Radrennen von Wien nach Barcelona: Eine Extremherausforderung für den guten Zweck

Die Idee, mit dem Rennrad von Wien nach Barcelona zu fahren und dabei die Dolomiten, das Zentralmassiv und die Pyrenäen zu durchqueren, klingt nach einer außergewöhnlichen Herausforderung. Genau diese Idee setzten Christel „Kiki“ Vieth und ihr Mann Andreas Steinke aus Münster in die Tat um. Sie nahmen am Ultra-Cycling-Event „Three Peaks Bike Race“ teil, dem drittlängsten europäischen Langstreckenrennen.

2723 Kilometer im Sattel für Kinder im Kongo

In elf Tagen, sechs Stunden und zehn Minuten absolvierten sie insgesamt 2723 Kilometer. Pro Tag saßen sie durchschnittlich 245 Kilometer im Sattel und bewältigten 2855 Höhenmeter. Ihr Ziel war es, Spenden für ihr Projekt „Cycling for Mutoto“ zu sammeln. Mit diesen Spenden sollen arme Kinder im Kongo die Möglichkeit erhalten, zur Schule zu gehen, ihren Abschluss zu machen und einen Beruf zu erlernen, der ihnen ein Auskommen sichert.

Andreas Steinke berichtet: „Bevor wir uns kennengelernt haben, habe ich mir ein Rennrad gekauft. Und Kiki hat sich auch ein Rennrad gekauft, ohne dass wir das vorher voneinander wussten. Wir wollten zur gleichen Zeit mit dem Rennradfahren anfangen, als wir ein Paar wurden. Gleich von Anfang an also eine große sportive Gemeinsamkeit.“ So wurde der Rennradstart auch zum Beziehungsstart des Paares.

Kiki Vieth ergänzt: „Ich habe früher Triathlon gemacht und wir sind auch öfters beim Münster Giro mitgefahren. Seit zehn Jahren machen wir grundsätzlich nur noch mit dem Fahrrad Urlaub. Wir fahren längere Radstrecken mit ultrawenig Gepäck. Da konzentriert man sich auf das Wesentliche, denn man hat es auf dem Rad immer mit dabei.“

Die Vorbereitung auf das „Three Peaks Bike Race“

Vom 9. bis 20. Juli fuhren sie das „Three Peaks Bike Race“. Zur Vorbereitung trainierten sie regelmäßig und intensiv. „Wir waren zweimal jeweils zwei Wochen unterwegs, im Zentralmassiv in Frankreich und in der Provence mit 25.000 Höhenmetern. Insgesamt 8000 Trainingskilometer hatten wir bis zum Start des ‚Three Peaks Bike Race‘ absolviert“, so Andreas Steinke. Bereits vor drei Jahren hatten sie geplant, an diesem Rennen teilzunehmen.

Ein besonderes Highlight der Vorbereitung war ein Spezialtraining mit dem Radprofi Fabian Wegmann. „Mit Fabian Wegmann sind wir gemeinsam durch die Baumberge gefahren. Als Schirmherr hat er uns wichtige Tipps gegeben“, erzählt Andreas Steinke.

Der Rennverlauf: Von Wien nach Barcelona

Der Startpunkt des Rennens war Schloss Schönbrunn in Wien, das Ziel diesmal Barcelona. Bei dem Rennen müssen bestimmte Checkpoints angefahren und dort abgestempelt werden. Die Route zwischen den Checkpoints kann frei gewählt werden. Die Checkpoints waren:

  • Das Timmelsjoch in den Dolomiten (erster Peak)
  • Puy-Mary im Zentralmassiv (zweiter Peak)
  • Portet-d'Aspet in den Pyrenäen (dritter Peak)

Andreas Steinke erinnert sich an eine kleine Navigationspanne: „Nur einmal. Ich dachte, ich hätte eine gute Abkürzung gefunden. Dem war aber nicht so. Es waren aber nur 20 Kilometer, die wir uns dort verfahren haben.“ Kiki Vieth lobt ihren Mann als guten Scout: „Andreas war insgesamt ein sehr guter Scout. Die meiste Strecke sind wir frei gefahren. Das war bislang unsere längste Tour, auch mit den Höhenmetern.“

Die Schlafzeiten während des Rennens waren kurz. „Fünf Stunden war die maximale Schlafzeit. Das haben wir von Anfang an so festgelegt. Ich bin immer vorher schon wach geworden. Wir saßen immer schon um 3 oder 4 Uhr frühmorgens auf dem Rad. Das besonders Schöne im Sommer ist es, dann loszufahren, nicht nur wegen der Sonnenuntergänge. Allein diese ganze Stimmung“, erzählt Kiki Vieth.

Andreas Steinke ergänzt: „Keine. Das Besondere nach dem frühen Losfahren war für mich, wenn nach drei Stunden die erste Bäckerei kam - mit frischen Croissants oder Brötchen.“

Zu den einprägsamen Erlebnissen während des Rennens zählen laut Kiki Vieth der Jauffenpass im Regen und das endlos lange Sellajoch. Für Andreas Steinke war das schönste Erlebnis der Besuch der besten Eisdiele der Welt in Turin. „Wir haben bei der Tour einfach gesehen, wie richtig schön Europa ist“, schwärmt er.

Das „Three Peaks Bike Race“ ist ein Unsupported-Rennen, was bedeutet, dass die Teilnehmer auf sich allein gestellt sind und keine Unterstützung von außen erhalten. Etwa ein Drittel der rund 180 Teilnehmer erreichte das Ziel nicht.

Spenden für den Verein Mutoto e.V.

Ein zentrales Ziel der Teilnahme am „Three Peaks Bike Race“ war die Einnahme von Spenden für das Projekt „Cycling for Mutoto“, das dem Verein Mutoto e.V. zugutekommt. Ab einem Cent pro Kilometer Radtour konnte man die Teilnahme unterstützen, jeden Kilometer per Tracking App verfolgen und live dabei sein in den sozialen Medien.

Der Verein Mutoto e.V. wurde vor über 20 Jahren von dem Münsteraner Richard Nawezi für Waisenkinder gegründet, vor dem Hintergrund des schlimmen Bürgerkrieges in Ruanda. Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, Bildungschancen für benachteiligte Kinder und Jugendliche im Kongo nachhaltig zu verbessern. Es unterhält im sogenannten „Village Mutoto“ in Lumbashi Kongo einen Kindergarten und eine Schule mit mittlerweile insgesamt rund 1200 Schülern. Viele haben bereits ihr Abitur hinter sich. Nur so können sie gute Jobs finden, die sie ernähren und ihre Familien unterstützen. Manche der früheren Schüler werden selbst Lehrer oder Gärtner im „Village Mutoto“.

Die Spendenbereitschaft war enorm. „Ja, unfassbar. Wir erradelten einen Spendenstand von 17.331 Euro. Hinzu kam eine großzügige Direktspende von 12.500 Euro, so dass wir insgesamt auf rund 30.000 Euro gekommen sind“, freut sich Andreas Steinke.

Mit den Spenden werden die zentralen Häuser im „Village Mutoto“ renoviert und neue Klassenräume für die Waisenkinder geschaffen. Es gibt neue Möbel für die Schulen. Die sanitären Einrichtungen werden ebenso gewartet und saniert wie die eigene autarke Wasserversorgung. Es gibt neue Pumpen für sauberes Trinkwasser. Das ist ganz wichtig. Langfristig planen sie auch den Bau einer Bibliothek und eines kulturellen Begegnungsortes. Dafür planen sie bereits neue Spendenprojekte. Für 2024 planen sie zum Beispiel ein eigenes Radrennen, das ab Cabelo im Hafen von Münster starten soll.

Andreas Steinke betont: „Als Unternehmer sehen wir uns in der Verantwortung, sich für das Gemeinwohl zu engagieren.“

Auch nach dem Rennen bleibt das Paar aktiv. Kiki Vieth erzählt: „Wir fahren gleich noch mit unseren Rennrädern vom Erphoviertel zum Kaffeetrinken nach Billerbeck und zurück. Eine eher kurze und gemütliche Tour.“

Die Unternehmer hinter CABELO

Christel „Kiki“ Vieth und Andreas Steinke gründeten 1999 ihr Friseur-Unternehmen CABELO, in dem sie inzwischen 35 Mitarbeiter beschäftigen, davon 15 Auszubildende. CABELO zählt im Monat rund 1200 Kunden. Seit einigen Jahren gehören auch die Jungen Köpfe am Ludgeri-Kreisel und am Germania-Campus mit weiteren 25 Mitarbeitern zu ihrem Friseur-Portfolio. Seit 2001 haben sie 120 Lehrlinge ausgebildet.

Weitere Ultra-Cycling-Herausforderungen

Neben dem „Three Peaks Bike Race“ gibt es weitere extreme Ultra-Cycling-Events, die Radfahrer an ihre Grenzen bringen. Ein Beispiel ist das „Ultracycling Dolomitica“, bei dem die Teilnehmer 22 Alpen- und Dolomitenpässe, darunter bekannte Anstiege wie der Passo Giau oder der Manghen-Pass, überwinden müssen.

Überblick über das "Three Peaks Bike Race"
Distanz 2723 Kilometer
Höhenmeter Durchschnittlich 2855 pro Tag
Schlafzeit Maximal 5 Stunden pro Nacht
Zweck Spenden für "Cycling for Mutoto" im Kongo

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