Die Frage, ob Einsteiger-Hardtails überhaupt noch eine Daseinsberechtigung haben, lässt sich definitiv mit einem Ja beantworten. Zwar zählen Defekte am Dämpfer mittlerweile eher zur Seltenheit, sich lösende Schrauben am Hinterbau, Lagerspiel oder -defekte gehören aber sehr wohl zum Alltag eines Fully-Fahrers. Spätestens nach längerem Gebrauch in Kombination mit Nässe und Schmutz sind die Lager fällig und erfordern einen Austausch.
Warum ein Hardtail immer noch sinnvoll ist
Was zeichnet ein Hardtail überhaupt aus? Was spricht für dieses einzigartige Fahrgefühl? Ein Hardtail lebt in erster Linie vom geringen Gewicht und dem ungefilterten Vortrieb. Jede noch so kleine Kraftanstrengung wird verlustfrei in Vortrieb verwandelt. Das Bike lässt sich mit spielerischer Leichtigkeit über den Trail dirigieren und verschmilzt mit dem Fahrer zu einer Einheit.
Ein Hardtail kennt weder Antriebseinflüsse, noch die Notwendigkeit, einen Dämpfer blockieren zu müssen, egal, wie hart der Fahrer in die Pedale hämmert. Das gilt vor allem auf ebenen Untergründen, wo ein gefedertes Heck ohnehin keine Vorteile bringt.
Weniger Teile und simple Technik sprechen also klar für das Hardtail als robusten Begleiter. Hardtails sind robust und wartungsarm.
Die Qual der Wahl: Einsatzbereich und Ausstattung
Ist der Entschluss gefasst, ein Hardtail zu kaufen, stellt sich als erstes die Frage: Was will ich damit überhaupt machen? Steht der reine Ausdauer- und Fitnessaspekt mit Reserven abseits der Straße im Vordergrund, oder liegt der Fokus auf echtem Geländeeinsatz mit fordernden Trails? Im ersten Falle empfiehlt sich ein sportliches Cross Country-Bike. Wer im Gelände an der Fahrtechnik feilen will, landet mindestens beim Trail-Hardtail.
Geländetauglicher Fahrspaß beginnt daher meist erst um 1500 Euro. Dafür ist die Auswahl an Hardtails und die möglichen Einsatzbereiche deutlich gewachsen.
Mit Preisen von 1199 bis 1799 Euro sind die neun Hardtails im Test erfreulich bezahlbar, statt extravagant und unvernünftig. Alle neun Bikes richten sich an Einsteiger und wurden mit spitzem Bleistift kalkuliert. Da von diesen Rädern hohe Stückzahlen produziert und verkauft werden, sind es oftmals wenige Cent, die über die Spezifikation der Anbauteile entscheiden. Bei einem Preisunterschied von maximal 450 bzw. 600 Euro (das Stevens Sentiero für 1799 Euro diente als Referenz-Bike) muss man daher immer das Preis-Leistungs-Verhältnis und auch den Vertriebsweg im Auge behalten. Es ist klar, dass eine Fachhandelsmarke bei identischem Preis nicht das gleiche Ausstattungsniveau wie ein Versender liefern kann.
Auch der Händler als Ansprech- und Servicepartner vor Ort muss von irgendetwas leben und kümmert sich um kleinere wie größere Belange. Das verursacht selbstverständlich Kosten. Mit Drag, Whyte und Canyon sind drei Versender mit im Test, wobei Drag und Whyte zusätzlich auch über ausgewählte Fachhändler verkaufen. Lediglich Canyon bietet seine Bikes ausschließlich online an. Bei einem Preis von 1449 Euro lassen die Koblenzer ihre Muskeln spielen. Die verbauten Komponenten am Grand Canyon stechen geradezu heraus. Eine bessere Ausstattung findet sich an keinem der Bikes - nicht mal am Referenz-Bike von Stevens.
Erste Ausflüge ins Gelände sind mit den Hardtails aus unserem Test allemal möglich.
Details, die den Unterschied machen
Wer bei Null startet, muss noch etwas Budget (200 - 300 Euro) für essenzielle Ausrüstung einplanen. Helm, Brille, Handschuhe und idealerweise MTB-Schuhe sind genauso notwendig wie ein Ersatzschlauch, Mini-Tool, Mini-Pumpe und oftmals nicht im Lieferumfang enthaltene Pedale.
Ist das Budget auf 1500 Euro begrenzt, führt bei der Neuanschaffung kein Weg am Hardtail vorbei. Wer allerdings noch unschlüssig ist, ob nicht vielleicht doch ein Fully die bessere Wahl wäre, muss tiefer in die Tasche greifen oder gebraucht kaufen. Empfehlenswerte Trailfullys, wie etwa das Vitus Mythique (BIKE 4/23), starten bei knapp unter 2000 Euro. Dafür ermöglicht das Fully einen kompromisslosen wie komfortablen Geländeeinsatz.
Steigende Produktionskosten und Inflation schrauben die Ausstattung runter und die Gewichte hoch.
Top Hardtails aus 2024 im Überblick
Hier ist eine Übersicht über einige der besten Hardtails aus 2024, die in verschiedenen Tests und Vergleichen hervorgehoben wurden:
- Canyon Exceed CF: Canyons Race-Hardtail mit bestem Preis-Leistungs-Verhältnis, ab 1599 Euro.
- Bulls Black Adder: Entwickelt mit Profis für Marathons und Etappenrennen, ab 2599 Euro.
- Cube Phenix: Modernes Racebike mit leichtem Carbon-Rahmen, ab 5399 Euro.
- Trek Procaliber Gen 3: Abfahrtsorientiertes Hardtail mit 120-mm-Federgabel, ab 1999 Euro.
- Mondraker Podium: Extrem leichtes Racebike mit rekordverdächtigem Gewicht, ab 3999 Euro.
- Ghost Lector: Vielseitiges Hardtail für Rennstrecke und Trail, ab 2299 Euro.
- Rose Bonero: Trail-Hardtail mit 140-mm-Federweg und progressiver Geometrie, ab 1299 Euro.
- Merida Big.Nine TR: Down-Country-Hardtail für den Spagat zwischen Downhill und Cross-Country, ab 1449 Euro.
- Scott Scale Gravel RC: Starrgabel-Hardtail für schnelle, technisch wenig anspruchsvolle Strecken, ab 4999 Euro.
- Bike Ahead The Frame: Ultraleichter Carbon-Rahmen für ambitionierte Leichtbau-Projekte, Rahmen ab 1979 Euro.
- Yeti ARC: Vielseitiges Hardtail mit 130-mm-Gabel für technische Trails und Bikepacking, Preis nicht angegeben.
Worauf Sie bei einem Hardtail bis 1500 Euro achten sollten
Beim Kauf eines Hardtails in der Preisklasse bis 1500 Euro gibt es einige wichtige Punkte zu beachten:
- Rahmen: In dieser Preisklasse sind ausschließlich Alu-Rahmen zu finden. Ein guter Alu-Rahmen sollte nicht über 1800 g wiegen.
- Federgabel: 100-mm-Federgabeln sind Standard, einige Modelle bieten 120 mm Hub.
- Radstand: Ein mittlerer Radstand von etwa 1110 mm (Größe M) bietet eine ausgewogene Balance zwischen Laufruhe und Wendigkeit.
- Kettenstrebenlänge: Kurze Streben fördern die Drehfreude, lange Streben verbessern die Klettereigenschaften.
- Sitzwinkel: Ein Winkel von mindestens 73,5-74,5° sorgt für eine ergonomische Tretposition.
- Lenkwinkel: Flachere Lenkwinkel unter 69° sind im Trend und sorgen für mehr Laufruhe.
- Oberrohr: Ein guter Mittelwert für die Oberrohrlänge liegt bei etwa 590-595 mm (Größe M).
- Reach: Ein Reach von 420-425 mm (Größe M) ist ausgewogen und sorgt für ein sicheres Fahrgefühl.
- Laufräder/Reifen: Achten Sie auf Reifen mit ausreichend Profil und einer Breite von 2,25".
- Cockpit: Schmale Lenker unter 700 mm sind nicht mehr zeitgemäß. Cockpits mit 720-mm-Lenker und 80-mm-Vorbau sind ideal.
- Bremsen: 180-mm-Scheiben vorne sind Pflicht, auch hinten wären 180-mm-Rotoren besser.
Berücksichtigen Sie diese Aspekte, um das passende Hardtail für Ihre Bedürfnisse und Ihr Budget zu finden.
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