Gravelbikes erfreuen sich wachsender Beliebtheit, und das aus gutem Grund. Sie vereinen die Geschwindigkeit eines Rennrads mit der Robustheit eines Mountainbikes und ermöglichen es, fast jeden Weg zu befahren. Aber wie sieht es mit der Eignung für Bergfahrten aus? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte, die bei der Nutzung eines Gravelbikes in den Bergen zu beachten sind.
Die Herausforderungen alpiner Anstiege
Alpine Anstiege stellen besondere Anforderungen an Fahrer und Material. Lange, steile und oft technisch anspruchsvolle Strecken erfordern eine sorgfältige Vorbereitung und das richtige Equipment. In den Dolomiten, wie etwa rund um Alta Badia, erwarten dich Touren mit mehreren hundert Höhenmetern - auf kurzen Abschnitten. Klaus Irsara vom Hotel Melodia del Bosco weiß, wovon er spricht: „Unsere Region liegt hoch und ist sehr steil. Viele Gäste unterschätzen das - gerade beim ersten Besuch. Wer zuhause locker 100 Kilometer fährt, schafft das nicht automatisch auch bei uns in den Dolomiten.“
Die richtige Übersetzung für Bergfahrten
Einer der wichtigsten Faktoren für erfolgreiche Bergfahrten mit dem Gravelbike ist die Wahl der richtigen Übersetzung. Viele Gravelbikes sind mit einer GRX-Schaltung von Shimano ausgestattet, die oft ein 32/48 Kettenblatt vorne und eine 11-34 Kassette hinten hat. Für steile Anstiege kann diese Übersetzung jedoch problematisch sein, da der kleinste Gang nur eine minimale "Untersetzung" bietet. Viele werden sich aber mit teils sehr niedrigen Trittfrequenzen an Anstiegen herumquälen. Das belastet unnötig den Körper und führt zu früherer Erschöpfung, manchmal auch zu Problemen mit den Gelenken.
Empfehlungen für die Übersetzung:
- Standard-Set-Up: mindestens 50/34 - 11/30, besser noch 11/32.
- Shimano 2×12 GRX Rad: mit 46/30 Kurbel und 11-36 Kassette wählen. Eine 11-40 Kassette sollte dieses Schaltwerk auch mit hoher Wahrscheinlichkeit schaffen.
- Anpassungen: Kleinere Kettenblätter vorne (z.B. 36er oder 34er) können helfen, die Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren, aber die Bergtauglichkeit zu erhöhen.
Es macht auf jeden Fall Sinn, statt dem Rumgerödel mit den "Zähnezahlen" sich mit dem Begriff "Entfaltung" (= Ablauflänge des Radumfangs bei einer Kurbel-Umdrehung) vertraut zu machen. Nur dieser Wert stellt einen Maßstab her mit dem man verschiendenste Räder (Übersetzungen, Schaltungs-Typen, Bereifungen u.a.) vergleichen kann. Einen Radhändler zu finden, der da die richtigen Einsichten hat, ist schwieriger als eine "Heunadel" im "Steckhaufen" zu finden (Obwohl es nur einfache Rechnungen sind, die durchgeführt werden müssen ! Deutschland rechnet eben nicht gern !). Stelle bitte mal Deine (niedrige) Entfaltung fest, wo es noch weniger (in Metern) sein sollte und auch welche Geschwindigkeit Du bergab fahren möchtest, ohne in den Hamster-Tritt verfallen zu müssen.
Auf Reise mit 30 bis 40 kg Gepäck (Körpergewicht 84 bis 75 kg) war 24 - 34 auch ziemlich grenzwertig, gerade mit den hohen maximalen Steigungsprozenten, wie ich sie in Schottland hatte. Standardübersetzungen am Gravelrad können viele Fahrer überfordern. An den Anstiegen kommt man damit schnell in den roten Bereich. Fährt man in dem Bereich etwas länger, sinkt die verbleibende Ausdauer rasant. Im grünen Bereich hingegen kann man quasi ewig unterwegs sein.
1-fach oder 2-fach Schaltung?
Die Frage nach der idealen Schaltung ist oft eine Glaubensfrage. 1-fach-Antriebe werden immer beliebter, da sie das Schalten im Gelände vereinfachen, Gewicht sparen und weniger Fehlerquellen bieten. Auf der Straße ist es nicht so wild, da ist der Fahrstil eher so, dass man in der Regel auf dem großen Blatt fährt und nur bei langen Steigungen auf das Kleine schaltet.
Wer jedoch Wert auf feine Gangsprünge und gleichbleibende Trittfrequenzen legt, sollte 2-fach-Antriebe in Betracht ziehen. Die modernen elektronischen Systeme funktionieren zwar nur mit vollem Akku. Dafür fallen die Schaltzüge weg und das Schalten läuft schneller, leiser, müheloser und zuverlässiger. Einmal gefahren, steigen nur wenige wieder um.
Reifenwahl und Reifendruck
Ebenso wichtig wie die Übersetzung ist die Wahl der richtigen Reifen. Breitere Modelle mit grobem Profil sorgen auf Schotter und Waldwegen für deutlich mehr Grip - vor allem bergauf und auf rutschigen Untergründen. Beim Luftdruck gilt: Weniger ist mehr. Unabhängig von der Breite des Reifens ist der richtige Reifendruck entscheidend für den Spaß auf unebenem Gelände. Generell ist es beim Graveln am besten, den Reifendruck zu verringern. Versuche den Druck schrittweise zu reduzieren und so herauszufinden, was gut für dich passt.
Weitere wichtige Ausrüstung
Neben Bike und Übersetzung gibt es weitere Ausrüstungsgegenstände, die für Bergfahrten unerlässlich sind:
- Werkzeug und Reparaturset: Gerade auf Schotterwegen sind Reifenpannen und andere mechanische Probleme keine Seltenheit. Am besten verstaust du dein Erste-Hilfe Werkzeug in einer Sattel-, Lenker- oder Rahmentasche.
- Bekleidung: In den Bergen kann sich das Klima schnell ändern. Warme Kleidung, eine Regenjacke und eine zusätzliche Schicht für lange Abfahrten sollten also immer mit im Gepäck sein.
- Gepäckträger und Schutzbleche: Wenn du bei jedem Wetter fährst oder regelmäßig Gepäck mitnimmst, können Schutzbleche und/oder Gepäckträger auch am Gravel Bike sinnvoll sein.
Gravelbike-Training im Naturpark Hohe Mark
Wer sein Gravelbike-Fahrtechnik verbessern möchte, kann an speziellen Trainings teilnehmen. Der Naturpark Hohe Mark im Westmünsterland bietet abwechslungsreiche Strecken, die ideal für das Techniktraining sind.
Kursablauf & Zeitplan: Gravelbike-Training
- 09:30 Uhr: Begrüßung & Technik-Check an der Bikestation am Stimberg.
- 10:30 Uhr: Start der Gravelbike-Tour (ca. 6 Stunden inklusive Pausen).
- 13:00 Uhr: Mittagspause am Wasserschloss Lembeck.
- 14:00 Uhr: Rückweg zur Bikestation.
- 17:0 Uhr: Tourende.
Empfehlenswerte Gravelbikes im Test
IMTEST hat im Jahre 2024 fünf aktuelle Gravelbikes bis 3.200 Euro getestet. Wie gut sich fünf aktuelle Gravelbikes auf unterschiedlichem Terrain behaupten, haben die E-Bike- und Fahrrad-Experten von IMTEST auf ausgedehnten Testfahrten in Stadt und Land überprüft und bewertet. Im Labor des akkreditieren Testunternehmen Qima mussten die Gravelbikes dann im wahrsten Sinne des Wortes an ihre Grenzen gehen. Denn dort standen normierte Bremsenprüfungen an. Hier sind die Favoriten:
| Platz | Modell | Beschreibung | Vorteile | Nachteile | IMTEST Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Liv Devote Advanced 1 M | Ideal für lange Touren mit maximalem Komfort. | Absenkbare Sattelstütze, sehr angenehme Sitzhaltung. | Teuerstes Gravelbike im Testfeld. | gut (2,09) |
| 3 | Stevens Prestige Generation 2 | Robustes und stabiles Gravelbike für lange Strecken. | Solides Langstreckenrad mit hoher Laufruhe. | Mit 11 kg verhältnismäßig etwas schwer. | gut (2,37) |
| 2 | Canyon Bicycles Grizl CF SL 6 AXS | Für sportlich ambitionierte Fahrer mit präziser Schaltung. | Sehr präzise schaltende elektronische 12-Gangschaltung. | Etwas zu harter Sattel im Lieferumfang. | gut (2,20) |
| 4 | Giant Revolt Advanced 3 | Bequeme Sitzposition und vielseitig für unterschiedliche Terrains. | Sehr angenehme sportliche-aufrechte Sitzposition. | Gangwahl teils etwas schwergängig. | gut (2,43) |
| 5 | Rose Bikes Backroad GRX RX 820 1×12 | Sportlich orientierte Fahrer für schnelle Fahrten. | Umfangreiche Bikepacking-Möglichkeiten. | Etwas zu rauhes und steifes Fahrgefühl, zu geringes zulässiges Gesamtgewicht. | befriedigend (2,60) |
Fazit
Mit der richtigen Vorbereitung, dem passenden Equipment und einer soliden Grundfitness steht dem Gravelbike-Abenteuer in den Bergen nichts im Wege.
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