Alpenüberquerung mit dem Gravelbike: Planung und Routen

Eine Alpenüberquerung steht bei vielen auf der To-Do-Liste, etwas, was man mindestens einmal im Leben gemacht haben sollte. Die Alpenüberquerung mit dem Gravelbike fehlt noch auf meiner Liste der Radl-Highlights.

Was erwartet Dich bei einer Alpenüberquerung mit dem Gravelbike?

  • Abgeschiedene Wege, keine technischen Trails: Du vermeidest viel befahrene Straßen und gehst den Blechlawinen so gut es geht aus dem Weg. Gleichzeitig brauchst Du wie bei einem Alpencross mit dem Mountainbike keine Sorge zu haben, dass die Trails zu technisch sind.
  • Sehr gute Versorgungslage: Du kommst immer an genügend Supermärkten, Cafés und Restaurants vorbei, so dass Du Deine Flaschen auffüllen und ein Päuschen einlegen kannst.
  • Dauert nicht zu lange: Die Alpenüberquerung ist mit dem Gravelbike gut in 4 Tagen machbar. Das macht sie zu einem idealen Vorhaben für eine kleine Alltagsflucht an einem verlängerten Wochenende.
  • Tolles Panorama: Vom Panorama her war meine Alpenüberquerung mit dem Gravelbike gigantisch: die türkis-blaue Isar, die tollen Schotterwege in der Leutasch, im Ötztal und auf dem Weg hinunter nach Meran, das imposante Timmelsjoch, die Apfelplantagen in Südtirol und die Trails rund um den Molveno-See waren meine Highlights der Tour.

Die Herausforderung der Routenplanung

Bei der Routenplanung wird mir klar, dass eine Gravelroute über die Alpen an den Gardasee gar nicht so einfach zu planen ist: Viele klassische Routen sind entweder mit technischen Trails für das Mountainbike ausgestattet oder führen auf größeren Strassen entlang und sind somit für das Rennrad geeignet. Ich jedoch plane meine Route für das Gravelbike auf kleineren, asphaltieren Strassen und gut fahrbaren Schotterwegen, damit sie wirklich für jeden machbar ist.

Die Route ist deshalb sicherlich NICHT der schnellste und NICHT der einfachste Weg an den Gardasee. So kommen einige Höhenmeter zusammen.

Beispielroute für eine 4-Tages-Tour

  • Tag 1: Bad Tölz nach Sautens (ca. 114 km, 1.340 hm): Es geht von Bad Tölz nach Mittenwald, über die Leutasch und den Buchener Sattel ins Inntal und von da nach Sautens in Ötztal.
  • Tag 2: Sautens nach Saltaus (ca. 105 km, 2.160 hm): Die Königsetappe: Ich durchfahre das gesamte Ötztal bis nach Obergurgl.
  • Tag 3: Saltaus nach Tuenno (ca.
  • Tag 4: Tuenno nach Riva (ca.

Ausrüstung für die Alpenüberquerung mit dem Gravelbike

Welche Übersetzung braucht man?

Die Anstiege, die es auf dieser Route fahren zu fahren gibt, sind zum Teil sehr “stichig”. Insbesondere der Anstieg zum Gampenpass auf Schotter, die Wege durch die Apfelplantagen hinter Meran und die Selva Piana Anstiege.

Welche Reifen sind empfehlenswert?

Die in dieser Tour beschriebenen Wege beinhalten keine großen technischen Passagen. Ich bin mit 38 mm breiten Reifen unterwegs - mit mittlerem Stollenprofil.

Detaillierter Bericht einer Etappe: Von Bad Tölz nach Sautens

Es geht los - Ich starte am ersten Tag meines Alpencross um 10 Uhr in Tölz. Es geht auf dem uns gut bekannten Schotterweg nach Lenggries und von da aus bin ich auch bald am Sylvensteinspeicher.

In Vorderriss biege ich auf die Mautstrasse nach Wallgau ab (Für Radler umsonst). Die wenigsten Leute wissen, dass auch eine schöne Gravelroute bis nach Wallgau führt. Dazu muss man nur nach dem Mauthäuschen über die erste Brücke auf der linken Seite und die türkisblaue Isar überqueren. Die folgende Gravelroute ist eine der schönsten Strecken im ganzen Karwendel.

In Wallgau geht es über die Buckelwiesen im Werdenfels weiter nach Mittenwald. Der Ausblick auf das Karwendel und das Wettersteingebirge ist phänomenal. Ich bin diese Route schon so oft gefahren und jedes Mal aufs Neue vom Anblick der Berge beeindruckt.

Man kann auch von Wallgau bis Mittenwald anstelle des geteerten Weges über die Buckelwiesen, einer Schotterroute entlang der Isar folgen - das ist so auch im GPX Track oben angegeben. In Mittenwald lege ich eine Pause ein und fülle meine Flaschen auf.

Weiter geht’s in die Leutasch. Ich folge zunächst der Teerstrasse hoch zum Pass. Als ich auf Höhe des Gasthofs Mühle links auf einen Schotterweg, den Achweg, abbiege, freu ich mich riesig - denn diesen Weg kenne ich wiederum noch nicht. Es geht auf Schotter entlang der Leutascher Ache durch Oberleutasch bis nach Weidach. Hier bleibt auch Zeit, um die Füße ins Wasser zu stecken und kurz zu genießen.

Von der Leutasch kommen wir über den Buchener Sattel ins Inntal. Ich flitze den Telfser Berg hinunter. Die Abfahrt ist gewaltig, da muss man schon aufpassen, dass man nicht zu schnell wird. Unten angekommen ist es gleich nochmal ein paar Grad wärmer als oben am Berg.

Ab Haiming geht es weiter auf dem Ötztaler Radweg, von da aus ist es nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft in Sautens. Ich übernachte im Boutiquehotel Michl, klein aber fein und vor allem sehr schön eingerichtet. Geniales Frühstück mit super viel frischem Obst, einer riesigen Brotauswahl und allem, was das Sportlerherz begehrt - lecker starte ich in den neuen Tag.

Die Königsetappe: Sautens nach Saltaus

Die Kalorien brauche ich auch, denn heute wartet die Königsetappe: Es geht hoch hinaus - aufs Timmelsjoch. Von Sautens bis auf den Gipfel sind es 64 Kilometer und 2.000 Höhenmeter. Das wird ganz schön anstrengend.

Auf dem Ötztaler Radweg geht es weiter. ich finde es super, nicht mit dem Rennrad auf der vielbefahrenen Ötztaler Bundesstraße unterwegs sein zu müssen.

Meine Radlkollegen nennen mich mittlerweile schon “Die Regenmacherin”. Ich komme diese Saison einfach nicht drum rum bei jeder meiner Touren im Regen zu fahren. Entsprechend brauch ich mir auch nicht mehr zu beweisen, dass ich das kann.

Die Regenmacherin ist unterwegs

Kurz vor Sölden fängt der Niesel an, der schließlich in Regen umschlägt. Ich bin Gott sei Dank nicht überrascht. Ich wusste schon beim Blick in meine Wetter-Apps, dass das schlechte Wetter kommen wird.

Ich nehm den Bus - keine Lust auf Regen

Zum ersten Mal in meinem Radl Leben mach ich es mir einfach: Ich nehmen den Bus von Sölden nach Obergurgl und kürzen so den Anstieg zum Timmelsjoch um 13 Kilometer ab. Fühlt sich nach “cheaten” an. Aber egal, das hier ist Urlaub! Toll, dass es hier im Bikeparadies Ötztal eine Infrastruktur gibt, bei der die Busse mit Radl-Anhängern ausgestattet sind.

Hoch hinaus auf Timmelsjoch

Von Obergurgl, dem letzten Dorf im Ötztal, zum höchsten Punkt der Tour sind es immerhin noch 12 Kilometer und 730 Höhenmeter. Ich schwinge mich wieder auf mein Rad. Das Timmelsjoch, auf italienisch auch Passo Rombo, liegt auf 2.500 Metern. Ich komme an der Mautstelle Hochgurgl vorbei. Ab hier geht es zunächst wieder ordentlich bergab und danach folgt der zweite Teil des Anstiegs bis zur Grenze.

Außer mir ist fast keiner mehr bei diesem Wetter unterwegs. Kehre um Kehre geht es weiter nach oben. Es ist neblig, ungemütlich und kalt, aber auch sehr eindrücklich. Das Wetter in den Alpen kann immer und jederzeit umschlagen. Es kann sehr schnell kalt werden, vor allem auf der Abfahrt!

Lange und dickere Handschuhe, Regenklamotten, Mütze und eine ordentliche Jacke sind deshalb zu empfehlen. Außerdem muss unbedingt ein Rücklicht mit, auch wenn Ihr nicht plant in der Nacht zu fahren. Auf dieser Strecke warten einige Tunnel auf Euch und so seid Ihr auch tagsüber im Nebel sichtbar.

Als ich am Gipfel ankomme, finde ich vor lauter Nebel fast die Raststation nicht. Ich mache eine Pause, trockne meine Sachen und lasse mir die Nudelsuppe mit Würstl schmecken. Für die Abfahrt packe ich mich dick ein und schwinge mich hinunter bis nach St.Leonhard im Passeiertal.

Von hier aus baller ich auf dem bestens gepflegten Schotterradweg entlang des Passer flussabwärts bis nach Saltaus, kurz vor Meran.

Es empfiehlt sich auf jeden Fall in der Hochsaison eine Unterkunft vorab zu buchen und das nicht wie ich spontan am gleichen Tag zu machen. Denn im August sind fast alle günstigen Alternativen ausgebucht. Deshalb mache ich auch Stop vor Meran, in Saltaus. Saltaus hat auch einen Campingplatz (Camping Passeier-Meran), direkt an der Strecke. Das könnte auch eine gute und günstige Alternative für Euch sein.

Von Saltaus nach Tuenno

Am nächsten Tag steht der Gampenpass bevor, der die ersten Kilometer bis nach Longnui auf Schotter-Stein-Wegen fahrbar ist. Hier sind sehr steile Abschnitte dabei. Mit Gepäck am Rad auch richtig anstrengend, so dass Ihr evtl. schieben müsst. Falls Ihr den Anstieg auf Schotter umgehen wollt, könnt Ihr natürlich auch von Anfang an auf der normalen Straße fahren. Die Anstiege sind hier wie bei fast allen Pässen in Südtirol geschmeidig. Oben angekommen mache ich eine Pause im Restaurant am Pass und lasse mir die erste richtige Pasta schmecken.

Anstatt die klassische Abfahrtsroute über die Teerstrasse zu wählen, geht mein Track durch das kleine Dörfchen “Unsere liebe Frau im Walde” (was für ein genialer Name!).

Im Flow auf der Rankipino

Ich komme anschließend auf die sogenannte Rankipino, eine Mountainbike- und Wanderroute, die durch das Gebiet der Magdalener Berge vom Gampenpass bis nach Località Mostizzolo im Süden führt. Was für ein Spass! Die Route ist im besten Zustand, führt über Schotterstrassen und weist keine technischen Schwierigkeiten auf. Einmal muss ich schieben, weil mir die Abfahrt über Stufen zu heikel ist. Aber ansonsten gilt: Volle Abfahrt voraus!

Ich biege von der Rankipinio nach Revo ab (Achtung, Abzweigung nicht verpassen!) und kommen über einen kurzen Kaffeestopp mit herrlichem Blick über den Santa Giustina-See in Tuenno an.

Von Tuenno zum Gardasee

Von Tuenno führt unser Track über Apfelplantagen mit tollen Ausblicken in das Nonstal nach Spormaggiore. Spormaggiore ist der Ausgangspunkt für meinen Anstieg in die Bergwelt der Brenta-Dolomiten. Auf dem Selva Piana Weg geht es nach oben. Die Anstiege sind hier zum Teil so steil, dass sie betoniert sind und es keine Schande ist abzusteigen und ein Stück zu schieben. Die Mühe lohnt sich aber, denn einmal auf dem Hochplateau angekommen geht es auf schönen Waldwegen entspannt weiter, bis schließlich die Abfahrt nach Molveno wartet.

Die Enduro-Fahrer dieser Welt wundern sich sicherlich, dass die Gravel-Bikepacker jetzt auch mit dünneren Reifen auf ihren Trails entlang düsen. Der Weg hier ist steil aber sehr einfach, ohne technische Schwierigkeiten und deshalb sehr gut mit dem Gravelbike fahrbar. Vor allem der Blick auf den Molveno See ist großartig. In Molveno angekommen, mache ich die erste Pause des Tages und stärke mich für die letzten verbleibenden Kilometer.

Auf dem Schotterweg am Molvenosee entlang geht es weiter. Achtung - hier ist vor allem am Wochenende sehr viel los und Fußgänger teilen sich mit den Radlern die Wege. Schliesslich komme ich ab dem Fiume Sarche Fluss auf einen bestens ausgebauten Radweg.

Weitere wichtige Informationen

Packliste für den Alpencross

ich werde so oft gefragt, was ich alles auf meinen Alpencross mit dem Gravelbike mitgenommen habe. Die Anstiege sind zum Teil ganz schön zapfig. Das sollte sicherlich nicht unterschätzt werden. Vor allem mit dem Gepäck am Rad wird das schnell sehr anstrengend.

Die beste Jahreszeit

Die Jahreszeit, für die Deine Transalp mit dem Gravelbike am besten geeignet ist, richtet sich immer nach den Öffnungszeiten des jeweiligen Passes, über den Du fahren möchtest. Während der Brenner immer geöffnet hat, führt diese Route über das Timmelsjoch, das meistens Mitte Juni öffnet.

Unterkünfte

Bei einer Transalp mit dem Gravelbike bietet es sich an, in kleinen Hotels und Pensionen auf dem Weg zu übernachen - weshalb Du bei einer Transalp mit dem Gravelbike auf Zelt, Schlafsack und Isomatte verzichten kannst.

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