantrieb ein, das heißt die Pedale drehen sich mit dem Vorderrad. Der Legende zufolge erhielt Piere Michaux 1861 von einem Pariser Hutfabrikanten namens Brunel eine alte Draisine zur Reparatur; ältere Quellen sprechen allerdings von einem Dreirad. Meister das Gefährt instandgesetzt hatte, brachte es sein Sohn Ernest zurück.

Im Jahr 1853 baute Fischer die erste Laufmaschine mit Tretkurbelantrieb, die er - im Gegensatz zu Pierre Michaux - nicht an die Öffentlichkeit brachte. Eine erste Skizze zeigt eine Kurbel am Hinterrad, die mit einer langen Handstange gedreht werden musste. befestigt, ähnlich wie bei einer Lokomotive oder dem Fahrrad von Thomas McCall. Manche älteren Fahrradbücher behaupten, Pierre Michaux habe seine Erfindung bereits 1855 gemacht.

Das Hochrad: Geschwindigkeit und Risiko

Um eine höhere Geschwindigkeit zu erzielen, ist das Vorderrad etwas größer als das Hinterrad. Das sogenannte Tretkurbelveloziped hat einen Metallrahmen, gefederte Sattelträger, Bremsen und Speichenräder mit Vollgummibereifung. Noch mehr Tempo erreicht das Hochrad des gebürtigen Elsässers Eugène Meyer in Paris. 1868 erhielt Eugène Meyer (unbek.) ein Patent für Speichen, die an der Stahlfelge befestigt und in der Radnabe gespannt wurden.

Der Rahmen ist aus Stahl, ebenso Felgen und Speichen. Die Bereifung ist aus Vollgummi. Das Vorderrad ist etwa dreimal so groß wie das Hinterrad. In der Folgezeit wird der Radumfang des Vorderrades immer weiter vergrößert. So entstand um 1870 schließlich das unter dem Namen „Ariel“ bekannte Hochrad (Abb. 3) der beiden Briten James Starley (1831 - 1881) und William Hillman (1848 - 1921).

James Starley (* 21. April 1830 in Alburne, Mid Sussex; † 17. Juni 1881 in Coventry) war ein englischer Ingenieur und Erfinder. Im Jahr 1861 gründete er mit Josiah Turner eine Nähmaschinenfabrikation. Angeregt durch damalige Velocipede begann er 1868 mit der Fahrradherstellung. Die gemeinsame Firma Ariel brachte 1870 das Hochrad "Ariel" auf den Markt.

Die ersten Räder mit Pedalen waren Hochräder. Diese Räder mit übergroßem Vorderrad konnten höhere Geschwindigkeiten erreichen. Der fast genau über der Achse liegende Schwerpunkt führte aber zu schweren Stürzen und verlangte dem Fahrer ein hohes Maß an Geschick und Mut ab. Dies änderte aber nichts daran, dass das Hochrad europaweit populär wurde.

Das Sicherheitsfahrrad: Ein neuer Standard

Thomas Shergold baut das erste Sicherheitsfahrrad. Das Besondere an der Konstruktion: Das Hinterrad wird über eine Kette angetrieben. Dadurch kann auf das überdimensionale gefahrenträchtige Vorderrad verzichtet werden. John Kemp Starleys "Rover" wird zum Prototyp des modernen Fahrrads. Die Form des Stahlrahmens, die sinnvolle Anordnung der Bedienungselemente, die gleich großen Räder - all das hat sich bis heute im Wesentlichen erhalten.

Rover-Sicherheitsräder wurde zunächst die Starley & Sutton Co. in Coventry gegründet. John Kemp Starley (* 1854; † 1901) war ein sehr innovativer englischer Konstrukteur und Produzent von Fahrrädern. Starley, der zuvor in der Fabrik seines Onkels arbeitete, gründete 1881 mit einem Gesellschafter das Unternehmen J.K. Starley hatte jedoch Schwierigkeiten ins Geschäft zu kommen, da die etablierte Konkurrenz recht groß war.

So begann er ein neues Velo mit entscheidenden Verbesserungen zu entwickeln. wollte er die Rahmengeometrie ändern. Danach sollte die Muskelkraft besser genutzt werden und als drittes sollte das Velo sicherer sein. Anforderungen entsprach. Er stellte sein Velo 1884 an der Stanley Veloshow in London dem Publikum vor. Der große Durchbruch blieb bei diesem “Rover“ genannten ersten Velo allerdings aus.

diesem Rennen waren die Verkäufe schlagartig in die Höhe gesprungen. Das Verbot schien ihn nicht davon abzuhalten, ein Rennen zu organisieren. der schon das Kangaroo gefahren hatte, und kündigte in den Radsportjournalen für den letzten Samstag im September ein Rennen von London nach Brighton und zurück über Shoreham an. die drei ersten setzte er eine teure goldene Armbanduhr, ein Rover-Rad und eine silberne Armbanduhr aus. Der Startort war das Anderton’s Hotel in der Fleet Street in London. Tag des Rennens schon mit einem Großaufgebot bereit, aber Starley hat sie ausgetrickst und insgeheim einen anderen Startort festgelegt. Von da an war klar, dass der neue Rover das ultimative Velo war.

Wesentliche Veränderungen gab es an der Steuerung, die nun direkt an der Vorderachse war und an der Bremse die am Vorderrad angebracht wurde. begeistert und innerhalb eines Jahres hatte der “Rover II“ einen Marktanteil von 90% errungen. Doch die beiden Geschäftsmänner ruhten sich nicht auf ihren Lorbeeren aus.

Die Industrialisierung und das Fahrrad

Die Zeit, in der das Fahrrad erfunden wurde, nennt man Industrialisierung. Die Fahrradproduktion hatte sich in der Zwischenzeit aufgrund der Konsequenzen des Dt./Frz. Dank der sich entwickelnden Herstellungstechnik wurden nun Tangentialspeichen und Vollgummireifen verbaut, die zusammen mit dem größeren Raddurchmesser ein schnelleres Fortbewegen ermöglichten.

Dass nun für viele Menschen Fahrräder bezahlbar wurden, hat auch mit der Herstellung zu tun. Da viele Menschen nun ein Fahrrad kaufen wollten, wurden im Königreich Bayern viele Fahrradfabriken gegründet. Neben „Goldschmidt & Pirzer“ ließ auch Jean Strobel ab 1883 in seiner Nähmaschinenfabrik in München, die er dann „Münchner Velociped-Fabrik“ nannte, Fahrräder anfertigen. Nürnberg war außerdem eine Hochburg der Fahrradherstellung. Gleich drei Unternehmen produzierten seit den 1880er-Jahren dort Fahrräder: die „Victoria Fahrradwerke AG“, die „Nürnberger Velozipedfabrik Hercules“ und die „Triumph Werke Nürnberg“.

Doch die ersten Fahrräder waren sehr teuer. Ein Fabrikarbeiter in Bayern hätte für ein Hochrad so viel bezahlen müssen, wie er in einem ganzen Jahr verdient hätte.

Die Erfindung des Luftreifens

Der irische Tierarzt John Boyd Dunlop erfindet den Luftreifen neu. Schon 1845 hatte der Engländer Robert William Thomson das Patent auf einen luftgefüllten Reifen erhalten. Doch die noch wenig ausgereifte Erfindung war in Vergessenheit geraten. Über Zwischenstufen führten weitere technische Neuerungen zum Sicherheitsniederrad (Abb. 4) in der bis heute gültigen Fahrradform: Zwei gleich große Räder, Kettenübersetzung und die von John Dunlop (1840 - 1921) entwickelten Luftreifen.

Vom Diamantrahmen zur Gangschaltung

Mehr Stabilität kam durch die nahtlosen „Mannesmann“-Rohre. 1890 wurde der heute noch gültige Diamantrahmen eingeführt, der durch wenig Materialeinsatz und Gewicht größere Stabilität bietet. Spezielle Rahmenformen für Frauen wurden ebenfalls entwickelt. Auf die Freilaufnabe im Jahr 1900 folgten schaltbare Getriebenaben für ein noch komfortableres Radfahren. Die Entwicklung der noch heute gültigen Grundform des Fahrrades war damit abgeschlossen.

Moderne Fahrräder

Nun, zur jüngsten Geschichte des Fahrrads kann sich jeder selbst ein Bild machen. Rennräder, Mountainbikes, Tourenräder, Kinderfahrräder etc. Starley und Sutton mussten quasi über Nacht die Kapazitäten ihrer Fertigungsanlagen vergrößern. als Prototyp des modernen Fahrrades.

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