Goliath Dreirad Lieferwagen: Eine Geschichte des Erfolgs und der Innovation

Die Geschichte des Goliath Dreirad Lieferwagens ist eng mit dem Namen Carl Friedrich Wilhelm Borgward verbunden. Geboren am 10. November 1890 in Altona, hatte Borgward schon als Kind eine Faszination für den Automobilbau. Sein Ziel war es, Automobile zu bauen, und er verfolgte diesen Weg konsequent.

Zunächst nutzte Borgward die kleinsten Chancen und begann mit dem Bau von Kühlern für die Bremer Hansa-Lloyd-Werke, nachdem er die Firma Oskar Baerold übernommen hatte. Einer der Mitarbeiter hatte die entscheidende Idee: ein Karren für Materialtransporte! Borgward sah seine Chance, in den Automobilbau einzusteigen. Dies war die Zeit kurz nach der Inflation, die so manchen Automobilfirmen ein Ende bereitet hatte.

Die Schwierigkeiten waren anfangs so groß, dass Carl Borgward sogar selbst auf dem Karren umherfahren musste, um Vertretungen zu finden. Doch bald wurden die Wagen, die bald "Goliath" heißen sollten, die Nutzfahrzeuge der zwanziger Jahre. Borgward wollte nie nur Dreirad-Lieferwagen bauen. Er wollte Personenwagen, "richtige" Wagen bauen.

Da sich sein kleines Werk sehr gemausert hatte, konnte Borgward - nicht zuletzt dank der Mithilfe seines Teilhabers Tecklenborg - die aufgrund katastrophaler Fehler der Firmenführung vor der Pleite stehenden Hansa-Llyod-Werke übernehmen, und zwar in 2 Etappen: 1928 die Aktienmajorität, 1931 den Aufkauf. Dieser Aufkauf war eine kaufmännische Meisterleistung Carl Borgwards.

Die Anfänge des Goliath Pionier

1928 gründete Borgward schließlich die Goliath Werke Borgward & Co., in denen ab 1931 der dreirädrige Personenwagen „Goliath „Pionier“ gebaut wurde. Es war ein Zweisitzer mit einem 200ccm Ilo Zweitaktmotor mit einer Leistung von 5,5 PS. In den Jahren 1931 und 1932 war der Pionier sogar das meist produzierte Personenfahrzeug in Deutschland.

Der Verkaufserfolg hatte sogar einen wirtschaftlichen Hintergrund. Denn nach einem Gesetz aus dem Jahre 1928 durften alle Fahrzeuge mit weniger als vier Rädern und weniger als 350 Kubikzentimeter Hubraum ohne Führerschein gefahren werden und waren zudem auch noch steuerfrei.

Der Goliath GD 750 und der "Goli"

1949 stellte Goliath eine Weiterentwicklung vor, den Dreirad-Transporter GD-750 mit 750 Kilogram Nutzlast vor. Gerade bei kleineren gewerblichen Betrieben fand dieser Transporter durch seinen günstigen Preis und durch die Auswahl von fast 40 verschiedenen Aufbauten viele Käufer.

Dem GD 750 folgte 1955 der “Goli”. Wie auch sein Vorgänger hatte dieser Lieferwagen einen 2 Zylinder 2 Takt-Motor mit einer Leistung von 14 PS und 396 ccm. Wahlweise konnte gegen Aufpreis ein 16 PS starker Motor mit 496 ccm eingebaut werden. Damit erreichte der “Goli” annähernd eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Ausgestattet mit einem 4-Gang Getriebe liegt der Antrieb auf der Hinterachse. Die Hinterachse ist starr und lagert auf einer Blattfeder an jedem Rad. Das Vorderrad ist einseitig an einem Schwingarm aufgehängt und durch eine viertelelliptische Blattfeder abgedämpft. Die Lenkung spricht direkt über eine Lenkstange auf das Vorderrad an.

Die Karosserie wirkt dynamischer als bei seinem Vorgänger und überzeugte durch die Linienführung. Die vorderen Lampen wurden in den Kotflügel integriert und die Front ziert eine Kühlermaske, allerdings ohne Funktion, da der Motor unter dem Führerhaus sitzt.

Der "Packesel auf drei Rädern" prägte das Straßenbild

Besonders gern wurde die Fahrzeug-Gattung der Dreirad-Lieferwagen von kleinen Gewerbetreibenden und Handwerkern für ihre Transporte eingesetzt, aber auch die deutsche Reichspost fuhr vor dem zweiten Weltkrieg Dreirad-Lieferwagen.

Auch in der Altmark war der Kleintransporter begehrt. Zwei Diesdorfer Unternehmer nannten den Goliath ihr Eigen. Es waren die Schlachter-Familie Kuhlmann sowie Ernst Kuhlmann vom Kerstenberg, der Eieraufkäufer und Sekundärrohstoff-Händler war. Die Fleischermeister Bernd und Richard Kuhlmann fuhren ein Goliath-Dreiradauto vom Typ F-200. Dessen heutiger Besitzer ist Dr. Gerhard Schulz.

Der „Packesel auf drei Rädern“ prägte das Straßenbild Mitte des 20. Jahrhunderts.

Das Ende einer Ära

Der Goli wurde von 1955 bis 1961 gebaut und war der letzte deutsche dreirädrige Kleinlaster. Der Wagen besaß einen wassergekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotor und konnte aufgrund des dreirädrigen Fahrwerkes vor allem durch seinen niedrigen Preis Käufer anlocken. Trotzdem überzeugte der Goli in Bezug zu seinen Konkurrenten durch seine relativ moderne Bauweise. Das Fahrzeug besaß bei einem Gesamtgewicht von 1,8 Tonen eine Nutzlast von 0,75 bis 0,95 Tonnen.

Typisch ist der Zweitakt-Ottomotor mit 465 Kubikzentimetern Hubraum, 15 PS-Motor mit Wasserkühlung und Viergang-Schaltung. Der Kleinlaster konnte ordentlich was transportieren. Die Pritschen-Ausführung gab es in einer tief- und einer hoch liegenden Variante. Erstere ermöglichte ein Ladevolumen von sechs Kubikmetern. Ferner gab es den Ganzmetall-Kastenwagen sowie einen Kofferaufbau.

Heutzutage sind sie längst aus unserem Straßenbild verschwunden.

Die Bedeutung der Dreirad-Lieferwagen in der Automobilgeschichte

Dreirad-Lieferwagen von 1907 bis in die 1950er-Jahre - eine ganze Fahrzeugklasse für sich! Automobil-Geschichte sichtbar gemacht.

Es gab auch andere Hersteller von Dreirad-Lieferwagen, wie z.B.:

  • Cyclonette, Baujahr 1907 - Cyklon-Maschinenfabrik GmbH, Berlin
  • Brennabor Brennaborette, ein dreirädriges Lieferfahrzeug von ca.
  • Der Zittauer Motorradhersteller Phänomen stellte von 1907 bis 1927 die Phänomobil Dreirad-Personenwagen her, die konzeptionell der Cyklonette ähnelte.
  • So besass das hier gezeigte Dreirad Framo LT 200 auch einen luftgekühlten Einzylinder-Zweitaktmotor von DKW.
  • Das erste ab 1931 produzierte Modell war der hier gezeigte Goliath Pionier.
  • Rollfix EilwagenDer längst vergessene Kraftfahrzeug-Hersteller Rollfix-Eilwagen GmbH aus Hamburg-Wandsbek existierte von 1923 bis 1933.
  • Tempo ging 1955 eine Verbindung mit der Hanomag in Hannover ein, die beide 1959 in den Rheinstahl-Konzern eingebracht wurden.

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