Harley-Davidson Modelle der 60er Jahre: Eine Ära des Wandels und der Innovation

Harley Davidson zählt zu den bekanntesten amerikanischen Motorradmarken. Die Gründung von Harley Davidson Motor Co. fand 1903 durch William S. Harley (1880-1943) sowie Arthur Davidson (1881-1950) statt. In den folgenden Jahren wurden sie von Walter Davidson (1877-1942) und William A. Davidson (1870-1937) unterstützt. Harley Davidson zählt zu den vier ältesten Motorradmarken der Welt.

Die Anfänge und frühen Erfolge

Schon im Jahr 1901 hatten Harley und Davidson ihr erstes Motorrad konstruiert. Dabei handelte es sich um das grau lackierte Fahrrad „Silent Grey Fellow“. Dieses wurde mit einer simplen Brennkammer, die als Hilfsmotor diente, ausgestattet. 1903 richteten die beiden in Milwaukee ihre erste gemeinsame Werkstatt, einen kleinen Schuppen, ein. 1907 wurde gemeinsam mit Walter Davidson und William A. Davidson das gemeinsame Unternehmen Harley Davidson Motor Company of Milwaukee gegründet. Als es Walter Davidson 1908 gelang, mit einem der Firmenmodelle ein Verbrauchsrennen zu gewinnen, bedeutete dies eine ausgezeichnete Werbung, wodurch sich wiederum die Auftragslage verbesserte. So lieferte die neue Firma Motorräder an die Polizei und die regionale Telefongesellschaft. Im Jahr 1909 wurde das erste Zweirad, das über einen Zwei-Zylinder-Motor verfügte, konstruiert. Die Fertigstellung dieser Maschine gilt als die Geburtsstunde der Harley, deren Aussehen sich seither nur wenig verändert hat.

Die 1960er Jahre: Eine Zeit des Wandels

Eine erste Krise erlebte Harley Davidson in den 60er Jahren. Infolgedessen wandelte die Geschäftsleitung das Unternehmen 1965 in eine Aktiengesellschaft um. Dennoch wurde das einst blühende Unternehmen bis in die 80er Jahre hinein zu einem Sanierungsfall. Erst ab 1986 konnte die Wende zum Positiven eingeleitet werden, was in den folgenden Jahren wieder zu ansteigenden Umsätzen führte.

Die Einführung der Electra Glide

Vor 60 Jahren führte Harley-Davidson die Electra Glide ein und stattete das Modell 1965 mit einem elektrischen Anlasser aus. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Motorräder des Herstellers per Kickstarter gestartet, was insbesondere bei den großvolumigen V2-Motoren anspruchsvoll war. Die Electra Glide basierte auf der Hydra-Glide von 1949, die erstmals mit einer hydraulischen Telegabel ausgestattet war. Später folgte die Duo-Glide mit Hinterradschwinge und Federbeinen für verbesserten Fahrkomfort. Die Electra Glide wurde für Langstreckenfahrten entwickelt und war aufgrund ihres Komforts und ihrer Ausstattung ein gefragtes Modell. Die heutige Street Glide Ultra setzt die Tradition der Electra Glide fort. Sie basiert auf der Grand American Touring-Plattform und bietet moderne Technologien sowie ein verringertes Gewicht. Der Milwaukee-Eight 117 Motor leistet 109 PS und erzeugt ein maximales Drehmoment von 175 Nm. Während ein elektrischer Anlasser heute zum Standard gehört, war die Einführung bei der Electra Glide 1965 eine technische Neuerung.

Der Panhead Motor

Der Panhead Motor, welcher zu seiner Auslaufzeit 1965 über 60 PS verfügt, zählt als Vorbild der Electra Glide und verfügt zu diesem Zeitpunkt bereits über einen E-Starter. Den Namen hat der Panhead von der unverwechselbaren Kuchenpfannenoptik der Rockerboxen.

Harley-Davidson Topper

In den 1960ern wurde die einst blühende Company links und rechts überholt, meist von Japanern. Problem: Die Big Twin-Modelle von Harley setzten bis 1965 noch auf den alten Panhead-Motor von 1952 mit 1.200 Kubik und die Sportster-Modelle waren zu dieser Zeit wirklich Sportbikes und auf der Sandbahn enorm erfolgreich. Was also tun, wenn das Kerngeschäft nicht läuft und die Zukäufe von Aermacchi sich als Fehler erweisen? Ganz klar: Harley baute einen Roller.

Den Topper brachte Harley 1960, sein Antrieb basierte technisch auf dem Motor des Harley Models 165 (1953-1959). Angetrieben von einem Zweitaktmotor mit 165 Kubik mit 5 oder 9 PS. Der Topper sollte Harleys Antwort auf die in Mode kommenden Vespa- und Lambretta-Modelle sein. Der sehr einfach gebaute Topper konnte mit der damals vergleichsweise modernen Technik der Italiener nicht mithalten.

430 Dollar kostete der Topper damals, kam optional als Gespann und wurde von 1960 bis 1965 gebaut und wohl gut 3.000-mal verkauft.

2023 ist wieder ein Harley-Roller dabei, denn im Januar werden in Las Vegas einige rare Harleys aus Jim Godwins "Forever Collection" versteigert. Jim Godwin war 60 Jahre lang, bis 2021, Harley-Davidson-Vertragshändler in Ohio und baute dabei eine große Sammlung auf. Sie enthält einige Kuriositäten und Raritäten aus der Markenhistorie - wie diesen Harley-Roller mit Beiwagen, Baujahr 1962. Das seltene Stück kommt in einer strahlend blau-weißen Lackierung. Auf dem Tacho stehen 5.438 Meilen, also um die 8.750 Kilometer.

Die Zweitakt-Ära von Harley-Davidson

Von 1948 bis 1978 baute und bot Harley-Davidson zahlreiche Zweitakt-Modelle an. Die Zweitakt-Modelle Hummer, Topper, Bantan, Scat, Ranger und Super 10 sind heute gerne Teil der unerzählten Geschichte von Harley-Davidson.

Harleys deutschstämmige Zweitakter 1948 -1966

Startschuss der 30 Jahre langen Zweitaktära von Harley waren Reparationen aus dem Zweiten Weltkrieg. Aus den DKW-Werken in Zschopau wurden Pläne der RT 125 und Maschinen unter den Alliierten verteilt. Harley-Davidson baute eine komplette Motorradreihe um den damals sensationell guten Motor und bohrte den Hubraum 1953 sogar auf 165 Kubik auf.

Harley-Davidson Model S 125

Das erste Modell war von 1948 bis 1952 das Model S 125, mit 3 PS und 3-Gang-Getriebe. Der Rahmen war starr, die Gabel eine Girder-Konstruktion mit Gummibanddämpfung. Ab 1951 setzte Harley eine hydraulische Telegabel ein. Kommerziell kann die S 125 als Erfolg gewertet werden: In den ersten 10 Monaten wurden 10.000 Stück verkauft, und die machten den meist jungen Kunden Lust auf größere Harleys.

Harley-Davidson Model 165

1953 vergrößerte Harley den RT-Motor auf 165 Kubik und steigerte die Leistung auf 5,5 PS. Das Chassis des Model 165 war gleich der S 125. Mit dem optionalen 7"-Scheinwerfer nahm das Model 165 im Ansatz die ikonische Front der Evo-Fat-Boy 37 Jahre vorweg. Das Model 165 blieb bis 1959 im Programm.

Harley-Davidson Hummer

1955 brachte Harley wieder eine 125er und nannte sie Hummer. Nicht nach dem Krustentier, sondern nach dem sehr erfolgreichen Harley-Händler Dean Hummer, der damals die meisten Zweitakter verkaufte. Optisch wurde das Model S 125 etwas aufgefrischt und bis 1959 verkauft.

Harley-Davidson Super 10

1960 stellte Harley das Model 165 und die Hummer ein und brachte die Super 10. Technisch glich sie dem Model 165, und optisch war sie eine zweifarbig lackierte Hummer mit etwas breiteren Reifen. Nur ein Jahr blieb die Super 10 im Programm.

Harley-Davidson Pacer

1962 ersetzte die Pacer die Super 10. Weiterhin im gleichen Chassis verschraubt, wuchs der Motor auf 175 Kubik und 10 PS. Für 1963 baute Harley einen komplett neuen Rahmen mit Schwinge und gezogenem Federbein unter dem Motor. Bis 1965 blieb die Pacer im Programm.

Harley-Davidson Ranger

Nur im Jahr 1962 baute Harley auf Basis der 165er-Modelle mit Starrrahmen das Offroad-Modell Ranger. Ohne Licht und Schutzbleche, dafür mit einem riesigen Kettenrad mit 84 Zähnen. Nur 186 Stück wurden gebaut. Einer Legende zufolge baute Harley-Davidson die Ranger aus übrig gebliebenen Bauteilen der Super 10.

Harley-Davidson Scat

Auf Basis der Pacer kam 1962 die Scat. Ein Dual-Purpose-Bike mit hohem Auspuff, was heute als Scrambler bezeichnet werden würde. Optional gab es eine sehr kurze Untersetzung, ob so extrem wie bei der Ranger ist nicht bestätigt. 1962 noch mit Starrrahmen, ab 1963 ebenfalls mit Schwingenrahmen. Bis 1965 war die Scat im Programm. Es wurden zwischen 4.000 und 5.000 Stück produziert.

Harley-Davidson Bobcat/Bobtail

1966 kam mit der Bobcat oder Bobtail das letzte Modell auf Basis der alten "RT-Modelle". Das Chassis war das vollgefederte der Pacer ab 1963, der Motor der 175er-Zweitakter mit 10 PS. Die Karosse war vollständig aus Kunststoff, mit einer langen Doppelsitzbank. Die Form des Hecks nahm teilweise den Boat-Tail von 1971 vorweg. Es wurden nur 1.150 Stück hergestellt.

Zweitakter von Aermacchi

Der zweite Akt der Zweitakter-Geschichte von Harley-Davidson lief ab 1965 zeitgleich mit den RT-basierten Modellen. Zwischen 50 und 175 Kubik kamen Zweitakter auf Aermacchi-Basis als Harleys in die USA. Nach der Übernahme durch AMF kaufte Harley Aermacchi komplett und brachte ab 1970 größere Zweitakter in die USA.

Harley-Davidson MC 65

1972 begann der Einstieg in die Harley-Welt bei 65 Kubik in Form des Pocketbikes MC 65 Shortster. Der Motor stammte aus der M65 Legero von Aermacchi, der ganz im Stil einer Honda Monkey im Rahmen hing. Gut 8.000 Stück wurden gebaut.

Harley-Davidson X 90

Ebenfalls ein Pocketbike, allerdings mit mehr Hubraum und Leistung, war die X 90. Sie wurde von 1973 bis 1975 gebaut, hatte einen 90-Kubik-Motor und 8 PS. Knapp 17.000 Stück wurden gebaut.

Harley-Davidson Z 90

Ebenfalls aus dem Jahr 1972 stammt die angebotene Z90. Kein Pocketbike wie die MC 65 oder die X 90, sondern ein "echtes" Moped. Aus 90 Kubik holte die Z 90 immerhin 8 PS. Stückzahl: nicht bekannt.

Harley-Davidson SX(T) 125

Von 1976 stammt die angebotene Enduro SX 125. Sie nahm die Erfolge der reinen Sport-Enduro Baja 100 auf und brachte 13 PS aus 125 Kubik auf die Straße - oder ins Gelände.

Harley-Davidson SX 175

Zwischen 1974 und 1976 bot Harley mit der SX 175 ein nochmals stärkeres Zweitakt-Modell an. Ihr Motor leistete 17 PS, hatte 5 Gänge und brachte die SX auf 115 km/h. Geländegängig war sie mit ihren tiefen Fendern und dem tief montierten Auspuff nicht wirklich. In drei Jahren wurden 12.112 Stück produziert.

Die Evolution der Harley-Davidson Motoren

Der berühmte V2 ist über Jahrzehnte das Erkennungszeichen des Harley-Motors. Nach wenigen Jahren als Einzylinder, gibt es schon seit dem Jahr 1909 nur noch diese Zylinderanordnung. Die beiden aktuellen Motoren sind der Milwaukee-Eight in den Softails, Tourern und Trikes und der Revolution Max in den beiden Pan America Modellen.

Milwaukee-Eight

Für die typische Zündfolge eines Harley-Davidson Big Twins wurde dem Milwaukee-Eight wieder ein Zylinderwinkel von 45 Grad verpasst und beide Pleuel laufen auf den gleichen Hubzapfen. Das Zusammenspiel sorgt für den berühmten „Potato, Potato“ Sound. Die Leerlaufdrehzahl wurde beim Milwaukee Eight von 1.000 auf 850 U/min abgesenkt, um die Harley im Stand leiser und ruhiger laufen zu lassen.

Revolution Max

Der wassergekühlte Revolution Motor hat mit einem klassischen Harley-Davidson Motor, bis auf die langhubige Auslegung und den 45 Grad Zylinderwinkler nicht viel gemein. Der Motor leistet von 117PS mit 1130ccm bis 124 PS mit 1250ccm. Der Motor wurde in Zusammenarbeit mit Porsche auf Basis des Renntriebwerkes der VR1000 entwickelt.

Evolution Motor

Der 1340ccm Evolution Motor wurde seinem Namen gerecht, denn er war eine wahre Evolution. Der „Evo“ verbraucht deutlich weniger und erzeugt zeitgleich deutlich mehr Drehmoment. On Top dreht er ruhiger und ist dadurch auch langlebiger. Er war der Motor für die damals brandneue Softail, welche heute als Urvater der kompletten Softail-Baurreihe gilt.

Shovelhead

Wieder einmal verleiht der Look der Rockerboxen diesem Harley Motor seinen Namen. Die Zylinderkopfabdeckung erinnert an Schaufeln, deswegen auch Shovelhead. Der 1340 ccm 65 PS Motor hat neue Zylinderköpfe mit überarbeiteten Kanälen und kompakten Brennräumen, höher verdichtende Kolben, neue Nockenwelle und einen neuen Vergaser.

Ironhead

Der damals neue kleine, moderne Ironhead Motor mit sportlichem Charakter wird über eine stirnradgetriebene Nockenwelle angetrieben. Die 883cm³ Version mit Grauguss-Zylinder und -Zylinderköpfe gab dem Motor den Namen Ironhead. Der Motor dient als Antrieb der damals neuen Sportster-Baureihe.

Flathead

Der Flathead wurde im zweiten Weltkrieg in den WLA Maschinen für die US-Army verbaut und machten Harley-Davidson zu diesem Zeitpunkt zum größten Motorradhersteller der Welt. Benannt nach seinen flach gewölbten Zylinderköpfen erschien der erste Flathead Motor 1929. Die Ventile wurden seitlich angeordnet. Der Flathead Motor wird auf bis zu 1340ccm Hubraum und 34 PS optimiert.

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