Die Wahl der richtigen Schaltung ist entscheidend für das Fahrerlebnis auf einem Gravel Bike. In den letzten Jahren hat sich ein Trend zu Einfach-Schaltungen entwickelt, bei denen auf den Umwerfer und das zweite Kettenblatt verzichtet wird.
Einfach-Schaltungen: Intuitiv und effizient
Viele aktuelle Gravelbikes, quer durch alle Preisklassen, sind mit nur einem Kettenblatt ausgestattet (meist mit 38 bis 44 Zähnen), was den Umwerfer obsolet macht. Einfach-Schaltungen punkten Kraft ihrer intuitiven, leicht zu erlernenden Schaltlogik: Als Fahrer schaltet man die Kette entweder rauf aufs größere Ritzel und den leichteren Gang oder umgekehrt aufs kleinere Ritzel und den nächstschwereren Gang für schnelles Fahren bergab oder im Flachen. Das war’s!
Ein handfester Vorteil nicht zuletzt für Gravel-Novizen, die sich mit den etwas komplexeren Gangwechseln einer Gravelschaltung mit zwei Kettenblättern erst vertraut machen müssen. Außerdem schafft die fehlende Schaltmechanik am linken Brems-/„Schalthebel“ mehr Platz für einen Bedienhebel zum Blockieren des gefederten Hinterbaus vollgefederter Gravelbikes für effizienteren Vortrieb in gut asphaltierten Anstiegen. Alternativ nutzt man den gewonnenen Platz für den Fernbedienhebel einer Variostütze zur raschen Sattelabsenkung vor Steilabfahrten.
Ferner spart der Verzicht auf ein Kettenblatt, den Umwerfer, die linke Schaltmechanik am Brems-/„Schalthebel“ und eine kürzere Kette ordentlich Gewicht. Überhaupt scheidet der Umwerfer als potentielle Fehlerquelle aus: Während arg ruppiger Passagen zum Beispiel kann es passieren, dass der Umwerfer die Kette fallen lässt oder, dass er unter heftigem Schlammbeschuss nicht mehr leichtgängig arbeitet.
Punkte sammeln moderne Einfach-Schaltungen mit 11, 12 oder 13 Gängen auch mit geringerem Kettenschräglauf als Gravelschaltungen mit zwei Kettenblättern. Das erhöht den Wirkungsgrad des Antriebs und reduziert den Verschleiß, insbesondere in „Gangextremen“ wie der Kombination größtes Kettenblatt/größtes Ritzel. Obendrein gestalten sich Justagearbeiten an Einfach-Schaltungen einfacher und zeitsparender, schließlich muss nur das Schaltwerk korrekt eingestellt sein, um die Kette rasch zwischen den bis zu 13 Ritzeln hin- und herzubewegen.
Ferner verhelfen Einfach-Schaltungen Radkonstrukteuren zu großzügigerem Bauraum rund ums Tretlagersegment, wodurch sich ein Rahmen, respektive dessen Rohrprofile, auf breite Gravelpneus anpassen lässt. Stichwort: Fahrkomfort! Und wo keine Umwerfermontage am Sitzrohr berücksichtigt werden muss, kann dieses kreativer gestaltet werden. So kann es für top Steifigkeit und Vortrieb zum Tretlager hin breiter profiliert werden. Der Wegfall eines zweiten Kettenblatts sowie des Umwerfers beschert dem Gravelrad zudem mehr Reifenfreiheit.
Gar von einem deutlich größeren Gangspektrum als bei manch’ Zweifach-Schaltung profitiert der Gravelleur bei den 1 x 12-Gang-Schaltungen von Sram. Sie bringen eine erstaunliche Übersetzungsbandbreite ebenso an den Start wie einen leichten Berggang für steile Intermezzi und meist ausreichend große Gänge für schnelle Abfahrten.
Zweifach-Schaltungen: Die traditionelle Alternative
Trotz aller Vorteile, die moderne Einfach-Schaltungen am Gravelbike also vielen Fahrern bieten, stellen sie nicht automatisch für jeden Fahrertyp die perfekte Schaltvariante dar. Alternativ lohnt am Gravelrad die Nutzung einer Zweifach-Schaltung mit zwei Kettenblättern: Sie erleichtert, wenn entsprechend abgestuft, mittels eines besonders leichten Berggangs das Erklettern besonders langer und/oder steiler Anstiege.
Wer es etwa selbst bei top Tempo bergab gewohnt ist, emsig weiterzutreten, wird den höchsten, schwersten Gang von manch’ 11- oder 12-Gang-Einfach-Schaltung womöglich als zu leicht empfinden, wenn das kleinste Ritzel weniger sportlich abgestuft ist. In umgekehrter Schaltrichtung wird der Pedaleur den kleinsten Gang - abhängig von der verbauten Ritzelkombination der Kassette am Hinterrad und der Kettenblattgröße - eventuell als zu sportiv und an knackigen Anstiegen unnötig schwer zu treten erleben. Mehr noch als auf dem größten Gang sollte der Fokus deshalb auf einem, auch in Steilpassagen leicht zu tretenden, kleinsten Berggang mit nicht zu großer Entfaltung liegen: Er schont die Kräfte.
Wer davon profitiert: Gravelnovizen mit geringerer Kondition, ebenso wie versierte Fahrer mit einem Faible für harte, alpine Schotteranstiege.
Demgegenüber steht ein gängiges Zweifach-Schaltsystem mit 22 Gängen: Etwa mit einer 31-48er-Kettenblattkombination und 11/34er-Kassette, womit man 479 % Gesamtübersetzung nutzt. Verglichen mit 1 x13- und 1 x12-Gang-Schaltungen also eine überschaubare Differenz, was die Einfach-Schaltungen für viele Gravelbiker so interessant macht.
Shimano GRX RX827 Di2: Die kabellose Revolution
Shimano präsentiert mit dem GRX RX827 Di2 sein erstes vollständig drahtloses Schaltsystem für Gravel-Bikes. Die neue 1x12-Schaltgruppe erweitert das bestehende GRX-Sortiment um eine kabellose elektronische Option. Eine Version mit zwei Kettenblättern und Umwerfer wird parallel nicht angeboten. Laut Shimano vereint das System Technologien aus den Rennrad- und Mountainbike-Gruppen des Unternehmens.
Kernstück ist das neue RD-RX827 Schaltwerk, das auf dem XTR M9200 Mountainbike-Schaltwerk basiert. Es verfügt über ein kompaktes Design mit im Schaltwerk integriertem Akku, der sich zum Aufladen auch entnehmen lässt. Laut Shimano hält eine Akkuladung je nach Fahrbedingungen für 700 bis 1000 Kilometer. Bei Stößen oder Stürzen soll sich das Schaltwerk automatisch wieder in die Ausgangsposition zurückstellen.
Kompatibilität und Ergonomie
Die Schaltgruppe ist mit allen 12-fach Di2-Komponenten von Shimano kompatibel, einschließlich der Schalthebel für Rennlenker. So können Fahrerinnen und Fahrer auch die drahtlosen Schalthebel der Rennradgruppen Dura-Ace, Ultegra oder 105 Di2 verwenden; die dann unbelegten linken Schaltknöpfe lassen sich individuell mit anderen Funktionen belegen, zum Beispiel der Bedienung des Radcomputers. Auch die Flatbar-Schalthebel der XTR und Deore XT Di2 Mountainbike-Gruppen sind kompatibel. Innerhalb der GRX-Serie gibt es für den 1x12-Antrieb nun auch den BL-RX825-L Bremshebel ohne Schaltfunktion. Die Ergonomie der Hebel wurde laut Shimano für Gravel-Bikes optimiert. Sie verfügen über eine griffige Oberfläche und sind für Lenker mit Flare-Bogen ausgelegt.
Vielseitigkeit und Nachrüstung
Mit der neuen Shimano GRX RX827 Di2 Gruppe adressiert Shimano unterschiedliche Einsatzbereiche im Gravel-Segment. Die robuste Konstruktion und große Übersetzungsbandbreite eignen sich sowohl für Rennen als auch Bikepacking-Abenteuer. Durch die Kompatibilität mit Mountainbike-Kurbeln lässt sich das System auch an Dropbar-Mountainbikes montieren. Als Kettenblattoptionen stehen 40 und 42 Zähne zur Auswahl. In Kombination mit der 10-51 Zähne Kassette ergibt sich eine Bandbreite von 510 Prozent.
Shimano gibt an, dass sich die Komponenten ohne spezielle Rahmenanforderungen an bestehende Gravel-Bikes nachrüsten lassen. So können Fahrerinnen und Fahrer ihre vorhandenen Räder mit der neuen Technologie aufrüsten. Das Schaltwerk wiegt laut Herstellerangaben 449 Gramm.
Laufrad-Angebot
Ergänzend zur neuen Schaltgruppe präsentiert Shimano auch ein neues Aluminium-Laufradset für Gravel-Bikes. Die WH-RX180-TL Laufräder sind tubeless-kompatibel und verfügen über eine Maulweite von 25 Millimetern. Sie eignen sich für Reifen zwischen 32 und 50 Millimeter Breite. Die Naben lassen sich zwischen MICRO SPLINE und HG Freilaufkörpern umrüsten. So sind die Laufräder mit 10-, 11- und 12-fach Kassetten kompatibel.
Die Wahl der richtigen Schaltung
Um herauszufinden, ob Einfach- oder Zweifach-Schaltungen am Gravelrad dem eigenen Gusto entsprechen, hilft eine ganz klassische Methode: Eine intensive Probefahrt beim Radhändler.
Bestandteile einer Gravel-Schaltgruppe
Zu einer Schaltgruppe gehören alle Bestandteile des Antriebes und die Bremse. Die Schaltgruppe ist maßgeblich für die Funktion und Performance der Schalt- und Bremsleistung verantwortlich. Das Schaltwerk sorgt für die Gangwechsel am Hinterrad und wird auch als hintere Schaltungsvorrichtung bezeichnet. Die Kette deines Gravel Bikes verläuft hinten über die Kassette und durch das Schaltwerk.
Bestandteile einer Gravel-Schaltgruppe:
- Schaltwerk
- Kassette
- Kette
- Kurbelgarnitur
- Bremsen
- Schalthebel
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