Spätestens seit Bosch mit dem Performance SX den Markt betreten hat, nimmt das Segment der Light-E-Mountainbikes massiv Fahrt auf. Nahezu jeder namhafte Hersteller hat inzwischen ein leichtes E-Mountainbike im Programm. Dabei ist die Bosch-Interpretation eines Light-Antriebs besonders. Optisch unterscheidet sich der SX nicht stark von seinem großen Bruder CX, damit ist er im Light-Vergleich fast schon klobig. Allerdings steckt im SX die deutlich höchste Spitzenleistung aller Light-Antriebe. Bosch spricht sogar von der gleichen Maximalleistung wie beim großen Performance CX.
Um die Frage zu beantworten, ob der SX seine vollmundigen Versprechen halten kann, haben wir ihn in Labor und Praxis überprüft.
Die Fakten zum Bosch Performance SX
Der Bosch Performance SX ist nicht der kleinste Light-Motor. Sein Gewicht von 2,1 Kilo ist aber voll konkurrenzfähig. Die maximale Power ist extrem hoch.
- Gewicht: 2,1 Kilo
- Akkugrößen: 400 Wh (2,1 kg)
- Optional: Range-Extender mit 250 Wh
- Fahrstufen: Eco / Tour (+) / EMTB / Turbo
- Leistungsdaten (max.) aus dem Labor: 49 Newtonmeter, 521 Watt
- Systemupdates: über die App möglich
Der Bosch Performance SX (rechts) ist etwas kompakter als der CX - doch zu den kleinsten Mittelmotoren gehört er nicht.
Der Charakter des Bosch Performance SX
Herausragend ist die Modulation des Bosch-Aggregats. Er hängt förmlich am Fuß, reagiert direkt und dennoch sehr geschmeidig auf den Impuls des Fahrers. Das kann kein anderer E-Bike-Motor so brillant. Ebenfalls einzigartig ist die progressive Auslegung, die den Schub besonders dynamisch macht. Je mehr Gas der Fahrer gibt, desto mehr legt auch der SX zu. Wer den EMTB-Modus von Bosch kennt, kennt diesen Effekt. Beim SX fällt dieses Phänomen noch deutlich drastischer aus.
Sehr unterschiedlich ist die Geräuschkulisse des Mini-Schwaben. Pedaliert man gemütlich vom Parkplatz weg, ist der SX fast unhörbar. Unter Last wird er jedoch beinahe so laut wie die Powerklassiker von Bosch und Shimano. Von denen hat er leider auch das nervige Klappern bergab geerbt.
Mit viel Schwung in den Uphill, das kann der Bosch SX sehr gut. Wenn allerdings die Geschwindigkeit und damit die Trittfrequenz des Fahrers sinkt, kommt nur mäßig Schub. Das kann an Stufen zu Schwierigkeiten führen.
Im Prüflabor PT Labs haben wir alle Antriebe auf einem Rollenprüfstand gemessen. Die umfangreiche Laboranalyse ergänzt unsere Erfahrungen und Tests aus der Praxis um objektiv vergleichbare Daten. Der Bosch SX offenbart hier seine besondere Leistungssteuerung.
Die Kraftentfaltung des Bosch Performance SX
Die harten Fakten klingen zu schön, um wahr zu sein: 521 Watt wirft der Prüfstand aus, damit spielt der Performance SX bei den Powermotoren mit. Doch es gibt ein Aber. Seinen vollen Wumms entfaltet der kleine Bosch nur bei sehr hohen Trittfrequenzen und spritzigen Antritten. Wer gemütlich pedaliert, bekommt deutliche weniger Schub als zum Beispiel vom Fazua Ride 60. Mit diesem sportlichen Charakter will Bosch seinem Leichtgewicht (2,1 Kilo) echten E-Bike-Schub und Uphillflow einverleiben.
Seine maximale Leistung gibt der Bosch SX nur kurzfristig bei überdurchschnittlichem Schub vom Fahrer frei (gestrichelte Linie). Im konstanten Betrieb (durchgezogene Linien) sind Leistung und Drehmoment gemäßigter. Dafür sorgt eine ausgeklügelte Software. In beiden Zuständen gilt: Nur bei hoher Trittfrequenz viel Leistung.
In schwierigen Anstiegen geht das Konzept allerdings nur bedingt auf. Zwar kann man dynamisch Schwung holen und so manch fiese Stufe meistern. Wenn die Fahrsituation aber keine hohe Kadenz zulässt, lässt einen der SX etwas im Stich. Je technischer der Anstieg, desto weniger kann der SX überzeugen. Auch die Gefahr von Kurbelaufsetzern steigt durch hohe Trittfrequenzen. In manchen Situationen fühlt sich der Mini-Bosch dadurch etwas unharmonisch an. Denn auf seichten Forstwegen tut man sich leicht, eine hohe Kadenz zu kurbeln. Dann wirkt der Motor extrem stark. Wird es steiler und schwieriger, sinkt auch die Kadenz - und damit die Leistung des Motors. Man muss ganz bewusst auf hohe Trittfrequenzen achten.
Selbst wer hohe Trittfrequenzen mag: Der SX animiert zu unnatürlich schnellem Kurbeln, denn er legt auch deutlich über 100 U/min noch an Leistung zu.
Bei gemäßigtem Tritt liefert der Bosch Performance SX nur mäßig Schub, doch das Leistungsmaximum ist höher als bei allen anderen Light-Motoren.
Bei niedriger Trittfrequenzbereich (X-Achse, U/min) bietet der Bosch SX (orangene Linien) nur etwas mehr Leistung als der TQ HPR 50 und gehört zu den schwächsten Mittelmotoren. Bei extrem hoher Kadenz kann er dafür fast mit den Power-Aggregaten mithalten.
Display und Remote
Der "kleine" Bosch ist mit allen Komponenten seines großen Bruders kompatibel. Inklusive aller Displays und Akkus. Doch besonders beim SX-Motor setzen die allermeisten Bike-Hersteller auf den minimalistischen Systemcontroller mit LED-Anzeige im Oberrohr. Das passt zum sportlichen und minimalistischen Ansatz der Light-Bikes. Optional kann auch ein Kiox-Display kombiniert werden, das gibt´s auch zum nachrüsten. Besonderheit der schlanken Mini-Remote: Sie funktioniert kabellos, das gibt´s bei kaum einem anderen Hersteller.
Der Systemcontroller im Oberrohr zeigt Unterstützungsstufe und Ladestand des Akkus über farbige LEDs an.
Die schlanke, kabellose Mini-Remote reagiert sehr sensibel auf Tastendruck. Versehentliche Drücker können häufiger vorkommen.
Die Akkus für den Bosch Performance SX
Passend zum kleinen Motor hat Bosch den Compact Tube 400 (2,1 kg, 400 Wh) vorgestellt. Auch wenn der Motor theoretisch mit allen anderen Bosch-Batterien bis 750 Wh aus dem Smartsystem kompatibel ist, kommen aktuell alle E-MTBs mit SX-Motor mit dem 400er-Akku. Viele Bikes haben den Akku fest verbaut. Dafür ist die Option auf den 250er-Range-Extender Bosch Power More 250 besonders spannend. So kann die Reichweite unkompliziert erweitert werden.
Der Compact Tube 400 (unten, 2,1 Kilo) setzt auf eine andere Bauform und ein anderes Zellenformat als die dickeren Power Tubes 625 (Mitte, 3,6 Kilo) und 750 (oben, 4,3 Kilo). Theoretisch sind die Batterien jedoch untereinander kompatibel.
Der Bosch Power More 250 wiegt 1,6 Kilo und kann einfach an eine Aufnahme im Rahmen angeklickt werden.
App und Connectivity
Auch in Sachen App ist der kleine Bosch seinem großen Bruder sehr nahe. Wie der CX nutzt auch der SX die Bosch eBike Flow App. Unterstützungsstufen fein einstellen, das Smartphone als Schlüssel nutzen, Navigation und Updates “over the Air”: Hier stecken viele Funktionen drin. Nur die Kommunikation mit Geräten von Drittanbietern, wie Garmin-Bike-Computern ist auch beim SX deutlich eingeschränkt. Hier muss man auf die Infrastruktur und Komponenten aus dem Bosch-Portfolio zurückgreifen.
EMTB Bewertung des Bosch Performance SX
Das Antriebsgeräusch ist je nach Betriebszustand sehr unterschiedlich und reicht von sehr leise bis sehr laut. Die gute Modulation und progressive Kraftentfaltung bringen ein dynamisches Fahrgefühl.
Stärken:
- Dynamischer Schub
- Hohe Maximalleistung
- Exzellente Modulation
Schwächen:
- Im Light-Vergleich wenig kompakt
- Unter Volllast laut
- Klappert bergab
Bikes mit Bosch Performance SX
Bikes mit Boschs Performance SX schießen förmlich wie Pilze aus dem Boden. Obwohl der kleine Bosch der jüngste Light-Motor am Markt ist, ist die Auswahl an Modellen bereits recht groß. Auch Branchenriesen wie Bulls, Canyon, Cube und Flyer verbauen den SX bereits.
Beispiel: E-Gravelbike Canyon Grizl:On
Das Canyon Grizl:On CF 9 ist ein sportliches E-Bike, das sich für den Alltag und sportliche Touren eignet. Es ist mit dem Bosch Performance Line SX Motor ausgestattet und bietet eine hohe Reichweite.
Beispiel: Megamo Lande
Das Lande gibt es mit ein- und derselben Rahmenbasis als sportliches Gravelbike mit Drop-Bar, mit Flat-Bar und als Flat-Bar Equipped mit Alltagsausstattung.
Die Fakten zum E-Gravelbike Megamo Lande:
- Rahmen: Aluminium mit Carbongabel, Größen S, M, L
- Motor: Bosch Performance Line SX, 55 Nm Drehmoment, 600 Watt Spitzenleistung
- Akku: Bosch PowerTube 400 Wh, festintegriert; kompatibel mit (2x) 250 Wh PowerMore
- Laufradgröße: 29 Zoll
- Reifenbreite: 45 mm
- Modelle und Preise: Lande 4299 Euro; Lande Flat-Bar 3699 Euro; Lande Flat-Bar Equipped 3999 Euro
One fits all heißt das Motto der Katalanen: Ob sportlicher Gravel-Einsatz, Radreisen oder Alltagsgebrauch - dank seiner universellen Geometrie und Rahmenkonstruktion will Megamo beim Lande eine perfekte Balance aus Komfort, Langlebigkeit und Zweckmäßigkeit gefunden haben. So soll das Lande im sportlichen Einsatz wie auch im Alltag und auf langen Touren gleichermaßen gut funktionieren.
Besonders Reiseradler mit Gepäck dürften sich über die 600 Watt Spitzenleistung und das kräftige Drehmoment von 55 Nm freuen. Das heißt aber auch, dass der 400 Watt große, fest integrierte Bosch CompactTube-Akku bei voller Motor-Power nur eine bedingte Reichweite bietet. Für lange Touren macht es daher Sinn, zusätzlich den 250 Wh großen PowerMore-Range-Extender ans Unterrohr zu klemmen. Megamo bietet beim Lande sogar die Möglichkeit, die Gesamtkapazität mit gleich zwei Range-Extendern aufzustocken. Mit insgesamt 900 Wattstunden sollten dann stattliche Reichweiten möglich sein.
Beispiel: Moustache Dimanche
Moustache positioniert das Dimanche als vielseitigen Allrounder für nahezu jedes Einsatzszenario. Dazu passt unter anderem der für einen Light-Motor kräftige Bosch Performance Line SX mit 55 Nm und einem nicht entnehmbaren 400-Wh-Akku.
Die eher kompakte Geometrie sowie die Dämpfung an der Front und an der Sattelstütze tragen spürbar zur besseren Kontrolle bei. Die vergleichsweise aufrechte Sitzposition, die Dropper Post und der breite Lenker sorgen für ein hohes Maß an Kontrolle und Sicherheit - egal, ob man unerwartet an einer roten Ampel stoppen muss oder der Untergrund von Schotter auf Trail wechselt.
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