Rennrad auch für Gelände geeignet: Das Gravelbike

Eines für alles - oder: Ein Rad für alle Fälle. Das ist es, was die noch junge Radgattung der Gravelbikes bieten soll. Ob man den direkten Weg sucht, dem Verkehr auf den Straßen ausweichen will, ob im Urlaub in unbekannter Gegend oder bei nicht enden wollenden Bauarbeiten auf dem Arbeitsweg - für all das wurden die geländegängigen Rennräder entwickelt.

Schneller als ein Mountainbike, verspielter als ein Rennrad: Das Gravelbike (englisch für: Schotterrad) gilt vielen Radsportlern längst als das perfekte Allround- oder besser Allroad Bike. Es gibt dir die Freiheit, unterwegs jeden Weg einzuschlagen - ob geteert oder gepflastert, Feld- oder Waldweg, Unterholz oder Schotterpass. Bieg ab, wo es dir gefällt, gib Gas, wann immer du willst. Auf der sportlichen Feierabendrunde, ausgedehnten Wochenendtouren oder dem täglichen Weg zur Arbeit. Das Gravelbike vereint Geschwindigkeit, Offroad-Action und Naturerlebnis.

Was ist ein Gravelbike?

Ein Gravelbike ist ein Fahrrad, dass sich sowohl für ebene Fahrten auf der Straße als auch für Touren durch unebenes Gelände eignet. Das Wort Gravel kommt aus dem Englischen. Es bedeutet Schotter oder Kies. Ein Gravelbike ist also wörtlich übersetzt ein Schotterrad. Die ersten Gravelbikes kamen vor rund zehn Jahren in den USA auf den Markt. Seitdem hat das Gravelbike auch bei uns mehr und mehr Fans gewonnen. Mittlerweile ist dieses neuartige Bike aus der Fahrradwelt nicht mehr wegzudenken. Optisch sieht das Gravelbike aus wie ein gewöhnliches Rennrad.

Verglichen mit einem Rennrad bietet das Gravelbike einige spezifische Merkmale:

  • Reifenbreite: Das Gravelbike hat im Vergleich zu einem Rennrad deutlich breitere Reifen.
  • Rahmenaufbau: Oberrohr und Steuerrohr, also die horizontale Stange zwischen Lenker und Sattel und die Verbindung zwischen Lenker und Rad, sind bei Gravelbikes länger als bei einem Rennrad. Das führt dazu, dass du als Fahrer auf dem Gravelbike aufrechter sitzt.
  • Gewicht: Rennräder sind meist sehr leicht, da jedes Kilogramm mehr Einbußen bei der Geschwindigkeit bedeuten kann.

Die Vielseitigkeit des Gravelbikes

Die Flexibilität, die dir das Gravelbike gegenüber einem reinen Rennrad bietet, hat natürlich ihren Preis. So agil und schnell, wie du dich mit einem Rennrad auf der Straße bewegst, kannst du es mit einem Gravelbike nicht. Das sollte dir vor der Anschaffung bewusst sein. Es hat anders als ein Mountainbike keine Federung und keinen Dämpfer. Außerdem sitzt du auf dem Gravelbike nicht so aufrecht wie auf einem Mountainbike. Das Ganze zeigt sich dann auch beim Gewicht: Mountainbikes bringen im Schnitt deutlich mehr auf die Waage als Gravelbikes.

Wie schon bei anderen Fahrradtypen gibt es auch bei Gravelbikes eine große Spannweite, was den Kaufpreis angeht. Nach oben hin und für sehr hochwertige Modelle mit teuren Komponenten kann der Preis durchaus im höheren vierstelligen oder sogar fünfstelligen Bereich liegen. Neben klassischen Gravelbikes ohne externen Antrieb sind auch E-Gravelbikes auf dem Markt erhältlich.

Gravelbikes sind, wenn man so will, ein Kompromiss aus Schnelligkeit und Geländegängigkeit. Auf flachen und ebenen Strecken kannst du mit einem Gravelbike locker auf 30 bis 35 km/h beschleunigen. Nicht zuletzt bestimmen auch deine Fähigkeiten als Fahrer, wie schnell du mit dem Bike maximal unterwegs bist. Im Mittel sind Gravelbikes und E-Gravelbikes mit 25 km/h unterwegs.

Gravelbike vs. Rennrad: Ein Vergleich

Die Entscheidung zwischen einem Rennrad und einem Gravel Bike ist alles andere als einfach - besonders für jemanden, der neu im Radsport ist. Beide haben ihre Vorzüge und Besonderheiten, die in verschiedene Richtungen gehen. Das eine ist aerodynamisch und schnell. Das andere ist maximal flexibel und ein absoluter Allrounder. Damit du die richtige Entscheidung triffst, solltest du die spezifischen Eigenschaften dieser Fahrräder verstehen und deine eigenen Bedürfnisse gut kennen.

Das Rennrad - Inbegriff der Geschwindigkeit

Aerodynamisch geformt, federleicht und auf extrem hohe Geschwindigkeiten ausgelegt: Rennräder sind Produkte des Rennsports. Das heißt aber keineswegs, dass sie nur für Profis geeignet sind. Rennräder sind in erster Linie Sporträder, die für den Einsatz auf glatten, asphaltierten Straßen konzipiert sind. Ihre ausgeprägte sportliche Geometrie, der aerodynamische Rahmenaufbau, das geringe Gewicht, die große Übersetzungsbandbreite und die schmalen, profillosen Reifen machen sie zur ersten Wahl für schnelle Fahrten auf Asphalt. Während sie bei Profirennen wie der Tour de France dominieren, bieten sie auch Variationen für eine breitere Nutzerbasis, die einen komfortableren Fahrstil bevorzugt.

Die Vorteile von Rennrädern auf einen Blick:

  • Optimal für rasches und effizientes Fahren auf glatten Straßen
  • Aerodynamisch, leichtgewichtig und effizient
  • Begehrte Wahl im Profisport
  • Breites Spektrum an Modellvarianten - von überaus sportlich bis komfortabel

Das Gravel Bike - Vielseitiger Allrounder für unterschiedlichstes Terrain

Im Gegensatz zum Rennrad, das seine Stärken auf Asphalt ausspielt, sind Gravel Bikes für die unterschiedlichsten Untergründe konzipiert. Sie sind auf asphaltierten Straßen ebenso in ihrem Element wie auf Schotterwegen oder moderaten Waldwegen. Auch wenn sie äußerlich einem Rennrad ähneln, sind Gravel Bikes wesentlich vielseitiger und daher ideal für Fahrer, die sich in unterschiedlichen Umgebungen und Terrains bewegen wollen. Auch für das Bikepacking, also das abenteuerliche Reisen mit dem Fahrrad, sind diese Räder hervorragend geeignet.

Die Vorteile von Gravel Bikes auf einen Blick:

  • Anpassungsfähig und für unterschiedliche Untergründe geeignet
  • Komfortablere Geometrie im Vergleich zum Rennrad
  • Praktisch für den Transport von Ausrüstung
  • Ideal für Bikepacking und ähnliche Erkundungstouren

Die Komponenten im Vergleich

Wie Pinselstriche auf einer Leinwand prägen die Komponenten eines Fahrrads das Gesamtbild und beeinflussen maßgeblich das Fahrerlebnis. Um die Unterschiede zwischen einem Gravel Bike und einem Rennrad zu verstehen, ist ein genauer Blick auf die Komponenten unerlässlich.

Reifen

Der offensichtlichste Unterschied zwischen einem Gravel Bike und einem Rennrad ist die Bereifung. Gravel Bikes sind mit breiteren Reifen ausgestattet, die für verschiedene Untergründe, einschließlich Schotterstraßen und leichtes Gelände, geeignet sind. Rennräder haben dagegen schmalere Reifen, die vor allem für den Einsatz auf glatten Straßen optimiert sind. Mit immer breiteren Felgen hat sich eine Reifenbreite von 40 mm als die am häufigsten verwendete Größe bei Gravel Bikes etabliert. Viele Fahrer empfinden dies als ideale Balance zwischen Effizienz auf der Straße und Grip im Gelände. Zudem bieten viele Gravel Bikes ausreichend Platz für noch breitere Reifen.

Gut zu wissen: Auch bei Rennrädern setzen sich immer häufiger breitere Reifen durch. Galten früher 23 mm als Standard, greifen dank moderner Erkenntnisse über den Rollwiderstand immer mehr Fahrer zu Reifen mit einer Breite von 25 mm bis 28 mm - je nach Untergrund und Witterung.

Geometrie

Auch die Geometrie der beiden Fahrräder unterscheidet sich. Gravel Bikes haben oft eine entspanntere Geometrie mit einer aufrechteren Sitz- und Lenkerposition. Ein längeres Steuerrohr ermöglicht eine bequemere Sitzposition auf dem Gravel Bike und erklärt auch die häufig zu beobachtende abfallende Form des Oberrohrs im Gegensatz zu den geraden Oberrohren der meisten Rennräder. Dieses Design führt auf der Straße zu einem ruhigeren Lenkverhalten, während es sich im Gelände besonders auszeichnet.

Gravel Bikes zeichnen sich nicht nur durch Stabilität und Komfort aus, sondern auch durch eine im Vergleich zu Rennrädern größere Höhe über der Straße. Das höher positionierte Tretlager sorgt für mehr Bodenfreiheit auf unebenem Terrain, der längere Radstand für mehr Stabilität und Laufruhe. Rennräder hingegen haben eine sportlichere und aerodynamischere Geometrie, die auf Geschwindigkeit und Effizienz ausgelegt ist.

Lenker und Cockpit-Design

Obwohl sowohl Gravel Bikes als auch Rennräder Rennradlenker verwenden, gibt es Unterschiede im Design. Bei Gravel Bikes steht weniger die Aerodynamik und das Gewicht im Vordergrund, sondern das Handling auf unterschiedlichem Terrain. Daher sind die Lenkerenden bei Gravel Bikes weiter nach außen gebogen, was die Kontrolle auf unebenem Untergrund erleichtert. Rennradlenker sind meist aus Carbon gefertigt und bieten bessere Dämpfungseigenschaften, ihre Flexibilität kann sich aber auch negativ auf die Kontrolle auswirken. Gravel Bikes sind daher häufiger mit Aluminiumlenkern ausgestattet, da diese steifer sind. Obwohl sie Stöße nicht so gut dämpfen, bieten sie eine gute Kontrolle über das Fahrrad.

Übersetzungen

Auch die Übersetzung, die Bandbreite der Gänge, unterscheidet sich zwischen Gravel Bikes und Rennrädern. Gravel Bikes sind in der Regel mit einer breiteren Gangspanne ausgestattet, um dem Fahrer die Bewältigung unterschiedlicher Geländetypen zu erleichtern. Rennräder haben hingegen oft eine engere Übersetzung für eine effiziente Leistung auf der Straße. Die Übersetzungen von Rennrädern sind in engen Grenzen standardisiert, in der Regel mit zwei Kettenblättern für unterschiedliche Geschwindigkeiten. Im Gegensatz dazu haben Gravel Bikes noch keinen einheitlichen Standard. Es gibt 1x- und 2x-Optionen, wobei Shimanos GRX-Gruppe Varianten für beide bietet. Die Übersetzungen variieren, oft bei 1x-Konfigurationen zwischen 11-42 oder 11-40 Zähnen. Kompakte 2x-Gruppen haben Kettenblätter von 28 bis 31 Zähnen und Kassetten von 11-34 Zähnen für fein abgestufte Gänge.

Bremsen

Scheibenbremsen werden sowohl bei Gravel Bikes als auch bei Rennrädern immer beliebter. Gerade bei Gravel Bikes bieten hydraulische Scheibenbremsen unschlagbare Vorteile. Sie garantieren perfekte Kontrolle und maximale Bremskraft auch unter schwierigen Bedingungen. Darüber hinaus bieten Scheibenbremsen eine hervorragende Anpassungsfähigkeit an unterschiedliches Gelände, da sie den Aufwand für den Laufradwechsel minimieren.

Ausstattung

Die Ausstattung von Gravel Bikes und Rennrädern kann je nach Modell und Hersteller variieren, aber im Allgemeinen sind Gravel Bikes vielseitiger ausgestattet. Sie verfügen häufig über Befestigungspunkte für Gepäckträger und Schutzbleche, um längere Touren und Abenteuerfahrten zu unterstützen. Bei Rennrädern liegt der Schwerpunkt eher auf leichten und leistungsstarken Komponenten für rennorientierte Fahrten.

Hier eine tabellarische Übersicht der Unterschiede:

Merkmal Gravel Bike Rennrad
Reifen Breitere Reifen für verschiedene Untergründe Schmalere Reifen für glatte Straßen
Geometrie Entspanntere, aufrechtere Position Sportlichere, aerodynamischere Position
Ausstattung Vielseitig, oft mit Gepäckträger-Befestigungen Leicht und rennorientiert
Übersetzung Breitere Bandbreite für verschiedene Gelände Engere Übersetzung für Straßenperformance
Bremsen Häufig Scheibenbremsen für vielfältige Bedingungen Traditionell Felgenbremsen, zunehmend Scheibenbremsen
Fahrertyp Abenteuerliebhaber, vielseitige Fahrer Rennsportbegeisterte, Performance-Fahrer
Qualität und Budget Besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, breitere Auswahl Tendenz zu höheren Kosten für rennorientierte Modelle

Für wen ist das Gravelbike geeignet?

Der Fahrertyp des Gravel Bikes ist jemand, der die Freiheit des Entdeckens liebt. Diese Fahrräder ziehen jene an, die nicht nur auf asphaltierten Straßen, sondern auch auf abenteuerlichen Pfaden unterwegs sein wollen. Gravel Biker schätzen die Vielseitigkeit und die Möglichkeit, neue Horizonte zu entdecken. Sie sind abenteuerlustig und bewegen sich gerne abseits der ausgetretenen Pfade.

Merkmale des Fahrertyps Gravel Bike:

  • Entdeckung und Vielseitigkeit: Gravel Biker genießen die Freiheit, auf unterschiedlichen Untergründen zu fahren, sei es auf Schotter, Waldwegen oder unbefestigten Pfaden. Die Welt ist ihr Spielplatz.
  • Längere Ausfahrten: Gravel Bikes sind oft mit einer komfortableren Geometrie ausgestattet, die es dem Fahrer ermöglicht, längere Strecken mit Leichtigkeit zurückzulegen.
  • Abenteuerlust: Wer sich für Gravel Bikes entscheidet, ist offen für spontane Entdeckungen und lässt sich von der Neugier auf unbekannte Strecken leiten.
  • Bikepacking: Gravel Biker sind oft begeisterte Bikepacker, die das Abenteuer auf zwei Rädern in Form von längeren Touren mit Gepäck und Campingausrüstung suchen.

Fazit

Ob ein Rennrad für das Gelände geeignet ist, hängt von den individuellen Ansprüchen und dem bevorzugten Terrain ab. Wer jedoch ein vielseitiges Fahrrad sucht, das sowohl auf Asphalt als auch auf Schotterwegen eine gute Figur macht, ist mit einem Gravelbike bestens beraten. Es bietet Komfort, Stabilität und die Freiheit, neue Wege zu erkunden.

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