Gravel Bike Carbon Elektronische Schaltung Test: Ein umfassender Überblick

Vor nicht allzu langer Zeit hätte bei einem Gravelbike-Test die gesamte Auswahl problemlos in unser Redaktionsbüro gepasst. In den letzten Jahren hat sich der Gravelbike-Markt jedoch stark weiterentwickelt und ist nun vielfältiger denn je. Die Preisspannen reichen von 10.000 Euro bis hinunter zu erschwinglichen Optionen, die Ausstattungsvarianten sind nahezu unendlich, es gibt Spezialisierungen für jeden erdenklichen Einsatzzweck und Markennamen, von denen man zuvor noch nie gehört hat.

Um einen fairen und kundenfreundlichen Test durchzuführen, mussten wir das Feld eingrenzen. Wir haben uns auf Allrounder bis 3000 Euro konzentriert - dies scheint die finanzielle Grenze für den Durchschnittskunden darzustellen. Ohne Federungen, ohne Motoren, ohne mechanischen Bremsen.

Mittelklassig: Gravelbikes unter 3000 Euro

Die fünfzehn Kandidaten, die am professionellen Vergleich im Labor und auf der Testrunde teilgenommen haben, repräsentieren die gesamte Bandbreite an Gravelbikes im Mittelklassesegment, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind. Es gibt Rahmen aus verschiedenen Materialien, bis auf teures Titan und exotisches Holz ist alles dabei.

Die Schaltungsmonopolisten Shimano und SRAM bieten neun verschiedene Gruppen an, und auch bei den Rahmengeometrien gibt es Unterschiede. Anfangs gab es Bedenken bezüglich der Bewertung von fast identischen Rädern, aber diese wurden zerstreut.

In den Mechaniklaboren gibt es jedoch keine großen Unterschiede bei den Noten, weshalb keine Modelle übermäßig gelobt oder als unfahrbar abgestraft wurden. Alle Gesamtnoten liegen im Bereich von 2,x. Kein Kandidat hat absolute Spitzenwerte erreicht, da dies bei der Existenz von Modellen mit einem Preis von 8000 bis 10.000 Euro sinnlos wäre.

Es ist erfreulich, dass es keine wirklich schlechte Bewertung gibt. Gerade in einem experimentellen Stadium wie dem “Gravel” hätte dies durchaus der Fall sein können. In Bezug auf sicherheitsrelevante Parameter wie Steifigkeit und Bremsen ist die niedrigste Note eine Zwei, und alle Teilbewertungen unterhalb von “ausreichend” beziehen sich auf das Gewicht des jeweiligen Modells.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Bewertungsskala auch Platz für professionelle Qualität lässt. Es lohnt sich daher immer, sowohl das Zeugnis als auch die tatsächlichen Werte und den Vergleich untereinander zu betrachten. Siehe auch die Einzelnoten in der Tabelle unten.

Es gibt einen guten Grund, warum wir alle Modelle nach einer intensiven Labortortur über eine repräsentative Teststrecke gejagt haben. Auf diese Weise konnten wir die gemessenen Werte bestätigen oder mögliche Widersprüche aufdecken.

Selbst wenn die technischen Daten sehr ähnlich waren, konnten wir als erfahrene Tester mit unseren sensiblen Händen und Popometer dennoch Unterschiede feststellen. Insbesondere in Bezug auf den optimalen Einsatzbereich konnten so die harten Zahlen etwas entkräftet werden, um Ihnen die Kaufentscheidung zu erleichtern.

Denn obwohl Gravelbikes im Allgemeinen vielseitige Fahrräder sind, gibt es innerhalb dieser Kategorie spezialisierte Varianten. Insgesamt lassen sich vier grundlegende Typen mit verschiedenen Mischformen identifizieren:

4 Gravel-Typen

  • Das Reisetaugliche: Ein erhöhter Sitzkomfort, ein stabiler Geradeauslauf, gute Dämpfung und ausreichend Befestigungsmöglichkeiten für Gepäck und Flaschen sind hier wichtig. Das Gewicht, die Geschwindigkeit und die Bandbreite der Übersetzung sind von geringerer Bedeutung.
  • Das Geländetaugliche: Hier stehen eher kleinere Gänge, voluminöse und stark profilierte Reifen, ausreichend Gewicht auf dem Vorderrad, eine starke Bremse und eine nicht zu gestreckte Haltung im Fokus. Komfort beim Sitzen, Höchstgeschwindigkeit und ein ruhiges Lenkverhalten werden hier eher vernachlässigt.
  • Das Sportgerät: Eine Rahmengeometrie mit einem Lenker für eine aggressive Oberkörperhaltung, eine ausgewogene Balance zwischen Vorder- und Hinterrad, eine fein abgestufte Schaltung sowie ein geringes Gewicht des Fahrrads und der Räder machen dieses Modell schnell. Langstreckentauglichkeit und praktischer Nutzen stehen hier weniger im Fokus.
  • Der Commuter: Für Pendler ist eine aufrechte Haltung in Alltagskleidung wichtig. Einfache Handhabung, Befestigungsmöglichkeiten für Alltagsgegenstände sowie Robustheit des Rahmensets, des Lacks und der Komponenten sind von größerer Bedeutung als das Gesamtgewicht, die Aerodynamik oder extragroße Gänge.

Es ist nahezu unmöglich, all diese Qualitäten zu vereinen, da sie sich teilweise technisch widersprechen. Die Testmodelle zeigen eine bunte Mischung der Eigenschaften, um den unterschiedlichen Anforderungen potenzieller Käufer gerecht zu werden.

Alle Räder können problemlos auf Schotter fahren, ohne dass die Lenkung schwammig wirkt oder es zu einem Kraftverlust durch Verwindungen am Tretlager kommt. Auch das Bremsverhalten bei trockenen Bedingungen war durchweg ausgezeichnet. Es gab einige Unterschiede in Bezug auf die Schaltungen, hauptsächlich in Bezug auf Modellgeneration, Ganganzahl und Abstufung, jedoch weniger in Bezug auf die Qualität.

Darüber hinaus waren alle Laufräder mit modernen und robusten Steckachsen ausgestattet, die den hohen Kräften der hydraulischen Scheibenbremsen standhalten können und fest mit dem Rahmen verschraubt sind.

Minimale Differenzen

Neun der fünfzehn Hersteller setzen auf eigene Laufräder, um Kosten zu sparen. Allerdings geht dies oft zulasten der Qualität, mit einigen Ausnahmen. Wenn die offensichtlichen Unterschiede also nicht ausschlaggebend sind, müssen es die Details sein. Selbst kleine Nuancen machen sich im direkten Vergleich deutlich bemerkbar.

Besonders wichtig ist das Rahmenset, welches die Basis eines jeden Fahrrads bildet. Nicht nur das Material und die Form der Rohre beeinflussen das Fahrverhalten maßgeblich, sondern auch geringfügige Unterschiede in Millimetern und Grad bei der Geometrie können den Charakter des Fahrrads komplett verändern.

Ein kurzer Abriss ermöglicht eine bessere Einordnung unserer Testfazits. Die umfangreiche Logik dahinter könnte ein ganzes Buch füllen: Der Werkstoff und die Form der Rahmen- und Gabelelemente sind hauptsächlich für die Steifigkeit (ideal zum Treten ohne Kraftverlust und für sicheres, dynamisches Steuern) sowie die Flexibilität (steigert den Komfort durch Dämpfung von Vibrationen und kleinen Stößen) verantwortlich.

Hier wird deutlich, dass es einen Zielkonflikt gibt, wenn es darum geht, Räder gleichzeitig steif und flexibel zu machen. Es ist jedoch ein Mythos zu glauben, dass Carbon automatisch extrem steif ist, während Stahl sehr flexibel ist und Aluminium irgendwo dazwischen liegt. Tatsächlich kann man mit Carbon derzeit die höchste Steifigkeit bei gleichem Gewicht erreichen, aber auch die Verarbeitung, Dicke und Form des Rohres spielen eine ebenso wichtige Rolle.

Viele Ergebnisse in den Testberichten lassen sich besser verstehen, wenn man die Grundregel beachtet: “Je dünner ein Bauteil ist und je länger es ohne Abstützung verläuft, desto flexibler wird es”.

Geometrie der Test-Gravelbikes

Im Shop wird oft nur über die Rahmenhöhe gesprochen, was das ungenaueste Maß eines Fahrrads ist. Schließlich kann man die Höhe des Sattels weit verstellen. Andere wichtige Daten wie der Winkel vom Tretlager zum Sattel oder der Winkel von der Gabelachse zum Boden sowie die Länge des Oberrohrs werden vom Konstrukteur festgelegt und sind festgelegt.

Diese Parameter bestimmen, ob man eher mit dem Gewicht weiter hinten auf dem Sattel sitzt und den Druck auf den Gesäßmuskeln hat oder weiter vorne mit mehr Last auf dem Becken sitzt und dadurch biomechanisch effizienter treten kann. Ein Unterschied von drei Grad Neigung am Sattelrohr kann hier den Unterschied zwischen einem Langstreckenfahrrad und einem Rennmodell ausmachen.

Ähnlich beim Neigen des Oberkörpers nach vorne: eine leicht verlängerte Rahmenlänge und/oder ein kurzes Steuerrohr kann eine entspannte, halb aufrechte Sitzposition in eine hochsportliche Position mit besserer Schwerpunktlage und Aerodynamik verwandeln.

Eine gute Möglichkeit, Fahrräder zu vergleichen, ist der etablierte STR-Wert, der das Verhältnis von Rahmengröße zur Höhe darstellt (siehe Einzelbewertungen unten). Noch praxisnäher ist unsere STR+-Messung in den Testberichten: Hier werden auch Lenker und Vorbau berücksichtigt. Höhere Werte um 1,25 stehen für eine aufrechtere Haltung, während der niedrigste Wert von 1,111 für eine rennmäßige Sitzposition steht.

Die Position und Lage des Fahrers beeinflussen die Gewichtsverteilung auf Vorder- und Hinterrad. Dies hat einen spürbaren Einfluss auf die Fahreigenschaften, insbesondere im Gelände, und ist daher bei Gravelbikes von Interesse.

Der Radstand, also der Abstand zwischen den Achsen, beeinflusst hauptsächlich die Wendigkeit des Fahrrads. Ein Hinterrad, das nahe am Tretlager liegt, und eine steil stehende Gabel machen das Rad agiler, während lange Radstände und Nachläufe für eine stabile Geradeausfahrt sorgen.

Bei Gravelbikes mit breiten Reifen und sehr kurzen Radständen sollte man beim Einlenken darauf achten, dass man nicht mit dem Schuh am Vorderrad hängenbleibt.

Bremsen und Schaltungen

Wie bereits erwähnt, erfüllen alle getesteten Schaltungen und Bremsen ihre Funktion. Die Unterschiede liegen hauptsächlich im Bedienkonzept sowie in der Anzahl, Abstufung und Spreizung der Gänge - insbesondere in Bezug auf den kleinsten und größten Gang. Moderne, elektronische Schaltungen sind in dieser Preisklasse eine Ausnahme - einzig Canyon schafft es, für das Budget eine Funkschaltung von SRAM zu verbauen. In der Regel wird noch klassisch mit Hebel und Bowdenzug geschaltet.

Darüber hinaus ist die Präferenz für Shimano oder SRAM eine persönliche Glaubensfrage. Anfänger kommen mit zwei Schalthebeln pro Hand, besonders in stressigen Situationen, besser zurecht. Im Gravelsektor gewinnt die Singlespeed-Kurbel mit nur einem Kettenblatt zunehmend an Beliebtheit - ein Trend, den wir nicht vollständig nachvollziehen können, da er die Einsatzmöglichkeiten einschränkt, jedoch nur wenige Gegenindikationen aufweist.

Unterschiedliche Schaltkonzepte

Wenn man ganz neu auf einem Fahrrad ist, kann es hilfreich sein, die Schaltlogik dahinter schnell zu verstehen. Vier Marken - Bergamont, Koga, Giant und Corratec - setzen auf 2-fach-Kurbeln von Shimano und wurden dafür durchweg gelobt. Es scheint keine Platzprobleme zwischen dem kleinen Kettenblatt und breiten Reifen bis zu einer Breite von 48 mm zu geben, wie bei Koga zu sehen ist. SRAM bietet keine spezielle Gravelkurbel mit zwei Blättern an, aber theoretisch könnte man sich aus dem Straßensortiment bedienen, wenn genügend Platz am Rahmen vorhanden ist.

Das Diagramm mit den Übersetzungen zeigt die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten der Produktmanager im Bereich Gravel. Bei den Singlespeed-Modellen gab es häufig das Problem, dass entweder bei Rückenwind auf der Ebene oder an steilen Rampen die Gänge ausgingen. Bei Modellen mit einer größeren Spreizung vermisste man oft genau die passende Übersetzung auf der Ebene, da die Sprünge zwischen den Gängen zu groß waren. Mit zwölf statt elf Ritzeln kann dieses Problem deutlich reduziert werden.

Die SRAM-Antriebe waren bis auf das Rondo und Canyon alle mit der neuen 12-fach-Apex ausgestattet. Bei Shimano-Bikes mit nur einem Kettenblatt sind lediglich das Merida und das Rose mit dem Extraritzel ausgerüstet. Giant hingegen glänzt sogar mit zwei mal zwölf wunderbar fein abgestuften Gängen. Die Zehnfach-Schaltung am Bergamont schneidet aufgrund der Zweifachkurbel nicht so schlecht ab.

Wenn man eine Kassette am Singlespeed-Rad einordnen möchte, kann man folgenden Tipp befolgen: Ziehe die Zähnezahl des kleinsten Ritzels von der des größten Ritzels ab und teile das Ergebnis durch die Anzahl der Zahnräder der Kassette. Der Wert sollte etwa zwischen 3,5 und 2,5 liegen.

Shimano vs. Sram

Bei Sram ist der Bremshebel starr, während man durch Druck nach innen am Schalthebel sowohl hoch- als auch herunterschalten kann. Bei Shimano hingegen wird mit dem Bremshebel das größere Ritzel ausgewählt, während das kleinere Ritzel mit dem separaten kleinen Schalthebel bedient wird. Das japanische Konzept von Shimano ist intuitiver und weniger fehleranfällig, besonders in hektischen Momenten.

Laufräder und Reifen

Laufräder und Reifen verleihen dem Gravelbike seinen individuellen Charakter.

Shimano GRX Di2 vs. Sram Red XPLR AXS

Die zwei aktuell teuersten Komponentengruppen für den Gravel-Einsatz haben einige Gemeinsamkeiten: Sie schalten elektronisch auf Knopfdruck, Schaltbefehle werden per Funk übertragen. Die Disc-Stopper bremsen hydraulisch und brauchen nur wenig Handkraft. Und beide Gruppen glänzen mit hervorragender Ergonomie und Funktion.

Doch die Liste der Unterschiede ist länger: Die Hydraulik arbeitet bei Shimano mit wartungsarmem Mineralöl, bei Sram mit DOT-Bremsflüssigkeit. Die ist temperaturstabiler, muss aber regelmäßig getauscht werden. Shimano setzt auf einen zentralen, fest verbauten Akku für Schaltwerk und Umwerfer, beide sind per Kabel angebunden. Sram verbaut einen abnehmbaren Akku, der dafür nicht ganz so lange hält: nach unserer Erfahrung rund 500 km im Vergleich zu ca. 1000 km bei Shimano. Das GRX-Schaltwerk kommt zierlicher und lässt sich an klassischen Schaltaugen befestigen. Es erfordert beim Set-up aber mehr Aufmerksamkeit als das mächtige Sram-Pendant. Das wird im Idealfall ohne Einstellarbeiten montiert, verlangt dafür einen Rahmen mit UDH-Ausfallende.

Der wichtigste Unterschied - und für viele wirklich eine Glaubensfrage: Die Red XPLR gibt’s nur als 1x-Gruppe, die GRX Di2 nur 2-fach. Die GRX im typischen 48/31 x 11-36-Set-up bietet einen etwas leichteren Berggang und eine dickere Übersetzung bei Top-Speed als die Red mit gängigen 40T x 10-46.

Test Shimano GRX Di2

Die GRX Di2 empfiehlt sich als ausgereifte, ergonomisch und funktional überzeugende Komponentengruppe mit großer Übersetzungsbandbreite. Für alle, die mit 2 x nicht hadern und am Gravelbike auf schicke Carbon-Teile verzichten können. Nicht günstig, aber noch fair bepreist.

Test Sram Red XPLR AXS

Mit Powermeter und vielen Kettenblattoptionen ist die Red XPLR AXS nach Bedarf konfigurierbar, aber etwas weniger breitbandig. Funktional top, hochwertige Materialien, allerdings nur mit UDH-Rahmen kompatibel.

Mechanische vs. Elektronische Schaltung am Gravelbike

An Fahrrädern gibt es seit 1907 Schaltungen und wenn man bedenkt, dass, das Fahrradgrundkonzept mit Tretkurbel seit 1853 existiert, dann wird einem schnell klar, dass das Fahrrad und die Gangschaltung eine untrennbare Symbiose eingegangen ist. Und nun möchtest du dir ein Gravelbike zulegen und bist dir noch unschlüssig auf welches Konzept du setzen willst/kannst bzw. welches am besten zu dir passt?

Wir betrachten hier ausschließlich Kettenschaltung und keine Getriebeschaltungen oder besser bekannt als Nabenschaltungen. Wenn du dir hier die Frage stellst, welches Kettenschaltkonzept besser zu dir passt, bist du aber genau richtig. Grob gilt: Wer in eine hochwertigere Schaltgruppe investiert, bekommt eine bessere Qualität geliefert. So profitiert man bei hochwertigeren Komponenten meist von der größeren Effizienz, höherer Langlebigkeit und von geringerem Gewicht. Der Preis dafür ist natürlich auch, dass man neben den genannten Vorteilen etwas mehr Geld investieren muss.

Mechanische Schaltung

Nach wie vor ist die mechanische Schaltung die vorwiegend verbaute am Gravelbike. Hier wird über einen sogenannten Bowdenzug bzw. Schaltzug durch Betätigen eines Schalthebels der Gangwechsel eingeleitet. Technisch ist das nichts anderes als ein dünnes flexibles Stahlseil, das durch Verkürzen oder Verlängern des Bowdenzugs das Schaltwerk betätigt und dadurch die Kette auf der Kassette hoch & runterbewegt. Dadurch wird der Gangwechsel durchgeführt. Das Prinzip wird auch beim Umwerfer und den Kettenblättern angewendet.

Vorteile einer mechanischen Schaltung

In erster Linie sind sie simpel, leicht, robust und im Vergleich zur elektrischen Schaltung größtenteils auch kostengünstiger. Das Einstellen einer mechanischen Schaltung gehört zum Standardrepertoire eines jeden Fahrradmechanikers und kann von daher von jedem Mechaniker weltweit problemlos instand gesetzt werden. Und auch wer lieber selber schraubt, merkt, dass die Installation und Justierung einer mechanischen Schaltung schnell erlernt ist. Das macht die mechanische Schaltung auch zur ersten Wahl, wenn man tendenziell das Rad für lange Touren oder gar als Reiserad nutzt.

Grenzen und Nachteile einer mechanischen Schaltung

Aber mechanische Schaltungen haben auch ihre Wermutstropfen. So ist das Betätigen eines Schalthebels im Vergleich zu einer elektronischen schon kraftaufwendiger und verschlechtert sich bei mangelhafter Wartung. Aber auch bei bester Wartung muss irgendwann der Bowdenzug gewechselt werden. Der Bowdenzug dehnt sich mit der Zeit und wird dann auch zunehmend unpräziser beim Schalten. Das merkt man spätestens dann, wenn sich die Kette an der Kassette durch ein Rattern bemerkbar macht, da sie nicht präzise geführt wird oder sogar zwischen zwei Gängen sitzt. Aber all das lässt sich wie beschrieben durch Pflege und frühzeitige Wartungsintervalle gut managen. Was man nicht managen kann, ist die limitierte Schaltbandbreite.

Die Schaltbandbreite definiert die mögliche Auswahl zwischen dem größten (leichtesten Gang) und dem kleinsten (schwersten Gang) Kettenritzel. Diese Bandbreite ist gerade beim Gravelbike wichtig, da verschiedene Anforderungen an Gelände und Untergründe bestehen. Dadurch wird eine deutlich größere Auswahl zwischen großen und kleinen Gängen benötigt. Erst recht, wenn die Landschaft obendrein auch noch bergig ist. Und genau diese Schaltbandbreite ist bei mechanischen Schaltungen begrenzter als bei elektronischen.

Elektronische Schaltung

Die elektrische Schaltung ist nach wie vor weit davon entfernt, in gleichen Anteilen wie die mechanische verbaut zu werden. Das liegt vor allem daran, dass die meisten elektrischen Schaltungen vor allem bei den Top-Ausstattungen vorzufinden sind und sich somit dem kostenorientierten Käufer dadurch erst gar nicht erschließen. Aber so langsam wandern die Schaltgruppen auch immer weiter in die mittlere Preiskategorie und dürften sich dadurch wachsender Beliebtheit erfreuen, wie beispielsweise die SRAM Rival AXS.

Wie funktioniert eine elektronische Schaltung am Fahrrad?

Bei den elektronischen Schaltungen wird ein elektrisches Signal zum Schaltwerk geschickt, welches dann einen Stellmotor startet und dadurch einen Schaltwechsel auslöst. Dieser Stellmotor, der sich im Schaltwerk befindet, stößt den Gangwechsel dadurch an, indem er sich bewegt und die Kette über die Ritzel führt. Im Prinzip der gleiche Vorgang wie bei den mechanischen Schaltungen, nur eben nicht hervorgerufen durch einen Bowdenzug.

Beim Hersteller Shimano ist eine Stromleitung vom Schalthebel bis zum Schaltwerk verlegt. Beim Hersteller Sram wird dieses Signal über Funk übertragen. In beiden Varianten befindet sich ein kleiner, wiederaufladbarer Akku am Schaltwerk.

Vorteile der elektrischen Schaltung

Das Besondere an der elektronischen Schaltung ist, dass der Schalthebel sich extrem leicht betätigen lässt und dadurch so gut wie keinen Kraftaufwand benötigt. Außerdem ist der Schaltvorgang um einiges präziser als bei der mechanischen Schaltung und muss auch nicht nachjustiert werden. Diese Aufgabe übernimmt der Stellmotor im Schaltwerk. Er ist bereits auf die freigegebenen Kassetten justiert und kann sehr einfach und genau eingestellt werden.

Dies hat den erheblichen Vorteil, dass auch unter Last (bergauf oder im Sprint) immer perfekt und präzise der Gangwechsel eingeleitet werden kann. Hervorzuheben ist auch die schöne Optik bei Funkschaltungen, da nirgendwo Leitungen verlegt werden müssen.

Wer sich für eine elektrische Sram Schaltung entscheiden möchte, hat sogar die Wahl, wie die Schalthebel angesteuert werden sollen. Wahlweise für das hoch- und runterschalten, wie üblich links hoch und rechts runter oder nur einen dafür nutzen. Dann wäre z. B. der zweite Schalthebel für eine elektrisch versenkbare Sattelstütze nutzbar, ohne einen extra Knopf mit Zusatzleitung installieren zu müssen.

Nachteile einer elektrischen Schaltung

Natürlich bringt aber auch eine elektronische Schaltung so seine Nachteile mit sich. Aber so viel kann vorweggesagt werden. Die Vorteile überwiegen. Klar ist, dass der Akku regelmäßig geladen werden muss. Daher eignet er sich für Reiseräder, die nur eine sporadisch an Strom kommen, nicht unbedingt. Wen gleich man erwähnen muss, dass die Schaltung so sparsam ist, dass man mit einer Akkuladung mehrere tausend Schaltvorgänge durchführen kann.

Leider sieht man bei den überwiegenden e-Schaltsystemen nicht direkt den Ladezustand des Akkus. Bei einigen muss man eine APP nutzen (die mit Bluetooth gekoppelt ist), bei anderen sieht man eine LED blinken etc. Meistens lädt man die Akkus nach Gefühl. Im schlimmsten Fall muss man während der Tour mit dem letzten Gang vorliebnehmen, in dem zuletzt geschaltet wurde, ehe der Akku leer wurde. Daher empfiehlt sich für diejenigen, die den Akku leer fahren wollen, einen Ersatz-Akku dabei zu haben.

Auch ein Defekt des Schaltmotors wäre ein Showstopper und könnte die Tour an Ort und Stelle beenden, wenngleich das wohl eher ein theoretisches Szenario ist. Was man bei elektrischen Geräten auch generell beachten sollte, dass sie Wasser nur im gewissen Maße vertragen.

Hydraulische Schaltung

Es gibt noch ein drittes Kettenschaltsystem. Das hydraulische. Wir alle kennen hydraulischen Scheibenbremsen, die Firma Rotor hat sich in Zusammenarbeit mit Magura als einziger Hersteller zur Aufgabe gemacht, die Hydraulik für den Gangwechsel am Rad zu nutzen.

Vorteile der hydraulischen Schaltung

Das Gute an der hydraulischen Schaltung ist, wenn sie erst einmal fachmännisch eingestellt ist, funktioniert sie über Jahre absolut wartungsfrei. Ganz genau. Kein Nachjustieren, keinen Akku laden, einfach nur fahren. Man sollte aber in regelmäßigen Abständen von 1 bis 2 Jahren (je nach Intensität der Nutzung) die Hydraulikflüssigkeit (wie bei einer Scheibenbremse) wechseln. Davon aber abgesehen, kann das System wartungsfrei genutzt werden. Und der Clou: Sollte mal der Schalthebel in einem ungünstigen Gang ausfallen, kannst du auch direkt am Schaltwerk in einen anderen, passenden Gang schalten. Sicher umständlich, aber bei einer Panne immer noch besser als zu schieben oder in einem ungünstigen Gang zu verweilen.

Nachteile der hydraulischen Schaltung

Aber wie alle Systeme hat auch die hydraulische Schaltung so ihre Nachteile und Tücken. Man muss sich mit diesem Schaltsystem intensiv auseinandersetzen, ehe man es flüssig und genau zum Schalten bekommt. Dies ist kein Schaltsystem, welches mal eben selbst gewartet oder nachjustiert werden kann. Hierfür wird ein Fachexperte gebraucht, der sich mit dem System auskennt. Unbedarfte dürften einige Schwierigkeiten haben, diese Art Schaltung in Betrieb zu nehmen …

Gewichtsverteilung der Gravelbikes

Räder, bei denen das Vorderrad (rechts) im Vergleich zum Hinterrad mehr Gewicht trägt, reagieren schneller auf Lenkbefehle und bieten eine bessere Traktion im vorderen Grenzbereich. Allerdings ist der Grenzbereich kleiner und die Lenkung empfindlicher gegenüber Spurrillen. Die Gewichtsmessung wurde im sitzenden Zustand am Unterlenker und den Bremsgriffen durchgeführt.

Eigenschaft Shimano GRX Di2 SRAM Red XPLR AXS
Schaltart Elektronisch, 2-fach Elektronisch, 1-fach
Hydraulikflüssigkeit Mineralöl DOT-Bremsflüssigkeit
Akku Zentral, fest verbaut Abnehmbar
Kompatibilität Rahmen Klassische Schaltaugen UDH-Ausfallende
Gewicht 3012 g 2488 g
Preis 2250 Euro 4528 Euro

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