Gefederte Sattelstützen erhöhen tendenziell den Komfort beim Fahrradfahren und können in zwei Kategorien mit spezifischen Eigenschaften sowie Vor- und Nachteilen eingeteilt werden: einfache Teleskop-Sattelstützen und komplizierter aufgebaute Parallelogramm-Sattelstützen.
Wer braucht eine gefederte Sattelstütze?
Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln unter der Leitung von Prof. Dr. Ingo Froböse haben die Belastungen gemessen, welche beim Radfahren auf die Lendenwirbelsäule auftreten können. So ist es möglich, dass Beschleunigungen von bis zu 8 g auf die Wirbelsäule einwirken können. Gefederte Stützen können diese Belastungen deutlich reduzieren. Bei sportlichen Bike-Disziplinen mit den entsprechenden Sitzpositionen können solche Sattelstützen die Belastung um bis zu 30 Prozent reduzieren.
Dennoch darf man den gefederten Stützen nicht zu viel zumuten. Vibrationen dämpfen sie nur bedingt, da die Beschleunigungen zu hoch oder die Stützen mit dem Biker darauf zu träge sind. Eine gefederte Sattelstütze ersetzt also nicht einen guten und passenden Sattel, eine geeignete Radunterhose, eine optimale Sitzposition und vor allem nicht die richtige Rahmengeometrie.
Teleskop- oder Parallellogrammsattelstützen?
Gefederte Sattelstützen können aufgrund ihrer Bauform in zwei Kategorien eingeteilt werden: Feder- bzw. Teleskop-Sattelstützen oder Parallelogramm-Sattelstützen.
Teleskop-Sattelstützen
Bei den gefederten Teleskop-Sattelstützen bewegt sich der obere Teil, das Standrohr, in das untere Tauchrohr, ähnlich wie bei einer Federgabel. Die Vorteile von gefederten Teleskop-Sattelstützen liegen auf der Hand: Sie sind günstig, haben ein geringes Eigengewicht und sind fein einstellbar. Dafür reagiert die Stütze im Vergleich nicht ganz so sensibel und beim Einfedern verändert sich entsprechend die Sitzhöhe.
Teleskop-Sattelstützen federn ausschließlich nach unten, wodurch sich die Sitzhöhe verändert. Dies muss beim Einstellen der Sitzhöhe berücksichtigt werden, sowie ein gewisses Einsinken beim Draufsetzen. Teleskopstützen leiten die Erschütterungen parallel zum Sattelrohr ab, wodurch es bei nach vorn gebeugter Sitzhaltung innerhalb der Stütze zu Reibungen kommen kann, welche die Effizienz mindern. Somit sind solche Stützen eher für aufrechte Sitzpositionen, wie bei City- oder Trekkingrädern, geeignet.
Parallelogramm-Sattelstützen
Parallelogramm-Federsattelstützen sehen zunächst wuchtiger aus als Teleskop-Sattelstützen, allerdings sind sie wesentlich effektiver, was das Ansprechverhalten und somit die Dämpfung angeht, da sie nicht nur nach unten, sondern nach unten und hinten abfedern. Als Federelement kommt auch hier meist eine Stahlfeder oder ein Elastomer zum Einsatz, welches direkt im oder am Parallelogramm unterhalb des Sattels verbaut sind. Daraus ergeben sich folgende Vorteile: Die Parallelogramm-Sattelstützen haben ein sensibleres Ansprechverhalten und bieten selbst bei geringen Stößen mehr Komfort.
Der große Nachteil dieser Konstruktion ist jedoch tatsächlich der Federweg. Hier verändert sich nicht nur die Sitzhöhe, sondern auch die Sitzposition, also der Abstand zwischen Sattel und Lenker beim Einfedern. Unter Umständen kann so ein erhöhter Druck zwischen Damm und Sattel entstehen. Dies muss beim Einstellen des Sattels entsprechend bedacht werden.
Die Teleskopstütze ist am weitesten verbreitet. Sie ist einfach herzustellen und die Federung verschwindet in der Stütze. Je nach Qualität sind die Führungen in der Stütze aus Kunststoff, Teflon oder Kugellagern. Parallelogrammstützen sind durch ihre Bauweise optisch auffallend. Teleskopstützen fallen optisch kaum auf. Die Federung verbirgt sich im Inneren der Stütze. Es kann vorkommen das die Stütze schlechter anspricht oder sogar verkantet, vor allem bei aktiver Fahrweise. Davon betroffen sind meist Fahrer die ihre Position auf dem Sattel variieren. Wer bei aktiver Fahrweise trotzdem eine Teleskopstütze fahren möchte sollte ein Modell mit hochwertiger Führung wählen.
Ein weitere Nachteil von Teleskopsattelstützen ist die Veränderung des Pedalabstandes beim Einfedern. Parallelogrammstützen haben durch ihre Bauform ein sensibleres Ansprechverhalten. Die Einfederrichtung entspricht der Belastungsrichtung durch die Fahrbahnunebenheit. Der Abstand zu den Pedalen bleibt im Gegensatz zur Teleskopstütze gleich. Allerdings verändert sich der Abstand zum Lenker beim Federn. Die Konstruktion der Stütze ist aufwendiger und deshalb sind diese Sattelstützen meist etwas teurer.
Technische Aspekte beim Kauf
Die technischen Daten spielen beim Kauf einer gefederten Sattelstütze ebenso eine Rolle wie das Fahrrad, die Sitzposition und das Gewicht des Fahrers. Komfort ist natürlich immer ein individuelles und subjektives Empfinden. Generell ist bei Fahrrädern das Sattelrohr schräg nach hinten geneigt. Somit liegt der Schwerpunkt des Fahrers nicht direkt darüber, sondern vor dem Sattelrohr. Je sportlicher die Sitzposition, desto weiter wandert der Schwerpunkt in Richtung Vorderrad.
Effizienz ist bei den gefederten Sattelstützen wichtiger als der Federweg. Dieser Wert solle beim Kauf nicht an erster Stelle stehen. Ein gutes Ansprechverhalten sowie eine stufenlose Anpassbarkeit der Sitzposition sind deutlich wichtiger. Viel Federweg bringt einem Rücken geplagten Biker wenig, wenn die Stöße ineffizient und unsensibel abgemildert werden. Dennoch kann man sagen, je unebener das Gelände, desto mehr Federweg sollte die Stütze haben. Mountainbiker werden also tendenziell eher zu einer Stütze mit mehr Federweg greifen als Radreisende, die ausschließlich auf gut ausgebauten Radwegen unterwegs sind.
Mehr Federweg oder ein sensibles Ansprechverhalten bedeuten zeitgleich aber auch einen stets leicht wippenden Sattel beim Pedalieren. Dies kann auf Dauer etwas nervend sein, hauptsächlich schluckt hier die Federung bei jedem Tritt etwas Energie, die eigentlich an das Pedal hätte ankommen sollen. Eine gute Anpassbarkeit ist essenziell. So sollte beim Kauf darauf geachtet werden, für welches Gewicht die Federstütze ausgelegt ist, und ob die Federhärte eingestellt werden kann. Weiter sollte man beim Kauf darauf achten, dass die Sattelneigung stufenlos einstellbar ist. Zwar kann bei allen Stützen die Neigung eingestellt werden, bei manchen Kandidaten ist dies aber nur stufenweise möglich.
Montage und Einstellung
Bevor man eine gefederte Sattelstütze kauft, sollte man sich darüber informieren, welcher Rohrdurchmesser benötigt wird. Am einfachsten ist es, wenn die bisherige Sattelstütze abmontiert wird. Entweder ist der Durchmesser dort vermerkt, oder dieser wird schnell mit einem Messschieber ermittelt. Die Montage der Stütze an und für sich ist sehr einfach. Zunächst wird der Sattel an der alten Stütze abmontiert und am besten zuvor noch der Abstand zwischen Sattel und Rahmen ermittelt. Dies spart bei der Montage der neuen Stütze etwas Zeit. Danach wird die Klemmschelle am Sitzrohr gelöst und die Stütze entfernt.
Bevor die neue Stütze eingeschoben wird, sollte sichergestellt werden, dass sich kein altes Fett usw. im Inneren des Sitzrohres befindet. Gegebenenfalls muss hier zuvor etwas geputzt werden. Ist alles sauber, wird eine neue Montagepaste aufgebracht und die Stütze, gegebenenfalls mit einer Spacerhülle, eingeschoben. Danach wird die Stütze auf die zuvor ermittelte Länge grob eingestellt und die Klemmschelle festgezogen. Darauf sollte auf zwei Dinge geachtet werden. Jede Sattelstütze besitzt eine minimale Einschublänge, die auf dem Rohr der Stütze markiert ist. Ist diese bei der notwendigen Höhe noch zu sehen, ist die Sattelstütze generell zu kurz und darf nicht verwendet werden. Sollte dies nicht beachtet werden, ist es wahrscheinlich, dass der Rahmen im Bereich des Sattelrohres Schaden nimmt. Selbst bei lebenslanger Garantie ist dieser Schaden leicht zu identifizieren und nicht abgedeckt. Auch ein Sturz beim Versagen des Rahmens ist hier vorprogrammiert.
Zudem sollte darauf geachtet werden, dass die Schelle mit dem richtigen Drehmoment, also mit einem Drehmomentschlüssel, angezogen wird. Ist die Stütze montiert, kann der Sattel wieder eingesteckt und angeschraubt werden. Mit etwas Übung ist das sehr einfach, macht man das zum ersten Mal, kann das etwas fummelig sein. Am besten ist hier, die Schrauben in der Klemmung maximal zu lösen und erst eine Seite des Sattelgestänges einzuführen und anschließend den Sattel dann komplett mit einer leichten Drehbewegung oder Kippbewegung einzuschieben. Das Anziehen der Schrauben sollte ebenfalls mit einem Drehmomentschlüssel und dem richtigen Drehmoment erfolgen.
Ist die Stütze und der Sattel montiert, setzt man sich auf das Bike und dreht eine erste Runde. Hierbei kann zum einen die finale Position eingestellt werden, sowie die gewünschte Federvorspannung in der Sattelstütze. Damit selbst überprüft werden kann, ob die Federung richtig eingestellt ist, kann man sich an grob zwei Merksätzen orientieren: Wird eine niedrige Bordsteinkante heruntergefahren, sollte die Sattelstütze leicht, aber merklich einfedern. Wird eine hohe Bordsteinkante heruntergefahren, dann sollte die Sattelstütze gerade so nicht durchschlagen.
Empfehlungen und Testergebnisse
- Die Parallelo-Stütze Suntour SR SP12 bringt tolle Federung zum guten Preis.
- Die Aaron Spring hat uns unter den Teleskop-Stützen vom Komfort her am meisten zugesagt.
- Die Redshift ShockStop City ist eine Parallelogramm-Sattelstütze in überraschend kompakter Bauform sowie mit herausragenden Dämpfungseigenschaften.
Die SP-10.0 von Ergotec ist der absolute Preistipp: Wer nicht viel Geld für eine gefederte Teleskop-Sattelstütze ausgegeben möchte, findet hier eine gute Alternative. Sie ist zwar nicht die beste auf dem Markt, bietet aber für den Preis viel Komfort. Die Federhärte kann hier ebenfalls mit einem Innensechskantschlüssel verstellt werden. Empfehlen möchten wir die Sattelstütze Radfahrern, die aufrecht bzw.
Überblick über getestete Sattelstützen
Wir haben 24 gefederte Sattelstützen getestet. Die Preise unserer Testprodukte liegen zwischen ca. 30 und 300 Euro. Die etwas aufwendigeren Parallelogramm-Federsattelstützen arbeiten hierbei effektiver, sind aber schwerer und teurer. Teleskop-Federsattelstützen hingegen sind leichter, bieten aber nicht ganz so hohen Komfort.
Weitere Hinweise
Damit sich die Sattelstütze jederzeit wieder ausbauen oder verstellen lässt, sollte die Sattelstütze mit Fett oder Montagepaste eingebaut werden. Hinweis: Sattelstützen oder Fahrradrahmen aus Carbon dürfen nur mit einer Carbon-Montagepaste eingestrichen werden. Um eine sichere Befestigung des Sattels und der Stütze zu gewährleisten, geben die meisten Hersteller die Anzugsdrehmomente der Verschraubungen vor. Für Abhilfe sorgt hier das großzügige Einstreichen des Sattelstützenrohres mit Montagepaste.
Weitere zu beachtende Fragen:
- Was für ein Fahrrad fahre ich?
- Wie sitze ich auf meinem Fahrrad?
- Wo fahre ich mit meinem Rad?
- Brauche ich ein Maximum an Komfort?
Sollte die gewünschte Sattelstütze nicht in ihrem Durchmesser erhältlich sein können sie diese mit einer entsprechenden Reduzierhülse (Kalibrierbuchse) anpassen. Damit der Fahrradrahmen keinen Schaden nimmt, sollte die Reduzierhülse ca. Wer einen anderen Durchmesser hat, kauft einen kleineren Durchmesser und eine passende Adapterhülse aus Aluminium. Die Messung muss auf den zehntel Millimeter genau sein.
Auf der Sattelstütze gibt es eine Markierung für den maximalen Auszug. Die Stütze kann abknicken oder der Rahmen wird durch die große Hebelwirkung beschädigt. Es gibt Stützen, bei denen die Federung außerhalb sitzt. Beide Federarten haben ihre Vor- und Nachteile. Die meisten Sattelstützen werden für die Klappradmarke individuell hergestellt. bySchluz bietet die G.2 LT Stütze als XXL Version an.
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