Shimano bietet mit der GRX RX800 eine Schaltgruppe speziell für Gravel-Bikes und deren Anforderungen an. Shimano hat mit der GRX-Gruppe eine spezifische Gravelgruppe am Rennradmarkt.
Shimano GRX: Die perfekte Basis für Gravel-Spaß?
Mit der GRX-Familie möchte uns Shimano die perfekte Basis für endlosen und sorgenfreien Gravel-Spaß liefern - sowohl beim Schalten als auch beim Bremsen. Und das zu jeder Zeit, an jedem Ort und ohne zu meckern.
Die Shimano GRX-Gravel-Schaltgruppe ist in drei Abstufungen erhältlich und setzt sich aus der hochpreisigen RX800, die auf Shimano ULTEGRA-Niveau einzuordnen ist, der RX600 (105-Niveau) und der günstigen RX400 (Shimano TIAGRA-Niveau) zusammen.
Brauchen wir eine spezielle Gravel-Schaltgruppe?
Anstiege, die auf Asphalt im kleinsten Gang schon anstrengend sind, können auf Schotter aber schlicht unbezwingbar werden. Die Lösung des Problems ist eine Vergrößerung der Bandbreite. Die simple Antwort lautet: Ja, die brauchen wir! Klar, es gibt eine große Anzahl an verfügbaren Schaltgruppen für Bikes mit Rennrad-Lenker.
Mit einer Verlagerung in Richtung der kleineren Gänge ist es nicht getan, da auch in der Ebene mit viel Druck auf dem Pedal und hoher Geschwindigkeit gefahren werden soll. Wer im hochalpinen Gelände und überwiegend offroad unterwegs ist, wird mit einem 1-fach-Setup zufrieden sein.
Durch den Verzicht auf einen Umwerfer wird Gewicht eingespart und man erhält mit einer großen Kassette trotzdem eine beachtliche Bandbreite. Gravel ist jedoch weit mehr als nur das Fahren von Alpenpässen über Schotterwege.
Mechanische vs. Elektronische GRX
Wie aber schlägt sich die mechanische RX800 im harten Dauertest über knapp 2.000 km? In den letzten Monaten hatten wir so einige Gravel-Bikes im Test, die mit allen Varianten der Shimano GRX-Schaltgruppe ausgestattet waren. Eins sei verraten: Geschont wurde die Gruppe dabei nicht!
Die gute Nachricht für alle Traditionalisten vorab: Shimano bietet auch im Gravel-Segment weiterhin eine Zweifachkurbel an, mit Offroad-tauglicher Abstufung (48/31) und somit einem ungewöhnlich großen 17-Zähne-Sprung. Ob das funktioniert? Ja, und zwar absolut problemlos.
Im Dauertest gab es nicht einen Kettenklemmer oder -abwurf! Mit stoischer Präzision wuchtet der Umwerfer die Kette hin- und her - maximal verlässlich, untermalt vom typischen Geräusch des E-Motors. Kein Grund also, auf "Zweifach" im Gelände zu verzichten.
Die Bandbreite im Zusammenspiel mit einer 11-34-Kassette überzeugte, die Abstufung ist feiner als bei jedem Einfach-Ensemble, obwohl Shimano noch immer auf elf Ritzel setzt und nicht, wie bei den MTB-Top-Gruppen, auf deren zwölf. Auch das Schaltwerk funktionierte stets geschmeidig und präzise, Kettenschlagen unterbindet es verlässlich.
Details der GRX-Komponenten
Die ST-RX810-Schalthebel mit mechanischem Schaltsystem und hydraulischer Bremsanlage fallen wirklich groß aus, gerade im Vergleich zu den ST-RX815-Hebeln der elektronischen GRX Di2-Schaltgruppe. Optisch sind sie definitiv Geschmackssache. Fahrer, die entweder in der kalten Jahreszeit mit Handschuhen fahren oder große Hände besitzen, werden sich jedoch über das große Volumen freuen, ermöglicht es doch viele Griffpositionen.
Bergab wissen die ST-RX810-Schalthebel zu überzeugen und bieten durch die Profilierung auf dem Gummiüberzug, die sich auf langen Tagestouren mit 10 Stunden im Sattel jedoch merkbar in die Hände drückt, massig Grip. Es ist dadurch sogar möglich, im Downhill in den Hoods zu bleiben und trotzdem über genügend Griff und Bremskraft zu verfügen.
Der Drehpunkt des Schalt-/Bremshebels wurde sinnvoll verändert und zeigt sich extrem verbessert. Dadurch entwickelt man in den Hoods so viel Brems-Power, dass man in sehr steilem Gelände, in dem man ungern noch tiefer in die Drops gehen möchte, weiter in den Hoods fahren kann.
Bremsen
In puncto Brems-Power macht der Shimano GRX-BR-RX810-Bremse so schnell niemand etwas vor! Sie punktet nicht nur durch ordentlich Biss, sondern lässt sich noch dazu sehr intuitiv modulieren. Die Brems-Performance der GRX-Bremsen ist erste Sahne.
Für unseren Testfahrer war die 140-mm-Bremsscheibe am Hinterrad gerade noch okay, da er überwiegend auf welligem Terrain und deutschen Mittelgebirgen unterwegs ist und reichlich Erfahrung mitbringt. Bei voller Zuladung und langen und steilen Bikepacking-Abfahrten, bei denen man es notgedrungen auch mal schleifen lassen muss, kam die Bremse am Hinterrad jedoch ans Limit. Um hier genügend Reserven zu haben, empfehlen wir den Umstieg auf eine 160er-Scheibe.
Das lächerliche Mehrgewicht im Vergleich zum 140er-Pendant wird durch das große Plus an Sicherheit und den zusätzlichen Spielraum mehr als aufgewogen. Wenn die Gabel für große Scheiben freigegeben ist und man vorwiegend im alpinen Raum die Downhills unter die Reifen nimmt, kann man optional auch eine Shimano XT- oder SLX-Bremsscheibe mit 180-mm-Durchmesser montieren - spezifische GRX-Bremsscheiben sind nicht vorhanden. Die 140er-Bremsscheibe am Hinterrad ist nur für erfahrene Fahrer zu empfehlen.
Schaltwerk und Kurbel
Das mechanische GRX-Schaltwerk überzeugt mit toller Funktion und Robustheit. Der Clutch-Mechanismus am Schaltwerk verhindert effektiv das Schlagen der Kette auf die Kettenstreben und sorgt dadurch für ein ruhiges Fahren auf holprigen Wegen.
Die Shimano GRX 2-fach-Kurbel hat sich während der Testdauer komplett unauffällig verhalten. Es ist mit Sicherheit nicht die steifste Kurbel der Welt, für Graveler aber sehr angenehm zu fahren. Bei einem extrem steifen Modell wie beispielsweise der Shimano DURA-ACE-Kurbel bekommt man viel mehr von den feinen Mikrovibrationen mit, da zeigt sich die GRX-Gravel-Kurbel schon deutlich komfortabler.
Shimano GRX Di2: Die elektronische Variante
Nicht ganz ein Jahr nach dem Launch der 12-fach-GRX ist nun auch der elektronische Zwilling namens Shimano GRX Di2 auf dem Markt. Analog zu den aktuellen Road-Komponenten setzt die Gravel-Schaltgruppe auf den bekannten zentralen Akku, kabellose Shifter und eine neue „Zentrale“, integriert im Schaltwerk.
Laut eigener Aussage will Shimano die Ergonomie an der neuen GRX Di2 sogar nochmals verbessert haben. So sehen die Hoods trotz ähnlicher Grundform recht unterschiedlich aus. Etwas massiver und größer, muten die Shifter auch dank neu platzierter Statusleuchten fast futuristisch an. Ergonomisch passen sie sich dabei dank angewinkeltem Bremsgriff besonders gut an die im Gravel-Bereich beliebten Lenker mit Flare an.
Innovationen der GRX Di2
„Front shift next“, so nennt Shimano die nächste kleine Innovation, welche im Zuge des GRX Di2-Launch vorgestellt wird. Etwas kryptisch beschreibt das die Möglichkeit, die Di2-Buttons so zu programmieren, dass sich mit nur einem Knopfdruck der Umwerfer schalten lässt, ganz egal in welcher Position dieser steht.
Shimano GRX vs. SRAM Apex
SRAM sieht die Zukunft im Einfach-Kettenblatt und dem elektronisch gesteuerten Gangwechsel. Die Amerikaner machten Antriebe mit einem einzelnen Kettenblatt einst salonfähig, für die neue Apex gibt es nun gar keinen vorderen Umwerfer mehr. Die Gruppe ist die bislang preiswerteste Variante, eine Schaltung auf dem neuesten Stand der Technik zu fahren: elektronisch über Funk betätigt, mit zwölf Ritzeln am Hinterrad.
Die zweite GRX-Generation von Shimano bekommt ebenfalls ein zwölftes Ritzel spendiert. Doch sie wird, wie an unserem Testrad von Arc8, bis auf Weiteres nur mit den gewohnten Schaltbremsgriffen und Bowdenzügen bedienbar sein. Eine elektronische Di2-Version, die es in der ersten Generation parallel gab, ist zum Marktstart nicht erhältlich.
Mit der Option auf zwei Kettenblätter und Verzicht auf Elektronik ist die GRX vor allem für Reiseradler und Pendler interessant. Shimano hat in der Vergangenheit bewiesen, dass auf die langlebigen und funktionalen Komponenten Verlass ist, mit diesem Ruf wird die GRX sicherlich ein Selbstläufer.
Fazit
Die Shimano GRX-Gruppe hat sich als eine zuverlässige und vielseitige Option für Gravelbikes etabliert. Ob mechanisch oder elektronisch, die GRX bietet eine gute Balance zwischen Leistung, Komfort und Robustheit. Die Wahl zwischen GRX und SRAM Apex hängt von den individuellen Vorlieben und dem gewünschten Einsatzbereich ab.
| Komponente | Shimano GRX RX800 | Shimano GRX Di2 | SRAM Apex AXS |
|---|---|---|---|
| Schaltgruppe | Mechanisch | Elektronisch | Elektronisch |
| Kurbel | 2-fach | 2-fach | 1-fach |
| Bremsen | Hydraulisch | Hydraulisch | Hydraulisch |
| Empfohlen für | Reiseradler, Pendler | Vielseitige Gravel-Fahrer | Gravelbike-Neulinge |
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