Die Halden-Fahrradroute im Ruhrgebiet: Eine Entdeckungstour

Im Ruhrgebiet gibt es keine Berge? Das stimmt nicht so ganz! Denn zu Hochzeiten der Industrie im Ruhrgebiet sind aus der Aufschüttung von Abraum, Schlacke und Bauschutt große Hügel entstanden, die die Landschaft des Ruhrgebiets nachhaltig verändert haben.

Sie sind die Berge des Ruhrgebiets: die Halden! Entstanden aus dem Abraum des Steinkohleabbaus und den Resten der Stahlindustrie waren sie lange Zeit toter Raum. Doch sie wurden renaturiert und viele von Ihnen von Künstlern mit markanten Landmarken zu kleinen Wahrzeichen des Ruhrgebiets gekrönt.

Weite Panoramablicke und außergewöhnliche Fotomotive - eine Halde gehört einfach zu einem Besuch im Ruhrgebiet dazu. Als weithin sichtbare Überbleibsel aus der Zeit des Steinkohlenbergbaus haben Halden eine erstaunliche Wandlung hinter sich: von hässlich kargen Abraumbergen zu begrünten Naherholungsgebieten.

Die RevierRoute „Haldenglück“ ist eine Streckentour, die Euch auf rund 38 Kilometern an den Halden vorbei führt und deswegen mit knapp 190 Höhenmetern leicht zu bewältigen ist. Wer dagegen die volle Haldenerfahrung machen möchte, sollte auch die eine oder andere Halde erklimmen.

RevierRoute „Haldenglück“

Insgesamt gibt es 15 thematische RevierRouten, die durchs Ruhrgebiet führen und dabei immer ein spezielles Thema erzählen. Die RevierRoute „Haldenglück“ ist knappe 40 Kilometer lang (ohne die Auffahrten auf die Halden) und zeigt uns Radlern die Berge des Ruhrgebiets - die Halden.

Die RevierRoute „Haldenglück“ führt auf 39 Kilometern Länge zu gleich mehreren Halden. Vom Hauptbahnhof in Essen führt Euch die Route zum Bahnhof in Recklinghausen. Mit der Bahn kommt Ihr am Ende dann wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Startpunkt und Anreise

Ausgangspunkt der Radtour ist der Essener Hauptbahnhof. Der Hauptbahnhof Essen ist ideal ans Schienennetz der Deutschen Bahn angebunden, daher sollte die Anreise aus allen Himmelsrichtungen sehr leicht funktionieren. Die Fahrstühle sind zwar gewohnt eng, aber auch mit E-Bike solltet Ihr gut von den Bahnsteigen nach unten gelangen.

Als Streckentour startet diese RevierRoute direkt am Hauptbahnhof in Essen. Damit ist die Tour ideal an den Fern- und Regionaverkehr angeschlossen. Eine Radstation befindet sich direkt am Hauptbahnhof. Mit dem Auto empfiehlt sich ein Parkplatz etwas weiter außerhalb der Innenstadt oder man startet die Tour erst auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein.

Die Route durch Essen

Zunächst führt die Tour durch die Essener Innenstadt. Auch wenn weite Teile der Fußgängerzone für Radler tabu sind, so ist dennoch eine Strecke mit dem Rad erlaubt. Ab dem Knotenpunkt 57 folge ich der Ausschilderung zum Knotenpunkt 59 durch kleinere Stadtstraßen, viele davon zu Fahrradstraßen umgewidmet. Zwar gehört dieser erste Teil nicht zu den schönsten Fahrradstrecken in Deutschland, aber für eine Großstadt ist das schon ok.

Start der Tour: Vom Hauptbahnhof führt die Tour zunächst direkt durch die Essener Innenstadt Richtung Norden. Ab dem Knotenpunkt 57 im Univiertel verläuft die Route dann über kleinere Stadtstraßen und vorbei an einer Kleingartenkolonie zum UNESCO-Welterbe Zollverein.

UNESCO-Welterbe Zollverein

Ein paar Pedalumdrehungen weiter und ich gelange auf das Gelände des UNESCO-Welterbe Zollverein. Mit dem Rad fahre ich zuerst an der ehemaligen Kokerei vorbei, dann gelange ich zur alten Schachtanlage 1/2/8. Natürlich sollte man hier den kurzen Abstecher zum bekannten Fotospot auf dem Ehrenhof vor der Schachtanlage 12 machen. Als Radler zieht es mich schließlich weiter. Am gewaltigen Kubus des SANAA-Gebäudes vorbei verlasse ich das Gelände über den Zollvereinweg. Endlich bin ich auf einer Bahntrasse und das Radeln wird wieder entspannter. Bereits nach wenigen Metern biege ich am Knotenpunkt 60 nach rechts ab. Über die Kray-Wanner-Bahn gelange ich schnell nach Gelsenkirchen.

Die Zeche Zollverein in Essen: Über 12.000 Tonnen Steinkohle täglich kamen hier zur Blütezeit der Zeche zu Tage. Was viele nicht wissen: etwa die gleiche Menge Gesteinsmaterial wurde zusätzlich gefördert. In der Kohlenwäsche wurde die Kohle vom Gestein getrennt. Heute befindet sich das Ruhr Museum in der Kohlenwäsche. Hier erfährt man viel über die Geschichte des Ruhrgebiets - auch über die Halden. Ein äußerst lohnenswerter Besuch zum Start der Tour.

Schon direkt auf dem Gelände von Zollverein steht eine erste Halde, die jedoch nicht mit dem Rad erklommen werden kann. Über den Zollvereinweg und später über die Kray-Wanner-Bahn führt die RevierRoute dann weg vom Zechengelände Richtung Osten. Radler passieren dabei die Schachtanlagen von Zollverein 3/7/10 und Bonifacius.

Halde Rheinelbe

Hier wartet die erste kleine Bergwertung auf mich. Über einen Schotterweg gelange ich auf die Halde Rheinelbe. Am Wegesrand stehen Ausstellungsstücke, die zum Skulpturenwald des Künstlers Hermann Prigann gehören. Ein kleiner See liegt kurz unterhalb der Himmelstreppe, dann bin ich auch schon oben. Die Halde Rheinelbe gehört zu den niedrigeren Halden, daher ist der Aufstieg schnell geschehen. Das Kunstwerk auf der Haldenspitze wird gerne auch als Himmelstreppe bezeichnet.

Die erste Halde, die auf dieser RevierRoute erklommen werden will, ist die Halde Rheinelbe. Während der Auffahrt passieren Radler Exponate des Skulpturenwaldes des Künstlers Herman Prigann. Die Himmelstreppe auf der Haldenspitze, oft auch als Himmelsleiter bezeichnet, ist das Hauptkunstwerk. Von oben öffnet sich ein schönes Panorama über das westliche Ruhrgebiet.

Die Halde Rheinelbe gehört zu den wenigen brennenden Halden. In Ihr wurden Temperaturen bis zu 400 Grad Celsius gemessen, die durch hohen Druck, Sauerstoff und Wärmestau entstehen können und die zur Sicherheit regelmäßig kontrolliert werden. Gefährlich ist dies für Radfahrer natürlich nicht, an der Oberfläche bekommt man davon kaum was mit.

Halde Pluto

Wieder unten, fahre ich weiter über die Kray-Wanner-Bahn nach Osten und biege an der Erzbahnbude auf die Erzbahntrasse nach Norden ab. Jetzt geht es leicht bergab und man muss aufpassen, dass man den Abzweig zur Halde Pluto nicht verpasst. Auch sie ist nicht sehr hoch, bietet keinen 360-Grad Ausblick, dafür aber dennoch schöne Ausblicke auf die Zechen Pluto und Unser Fritz, etwas weiter entfernt auch die Zeche Consol in Gelsenkirchen. Das schönste an der Halde Pluto ist, dass es hier nur wenige Leute hin verschlägt und man die Halde meist ganz für sich alleine hat.

Die Tour führt weiter über die Kray-Wanner-Bahn zum beliebten Radlertreff Erzbahnbude. Von hier verläuft die RevierRoute nun in nördlicher Richtung über die Erzbahntrasse. Kurz vor dem Rhein-Herne-Kanal zweigt rechts ein kurzer Abstecher zur Halde Pluto ab. Die Aussichtsplattform ist schnell erreicht. Der Panoramablick fällt gleich auf mehrere Zechentürme, von der nahegelegenen Zeche Pluto über die Zechen Unser Fritz und Ewald im Norden hin zur Zeche Consol in westlicher Richtung.

Halde Hoppenbruch und Hoheward

Schon nach wenigen Minuten führt mich die RevierRoute „Haldenglück“ an der ZOOM Erlebniswelt vorbei zum Rhein-Herne-Kanal. Ich überquere die Emscher und befinde mich nun im sogenannten Emscherbruch. Leider ist die Originalroute aktuell aufgrund einer Baustelle nicht fahrbar, daher folge ich der Baustellenumfahrung. Schließlich gelangt man auf das Gelände der Zeche Ewald und den umliegenden Halden Hoppenbruch und Hoheward.

Am Ende der Erzbahntrasse quert man über die wunderschöne Brücke „Grimberger Sichel“ den Rhein-Herne-Kanal. Von hier führt die RevierRoute durch den Emscherbruch zur Zeche Ewald. Hier erwarten Radfahrer gleich zwei tolle Halden, die zusammen als Landschaftspark Hoheward die größte Haldenlandschaft Europas bilden: die Halde Hoppenbruch und die Halde Hoheward.

Zuerst radel ich auf die Halde Hoppenbruch hoch, die von vielen einfach nur als „Halde mit dem Windrad“ bezeichnet wird. Unter Mountainbikern, speziell unter Freeridern, hat die Halde mittlerweile einen hervorragenden Ruf. Einige schöne Trails mit zum Teil spektakulären Sprüngen wurden hier völlig legal angelegt. Ich finde es unvorstellbar, dass dieser Berg tatsächlich komplett von Menschenhand erschaffen wurde. Zusammen mit der Halde Haniel in Bottrop gehört die Halde Hoheward zu den höchsten Halden im Ruhrgebiet. Mit seinen gesamten Ausmaßen ist der Landschaftspark Hoheward sogar die größte Haldenlandschaft Europas!

Die Halde Hoppenbruch ist vor allem für ihr legales Netz an Enduro-Touren für Mountainbiker bekannt. Aber auch mit dem Trekkingrad lohnt sich die Auffahrt zur Haldenspitze, die mit einem modernen Windrad gekrönt ist. Ein schöner Ausblick auf die benachbarte Halde Hoheward lässt die Größe der Haldenlandschaft erkennen.

Die Auffahrt ist tatsächlich eine kleine Bergwertung und man kommt schon mächtig ans Pusten. Nach einem unfassbar guten (und riesigem!) Stück Blaubeerkuchen im Café Ewald mache ich mich auf die letzten Kilometer. Über die Allee des Wandels fahre ich weiter nach Recklinghausen.

Sie ist wohl die Königin der Halden: die gewaltige Halde Hoheward mit ihren zwei Haldenplateaus, auf denen eine Sonnenuhr und die markanten Bögen des Horizontobservatoriums stehen. Die Bögen, die man von beinahe jedem Ort im Ruhrgebiet sehen kann, müssen leider aufgrund eines Baumangels durch Stahlstreben gestützt werden. Dennoch ist die Halde Hoheward ein majestätischer Ort mit einem außergewöhnlichen Panoramablick, der die Strapazen der kräftezehrenden Auffahrt bei weitem übersteigt.

Die Schlussetappe

Von der Halde Hoheward aus führt die Tour über die Allee des Wandels und eine weitere Bahntrasse nach Recklinghausen. Wenn sich die Blätter färben und der Herbst Einzug hält, haben Radler zwei Möglichkeiten, sich dem völligen Genuss der „Goldenen Jahreszeit“ hinzugeben. Entweder fährt man mitten hinein in die goldenen Wälder, was zum Beispiel wunderbar in der Haard, in der Kirchheller Heide, im EN-Kreis oder den Wäldern südlich von Duisburg machbar ist. Oder man erklimmt Aussichtspunkte, von denen man das bunte Farbenspiel von oben betrachten kann.

Mountainbike-Touren

Zum Mountainbiken eignet sich die Halde Hoppenbruch besonders gut. Hier gibt es einen offiziellen Enduro-Kurs für Mountainbiker! Auf der Halde Hoheward findet Ihr einen gemäßigteren Cross-Country-Trail. Auch ohne Mountainbike könnt Ihr die beiden Halden erklimmen. Wir empfehlen die Anreise mit dem Rad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer mit dem Auto einen Parkplatz sucht, kann es bei dieser Adresse (ggf.

Unter Mountainbikern, speziell unter Freeridern, hat die Halde mittlerweile einen hervorragenden Ruf. Einige schöne Trails mit zum Teil spektakulären Sprüngen wurden hier völlig legal angelegt.

Einige schöne Trails mit zum Teil spektakulären Sprüngen wurden hier völlig legal angelegt. Ich finde es unvorstellbar, dass dieser Berg tatsächlich komplett von Menschenhand erschaffen wurde.

Einige schöne Trails mit zum Teil spektakulären Sprüngen wurden hier völlig legal angelegt.

Wenn Du die erste Vorgänger-Tour kennst, dann versuch mal Version 2.0. Es ist immer noch DIE MTB-Ruhrgebiet-Tour schlechthin, aber einfach neu. Diese Tour ist wie so vieles hier im „Pott“, ständig im Wandel und macht einfach süchtig.

Unter Bergsportlern eine Marke: 7 Summit - die 7 höchsten Gipfel der Erde besteigen. Wir sind bescheiden und machen das im Ruhrgebiet. Unser Vorteil: Wir benötigen nur ein kleines Expeditionsteam und sind nach einem Tag auch schon fertig mit den 7 Gipfeln.

Die sieben Gipfel des nördlichen Ruhrgebiets sind künstlich und bestehen aus aufgeschüttetem Gesteinsmaterial aus dem Bergbau - sogenannte Bergehalden. Sieben davon werden wir erklimmen - davon auch zwei, die ganz besondere Mountainbikehalden sind. Tolle Perspektiven, wahnsinnige Weitblicke und natürlich Halden-Trails, wie es sie so nur im Ruhrpott gibt.

Hinweise

Auf manchen Gipfeln entstanden zudem außergewöhnliche Landmarken. Fast immer verläuft unsere Rundtour auf asphaltierten Wegen und selten über stark frequentierte Straßen.

Hinweisschilder zu den einzelnen Landmarken sind in der Regel nur im näheren Umkreis zu finden, daher sind gutes Kartenmaterial oder der angebotene GPS-Track sehr hilfreich. Die Auffahrtswege zu den Haldengipfeln sind häufig steinig und steil. Hier ist äußerste Vorsicht geboten. Ansonsten sind die Verbindungsetappen flach. Immer wieder führen auch längere Abschnitte über gut ausgebaute ehemalige Bahntrassen.

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