Gravelbike Gewicht unter 8 kg: Eine Übersicht

Der Fokus des Anemos Masterpiece liegt auf dem Renn-Einsatz - wenn Gewicht, Beschleunigung und Agilität wichtig sind. Seit fast zwei Jahrzehnten baut Andreas Kirschner in Garching, nördlich von München, beste Fahrräder aus Stahl und Titan. Und seit Frühjahr 2021 gibt es von ihm auch Karbon-Räder, genannt Parapera. Mit 7,2 Kilogramm ist das "Masterpiece" von Parapera in der Tat das derzeit wohl leichteste in Serie gebaute Gravelbike der Welt.

Nur das S-Works Crux von Specialized kann da mit 7,25 kg mithalten - es kostet jedoch mehr als das Doppelte. Und alle anderen Schotter-Räder in der 6000-Euro-Preisklasse wiegen über acht Kilogramm, teilweise sogar mehr als 8,5 kg.

Was adelt Speed-Gravelbikes?

Wie eingangs erwähnt, liegen Speed-Gravelbikes, was ihren Einsatzbereich angeht, zwischen Straßenrennrad und Cyclocross. Hohe Geschwindigkeiten und gleichmäßiges Tempo treffen auf feste bis lose und teils ruppige Untergründe. Hochtechnische Passagen mit Sprüngen und Trageelementen wie beim Crossen gehören nicht unbedingt dazu, komplett unbefestigte Wege und Downhills wie beim MTB auch nicht.

Um für solche Strecken und die langsam zahlreicher werdenden Gravelrennen gerüstet zu sein, mussten die Rahmensets abspecken und sich strecken. Es gibt keine definierte Grenzen, aber unter neun Kilo sollten Speed-Gravelbikes schon wiegen.

Fast wichtiger: Die Geometrie muss eine weiter vorgeneigte Haltung als beim Allrounder zulassen, flache Sattelrohrwinkel oder Vorbauten unter 90 mm sind tabu, das Verhältnis von Stack und Reach im Bereich von etwa 1,5 oder darüber auch. Damit wird bei Speed-Gravelbikes das Oberrohr im Verhältnis zur Rahmenhöhe länger und man sitzt direkter überm Tretlager. Das schafft sowohl eine effizientere Biomechanik zum Treten als auch eine Gewichtsverteilung weiter auf dem Vorderrad für mehr Grip und wendigeres Fahrverhalten.

Natürlich gehört auch die windschnittigere Sitzhaltung elementar zum “Aero”-Gravel. Nachteil: Der Sitzkomfort leidet, und das Rad möchte weniger gerne geradeaus laufen. Für entspannte und vor allem längere Touren wäre das falsch. Viele Einsteiger empfinden das agile Handling als respekteinflößend, besonders auf unruhigem Untergrund. Und weil sie sich eh nicht als Reiserad oder Commuter eignen, spart man sich meist auch entsprechende Gewindeösen zur Gepäckbefestigung oder Kabelkanäle für Licht.

Im Prinzip landet man mit Speed-Gravelbikes wieder da, wo die Amerikaner einmal mit den Urvätern der Gravelbikes hinwollten: Es sind eigentlich Rennräder, die aufgrund größerer Reifenfreiheit und etwas stabilerer Bauweise auch auf schlechten Straßen und Wegen gut performen und deutlich weniger pannenanfällig sind. Neben mehr Grip und der Robustheit erlauben die dicken Reifen zusätzlich weniger Luftdruck und damit erheblich besseren Komfort als am Rennrad. Wie die TOUR kürzlich im Windkanal herausfand, machen sogar fünf bis sieben Millimeter Unterschied vom breiten zum schmalen Gravelreifen eine Aero-Ersparnis von ein paar Watt aus. Auf Racemodellen werden also eher Breiten um 40 mm gefahren.

Die Zielgruppe der Speed-Gravelbikes

Obwohl ihr Einsatzspektrum deutlich schmaler ist als z. B. bei den von uns getesteten Modellen, gehören die Aerogravels quasi ausnahmslos zur preislichen Speerspitze im Gesamtsegment. Leichtbau, Luftstromoptimierung und Top-Komponenten haben nun mal ihren Preis. Das heißt nicht, dass man mit so einem teuren Boliden automatisch das beste Rad für sich kauft.

Auch wenn die Komfortwerte eines dieser Edel-Gravelbikes deutlich besser sind als beim entsprechenden Straßenpendant, auf Langstreckenkomfort und Alltagsnutzen wurde bei der Entwicklung keinerlei Fokus gelegt. Diese Bikes sind sauschnell zu bewegen, wenn man zum einem technisch wie körperlich über entsprechende Fähigkeiten verfügt und wenn man zum anderen auf Laufruhe und hohe Berechenbarkeit des Fahrverhaltens verzichten kann.

Für die bloße Aerodynamik etliche Hundert Euro mehr auszugeben, ist nur für trainierte und wettkampforientierte Biker lohnenswert. Rennradler, die mit einem Gravel liebäugeln, könnten überlegen, statt zwei teuren Boliden ein Aerogravel mit zweitem Laufradsatz und Straßenreifen anzuschaffen.

6 bemerkenswerte Speed-Gravelbikes

Hier sind einige Speed-Gravelbikes, die sich durch ihr geringes Gewicht und ihre Performance auszeichnen:

  • Ridley Kanzo Fast: Selbstbewusst nennen die Belgier ihr Kanzo Fast das schnellste Gravelbike weltweit.
  • Felt Breed Advanced: Beim Felt Breed lukt dann doch die Bremsleitung unterm Cockpit hervor.
  • Rose Backroad FF: Das Rose Backroad FF ist brandneu, deutlich leichter und länger als sein Allroundpendant, aber nicht ganz so kompromisslos in Sachen Sitzposition oder Verzicht auf praktische Elemente.
  • Bianchi Impulso RC: Die Traditionsmarke für Rennräder hat nur ein kleines Gravelsortiment, darunter aber eine Rennmaschine wie das Bianchi Impulso RC.
  • Merida Silex 10 K: Mit dem Merida Silex 10 K hätte Mohorič auch auf Weltreise gehen können.

Speed-Gravelbikes im Detail

Kabel und Leitungen verlaufen aus dem Griff direkt in das Cockpit und von da durch Rahmen und Gabel bis zu ihrem “Einsatzort”. Die Testräder vorne im Heft zeigen allesamt Lösungen, wie man Züge und Leitungen relativ sauber in den Rahmen leitet. Aerobikes treiben diese Integration auf die Spitze. Kabel und Leitungen verlaufen aus dem Griff direkt in das Cockpit und von da durch Rahmen und Gabel bis zu ihrem “Einsatzort”. Kabelage, die nicht offen im Wind steht, spart ähnlich viel Leistung wie Aerorahmen, ca. 10-14 %.

Neben Rahmen und Laufrädern sind im Allgemeinen auch Lenker, Vorbauten und Sattelstützen deutlich steifer als an Allroundern. Der Verzicht auf Komfort zugunsten von maximaler Kraftübertragung und Dynamik geht bis ins Detail. Neben Rahmen und Laufrädern sind im Allgemeinen auch Lenker, Vorbauten und Sattelstützen deutlich steifer als an Allroundern. Am Ridley Kanzo ist die Stütze sogar deutlich ovalisiert, das verbessert den Luftstrom, versteift aber genau in der Richtung, in der Biegsamkeit für Sitzkomfort sorgen würde.

In Größe M hat das Ridley Kanzo einen kurzen Radstand von 1026 mm, hauptsächlich wegen der kurzen Kettenstreben. In Größe M hat das Ridley Kanzo einen kurzen Radstand von 1026 mm, hauptsächlich wegen der kurzen Kettenstreben (Foto: das HR ragt weit in den Rahmen hinein) und dem steilen Lenkwinkel von 71,5 Grad. Solche Geometrien machen Speedgravelbikes zu Slalommaschinen, die aber beherrscht werden müssen. Besonders, weil das Oberrohr gleichzeitig lang ist wie am Rennrad, damit frontlastig.

Die Felgen an Matej Mohoričs Rad (Merida Silex) sind 60 mm hoch, aus Carbon, haben 24 Messerspeichen und einen Verkaufspreis von 2200 Euro. Dieser Leichtbau leidet natürlich auf Schotter mehr als 32-Loch Aluräder. 40 mm “schmale” Reifen schützen auch nur bedingt und ihr Federungskomfort hält sich auch in Grenzen.

Gravelbikes unter 9 Kilogramm

Es gibt eine Vielzahl von Gravelbikes, die die Marke von 9 Kilogramm unterbieten. Hier sind einige Beispiele:

  1. Wilier Triestina Rave SLR ID2
  2. 1OF1 Aerogravel
  3. Megamo Silk 05 AXS
  4. Specialized Crux Expert
  5. Stevens Camino AXS
  6. Rose Backroad FF GRX RX825 Di2
  7. Mondraker Arid Carbon RR
  8. Giant Revolt Advanced 0
  9. Trek Checkpoint SLR 9 AXS
  10. Pinarello Grevil F7
  11. Cervélo Aspero-5 Ekar
  12. Canyon Grail CF SLX 8 eTap
  13. Orbea Terra M21e Team 1x
  14. BMC Urs 01 One
  15. Cube Nuroad C:62 SLX

Deutlich zu erkennen in unserer bunten Vorstellung ist der überwiegende Einsatzzweck auf Race und schnelles, sehr sportliches Fahren, welches man quasi als Grenze zu einem Allrounder sehen könnte. Sitzgeometrie und Komponentenauswahl weisen darauf hin. Dennoch besitzen auch sie einige Voraussetzungen für längere Touren und bieten unter anderem Befestigungen fürs Gepäck an oder haben einen robusteren Reifen aufgezogen. Die Grenzen können durchaus verschwimmen, was wiederum dem Kunden durch eine größere Auswahl und noch bessere individuelle Anpassung zugutekommen kann.

Gewicht bei Gravelbikes: Bedeutung, Einfluss und Abwägung

Ganz klar: Das Gewicht eines Gravelbikes spielt ebenfalls eine zentrale Rolle, wenn es um Performance und Vielseitigkeit geht. Sie sind so konzipiert, dass sie sich sowohl auf der Straße als auch im Gelände bewähren. Dabei stellt das Gewicht einen entscheidenden Faktor dar, der sowohl die Effizienz als auch den Fahrkomfort beeinflusst. Dabei gilt es, folgende Aspekte zu beachten:

  1. Warum ist das Gewicht wichtig? Ein leichteres Gravelbike ermöglicht besseren Vortrieb und eine höhere Effizienz beim Klettern.
  2. Die Wahl der Komponenten: Das Gewicht steigt oder sinkt durch die verwendeten Materialien und Komponenten.
  3. Gewicht vs. Vielseitigkeit: Ist ein besonders leichtes Gravelbike immer die beste Wahl? Nicht unbedingt.
  4. Persönliche Vorlieben und der Einsatzzweck: Wie bereits erwähnt, hängt die Bedeutung des Gewichts von den individuellen Bedürfnissen eines jeden einzelnen Fahrers ab.

Tabelle mit ausgewählten Gravelbike-Modellen unter 9 kg:

Modell Gewicht (Größe M) Antrieb Preis (ca.)
Wilier Triestina Rave SLR ID2 7,85 kg Sram Red XPLR 9900 Euro
Specialized Crux Expert 8,07 kg (Größe 56) Sram Rival XPLR eTap AXS 6000 Euro
Rose Backroad FF GRX RX825 Di2 8,2 kg Shimano GRX Di2 2x12 4799 Euro
Cube Nuroad C:62 SLX 8,1 kg Sram Force AXS & XX SL Eagle 1×12 4299 Euro

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