Umrüstung eines Rennrads zum Gravelbike: Eine detaillierte Anleitung

Das Gravelbike erfreut sich immer größerer Beliebtheit und ist aus der Fahrradwelt nicht mehr wegzudenken. Optisch ähnelt es einem Rennrad, bietet aber mehr Flexibilität für Fahrten auf Schotterwegen und in leichtem Gelände. Wenn Sie ein Rennrad besitzen und überlegen, es in ein Gravelbike umzuwandeln, finden Sie hier eine umfassende Anleitung.

Tubeless-Umbau am Gravelbike

Viele Mountainbiker verzichten bereits auf den Schlauch im Reifen. Besonders die erhöhte Pannenresistenz und das bessere Fahrverhalten der Reifen sprechen dafür, den Schlauch auch am Gravelbike wegzulassen.

Für wen ist Tubeless am Gravelbike geeignet?

Wir würden den Tubelessumbau also vor allem Gravelern empfehlen, die ihr Bike hauptsächlich auf Schotterwegen und in leichtem Gelände bewegen und dadurch wirklich von den Vorteilen des Systems profitieren. Gravelbiker, die hauptsächlich auf Asphalt unterwegs sind oder das Rad überwiegend für den Weg zur Arbeit nutzen und zudem vielleicht keine Lust haben, den Luftdruck vor jeder Fahrt zu kontrollieren, sind beim herkömmlichen Schlauch wahrscheinlich besser aufgehoben.

Vorbereitung

Im Vorfeld solltest du noch sicherstellen, dass sowohl deine Reifen wie auch deine Felgen für einen Tubelessaufbau geeignet sind. Normalerweise machen die Hersteller das durch Kennungen wie: Tubeless Ready, Tubeless Easy, entsprechenden Kürzeln dafür oder im Fall von Mavic, mit UST kenntlich. Falls du auch hier nichts finden kannst, ist dein Material höchstwahrscheinlich nicht für den Tubelessaufbau geeignet.

Benötigte Materialien:

  • Tubeless Ventile in entsprechender Länge für deine Felge. Bei hohen Felgen, zum Beispiel Carbonfelgen, sind lange Ventile nötig. Mindestens 15mm länger als deine Felgenhöhe.
  • Tubeless Dichtmilch (50-70ml pro Reifen)
  • Tubeless-Felgenband (ca. 2mm breiter als die Maulweite deiner Felge)
  • Reinigungsmittel zum Entfernen von Kleberückständen

Anleitung:

  1. Laufräder demontieren: Im ersten Schritt demontierst du die Laufräder und anschließend die Reifen von den Laufrädern. Die beiden Schläuche kannst du als Ersatz aufheben. Falls du unterwegs mal einen irreparablen Reifenschaden haben solltest, kannst du im Notfall immer noch einen Schlauch einsetzen.
  2. Felgenband montieren: Jetzt solltest du checken, ob deine Felge bereits mit ein Tubeless-Felgenband ausgerüstet ist,oder ob du ein neues verkleben musst. Ein Tubeless-Felgenband hat eine plastikartige Oberfläche und klebt in der Felge.
  3. Falls das nicht der Fall ist, gehst du so vor: Entferne das alte Felgenband und reinige das Felgenbett von eventuellen Kleberesten und Schmutz.
  4. Das neue Felgenband setzt du zwei Speichenlöcher vor dem Ventilloch an und ziehst es mit gleichmäßiger Spannung auf die Felge. Am einfachsten funktioniert das Verkleben, wenn du das Laufrad wieder in das Bike einbaust. Hast du keinen Montageständer, kannst du das Bike auch einfach auf den Kopf stellen. Achte allerdings darauf, dass du dein Bike dabei nicht verkratzt.
  5. Am Ende lässt du das Felgenband wieder bis zwei Speichenlöcher nach dem Ventilloch überlappen, damit es dauerhaft fest sitzt. Jetzt musst du nur noch eine Öffnung für das Ventil durch das Felgenband stechen. Eine Schere oder ein Messer funktionieren dazu bestens.
  6. Ventil montieren: Das Ventil steckst du einfach durch die Felge und ziehst die Mutter fest an. Manche Ventile haben einen ausgeformten Sockel, der nicht zu jeder Felgenform passt, in der Regel funktioniert die Montage allerdings problemlos. Wie vorhin bereits kurz angesprochen, solltest du die Länge des Ventils entsprechend deiner Felgenhöhe wählen. Für hohe Carbonfelgen sind beispielsweise längere Ventile notwendig.
  7. Wir empfehlen dir, dass du ein Ventil wählst, das mindestens 15 Millimeter aus der Felge herausragt, damit du keine Probleme beim Aufpumpen deiner Reifen bekommst.
  8. Reifen aufziehen: Für das Aufziehen des Reifens, beziehungsweise das Einfüllen der Dichtmilch später, gibt es zwei Taktiken. Variante Zwei:Variante zwei ist unserer Meinung nach etwas sauberer. Du montierst den Reifen zu 90 % bis auf einen kleinen Teil auf Höhe des Ventils. Hier füllst du die Tubeless-Milch ein und drückst anschließend die letzten 10% des Reifens über die Felge. Dabei ist etwas Geschick erforderlich.
  9. Reifen aufpumpen: Die meisten Reifenhersteller haben zwar mittlerweile den Dreh raus, wie sie gut abdichtende Reifen bauen: Es gibt allerdings immer noch vereinzelt Kombinationen, die etwas widerspenstig sind und nicht direkt den Druck halten.
  10. Nach dem Aufpumpen solltest du deinen Reifen anschließend horizontal auf beiden Seiten schwenken, damit sich die Dichtmilch im ganzen Reifen verteilen kann. Hier sind ein paar Tipps, wenn sich dein Reifen nicht direkt aufpumpen lässt: Schraube den Ventileinsatz heraus, damit mehr Luft durch das Ventil strömen kann und versuche mit schnellen Pumphüben den Reifen so schnell wie möglich zu entfalten. Etwas Ausdauer bewirkt hier manchmal Wunder.
  11. Klappt das nicht, musst du zur Druckluft greifen. Bei Tankstellen, Autowerkstätten oder Fahrradläden gibt es häufig Kompressoren, die du mit einem entsprechenden Adapter nutzen kannst. Wichtig ist, dass der Reifen einmal auf das Felgenhorn gesprungen ist. Auch mit einem Kompressor solltest du es erstmal ohne Ventileinsatz versuchen, denn dieser wirkt wie eine Drossel und verringert den Luftstrom.
  12. Abschließend solltest du darauf achten, dass die Reifen richtig und gleichmäßig auf der Felge sitzen. Wenn dein Reifen an einer Stelle auch mit maximal zulässigem Luftdruck nicht auf das Felgenhorn springen möchte, solltest du die Luft nochmals ablassen und die Stelle mit etwas Seifenwasser befeuchten.

Anpassung von Komponenten

Reifenbreite und Rahmen

Das Gravelbike hat im Vergleich zu einem Rennrad deutlich breitere Reifen. Einige Rennräder verfügen über etwas mehr Platz an der Seite, um etwas größere Reifen montieren zu können, andere hingegen nicht. Die maximalen Reifendimensionen werden vom Fahrradhersteller festgelegt. Sie sollten daher in den technischen Daten Ihres Fahrrads nachsehen, welche Breite und Höhe es maximal zulässt.

Laufräder

Die Felgen selbst sind mit 28″ relativ groß. Statt schmalen Reifen hat ein Gravelbike meist dicke Pneus. Doch ein Stahlrenner hat nicht den Platz um diese Breite zu unterstützen. Die Lösung: 650B Laufräder (auch bekannt als 27,5″). Der Felgendurchmesser sinkt auf 584mm statt 622mm. Damit gewinnt man viel Platz um etwas größere Reifen aufzunehmen. Daraus entstehen aber auch die nächsten Probleme / Herausforderungen. Siehe Reifen unten.

Bremsen

Die Seitenzugbremsen müssen weg. In der Regel hat ein Offroad-Bike hydraulische Scheibenbremsen. Ältere Cyclocross-Räder auch Cantilever-Bremsen. Oder auch V-Brakes sind denkbar. Doch für alle drei Punkte muss der Rahmen ausgestattet sein. Für die Scheibenbremsen braucht es die Aufnahmen an Gabel und Rahmen. Bei Cantilever- und V-Brakes muss der Rahmen zwei Stifte an der richtigen Stelle haben um die Bremsen zu montieren. Beides hat ein Stahlrenner nicht. Doch es gibt auch hier Lösungen.

Tektro R559 Seitenzugbremsen kommen zur Rettung. Das sind ebenfalls Seitenzugbremsen, die jedoch mit extra langen Bremsschenkeln daher kommen. Die Zahl 559 steht für 26″ Reifen. Also klassisch würde man so eine Bremse am Hybrid-Bike oder BMX/Freestyle Rädern montieren. Aber warum nicht mit 650B Reifen am Graveller kombinieren? Die Bremsen lassen sich von 559mm auch auf 584mm umstellen, das sind 25mm Unterschied. So viel Spielraum ist auch in der Einstellung der Bremsschuhe. Zudem hat man dann einen besseren Bremshebel.

Schaltung

Prinzipiell könnte man jetzt das Rad weiterhin mit einer 2×8 oder 2×9 aufbauen. Moderne Bikes haben aber alle 1-fach Schaltungen, also nur ein Kettenblatt vorne. Wie wärs, kann man das nicht auf einem klassischen Rad montieren? Denkbar ist hier alles, denn es ist nicht direkt am Rahmen limitiert.

Freilaufkörper passend zu Kassette und Nabe

So findest Du den richtigen Freilauf Wenn auch die Wahl des richtigen Freilaufs beim Neukauf eines Rades, einer Hinterradnabe oder eines Systemlaufradsatzes ein wichtiger Faktor ist - beim Umbau, Upgrade oder Tuning spielt der Freilaufkörper sogar die Hauptrolle. Er stellt eine Vielzahnverbindung zur Kassette her, auf die Deine Beinkraft über die Kette übertragen wird.

Die gängigsten Montagestandards

Damit Du beim Einkauf den Überblick behältst, haben wir die gängigsten Montagestandards und Kassettenkompatibilitäten kurz zusammengefasst. Wenn Du einen schnellen Überblick suchst, findest Du den weiter unten.

Übersichtstabelle: Welcher Freilauf ist mit welcher Kassette kompatibel?

Art des Freilaufs Welche Kassetten passen vom Profil? Wie viele Ritzel kann die Kassette haben? Spacer benötigt?
Shimano MTB (HG spline M) Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (SunRace, OneUp Components, u. a.) Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) Nein
Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 1,85 + 1 mm
Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) Nein
Shimano Road (HG spline L) Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (Rotor, Miche, u. a.) Zwölffach-Road Nein
Elffach-Road (außer CS-HG800 und CS-HG700) Nein
Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) 1,85 mm
Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 1 mm
Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) 1,85 mm
Shimano 12-fach Road (HG spline L2) Shimano Zwölffach-Road Nein
Shimano 12-fach Micro Spline Shimano Zwölffach-MTB Nein
SRAM XD SRAM und div. Fremdanbietern (e*thirteen, KCNC, u. a.) Elf-/Zwölffach (MTB) Nein
SRAM XDR SRAM Zwölffach (Road) Nein
Elf-/Zwölffach (MTB) 1,85 mm
Campagnolo Campagnolo Ultra-Drive Neun-/Zehn-/Elf-/Zwölffach-Ultra-Drive Nein
Campagnolo N3W Campagnolo N3W 13-fach Nein
Elf-/Zwölffach Adapter (Art-Nr. 78166)

Alternativen zum Umbau

Wenn Sie mit den Einschränkungen eines umgebauten Rennrads nicht leben können, ist der Kauf eines "echten" Gravelbikes möglicherweise die bessere Wahl. Gravelbikes bieten von Haus aus die gewünschte Geometrie, Reifenfreiheit und Bremsoptionen.

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