Es vergeht kaum ein Tag, an dem es im deutschen Straßenverkehr nicht kracht. Durchschnittlich kam es dem Statistischen Bundesamt zufolge im Jahr 2015 sogar alle 13 Sekunden zu einem Verkehrsunfall. Über Unfälle, bei denen infolge des Fahrverkehrs auf öffentlichen Wegen und Plätzen Personen getötet oder verletzt oder Sachschäden verursacht worden sind, wird laufend eine Bundesstatistik geführt. Auf diese Weise können die gesammelten Daten miteinander verglichen und Maßnahmen ergriffen werden, um beispielsweise bestimmten Unfallursachen entgegenzuwirken.
Warum werden Unfallstatistiken geführt?
- Um die Ursachen von Verkehrsunfällen zu erfassen.
- Um Maßnahmen zu ergreifen, um diese zukünftig zu vermeiden.
Allgemeine Unfallstatistik
Der Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes zufolge kam es im Jahr 2015 zu knapp 2,50 Millionen Unfällen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass längst nicht alle Verkehrsunfälle gemeldet werden - die Dunkelziffer könnte entsprechend noch höher sein. Im Jahr 2015 ereigneten sich insgesamt 3.475 tödliche Unfälle. Gemäß Statistik ist diese Zahl damit das zweite Jahr in Folge angestiegen, dieses Mal um 2,9 Prozent. Die hohen Unfallzahlen in Deutschland sind statistisch gesehen im Jahr 2015 zumindest teilweise auf die Wetterverhältnisse zurückzuführen.
In ihrem sogenannten Verkehrssicherheitsprogramm eröffnete die Bundesregierung bereits im Jahr 2011, die Zahl der tödlichen Verkehrsopfer bis 2020 um ganze 40 Prozent verringern zu wollen.
Autounfälle im Fokus
Da es sich bei Pkw um das am meisten genutzte Verkehrsmittel in Deutschland handelt, werden Autofahrer im Gegensatz zu anderen Verkehrsteilnehmern auch öfter in einen Unfall verwickelt. Knapp 380.000 Autofahrer wurden im Jahr 2015 in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt. In 55,5 Prozent der Fälle lag die Schuld übrigens beim Pkw-Fahrer selbst. Die Unfallstatistik besagt weiterhin, dass 46,8 Prozent der Verkehrstoten und 55,8 Prozent der Verletzten in einem Pkw unterwegs waren. Demnach verunglückte jeder zweite Verkehrstote laut Statistik 2015 in einem Auto.
Auch wenn Autounfälle der Statistik zufolge absolut keine Seltenheit sind, tragen Pkw-Fahrer dabei durchschnittlich weniger Schaden davon als andere Verkehrsteilnehmer. Der Tod von 2.049 Menschen im Straßenverkehr kann beispielsweise laut Unfallstatistik auf das Fehlverhalten von Autofahrern zurückgeführt werden.
Motorradunfälle im Fokus
Sobald die ersten Sonnenstrahlen die Fahrbahn berühren, schießen Motorradfahrer wie Pilze aus dem Boden. Für viele Biker steht ihr Gefährt für Freiheit, Jugendlichkeit und Abenteuerlust. Es ist kein Geheimnis, dass Motorradfahrer meist schwere Schäden davontragen, wenn sie in einen Unfall im Straßenverkehr verwickelt werden. Aufgrund der nicht vorhandenen Knautschzone, wie sie beispielsweise bei einem Pkw vorhanden ist, sowie der hohen Geschwindigkeiten, die gefahren werden, sind gerade Biker bei einem Verkehrsunfall vor schweren bis tödlichen Verletzungen nicht gefeit. An 15 Prozent der Unfälle mit Personenschaden war laut Unfallstatistik ein Motorrad beteiligt. Es bedarf dazu nicht einmal eines anderen Fahrzeuges - sobald Kurven zu scharf geschnitten oder die eigenen Fähigkeiten falsch eingeschätzt werden, kann es zu einem Unfall kommen.
42 Prozent der von Autofahrern verursachten Motorradunfälle sind sogenannte "Sichtunfälle". Das bedeutet: Der Autofahrer hat das Motorrad zu spät oder gar nicht wahrgenommen. Viele Motorradcrashs ereignen sich an Kreuzungen und Einmündungen - also an Stellen, an denen sich oft die Vorfahrt ändert.
Eine Analyse der Verkehrsunfälle im Jahr 2021 durch ADAC Experten ergab: 16.435 Mal krachte es in der Bundesrepublik Deutschland zwischen Pkw und Motorrädern. Dabei verletzten sich fast 10.000 Motorradfahrende schwer und 529 verunglückten infolge von Verkehrsunfällen tödlich. 93 % der Unfallopfer waren Kraftradfahrende oder -mitfahrende, aber 66,4 % dieser Unfälle wurden von Pkw-Fahrenden verursacht.
Unfallursachen
Unfälle mit Personenschäden gehen am häufigsten auf Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie Ein- und Anfahren zurück.
Geschwindigkeit war erneut die Hauptunfallursache Nummer eins bei schweren Verkehrsunfällen: 41,9 Prozent (896) der Motorradunfälle mit Personenschaden waren auf überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen, bei tödlichen Motorradunfällen war der Anteil mit 48,6 Prozent (18) noch höher. In Summe wurden mehr als die Hälfte der tödlichen Motorradunfälle (54,4 Prozent, 37) durch die Bikerinnen und Biker selbst verursacht.
Risikogruppen
Das Statistische Bundesamt befasst sich in seiner Unfallstatistik ebenfalls mit gewissen Altersgruppen von Verkehrsteilnehmern und untersucht, wie oft welche Gruppe in Verkehrsunfälle involviert wurde.
Kinder
Der Unfallstatistik zufolge wurden im Jahr 2015 insgesamt 28.235 Kinder verletzt, 84 starben. Alle 19 Minuten wurde ein Kind durchschnittlich das Opfer eines Verkehrsunfalls. Die meisten Kinder unter sechs Jahren reisen in der Regel mit ihren Eltern im Auto, weshalb insgesamt 63,2 Prozent in einem Pkw verunfallten. Jedes vierte Kind in diesem Alter wurde 2015 in einen Verkehrsunfall mit dem Rad involviert, jedes dritte zu Fuß.
Jugendliche
Im Jahr 2015 verunfallten im Durchschnitt jeden Tag 54 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren im Verkehr. Dies sind gemäß Unfallstatistik insgesamt 19.820 Jugendliche im gesamten Jahr, wovon 72 ums Leben kamen. 33 der Unfallopfer starben auf einem Kraftrad, 20 mussten ihr Leben in einem Pkw lassen. Es sind laut Unfallstatistik meist junge Fahrer, welche die Schuld an schweren Verkehrsunfällen tragen. Durch ihre Leichtsinnigkeit und ihren Mangel an Erfahrung schätzen sie Situationen oft falsch ein bzw. überschätzen schlichtweg ihre eigenen Fähigkeiten.
Junge Erwachsene
66.156 junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 24 wurden im Jahr 2015 in Verkehrsunfälle verwickelt. 473 von ihnen kamen dabei sogar ums Leben. Keine andere Altersgruppe wurde zudem im Jahr 2015 in so viele Unfälle mit einem Pkw verwickelt, wie die der zwischen 18- und 24-Jährigen (69,6 Prozent).
Senioren
48.690 Personen ab 65 Jahren wurden bei Verkehrsunfällen laut Unfallstatistik verletzt, 50 Prozent davon in einem Auto. Insgesamt 1.024 Senioren kamen 2015 bei Verkehrsunfällen ums Leben. Durchschnittlich sind die Unfallfolgen bei Senioren gemäß Unfallstatistik jedoch auch um einiges schwerer.
Ortslagen
Bei den Untersuchungen im Jahr 2015 stellte sich heraus, dass sich wie in den Jahren zuvor die meisten Verkehrsunfälle innerhalb geschlossener Ortschaften ereigneten. Das Risiko ist laut Statistik für Verkehrstote in Deutschland auf Landstraßen am größten. Dies ist unter anderem in den hohen Geschwindigkeiten begründet, die dort gefahren werden.
Im Jahr 2015 konnten laut Unfallstatistik insgesamt 20.113 Verkehrsunfälle mit Personenschaden auf Autobahnen in Deutschland verzeichnet werden. 414 Personen starben, 5.834 erlitten schwere Verletzungen. Getötet wurden 380 Menschen, wobei 255 in einem Auto, 86 in einem Lkw und 39 zu Fuß unterwegs waren. Die meisten Unfälle auf der Autobahn im Jahr 2015 sind auf zu schnelles Fahren zurückzuführen.
Insgesamt waren es 1.997 Tote im Jahr 2015 auf Landstraßen, was 57,7 Prozent aller getöteten Personen im Verkehr ausmacht. Laut Statistik führten meist Autounfälle zu Todesopfern auf Landstraßen. Dies betraf insgesamt 1.148 Menschen. 505 tödliche Motorradunfälle kamen gemäß Statistik auf Landstraßen 2015 noch hinzu. 146 Radfahrer und 121 Fußgänger mussten dort ihr Leben lassen.
Innerhalb geschlossener Ortschaften sind grundsätzlich die meisten Verkehrsteilnehmer unterwegs. Nicht nur Autofahrer, sondern auch Fußgänger, Lkw-, Bus- und Radfahrer versuchen tagtäglich, sich ihren Weg durch die teils schmalen Gassen zu bahnen. Insgesamt benennt die Statistik 1.048 Unfalltote, die im Jahr 2015 innerhalb geschlossener Ortschaften ihr Leben lassen mussten. Bei jedem vierten Unfalltoten handelte es sich innerorts übrigens um einen Fußgänger, der die Straßenseite wechseln wollte und dabei mit einem Fahrzeug zusammenstieß.
Tipps zur Vermeidung von Unfällen
- Geschwindigkeit von Motorradfahrern wird leicht unterschätzt
- Nicht auf die eigene Vorfahrt vertrauen
- Vorsicht vor allem an Einmündungen und Kreuzungen
- Schauen Sie in Einmündungsbereichen und an Kreuzungen lieber zweimal zu viel als einmal zu wenig.
- Bleiben Sie gelassen, wenn ein Motorradfahrender überholt. Er braucht dafür weniger Strecke, als Sie annehmen.
- Fahren Sie defensiv, respektieren Sie die Verkehrsregeln.
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