Immer mehr Fahrräder werden ohne Gepäckträger ausgeliefert. Wer auf einem (E-)Mountainbike oder einem Rennrad aber Stauraum für mehrtägige Touren benötigt oder gelegentlich den Einkauf verstauen möchte, kann zumindest temporär einen Träger gebrauchen, etwa um Packtaschen anzubringen. Wir haben sechs Gepäckträger getestet, die sich an fast alle Fahrräder montieren lassen - auch ohne Gewindebohrung am Rahmen.
Ortlieb Quick Rack Light im Test
Ortlieb, der Spezialist für wasserdichte Fahrradtaschen, hat auch einen Gepäckträger im Programm. Mit dem Quick Rack geht Ortlieb einen neuen Weg und hat einen Gepäckträger geschaffen, der bis zu 20 Kilo Zuladung verträgt und sich nach erstmaliger Einstellung innerhalb von Sekunden ans Rad an- und wieder abbauen lässt. So wird zum Beispiel das Gravelbike schnell zum Pendelrad und umgekehrt. Vom Quick Rack gibt es zwei Varianten, mehr dazu weiter unten. Wir haben die Light-Variante ohne Plattform getestet.
Quick Rack Light im Überblick
Der Ortlieb Quick Rack Light wiegt 440 Gramm. An den Seitenstreben mit zehn Millimeter Durchmesser lassen sich Seitentaschen von Ortlieb und anderen Herstellern befestigen. Optisch ist der Quick Rack Light clean und dezent. Er passt für Bikes von 26 bis 28 Zoll; bei 29ern beträgt die maximale Reifenbreite 2,35 Zoll, also 59 Millimeter. Der Hersteller gibt an, dass der Gepäckträger auch an vollgefederten Fahrrädern verwendet werden kann. Hier steht der Praxistest noch aus.
So sieht der Ortlieb Quick Rack Light aus:
- Gewicht: 440 Gramm
- Maximale Zuladung: 20 Kilo
- Preis: 85 Euro
Montage des Gepäckträgers
Zum Lieferumfang gehört ein Montageset. Für 20 Euro extra lässt sich der Gepäckträger je nach Reifenbreite um eines von drei Schutzblechen erweitern - das haben wir direkt mitgetestet. Auch fest installierte Schutzbleche passen unter den Quick Rack.
Passendes Schutzblech: Quick Rack Mudguard
Das Quick Rack Mudguard wird mit Plastikstreben und Gummis am Quick Rack oder Quick Rack Light befestigt. Nicht nur in der Theorie schützt es Bike, Taschen und Fahrer vor Nässe und Schmutz, sondern auch in der Praxis.
Größen und Preis:
- 38 Millimeter: für Reifen bis maximal 32 Millimeter / 26 bis 28 Zoll geeignet
- 50 Millimeter: für Reifen bis maximal 45 Millimeter / 26 bis 28 Zoll geeignet
- 72 Millimeter: Für Reifen bis maximal 2,3” / 26 bis 28 Zoll geeignet
- Preis: 20 Euro
Quick Rack Light und Mudguard im Praxistest
Der Quick Rack Light hält den Rücken frei. Nach einem Jahr Langstrecken-Pendeln (26 Kilometer pro Strecke) mit Rucksack auf dem Rücken, bringt der Quick Rack eine echte Erleichterung. Mit dem schnell montierten Ortlieb-Gepäckträger bleibt das Bike flexibel und wird in wenigen Sekunden vom Pendelrad zum Gravel- und Bikepacking-Rad.
Ortlieb verspricht, dass der Gepäckträger innerhalb von 15 Sekunden ans Rad montiert werden kann. Im Video haben wir knapp 19 Sekunden gebraucht und uns bemüht, zügig aber nicht gehetzt zu arbeiten. Es war also noch Luft nach oben. In der Praxis sind sowohl Gepäckträger als auch Schutzblech stabil, auch wenn wir eine voll beladene Tasche, Ortlieb Vario PS, daran gehängt haben. Sogar extremen Belastungen über wurzelige Singletrails hielt das System problemlos stand.
Was die Belastungen erwartungsgemäß nicht so aushielt, war die Lackierung. An den Stellen, an denen die Tasche am Gepäckträger sitzt, sah man ihm schnell die Spuren an. Auch von Konkurrenz-Gepäckträgern zur Festmontage, wie dem Tubus Fly, kennen wir das Problem. Letztendlich schränkt es nur die Optik, nicht aber die Nutzbarkeit des Gepäckträgers ein.
Nach einigen Hundert Kilometern Nutzung hat die Seitentasche Spuren am Ortlieb Quick Rack hinterlassen.
Großer Bruder: Ortlieb Quick Rack - ohne light
Der Quick Rack Light hat ein Geschwisterlein. Der Ortlieb Quick Rack*. Dieser Gepäckträger hat gleich zwei Einhängeebenen und eine Plattform. So können Seitentaschen und gleichzeitig ein Korb oder Ähnliches genutzt und befestigt werden.
Alternativen im Test: Gepäckträger anderer Hersteller
Wer überlegt, einen Gepäckträger nachzurüsten, sollte nämlich zunächst auf den Rahmen seines Rads schauen: Viele Gravelbikes, aber auch manche Mountainbikes, haben bereits Gewindebohrungen, sodass Gepäckträger eingeschraubt werden können wie bei Touren- oder Citybikes. Das ist die beste Lösung, wenn der Träger länger am Rad bleibt und ein hohes Gewicht tragen soll, etwa bis zu 25 Kilogramm. Wir haben zwei Modelle getestet, die sowohl angeschraubt werden können, sich aber auch mit Adaptern befestigen lassen.
Die Bohrungen fehlen jedoch bei den meisten (E-)Mountainbikes, bei Rennrädern und auch bei einigen sportlichen E-Bikes. Deshalb setzen die vier weiteren Träger in unserem Test auf Riemen oder Klemmen: Sie werden entweder auf die Sitzstreben gesetzt oder an der Sattelstütze angebracht. Das funktioniert an allen Rahmen - und ist schnell erledigt, sogar an vielen Fahrrädern, die vollgefedert sind. Aufpassen sollten Sie, falls Sie ein Fahrrad mit Carbonrahmen besitzen: Rohre aus Carbon sind empfindlich gegen Seitenkräfte, die von solchen Riemen- und Klemmkonstruktionen ausgehen können. Zwei Hersteller warnen explizit vor dem Einsatz ihrer Träger an Carbon.
Topeak TetraRack
Topeak bietet den TetraRack für Mountainbikes mit dem Zusatz »M« an sowie als Version »R« für Straßenräder. Es gibt zudem jeweils ein Modell, das hinten an den Sitzstreben befestigt wird, sowie eines, das vorne an der Gabel angebracht werden kann.
Alle TetraRack-Modelle werden ausschließlich mit Klettbändern an den Rohren fixiert. Die Klettbänder werden mit der Hand in Position gebracht, bevor sie mit einem mitgelieferten Inbusschlüssel angezogen werden. Das sorgt für die nötige Stabilität und die gummierten Füße sitzen fest.
Der Nachteil dieses Mechanismus: Die TetraRacks lassen sich zwar sekundenschnell ohne Werkzeug entfernen. Sie können aber nur mit einem Inbusschlüssel montiert werden, der Spannmechanismus muss vorher wieder zurückgeschraubt werden. Dennoch geht das mit etwas Übung recht schnell.
Auf die TetraRacks passen Topeaks eigene Taschen und Körbe mit dem Quicktrack MTX-System. Sie werden einfach aufgeschoben und verriegelt. An den Seiten können unterschiedliche Gepäckträgertaschen angebracht werden. Neben Topeak-Taschen passen auch Ortliebs Backroller. Die ältere Variante mit Quicklock 1-System sitzt perfekt, das neuere Quicklock 2-System ist aber etwas dicker und muss mit Kraft zwischen den etwas zu schmalen Raum zwischen Strebe und Platte gepresst werden. Ähnlich ist es mit Taschen von Vaude: Auch für deren aktuelles System, QMR 2.0, ist der Platz an der oberen Strebe etwas eng - aber es geht.
Damit die Gepäckträgertaschen stabiler sitzen, bietet Topeak optional das sogenannte Side Frame Set an - zwei einfache Bügel, die den Träger nach unten verlängern. Unsere Taschen ließen sich im Test aber auch ohne Zusatzbügel sicher befestigen.
Der TetraRack darf laut Hersteller vorne sieben Kilogramm tragen, hinten neun Kilogramm. Das ist nicht viel - ein Ortlieb-Backroller wiegt leer bereits fast ein Kilogramm. Die Topeak-Taschen sind etwas leichter, aber dafür nicht ganz so robust wie Ortlieb- oder Vaude-Taschen. Der QuickRack von Ortlieb erlaubt bis zu 20 Kilogramm Ladung. Das kommt schon sehr nah an Träger heran, die fest montiert werden.
Thule Tour Rack
Thule bietet mit dem Tour Rack einen Gepäckträger an, der sowohl vorne als auch hinten am Rad montiert werden kann. In unserem Test ließ sich der Träger vorne an einer nahezu senkrecht stehenden Gabel anbringen, aber auch hinten an einer weniger steilen Sitzstrebe eines Mountainbikes.
Die gummierten Auflagen werden an vier Punkten mit Gurtbändern fixiert und mit einem mitgelieferten Inbus festgezogen. Allerdings kann man den Gepäckträger nur mit einem Spezialwerkzeug wieder abbauen, es sollte also besser nicht verloren gehen.
Die Aluminium-Streben des Gepäckträgers haben einen Durchmesser von zehn Millimetern. Alle Taschen von Ortlieb und Vaude sollten also passen, vermutlich viele andere auch. Die Taschen lassen sich unten jedoch nicht einhaken für mehr Stabilität an den Seiten, dafür sind die Rohre zu dick.
Thule verkauft deshalb eine Lösung namens Pack’n Pedal. Diese besteht aus zwei schmalen Seitenrahmen, die in den Gepäckträger eingehängt werden. So können die Seitentaschen aller Hersteller flexibel positioniert werden. Allerdings muss Pack’n Pedal separat gekauft werden und ist mit einem Preis von etwa 40 Euro nicht günstig.
Thule gibt für den Gepäckträger unterschiedliche Maximallasten an: Hinten sind es maximal 11,3 Kilogramm, vorne 10 Kilogramm. Der Träger selbst wiegt 917 Gramm und macht im Test einen stabilen Eindruck. Es gibt zusätzlich einen Halter für ein Rücklicht oder einen Reflektor mit einem Schraubenabstand von 50 bis 60 Millimetern.
XLC RP-R06
Der Träger RP-R06 von XLC wird lediglich mit einer einzigen Klemme und einem Schnellspanner-Prinzip an der Sattelstütze befestigt. Anlegen, drehen und den Hebel mit etwas Kraft umlegen genügt: Kein anderer Gepäckträger im Test lässt sich so schnell montieren.
Voraussetzung ist eine Sattelstütze, deren Durchmesser zwischen 25,4 Millimeter und 31,8 Millimeter misst. Das sind zwar gängige Maße, aber Vorsicht: Federsattelstützen könnten davon abweichen und nicht ausreichend Höhe (5,5 Zentimeter) bieten. Das gilt auch für verstellbare Sattelstützen (Dropper Posts), die es an einigen Mountainbikes gibt.
Eine weitere Einschränkung: Carbon-Sattelstützen werden vom Hersteller XLC zwar nicht explizit ausgeschlossen, aber es ist sicherlich keine gute Idee, Carbon mit so starken Seitenkräften zu belasten.
Damit die Sattelstütze nicht verkratzt, gibt es für die Innenseiten der Klemme eine kleine Gummiauflage. Diese ist aber nicht befestigt. Sie muss vor dem Anbringen zwischen Klemme und Sattelstütze geschoben werden. Wer sie verliert, kann sie durch jedes andere Gummimaterial in ähnlicher Dicke ersetzen.
Die Maximalbelastung des 888 Gramm schweren Trägers gibt XLC mit zehn Kilogramm an. Störend könnten die etwas kräftigen Rohre des Trägers sein: Mit 13 Millimeter Dicke passen zwar neuere Seitentaschen von Vaude und Ortlieb, aber das alte Ortlieb-System QuickLock 1 zum Beispiel nicht.
Nach unten hin hat der RP-R06 Seitenhalter für die Stabilisierung der Seitentaschen im unteren Bereich. Diese haben Plastikaufsätze, in das sich das mitgelieferte Spanngummi einhaken lässt. Gepäckträgertaschen hängen jedoch besser am Träger, wenn man die kräftigen Plastikaufsätze entfernt.
SKS Infinity Universal
Der Gepäckträger Infinity Universal ist neu auf dem Markt. Ähnlich wie die Modelle von Thule und Topeak wird der Träger von SKS mit Bändern befestigt. Er sitzt ebenfalls auf den Sitzstreben und verfügt über vier gummierte Füße.
Das Spannsystem funktioniert jedoch etwas anders, was zu einer aufwendigeren Montage führt. Der Lohn der Arbeit: Mit einer Maximallast von zwölf Kilogramm trägt er etwas mehr Gewicht als die anderen Riemen-Träger. Allerdings warnt SKS vor dem Einsatz an Carbonrahmen.
Der Träger ist gut anpassbar und muss einmalig an mehreren Punkten so fixiert werden, dass er richtig ausgerichtet ist und nirgendwo anstößt. Der Schlüssel für die Torx-Schrauben kann im Träger selbst verstaut werden - man hat ihn also dabei, falls sich eine Schraube oder ein Band lockern sollte.
Wer SKS-Taschen auf den Gepäckträger setzen will, braucht die Adapterplatte für das MIK-System des Herstellers. Diese engt jedoch den Spielraum an den Streben ein, an denen Gepäckträgertaschen seitlich eingehängt werden.
Tubus Racktime Boost-it Tour 2.0
Der Racktime Boost-it Tour 2.0 von Tubus ist der flexibelste und stärkste Träger im Test - macht aber auch am meisten Arbeit. Er wird mit vier Schrauben an den Sitzstreben des Rads befestigt. Am einfachsten fällt das, wenn Bohrungen für Gepäckträger vorhanden sind. Dann muss der Träger nur einmal eingepasst werden.
Tubus legt flexibel einstellbare Streben bei, sodass der Träger an jedem Rad einfach horizontal ausgerichtet werden kann. Was der Hersteller aber verschweigt: Wird von den Streben nicht die gesamte Länge benötigt, so stehen sie nach oben heraus und müssen mit einer Säge gekürzt werden. Das ist nicht schwer und im Lieferumfang befinden sich Plastikstopfen, um die entstehenden scharfen Enden abzudecken - aber für die Erstmontage sollte man schon eine Stunde Zeit einrechnen. Und eine Metallsäge bereithalten.
Noch mehr Zeit benötigen Sie, wenn das Rad keine Bohrungen hat. Tubus hat sich einiges einfallen lassen, um den Träger auch in diesem Fall mit seiner vollen Tragkraft von 25 Kilogramm am Rad befestigen zu können. Es kommt aber auf die Achse an.
Es ist eine Schnellspannerachse im Angebot, die mit zwei Blechen inklusive der nötigen Bohrungen an den Seiten versehen ist - und die Original-Schnellspannerachse ersetzt. Wer ein Rad mit Steckachsen besitzt, kann bei Tubus eine Variante mit entsprechenden Gewindebohrungen an den Enden kaufen. Clever, aber beide Varianten müssen für etwa 25 Euro zusätzlich erstanden werden. Fehlen die Bohrungen an den Sitzstreben, gibt es zwei Klemmen - ebenfalls optional.
Der Träger selbst ist multifunktional: Er hat eine untere Strebe, um Gepäckträgertaschen tiefer einhängen zu können. Die Systeme von Ortlieb und Vaude passen sehr gut. Körbe und Aufsetztaschen passen auf den Träger, wenn sie das Befestigungssystem Snap-it 2.0 unterstützen.
Worauf man beim Kauf eines Fahrradgepäckträgers achten sollte
Wer keine Lust zum Lesen hat, für den haben wir die wichtigsten Dinge zusammengefasst:
- Wie wird der Gepäckträger befestigt, sind am Fahrrad entsprechende Löcher vorhanden?
- Wie viel Gewicht darf der Fahrradträger tragen?
- Ist der ausgesuchte Träger kompatibel zu meiner Fahrradgröße (28 Zoll / 24 Zoll / 20 Zoll)
- Soll der Gepäckträger über Zusatzfunktionen wie z.B. ein Racktime System verfügen?
- Passen meine vorhandenen Taschen-Haken an den Durchmesser der Gepäckträgerstreben?
- Benötige ich einen Fahrradgepäckträger für die Sattelstütze, welchen Durchmesser hat diese?
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