Harley-Davidson feiert sein 120-jähriges Bestehen. Dieser Beitrag gibt einen Einblick in die Historie der Company, wobei alle fünf Jahre zum jeweiligen Jubiläum ein Blick auf das Zeitgeschehen rund um Harley-Davidson geworfen wird.
Was in der Harley Geschichte immer ein bisschen mitspielt ist das "Timing" der einzelnen Daten! Alle 5 Jahre werden die Harley-Davidson Geburtstage international gefeiert - und in Milwaukee, Geburtsort der Marke. Hier ein Rückblick auf vergangene Events und die Feierlichkeiten zum 120. Firmenjubiläum.
Die frühen Jahre von Harley-Davidson
Jeder hat sie bestimmt schon mal gehört, die Geschichte vom Hinterhofholzschuppen, in dem die ersten drei Harley-Davidson-Motorräder entstanden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in den USA eine Vielzahl von Motorradherstellern. Sie kamen und sie gingen, Harley-Davidson blieb - und wird jetzt 120. Als einziger Hersteller der Welt hat die Firma 120 Jahre lang ohne Unterbrechung eigenständig Motorräder gefertigt.
Die ersten drei Harley-Davidson kamen mit Einzylinder und Riemenantrieb daher. Aus den Einzylindermodellen der frühen Jahre wurden schon 1909 stärkere 45°-V-Twins. In den riesigen USA mussten selbst auf besseren Feldwegen gewaltige Entfernungen zurückgelegt werden. Seit Mitte der 1910er-Jahre fuhr das Werksrennteam, genannt Wrecking Crew, mit Bikes wie dem 180 km/h schnellen „Eight-Valve Racer“ der Konkurrenz davon - was die Leistungsfähigkeit der Motorräder aus Milwaukee unterstrich.
So wuchs Harley-Davidson binnen 17 Jahren zum größten Motorradhersteller der Welt heran und konnte sich seiner imposanten Fabrik rühmen, die unweit des Holzschuppens an der heutigen Juneau Avenue in Milwaukee entstanden war. 1936 lief hier der Urahn moderner Harleys vom Stapel: das rund 145 km/h schnelle Modell E/EL mit seinem kopfgesteuerten, Knucklehead genannten V2.
Die historische Fabrik ist inzwischen das Hauptquartier des US-Unternehmens. Noch heute ist Harley-Davidson in Milwaukee daheim, wo einst alles begann, und noch heute ist die Firma - wenngleich man vom 50er-Zweitakter bis zum großvolumigen Boxer alles Mögliche ausprobiert hat - dem viertaktenden V2 treu ergeben. Auch wenn er äußerlich manchen seiner Ahnen gleicht, wurde er Jahrzehnt für Jahrzehnt den Erfordernissen der Zeit angepasst.
Mit dem Milwaukee-Eight und dem Revolution Max fertigt Amerikas traditionsreicher Motorradhersteller derzeit zwei unterschiedliche Motorenkonzepte: einen luftgekühlten 45°-V2 mit flüssigkeitsgekühltem Auslassbereich und einen flüssigkeitsgekühlten 60°-V2. Von 975 bis 1.923 Kubikzentimeter reichen die Kubaturen, bis zu 112 kW (152 PS) leisten die Triebwerke. Längst haben moderne Features wie elektronische Assistenzsysteme, praktische Bluetooth-Handyanbindung und modernes Infotainment auch in Maschinen aus Milwaukee Einzug gehalten. Doch bis es so weit war, stand dem Unternehmen eine lange Reise bevor.
Die Zweitakt-Ära von Harley-Davidson
Und da darf die Zweitakt-Ära von Harley nicht unerwähnt bleiben - selbst wenn nicht alle beinharten Fans gerne daran erinnert werden. Von 1948 bis 1978 baute und bot Harley-Davidson zahlreiche Zweitakt-Modelle an.
Harleys deutschstämmige Zweitakter (1948 -1966)
Startschuss der 30 Jahre langen Zweitaktära von Harley waren Reparationen aus dem Zweiten Weltkrieg. Aus den DKW-Werken in Zschopau wurden Pläne der RT 125 und Maschinen unter den Alliierten verteilt. Harley-Davidson baute eine komplette Motorradreihe um den damals sensationell guten Motor und bohrte den Hubraum 1953 sogar auf 165 Kubik auf.
Harley-Davidson Model S 125
Das erste Modell war von 1948 bis 1952 das Model S 125, mit 3 PS und 3-Gang-Getriebe. Der Rahmen war starr, die Gabel eine Girder-Konstruktion mit Gummibanddämpfung. Ab 1951 setzte Harley eine hydraulische Telegabel ein.
Kommerziell kann die S 125 als Erfolg gewertet werden: In den ersten 10 Monaten wurden 10.000 Stück verkauft, und die machten den meist jungen Kunden Lust auf größere Harleys.
Harley-Davidson Model 165
1953 vergrößerte Harley den RT-Motor auf 165 Kubik und steigerte die Leistung auf 5,5 PS. Das Chassis des Model 165 war gleich der S 125. Mit dem optionalen 7"-Scheinwerfer nahm das Model 165 im Ansatz die ikonische Front der Evo-Fat-Boy 37 Jahre vorweg. Das Model 165 blieb bis 1959 im Programm.
Harley-Davidson Hummer
1955 brachte Harley wieder eine 125er und nannte sie Hummer. Nicht nach dem Krustentier, sondern nach dem sehr erfolgreichen Harley-Händler Dean Hummer, der damals die meisten Zweitakter verkaufte. Optisch wurde das Model S 125 etwas aufgefrischt und bis 1959 verkauft.
Harley-Davidson Super 10
1960 stellte Harley das Model 165 und die Hummer ein und brachte die Super 10. Technisch glich sie dem Model 165, und optisch war sie eine zweifarbig lackierte Hummer mit etwas breiteren Reifen. Nur ein Jahr blieb die Super 10 im Programm.
Harley-Davidson Pacer
1962 ersetzte die Pacer die Super 10. Weiterhin im gleichen Chassis verschraubt, wuchs der Motor auf 175 Kubik und 10 PS. Für 1963 baute Harley einen komplett neuen Rahmen mit Schwinge und gezogenem Federbein unter dem Motor. Bis 1965 blieb die Pacer im Programm.
Harley-Davidson Ranger
Nur im Jahr 1962 baute Harley auf Basis der 165er-Modelle mit Starrrahmen das Offroad-Modell Ranger. Ohne Licht und Schutzbleche, dafür mit einem riesigen Kettenrad mit 84 Zähnen. Nur 186 Stück wurden gebaut.
Einer Legende zufolge baute Harley-Davidson die Ranger aus übrig gebliebenen Bauteilen der Super 10.
Harley-Davidson Scat
Auf Basis der Pacer kam 1962 die Scat. Ein Dual-Purpose-Bike mit hohem Auspuff, was heute als Scrambler bezeichnet werden würde. Optional gab es eine sehr kurze Untersetzung, ob so extrem wie bei der Ranger ist nicht bestätigt. 1962 noch mit Starrrahmen, ab 1963 ebenfalls mit Schwingenrahmen. Bis 1965 war die Scat im Programm. Es wurden zwischen 4.000 und 5.000 Stück produziert.
Harley-Davidson Bobcat/Bobtail
1966 kam mit der Bobcat oder Bobtail das letzte Modell auf Basis der alten "RT-Modelle". Das Chassis war das vollgefederte der Pacer ab 1963, der Motor der 175er-Zweitakter mit 10 PS. Die Karosse war vollständig aus Kunststoff, mit einer langen Doppelsitzbank. Die Form des Hecks nahm teilweise den Boat-Tail von 1971 vorweg. Es wurden nur 1.150 Stück hergestellt.
Zweitakter von Aermacchi
Der zweite Akt der Zweitakter-Geschichte von Harley-Davidson lief ab 1965 zeitgleich mit den RT-basierten Modellen. Zwischen 50 und 175 Kubik kamen Zweitakter auf Aermacchi-Basis als Harleys in die USA. Nach der Übernahme durch AMF kaufte Harley Aermacchi komplett und brachte ab 1970 größere Zweitakter in die USA.
Harley-Davidson MC 65
1972 begann der Einstieg in die Harley-Welt bei 65 Kubik in Form des Pocketbikes MC 65 Shortster. Der Motor stammte aus der M65 Legero von Aermacchi, der ganz im Stil einer Honda Monkey im Rahmen hing. Gut 8.000 Stück wurden gebaut.
Harley-Davidson X 90
Ebenfalls ein Pocketbike, allerdings mit mehr Hubraum und Leistung, war die X 90. Sie wurde von 1973 bis 1975 gebaut, hatte einen 90-Kubik-Motor und 8 PS. Knapp 17.000 Stück wurden gebaut.
Harley-Davidson Z 90
Ebenfalls aus dem Jahr 1972 stammt die angebotene Z90. Kein Pocketbike wie die MC 65 oder die X 90, sondern ein "echtes" Moped. Aus 90 Kubik holte die Z 90 immerhin 8 PS. Stückzahl: nicht bekannt.
Harley-Davidson SX(T) 125
Von 1976 stammt die angebotene Enduro SX 125. Sie nahm die Erfolge der reinen Sport-Enduro Baja 100 auf und brachte 13 PS aus 125 Kubik auf die Straße - oder ins Gelände.
Harley-Davidson SX 175
Zwischen 1974 und 1976 bot Harley mit der SX 175 ein nochmals stärkeres Zweitakt-Modell an. Ihr Motor leistete 17 PS, hatte 5 Gänge und brachte die SX auf 115 km/h. Geländegängig war sie mit ihren tiefen Fendern und dem tief montierten Auspuff nicht wirklich. In drei Jahren wurden 12.112 Stück produziert.
Willie G. Davidson: Ein Mann prägt das Design
Willie G. William Godfrey Davidson ist den meisten Harley-Fans unter dem Namen Willie G. bekannt. Nicht nur seine Tätigkeit als ehemaliger Chefdesigner der Company und seine Zugehörigkeit zum Davidson-Clan machen ihn für die meisten zu einer Art lebenden Legende.
Die Leidenschaft für Motorräder wurde ihm bereits in die Wiege gelegt, schwappte aber vollends auf ihn über, als er mit 15 Jahren das erste mal auf sein erstes Bike steigt. Die DKW-Kopie 125 S reicht, um ihn vollends zu infizieren.
Eine weitere Leidenschaft Willie G.’s ist das Malen und Zeichnen, welches ihm letztlich den Posten als Chef-Designer im Harley-Imperium verschafft. Bevorzugt zeichnet er Motorräder, Autos und Hot-Rods. Er beschließt, ein Kunststudium an der University of Wisconsin zu absolvieren. Dies bietet seiner kreativen Art jedoch nicht genügend Freiraum, weshalb er wenig später an das Art Center College Of Design in Los Angeles wechselt. Dort entdeckt er die Custom-Szene der Westküste, welche für seinen späteren Lebenslauf eine entscheidende Rolle spielen wird.
Mit dem Abschluss in der Tasche arbeitet er zunächst als Zeichner für Möbel ehe ihn sein Vater William 1963 in das Familienunternehmen holt - das Styling Department wurde gegründet. Weil schon Vater William lediglich Bill gerufen wird, taufen ihn die Kollegen dann kurzerhand Willie G. Er verleiht unter anderem der Electra Glide 1965 die legendäre „Bat Wing“-Verkleidung und die Touring-Hartschalenkoffer. Darüber hinaus entwirft er das berühmte Number-One-Logo und das dazu passende Motorrad - die Super Glide. Die Low Rider und Wide Glide entstammen ebenfalls seiner Feder und schreiben Motorradgeschichte.
Marketingkampagnen benötigt Willie G. nicht. Er fährt ganz einfach mit Prototypen und testet die Reaktionen anderer Biker. Das scheint seinerzeit so gut anzukommen, dass Harley-Davidson dies in ihrer Werbung für einen Café-Racer verkündet und William erstmals öffentlich Willie G. nennt…
Willie G. ist es auch, der das Unternehmen mit 12 weiteren Männern am 26. Februar 1981 mit Hilfe eines Bankenkonsortiums zum Preis von 80 Millionen US-Dollar erwirbt. Die Firma wurde 1969 vom Konzern American Machine and Foundy (AMF) aufgekauft. Diverse Manager hatten erfolglos versucht, Harley-Davidson zu einem profitablen Massenhersteller umzufunktionieren. Durch zahlreiche neue Ideen nach dem Rückkauf wie z.B. die Just-in-Time Produktion oder enorme Qualitätssteigerung wird die die Firma erneut auf Vordermann gebracht.
2008 wird unter den Wachen Augen Willie G.’s das Werksmuseum in Milwaukee eröffnet - ein Traum wird wahr. Vier Jahre später verabschiedet sich der einstige Chefdesigner nach 49 Jahren Harley-Davidson in den wohlverdienten Ruhestand. Der Company erhalten bleibt er jedoch weiterhin als Markenbotschafter - mit eigenem Büro im Harley-Museum.
Harley-Davidson Modellübersicht (1948-1978)
| Modell | Baujahre | Hubraum | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Model S 125 | 1948-1952 | 125 ccm | Erstes Zweitaktmodell, Girder-Gabel (bis 1951) |
| Model 165 | 1953-1959 | 165 ccm | Verbesserte Version des Model S 125 |
| Hummer | 1955-1959 | 125 ccm | Optisch aufgefrischtes Model S 125 |
| Super 10 | 1960 | 165 ccm | Zweifarbig lackierte Hummer mit breiteren Reifen |
| Pacer | 1962-1965 | 175 ccm | Neuer Rahmen mit Schwinge ab 1963 |
| Ranger | 1962 | 165 ccm | Offroad-Modell mit Starrrahmen, geringe Stückzahl |
| Scat | 1962-1965 | 175 ccm | Dual-Purpose-Bike, Scrambler-Stil |
| Bobcat/Bobtail | 1966 | 175 ccm | Vollverkleidung aus Kunststoff |
| MC 65 Shortster | 1972 | 65 ccm | Pocketbike (Aermacchi) |
| X 90 | 1973-1975 | 90 ccm | Pocketbike (Aermacchi) |
| Z 90 | 1972 | 90 ccm | Moped (Aermacchi) |
| SX 125 | 1976 | 125 ccm | Enduro (Aermacchi) |
| SX 175 | 1974-1976 | 175 ccm | Enduro (Aermacchi) |
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