Der Vorbau mag auf den ersten Blick nur ein unscheinbares Bauteil sein, doch in Verbindung mit den Rahmenmaßen fällt das eigentliche Potential auf. Der Rennrad Lenker Vorbau ist die Verbindung zwischen Gabelschaft und Lenker. Dabei steckt so viel mehr dahinter. Seine Aufgabe ist es nämlich nicht nur, den Lenker zu halten.
Darüber hinaus kann er je nach Ausführung und Montage auch einen maßgeblichen Einfluss auf die Sitzposition des Fahrenden haben und beispielsweise eine sportliche in eine komfortable, aufrechte Haltung verwandeln. Des Weiteren spielt auch das Design eine nicht zu vernachlässigende Rolle, denn der Vorbau liegt im direkten Blickfeld. Er geht in dieselbe Richtung wie die Oberrohrlänge des Rahmens und der Reach des Lenkers.
Der Winkel und die Montage auf der anderen Seite gehen in eine Richtung mit der Steuerrohrlänge des Rahmens und dem Drop des Lenkers. Der Vorbau spielt also eine entscheidende Rolle bei der Lenkung des Rennrads. Fehlerhaft montierte Komponenten können entsprechend schwerwiegende Folgen haben.
Wichtige Kenngrößen des Vorbaus
Vier signifikante Kenngrößen gibt es zu beachten, um den passenden Vorbaut für dich und dein Rennrad zu finden. Diese Kenngrößen und eine Drehmomentangabe sind meist auf dem Vorbau vermerkt:
- Länge (in mm): Diese wird von Steuerrohrmitte zu Lenkermitte gemessen und ist meist zwischen 90 und 120 mm lang. Je länger der Vorbau, desto mehr musst du dich strecken, um den Lenker zu greifen.
- Winkel (in °): Maß abweichend vom rechten Winkel zwischen Gabelschaft und Vorbau. In der Regel ist ein Winkel von 6 bis 8° empfehlenswert. Je größer der Winkel, desto tiefer oder höher ist der Lenker positioniert. Es können aber auch extremere Winkel von 30° oder sogar bis zu 73° eingestellt werden. Der Winkel hat nämlich maßgebenden Einfluss auf die Aerodynamik und den Komfort beim Fahren.
- Durchmesser des Gabelschaftes: Angabe in Zoll, üblicherweise 1 1/8“ (28,6mm).
- Durchmesser der Lenkerklemmung: Angabe in mm oder Zoll, üblicherweise 31,8 mm.
- Nm: Vorgeschriebenes Anzugs-Drehmoment der Klemmschrauben, meist 5 Nm oder 6 Nm. Darf auf keinen Fall überschritten werden - Drehmomentschlüssel empfehlenswert!
Aktueller Vorbau Standard
Der aktuelle Standard beim Rennrad Lenker Vorbau ist der sogenannte Ahead Vorbau mit zwei Klemmungen, wobei die eine den Vorbau mit dem Gabelschaft und die andere den Vorbau mit dem Lenker verbindet. Das Prinzip ist einfach: Eine Klemmung verbindet den Vorbau mit dem Gabelschaft, die andere Klemmverbindung verbindet den Vorbau mit dem Lenker.
Die Gabelschaftklemmung ist in der Regel, wie bereits oben erwähnt, 1 1/8 Zoll (bzw. 28,6 mm) groß und mit zwei Klemmschrauben versehen. Größere Durchmesser wie z.B. 1 ¼ Zoll sind nur selten, wie bsp.weise bei den Straßenrädern von Giant, vertreten. Die Lenkerklemmung auf der anderen Seite ist meist 31,8 mm und verfügt über vier Klemmschrauben.
Vorteile des Ahead Vorbaus:
- Die geteilte Lenkerklemmung ermöglicht ein schnelles und unkompliziertes Austauschen des Vorbaus ohne weitere Demontagearbeiten am Lenker.
- Die meisten Vorbauten können zudem positiv wie negativ verbaut werden, d.h. der Vorbau zeigt entweder eher Richtung Vorderrad oder Richtung Fahrer.
- Die Höhe am Gabelschaft wird mit Spacern eingestellt, das sind Distanzringe, die vor der Montage unter bzw. über dem Vorbau montiert werden.
Doch hier sind Grenzen gesetzt: Mehr als 3 cm Spacer sollten nicht unter dem Vorbau montiert sein, da es im schlimmsten Fall zu Schäden am empfindlichen Gabelschaft führen kann. Darüber hinaus sieht dies auch nicht wirklich schön aus. Generell machen Spacer über dem Vorbau relativ wenig Sinn und die meisten Rennradfahrer kürzen den Gabelschaft bis zur Oberkante des Vorbaus. Wir empfehlen jedoch, immer einen Spacer über dem Vorbau zu lassen, sodass man im Fall der Fälle den Vorbau doch nochmal erhöhen kann.
Nachteile des Ahead Vorbaus:
Da der Steuersatz über die Vorbaukappe eingestellt wird, muss nach dem Lösen der Klemmverbindung am Gabelschaft auch der Steuersatz neu eingestellt werden. Das ist zwar relativ simpel, birgt jedoch eine weitere Fehlerquelle bei der Montage.
Der richtige Vorbau für Ihre Sitzposition
Mit der Einstellung des Vorbaus können Sie die Sitzposition auf dem Rad individuell anpassen - ob aerodynamisch oder komfortabel. Ob sportlich-aerodynamisch oder entspannt komfortabel - welche Möglichkeiten bereits das Umdrehen des Vorbaus mit sich bringt, macht das untere Bild deutlich. Schon das Umdrehen des Vorbaus macht einen großen Unterschied und auch die Höhenänderung des Lenkers hat einen Einfluss.
Eine Höhenänderung des Lenkers von mehr als 30 mm ist mit ein und demselben Vorbau durchaus möglich. Dabei sollten aber einige Werte nicht überschritten werden. Extreme Winkel von bis zu 30° Grad oder die Wahl einer anderen Vorbaulänge können ebenfalls den Komfort und die Aerodynamik beeinflussen.
Zu vermeiden sind besonders kurze Vorbauten von < 90 mm, sie machen das Lenkverhalten träge und schwerfällig. Zudem liegt in diesem Fall -solltest du einen so kurzen Vorbau benötigen- wahrscheinlich ein zu großer Rahmen vor. Sehr lange Vorbauten von 130 mm und mehr belasten durch die großen Hebelkräfte den Gabelschaft sehr stark und sollten ebenfalls vermieden werden. Solltest du einen so langen Vorbau benötigen, liegt wahrscheinlich ein zu kleiner Rahmen vor.
Typische Rennrad-Vorbauten liegen zwischen 90 mm und 120 mm Länge und sind in 10 mm Schritten abgestuft. Der Vorbau sollte zwischen 90 und 120 mm lang sein. Er wird in 10 mm-Schritten abgestuft. Bei den Winkeln kommt es im Grunde auf die Art des Rennrades an.
Material und Preise
Die Preisspanne von Rennrad Lenker Vorbauten variiert, wie auch bei anderen Komponenten, je nachdem, welches Material für die Herstellung eingesetzt wurde. Die Preisspanne ist relativ groß, einfache Modelle aus Aluminium gibt es ab ca. 10 €, Carbon Vorbauten kosten gerne bis zu 300 €.
Dabei gehört Aluminium zu den unkomplizierteren, schraubenfreundlicheren und preiswerteren Materialien - insbesondere im Vergleich zu Modellen aus Carbon. Es ist weniger empfindlich gegen falsche Drehmomente, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit einer Beschädigung nach einem Sturz höher als bei Carbon-Vorbauten.
Was das Material betrifft, ist der Aluminium Vorbau etwas unproblematischer und schrauberfreundlicher als die Modelle aus Carbon. Neben dem günstigeren Preis ist er nicht so empfindlich gegen falsche Drehmomente und es gibt nur bei ausgewiesenen Leichtbauteilen eine Gewichtsbeschränkung. Zu beachten ist ebenfalls, dass der Vorbau nach einem Sturz oft beschädigt sein kann und gerade Vorbauten aus Carbon für den Laien schwer zu überprüfen sind. Zudem sind sie im Ersatzfall dementsprechend teuer.
Wir empfehlen dir daher nur einen Carbon Vorbau, wenn du dir über die richtigen Vorbaumaße zu 100% im Klaren bist, über ausreichend Erfahrung bei der Montage und das passende Werkzeug verfügst und bereit bist, für einen kleinen Gewichtsvorteil einen höheren Preis zu bezahlen.
Vorbau/Lenker Kombinationen
Bei einigen Rennradlenkern ist ein bereits integrierter Vorbau vorzufinden. Im hochwertigen Race und Aero Segment finden sich oft Carbon Lenker, bei denen gleich ein Vorbau integriert wurde. Diese Lenker/Vorbau Einheit hat den großen Vorteil, dass eine mögliche Fehlerquelle mit der Klemmverbindung zwischen Vorbau und Lenker entfällt, obendrein wird noch etwas Gewicht gespart.
Allerdings sind die Einstiegspreise für eine solche Kombination mit 300 € relativ hoch, außerdem solltest du dir über die Maße absolut im Klaren sein, da hier Vorbaulänge und -winkel nicht mehr verändert werden können. Nach einem Sturz musst du im schlimmsten Fall die gesamte Kombination austauschen.
Empfehlungen nach Kategorie
Die Wahl des richtigen Vorbaus hängt stark von der Kategorie des Rennrads ab:
- Race: Ein Vorbau aus Aluminium mit einem Winkel zwischen 6 und 8° und negativer Montage ist ratsam. Für eine sportliche Haltung sollte die Länge zwischen 110 und 130 mm betragen.
- Aero: Rennräder der Kategorie Aero hingegen sind meist mit Vorbauten aus Aluminium ausgestattet, die negativ montiert sind und einen Winkel von 17° haben. Der übliche Lenkwinkel ist hier 73°, wodurch sich ein waagerechter Vorbau und eine entsprechend gestreckte Sitzposition ergibt.
- Endurance/Tour: Für Räder der Kategorie Endurance/Tour eignet sich am ehesten ein Vorbau aus Aluminium. Der Winkel liegt zwischen 6 und 8° und kann positiv oder negativ montiert sein.
- Gravel/Cyclocross: Ein typischer Vorbau der Kategorie Gravel/Cross ist aus Aluminium mit einem Winkel von 6° bis 8° Grad. Bei Bedarf kann dieser auch positiv montiert werden. Er fällt tendenziell kürzer aus, also eher 90 mm bis 100 mm. Carbon- oder Leichtbauteile sind in dieser Kategorie eher unüblich.
Montage und Einstellung des Vorbaus
Nun, da wir wissen, welche Kenngrößen der Rennrad Lenker Vorbau hat und welche Einstellungen die besten sind, schauen wir uns Schritt für Schritt an, wie diese Einstellungen vorgenommen werden. Hier stellen wir einen herkömmlichen Schaftvorbau am Damenrad, einen verstellbaren Schaftvorbau am Touren- und Trekkingrad und einen Aheadvorbau am Mountainbike ein. Auch die richtige Lenkerposition lassen wir nicht außer acht.
Ein häufig auftretender Montagefehler ist ein zu hohes Anzugsdrehmoment. Oft denken Rennradfahrer, dass diese wichtige Verbindung besonders fest angezogen werden muss, doch das ist nicht der Fall. Das vorgeschriebene Drehmoment ist meist auf dem Vorbau vermerkt und sollte penibel eingehalten werden. Gerade an empfindlichen Gabelschäften aus Carbon können sich sonst schnell Schäden bilden. Hier auch auf das Drehmoment des Gabelschaftes achten. Sollten sich diese unterschieden immer das geringere Drehmoment wählen.
Der Vorbau muss von seiner Form her ebenfalls zum Gabelschaft passen. Gabelschäfte aus Carbon sollten nur mit Vorbauten kombiniert werden, die in ihrem Klemmbereich keine Aussparungen, Ausfräsungen, Bohrungen oder sonstige materialreduzierten Maßnahmen haben. In diesem Fall wird die Klemmkraft nicht über den gesamten Umfang übertragen, sondern punktuell oder ringförmig, was schnell zu Schäden führen kann.
Merke: Bei Gabelschäften sollte nach der Montage des Vorbaus nichts mehr vom Gabelschaft zu sehen sein.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für die korrekte Montage des Ahead Vorbaus:
- Benötigt werden der passende Inbusschlüssel bzw. Inbussteckeinsätze und ein Drehmomentschlüssel.
- Vorbau, Gabelschaft und Lenker müssen sauber und fettfrei sein.
- Bei der Material Paarung Aluminium Vorbau und Aluminium Gabelschaft einen dünnen Film Montagefett gegen Kontaktkorrosion auftragen.
- Bei der Material Kombination Aluminium/Carbon und Carbon/Carbon darf kein Fett verwendet werden, dafür solltest du eine spezielle Carbon-Montagepaste verwenden (sie erhöht die Reibung der Klemmverbindung auch bei kleinen Drehmomenten).
- Den Vorbau mit entsprechend vielen Spacern unterhalb und oberhalb der Klemmung auf die gewünschte Höhe bringen und unbedingt darauf achten, dass der Vorbau den Gabelschaft vollständig umschließt. Die Klemmung bleibt jetzt noch offen.
- Die Vorbaukappe auflegen und über das Anziehen der Inbusschraube den Steuersatz spielfrei einstellen. Es handelt sich um eine Einstellschraube, keine Befestigungsschraube, meist reicht hier schon ein Drehmoment von 1,5 Nm oder 2 Nm.
- Den Vorbau gerade ausrichten und die Klemmschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
- Den Lenker in der gewünschten Position montieren und je nach Material Paarung Montagefett oder Carbonpaste verwenden, die Klemmschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
- Bei Leichtbauteilen mit geringen Drehmomenten kann zur Erhöhung der Sicherheit eine mittelfeste Schraubensicherung (z.B. Loctite) verwendet werden.
- Abschließend den festen und gerade Sitz von Lenker, Vorbau und Steuersatz prüfen, ggf. nachjustieren.
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