Für eine sichere Fahrt müssen Fahrzeug und Reifen in Sachen Geschwindigkeit aufeinander abgestimmt sein. Der Geschwindigkeitsindex, auch Speedindex genannt, gibt an, welches maximale Tempo für einen Reifen zulässig ist. Hier ist neben dem Geschwindigkeitsindex (als Buchstabe) auch der Tragfähigkeitsindex (als Zahl) angegeben. Beim Geschwindigkeitsindex handelt es sich um die letzte Ziffer der sogenannten Dimension.
Was ist der Geschwindigkeitsindex?
Der Geschwindigkeitsindex (oder Speed-Index) eines Reifens gibt die maximale Geschwindigkeit an, die sicher bewältigt werden kann. Bis zu diesem Wert garantiert der Hersteller bei korrektem Reifendruck einen einwandfreien Dauerbetrieb. Bei einem höheren Tempo besteht die Gefahr, dass sich der Reifen zu sehr erhitzt und sich durch die Zentrifugalkraft die Lauffläche von der Karkasse löst.
Laut Geschwindigkeitsindex-Tabelle (auch Speed Index Tabelle genannt) existieren insgesamt 32 Geschwindigkeitsklassen. Diese reichen von A bis Y. Vor allem bei älteren Fahrzeugen findet sich der Speedindex ZR. Dieser entspricht keiner aktuellen Norm. Kennzeichnete er früher Räder, die für 240 Stundenkilometer und mehr ausgelegt waren, ersetzen diese Angabe heute V-, W- und Y-Reifen.
Wie wird der Geschwindigkeitsindex überprüft?
Der Geschwindigkeitsindex wird im Testlabor überprüft. Dies geschieht auf einem Rollprüfstand, wo die Laufgeschwindigkeit des Reifens im Abstand von zehn Minuten um 10 km/h gesteigert wird, bis der angegebene Höchstwert erreicht ist. Um den Test zu bestehen, muss der Reifen bei verschiedenen simulierten Beladungszuständen eine bestimmte Geschwindigkeit halten können. Ein ähnlicher Schnelllauftest ist im Verdachtsfall auch Bestandteil der ADAC Reifentests.
Wo finde ich den Geschwindigkeitsindex?
Den Geschwindigkeitsindex finden Sie an der Seitenwand der Reifen; er ist als Buchstabe neben der Größenangabe angegeben.
Welche Reifen mit welchem Speed-Index Sie für Ihr Auto benötigen, geht aus den Eintragungen in den Zeilen 15.1 und 15.2 der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) hervor. Eingetragen ist hier nur eine Größe bzw. eine Größenkombination, wenn auf Vorder- und Hinterachse unterschiedliche Reifendimensionen vorgesehen sind. Die hier eingetragenen Reifengrößen und der Geschwindigkeitsindex müssen nicht mit der tatsächlich montierten Reifendimension übereinstimmen. Weitere mögliche Reifengrößen stehen im sogenannten CoC-Dokument ("Certification of Conformity", deutsch: "EG Übereinstimmungserklärung") unter den Ziffern "32. Bereifung der Räder" und/oder "50. Bemerkungen".
Die Reifenkennzeichnung verstehen
Zahlreiche Buchstaben, viele Zahlen: Beim Geschwindigkeitsindex von V-Reifen, C-Reifen und Q-Reifen verlieren Fahrer schnell den Überblick. Hier eine Erläuterung der Reifenkennzeichnung am Beispiel des Sommerreifens 205 55 R16 91Y:
- 205: Die erste Zahl gibt die Reifenbreite in Millimetern an. Für den Sommerreifen 205 55 R16 91Y bedeutet das eine Breite von 205 Millimetern.
- 55: Die zweite Zahl steht für den Querschnitt des Rades, also für das Verhältnis von Höhe zu Breite in Prozent. Ein Reifenprofil von 55 Prozent entspricht einer Höhe von 123,75 Millimetern.
- R: Der Buchstabe der Reifendimension beschreibt die Bauweise des Reifens. “R” deutet auf eine radiale Bauart hin, da die Karkassen im rechten Winkel zur Radmitte verlaufen.
- 16: Die Zahl nach dem Buchstaben gibt den Innendurchmesser in Zoll an. Für den Sommerreifens 205 55 R16 91Y ist das einen Durchmesser von 16 Zoll. Das entspricht auch der möglichen Felgengröße.
- 91: Steht hinter diesen Angaben noch eine Zahl, handelt es sich um den Tragfähigkeitsindex, auch Lastindex genannt. Je nachdem, welches maximale Gewicht der jeweilige Reifen tragen kann, variiert diese Zahl. Es handelt sich dabei um Normwerte, die durch Index-Tabellen im Internet entschlüsselt werden. 91 gibt ein zulässiges Höchstgewicht von 615 Kilogramm pro Reifen an.
- Y: Bei dem letzten Buchstaben der Reihe handelt es sich um den Geschwindigkeitsindex.
Geschwindigkeitsindex Tabelle für Motorradreifen
Genau wie die Lastindex-Zahlen sind auch die Buchstaben definierte Normen. Wer die einzelnen Klassen betrachtet, dem fällt auf, dass diese nicht in alphabetischer Reihenfolge verlaufen. Zum Beispiel gibt der Geschwindigkeitsindex von Reifen mit H ein höheres Tempo an als Reifen mit T. Das liegt daran, dass die Tabelle ursprünglich aus England stammt.
Als sie entstand, galten 180 Kilometer pro Stunde (entspricht dem Geschwindigkeitsindex S) als schnell. Als die Fahrzeuge schneller wurden, brauchte es neue Bezeichnungen: Der Buchstabe “H” steht daher für “High Speed”. Das bedeutet, dass der Reifen bis zu einer Maximalgeschwindigkeit von 210 Kilometer pro Stunde zugelassen ist.
Hier eine Übersicht über die gängigsten Geschwindigkeitsindizes:
| Geschwindigkeitssymbol (GSY) | Zul. Höchstgeschwindigkeit |
|---|---|
| P | 150 km/h |
| Q | 160 km/h |
| R | 170 km/h |
| S | 180 km/h |
| T | 190 km/h |
| H | 210 km/h |
| V | 240 km/h |
| W | 270 km/h |
| Y | 300 km/h |
Hinweis der ADAC Experten: Reifen mit dem Speed-Index VR (Höchstgeschwindigkeit über 210 km/h) und ZR (über 240 km/h) in den Fahrzeugpapieren waren früher für schnelle, ältere Fahrzeuge vorgeschrieben, sind aber nicht genormt und werden deshalb vielfach nicht mehr angeboten. Wenden Sie sich deshalb an Ihren Reifenhändler.
Die Wahl des richtigen Geschwindigkeitsindexes
“Welchen Geschwindigkeitsindex darf ich fahren”, fragen Sie sich? Der Geschwindigkeitsindex von Rollerreifen, Motorradreifen oder Pkw-Reifen darf die Höchstgeschwindigkeit eines Fahrzeugs nicht unterschreiten - aber er darf darüber liegen.
Einen Blick auf die Einteilung von Indexzahlen und Fahrzeugkategorien hilft: Zum Beispiel eignet sich der Geschwindigkeitsindex C für Transporter und Leicht-Lkws. Für Coupés kommen Reifen mit einem H-Index infrage. Grundsätzlich dürfen keine Räder montiert werden, deren Geschwindigkeitsindex kleiner ist als die maximale Fahrzeuggeschwindigkeit - zumindest bei Sommerreifen.
In Deutschland ist es Pflicht, den Reifen-Geschwindigkeitsindex dem maximalen Tempo eines Fahrzeugs anzupassen. Liegt der Geschwindigkeitsindex des laut Fahrzeugschein zulässigen Reifens deutlich höher als das maximale Tempo des Autos oder des Motorrads, können Fahrer oft einen kleineren Index wählen.
Für ein Auto, das höchstens 188 Kilometer pro Stunde fährt, ergibt sich daraus eine benötigte Radgeschwindigkeit von 196,38 Kilometer pro Stunde. Dies entspricht einem Reifen H (210 Kilometer pro Stunde). Wird laut Fahrzeugschein ein Reifen V (240 Kilometer pro Stunde) gefordert, darf der Fahrer somit auch einen Reifen H wählen.
Die Wahl des richtigen Reifen Höchstgeschwindigkeitsindex ist entscheidend für Ihre Sicherheit und die Leistung Ihres Fahrzeugs. Ein Reifen mit niedrigem Speed Index kann bei hohen Geschwindigkeiten zu einer verminderten Stabilität und einem erhöhten Unfallrisiko führen.
Ausnahmen vom Geschwindigkeitsindex
Winterreifen
Anders ist es bei Winterreifen und Ganzjahresreifen: Tragen Räder das M+S-Symbol, darf ihr Geschwindigkeitsindex unter dem maximalen Tempo des Autos liegen. Das maximal zulässige Tempo der Reifen muss durch eine Plakette an der Frontscheibe des Fahrzeugs gekennzeichnet sein. Wer gegen diese Regel verstößt, riskiert ein Bußgeld von fünf Euro.
Für Winter- und Ganzjahresreifen, die mit M+S-Symbol (veraltet, nicht mehr unter winterlichen Straßenbedingungen zugelassen, es sei denn, es ist zusätzlich ein Alpine-Symbol angebracht) und/oder dem neuen Alpine-Piktogramm versehen sind, gilt: Ihr Speed-Index darf unter der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs liegen.
Allerdings muss dann der Fahrer oder die Fahrerin mittels Aufkleber im Sichtfeld oder in der Displayanzeige über die reduzierte Höchstgeschwindigkeit der Reifen informiert werden. Und diese Höchstgeschwindigkeit muss natürlich auch eingehalten werden.
Regelung in Italien
Eine Sonderregelung, die mit dem Speed-Index zu tun hat, gilt auch für die Verwendung von M+S-Reifen im italienischen Sommer: In den Sommermonaten, also vom 16. Mai bis 14. Oktober, darf nach einer Verordnung des italienischen Transportministeriums mit Winter- oder Ganzjahresreifen (Reifen mit M+S-Kennzeichnung) nur dann gefahren werden, wenn diese einen Geschwindigkeitsindex aufweisen, der mindestens dem in der Zulassungsbescheinigung Teil I festgesetzten Geschwindigkeitsindex der Standardbereifung (Sommerreifen) entspricht.
In der Zeit zwischen dem 15. Oktober und 15. Mai des Folgejahres (Winterhalbjahr) gilt wieder die übliche Regelung. In diesem Zeitraum dürfen wegen der Winterreifenpflicht auch solche Reifen verwendet werden, die einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex aufweisen, als in den Fahrzeugpapieren vorgesehen ist - natürlich mit dem entsprechendem Geschwindigkeitsaufkleber im Sichtfeld des Fahrers bzw. der Fahrerin. Die Reifen müssen mindestens den Geschwindigkeitsindex "Q" aufweisen.
Folgen der Missachtung des Geschwindigkeitsindexes
Wichtig: Wer mit Reifen unterwegs ist, deren Geschwindigkeitsindex nicht für das betreffende Fahrzeug zugelassen ist, geht ein hohes und leichtsinniges Risiko ein. Im schlimmsten Fall löst sich unter hohem Tempo die Karkasse - gravierende Unfälle sind die Folge.
Es drohen Bußgelder zwischen 50 und 90 Euro, sofern Höchstgeschwindigkeit und Räder nicht aufeinander abgestimmt sind.Einen Punkt in Flensburg gibt es obendrauf.Fahrer verlieren zudem die Betriebserlaubnis. Das Auto oder Motorrad wird unmittelbar stillgelegt.
Wer durch die Wahl der falschen Reifen jemandem im Straßenverkehr gefährdet, für den verfällt der Versicherungsschutz.Um das Auto oder Motorrad wieder zuzulassen, prüft ein Sachverständiger, ob die korrekten Reifen montiert sind.
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