Hardtail für Trails Test: Die besten Modelle im Überblick

Wow - über 35 Jahre sind bereits vergangen, seitdem das allererste Serienmountainbike an den Start rollte, um vom sonnigen Kalifornien aus die Radwelt zu erobern. Erstaunlicherweise hat sich bis heute - trotz des mächtigen Erfolgs von Fullys, die mit top Fahrwerken gegen jedwede Geländefiesheit gewappnet sind - das Hardtail behauptet. Ein direktes, kerniges Fahrgefühl zeichnet es aus; ein Rad, dessen starres Heck jeden Pedaltritt (einen steifen Rahmen vorausgesetzt) fast unmittelbar in Vortrieb münzt. Wo man auf ein fehlerverzeihendes, traktionsschaffendes Fahrwerk verzichtet, will eine anspruchsvollere Abfahrt umso engagierter erarbeitet sein. Dies schließlich bildet einen zentralen Reiz des Hardtail-Mountainbiking.

Hardtail oder Full-Suspension? Die Diskussion darüber, welches davon besser ist, wird niemals alt. Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass dir beide ein je eigenes Fahrgefühl verschaffen und dir schon im Vorhinein klar sein sollte, was du wirklich willst. Ein Hardtail bringt dich im Gegensatz zu seinem Pendant an deine Grenzen und beansprucht deine Skills wie kein anderes Bike. Um dir bei der Auswahl unter die Arme zu greifen, liefern wir dir die besten Modelle.

Was ist ein Trailhardtail?

Es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen einem Trail- und einem Enduro Hardtail. Beide Begriffe beschreiben letztendlich die selbe Art von Mountainbike. Und zwar geht es in beiden Fällen um Hardtails, also Mountainbikes ohne gefedertes Heck. Im Gegensatz zu einem normalen Mountainbike Hardtail hat ein Trailhardtail aber eine Federgabel mit mindestens 120 Millimeter Federweg. Außerdem ist die komplette Ausstattung mit breiten Reifen, Telesekopstütze und die Geometrie von Trailhardtails deutlich abfahrtslastiger. Klassische Cross Country Hardtails mit 100 Millimeter Federweg sind etwas konservativer unterwegs. Bei Trailhardtails steht der Fahrspaß in der Abfahrt im Vordergrund.

Vorteile von Trailhardtails:

  • Preis: Einer der entscheidenden Vorteile von Trailhardtails gegenüber Trailfullys ist ihr Preis. Gute Trailhardtails gibt es schon für knapp über 1000 €, während man für gleichwertige Trailbike Fullys mindestens 3000 € rechnen muss.
  • Robustheit: Trailhardtails sind relativ robust. Während bei Fullys oft der Hinterbau gepflegt werden muss, kann an einem Trailhardtail relativ wenig kaputt gehen.

Nachteile von Trailhardtails:

  • Komfort: Wer mit einem Trailhardtail auf dem Singletrail richtig Gas gibt, der wird ordentlich durchgeschüttelt. Auch wenn die Federgabel, die Reifen und die Geometrie nach Vollgas Fahrten bergab lechzen, bleibt das Heck eines Trailhardtails starr.

Die besten Hardtails 2024: Eine Übersicht

Hardtails bleiben ein fester Bestandteil der Mountainbike-Szene - zeitlos, direkt und unschlagbar wartungsarm. Neben den bekannten Größen überraschen 2024 vor allem einige spannende Exoten, die das Hardtail neu interpretieren.

VPace C4M: Leichtbau zum fairen Preis

Mit knapp unter 8,2 Kilo wiegt das VPace C4M weniger als ein kleiner Kasten Bier. Für 3199 Euro kommt der Rigid-Racer mit leichtgewichtiger Carbon-Starrgabel, hochwertigen Magura Bremsen und Sram GX Eagle Schaltung. Extraleichte Anbauteile aus eigenem Hause helfen beim Traumwert an der Waage. Mit leichten Laufrädern räumt das C4M Hardtail im Bike-Labor Bestwerte ab. Durch sanftes Gelände lässt sich das VPace bewegen wie der geölte Blitz, und macht klar, warum leichte Bikes einfach geil sind.

Canyon Grand Canyon 8: Günstiger Einsteiger-Liebling

Gerade für Einsteiger machen Hardtails viel Sinn: Der Anschaffungspreis bleibt in den meisten Fällen überschaubar und auf den unkomplizierten Bikes lernen Novizen Fahrtechniken oft schneller. Deshalb testeten wir Anfang des Jahres Hardtail-Mountainbikes für Neueinsteiger. Unter sieben günstigen Modellen mit Alu-Rahmen ging das Canyon Grand Canyon 8 als Testsieger hervor. Das gute Preis-Leistungsverhältnis und der breite Einsatzbereich des Bikes mit 120-Millimeter-Gabel konnten uns voll überzeugen. Für 1440 Euro bekommt man bei Canyon dank Direktversender-Konzept neben der Fox-Federgabel einen funktionalen Antriebs-Mix aus Shimano SLX und XT Komponenten.

Marin Alcatraz 24: Kinder-Bike mit Style

Auch für Kinder stellen Hardtails eine besonders gut passende Bike-Gattung dar. Auf ihr geringes Körpergewicht lassen sich die Federelemente vieler Fullys gar nicht erst einstellen. Marin präsentierte Anfang des Jahres eine ganze Palette neuer Kinder-Hardtails. Kürzlich dann auch das bunte Alcatraz 24. Kinder begeistert man am nachhaltigsten mit Action und Spaß für den Mountainbike-Sport. Deshalb ist es nur konsequent, dass Marin ein Dirtbike speziell für den Nachwuchs anbietet. Dank Starrgabel bleibt das Gewicht auf dem Boden, während die Kids auf Pumptrack und Dirtline abheben können. Kostenpunkt für den kleinen Sprungteufel: 999 Euro.

Rose Bonero Plus 2: Leichtes Carbon-Hardtail mit Motor

Dass E-Bikes nicht zwingend schwer sein müssen, zeigt Rose mit dem 16,86 Kilo leichten Bonero Plus. Dank Hardtail-Rahmen aus Carbon und kompaktem TQ-Motor mit maximal 50 Newtonmeter Drehmoment bleibt das Gewicht schön niedrig. Ein leichtgewichtiger 360-Wattstunden-Akku sorgt für die schlanke Silhouette und natürliche Fahreigenschaften. Das Modell Bonero Plus 2 mit Shimano-XT-Antrieb kostet 4999 Euro.

Bike Ahead The Frame

Leichtbau-Hardtails sind faszinierende Blüten des Mountainbike-Sports. Im Rahmen unseres Vergleichstests aktueller High-End-Hardtails konnten wir vier Supersportler gegeneinander ausfahren. Der Sieger nach Punkten: Das 8,3 Kilo leichte Bike Ahead The Frame. Erstmals bauen die Carbon-Spezialisten einen Hardtail-Rahmen. Dieser entsteht in Europa, genauer gesagt in Portugal, und kostet mit 1978,99 Euro trotzdem deutlich weniger als die Hochglanz-Produkte der meisten Konkurrenten. Den Testsieg sichert sich das Edel-Hardtail nicht nur aufgrund des geringen Gewichts, sondern auch wegen seiner spaßigen Fahreigenschaften.

Cube Reaction C:62 Pro: Der Publikums-Liebling

Dass sich Mountainbikes von Cube blendend verkaufen, ist kein Geheimnis. Allen voran die Hardtails der Reaction-Serie. Diese erhielten vor wenigen Wochen ein umfangreiches Update-Paket. Das neue Cube Reaction C:62 2025 buhlt mit einem leichten Carbon-Rahmen inklusive integrierter Sattelklemme und mit fairen Preisen um die Hardtail-Kundschaft. In der Pro-Ausführung mit Shimano-XT-Antrieb werden lediglich 1999 Euro für das 10,6 Kilo leichte Racebike fällig. Im BIKE-Test punktete der Tausendsassa mit Wendigkeit und Funktion.

Trek Procaliber Gen 3: Racer mit der Extraportion Komfort

Manch einer mag Hardtails einen Mangel an Komfort vorwerfen. Beim Trek Procaliber Gen 3 sind die Bedenken überflüssig. Reserven bietet nicht nur die Federgabel mit 120 Millimetern Hub, sondern auch das in den Rahmen integrierte IsoBow-Hinterbau-Konzept. Eine flexende Konstruktion am Übergang vom Oberrohr zu den Sitzstreben soll Ermüdung beim Fahrer reduzieren und gleichzeitig rund 200 Gramm Gewicht im Vergleich zum Vorgänger einsparen. Preise starten ab 1999 Euro, Gewichte ab 10,58 Kilo.

Kona Unit X: Die Sorglos-Dampfwalze aus Stahl

Ganz neu ist das Kona Unit nicht. Muss es auch nicht, denn sein vielseitiger Hardtail-Rahmen aus stahl ist absolut zeitlos. Zahlreiche Verschraubungspunkte für Trinkflaschen und Gepäck machen es zu einem idealen Bikepacking-Packesel. Für Dämpfung und Komfort sorgen 2,6 Zoll fette Reifen. Ganz leicht ist das Unit X mit 14,21 Kilo nicht, dafür hat das 1699 Euro günstige Mountainbike mit Starrgabel ganz andere Qualitäten. Top für gemütliche Touren: Der Lenkwinkel steht flach, die Sitzposition ist komfortabel.

Ghost Lector HT Worldcup 30: Länger als ein Enduro, leichter als ein Gravelbike

Ghost ist sein einigen Jahren für äußerst progressive MTB-Geometrien bekannt. Mit dem neuen Ghost Lector HT schießen die Bayern aber den Vogel ab. Der Reach ist derart üppig, dass er selbst die Werte von Enduro-Bikes übertrifft. Gleichzeitig bleiben die Kettenstreben zugunsten der Wendigkeit kompakt und das Gewicht in Größe XL mit 10,24 Kilo gering. 120 Millimeter Federweg an der Gabel und 2,4 Zoll breite Reifen sorgen für zusätzliche Reserven. Preise für das potente Carbon-Hardtail starten bereits ab 2299 Euro.

Liv Lurra E+: E-MTB-Hardtail speziell für Frauen

Dieses E-Bike-Hardtail speziell für Frauen mit 130-Millimeter-Federgabel sowie gutmütiger Geometrie bietet eine ganze Vielzahl von Anwendungsgebieten. Preislich startet das E-MTB bei 3499 Euro. Auch Ausstattungsvarianten mit Schutzblechen und Gepäckträgern führt Liv im Programm. So hat das neu vorgestellte E-Hardtail das Zeug zum Alltagshelden.

E-Trail-Hardtails: Unterstützung bergauf und Fahrspaß bergab

Diese bringen nämlich frischen, elektrischen Wind ins bekannte Hardtail-Konzept: E-Trail-Hardtails mit Motor. Gleich mehrere erstklassige Abfahrten kurz hintereinander tätigen, links, rechts durch schnelle Anlieger fegen und sich echten, fahrtechnischen Herausforderungen stellen, solange man noch gut bei Atem ist? Dabei stellen die sieben E-Trail-Hardtails eine adäquate Unterstützung dar. Den Bikes im Testfeld mit einer Preisspanne von 3500 bis 4000 Euro gemein: Sie zielen mit robuster Ausstattung, (meist) breitem Lenker, Gabelfederwegen von 120 bis 140 mm sowie absenkbarer Variostütze auf top Fahrspaß bergab und -auf.

Für möglichst ausgewogene Uphill- und Downhill-Fahrfertigkeiten müssen die Bikes mit einer Geometrie gezeichnet sein, die den E-Biker im Idealfall jederzeit effektiv unterstützen. Allen vier Antrieben ist gemein, dass sie in der Eco-Motorstufe auf dauerhaft steilen Anstiegen überschaubaren Motorschub bereitstellen. Dass dabei, Motorunterstützung hin oder her, ein leichteres Bike vorteilhaft ist, demonstriert exemplarisch das Bold2 29 von Focus. Mit 20,3 Kilo lässt sich der 29er auch bei intensiver Kraxelei angenehm leichtfüßig bewegen.

Deren kraftvolle, dynamisch an der eingebrachten Tretleistung orientierte Unterstützung bringt den Biker durch die meisten Fahrsituationen ziemlich souverän. Einzig in extrasteilen Passagen oder etwa, wenn die Kräfte rapide zu Ende gehen, greift man gern auf die höchsten Unterstützungslevels zurück. Nach wie vor agiert hierbei Bosch‘ Turbo-Modus besonders schubstark, aber auch der Yamaha-Motor erweist sich in stärkster Motorstufe als spritzig. Darauf muss sich der E-MTB-Einsteiger durchaus erst einlassen. Störend war das Nachlaufen des Panasonic-Motors am Flyer: Etwa vor engen Serpentinen gilt es, dies einzukalkulieren, will man nicht in die Bremsen greifen. Überdies fiel auf, dass der kleinere 378-Wh-Akku am Focus deutlich früher erschöpft war als die Konkurrenz.

Wie vielschichtig das Thema E-Trail-Hardtail ausgestaltet ist, zeigt das Testfeld. Von stark tourenlastigen Bikes wie dem Haro, Haibike und Flyer bis hin zu echten Abfahrtsprofis à la Mondraker reicht die Auswahl. Das spanische Bike, dessen Geometrie mit langem Hauptrahmen und kurzem 30-mm-Vorbau auffällt, beweist: Das Konzept Hardtail lässt sich erfrischend neu denken! Ermutigt von der kaum erschütterbaren, laufruhigen Mondraker-Geometrie, bergab an seine Grenzen zu fahren - das hat was! Tolle Allroundeigenschaften auf unterschiedlich anspruchsvollen Trails sprechen fürs Orbea, Focus und Merida.

Trailhardtails: Für wen sind sie geeignet?

Trailhardtails sind eine sehr gute Wahl, wenn:

  • du ein günstiges Mountainbike für maximalen Fahrspaß bergab suchst.
  • du ein tourenfähiges Bike für Enduro Trails suchst und unter 2000 € ausgeben willst.
  • du trailsüchtig bist und ein begrenztes Budget hast.

Federweg am Hardtail: Wie viel macht Sinn?

Bei der Frage nach dem Federweg am Hardtail ist aber mehr nicht zwingend besser. Mit einem starren Heck wird es schwer, das Potenzial zu heben, das die Gabel, Reifen und Bremsen von so einem Trail-Hardtail mit 140 mm Federweg haben.

Trailhardtails mit 140 mm Federweg haben ihre Berechtigung für Biker, die den Abfahrtsspaß über alles stellen und ein geringes Budget haben. Wenn du gerne auf ganz ruppige Trails abbiegst, aktuell aber nur 2000-2500 € für ein Bike ausgeben kannst, sind Trailhardtails eine sehr gute Wahl. Denn sie sind leichter und vor allem hochwertiger ausgestattet als Fullys.

Weitere Top-Hardtails aus 2024:

  • Canyon Exceed CF: Das flinke Exceed ist und bleibt ein Garant für schnelle Runden - auf und abseits des Tracks.
  • Bulls Black Adder: Das neue Black Adder wurde zusammen mit den Profis des Bulls-Teams entwickelt und für den Einsatz bei Marathons sowie Etappenrennen hin optimiert.
  • Cube Phenix: Das brandneue Phenix setzt bei Cube die Race-Tradition des beliebten Elite fort, allerdings mit einem modernen, unter 900 g leichten Carbon-Rahmen.
  • Mondraker Podium: Für das Podium verspricht Mondraker den leichtesten Serien-Rahmen der Welt - im doppelten Wortsinne.
  • Ghost Lector: Das neue Lector fühlt sich nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch auf dem Trail pudelwohl.
  • Rose Bonero: Rose spendiert dem Bonero massige Federgabeln mit 140 mm Hub und voluminöse 2,4"-Reifen.
  • Merida Big.Nine TR: Der Down-Country-Trend hat jetzt auch das Hardtail erreicht.
  • Scott Scale Gravel RC: Mit dem komplett starren Scale Gravel RC katapultiert Scott das Mountainbike zurück zu seinen Anfängen und gleichzeitig in die Zukunft.
  • Yeti ARC: Yeti ARC?! Anfang der 90er Jahre fuhren Ikonen wie John Tomac mit dem ersten ARC sowohl XC, wie auch Downhill-Rennen!

Fazit

Obwohl klassische Hardtails mit 100 Millimeter Federweg für immer weniger Biker die richtige Wahl darstellen, blüht das Hardtail-Genre jüngst förmlich auf. Denn mit den aktuellen Hardtails mit 120 Millimeter Federweg und Teleskopstütze gibt es Bikes, die einen ganz großen Kundenkreis ansprechen und glücklich machen.

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