Harley-Davidson Modellbezeichnungen: Eine umfassende Erklärung

Seit der Gründung im Jahr 1903 blickt Harley-Davidson auf eine lange Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen zurück. Die Motorräder von Harley-Davidson sind bekannt für ihr ikonisches Design und ihren authentischen Sound. Der berühmte V2 ist über Jahrzehnte das Erkennungszeichen des Harley-Motors. Nach wenigen Jahren als Einzylinder gibt es schon seit dem Jahr 1909 nur noch diese Zylinderanordnung.

Harley-Davidson bietet im Jahr 2025 verschiedene Modellkategorien an:

  • Grand American Touring: Für lange Strecken und absolute Freiheit.
  • Trikes: Für sicheres, komfortables und aufsehenerregendes Fahren auf drei Rädern.
  • Cruiser: Authentische Tradition kombiniert mit moderner Technologie für Fahrfreude in der Stadt und auf der Landstraße.
  • Adventure Touring: Für Touren, bei denen Umwege zur Straße werden.
  • Sport: Eine Modellfamilie, die von der Sportster® begründet wurde, mit ikonischem Design und authentischem Sound.

Die Motoren von Harley-Davidson

Die beiden aktuellen Motoren sind der Milwaukee-Eight in den Softails, Tourern und Trikes und der Revolution Max in den beiden Pan America Modellen.

Revolution Max

Mit diesem Motor schlägt Harley-Davidson ein neues Kapitel der legendären V-Twins auf. Er dient als mittragendes Fahrwerkselement, das einen herkömmlichen Rahmen überflüssig macht. Dadurch wird das Gesamtgewicht der Maschine erheblich reduziert, der Schwerpunkt liegt niedrig und das Handling wird optimiert. All dies zusammen bringt eine hervorragende Beschleunigung aus dem Stand und ordentlich Power bei hohen Drehzahlen.

Milwaukee-Eight

Der Motor löst damit nach fast 20 Jahren den Twin Cam Motor ab, von dem er sich durch seine Vierventiltechnik und besseres Ansprechverhalten aus dem Drehzahlkeller merklich unterscheidet. Die Vierventil-Zylinderköpfe pro Zylinder ermöglichen einen erhöhten Gasdurchsatz von 50% mehr als die vorherigen Zweiventil-Köpfe. In Kombination mit der effizienteren Verbrennung aufgrund der neuen Doppelzündung erreicht der Milwaukee-Eight bis zu 10% mehr Drehmoment bei 11% weniger Verbrauch. Mit nur einer kettengetriebenen Nockenwelle fällt der Ventilantrieb des Milwaukee-Eight leichter, leiser und einfacher aus als bei dem Twin Cam Motor. 75% der Schwingungen erster Ordnung werden durch eine stirnradgetriebene interne Ausgleichswelle ausgeglichen und sorgen so für erhöhten Fahrkomfort für Fahrer und Beifahrer. Der klassische Charakter einer sanft schüttelnden Harley V2 bleibt dabei erhalten. Bei hohen Geschwindigkeiten sorgt die Gummilagerung für ein sanftes Schwingungsverhalten. Es sind aktuell Versionen in 107, 114 und 117 Cubic Inch erhältlich. Der neue Motor unterschreitet die weltweit verschärften Geräuschgrenzwerten, zugleich kommt der satte Auspuffklang besser als je zuvor zur Geltung. Für die typische Zündfolge eines Harley-Davidson Big Twins wurde dem Milwaukee-Eight wieder ein Zylinderwinkel von 45 Grad verpasst und beide Pleuel laufen auf den gleichen Hubzapfen. Das Zusammenspiel sorgt für den berühmten „Potato, Potato“ Sound. Die Leerlaufdrehzahl wurde beim Milwaukee Eight von 1.000 auf 850 U/min abgesenkt, um die Harley im Stand leiser und ruhiger laufen zu lassen.

Weitere Motoren

Der wassergekühlte Revolution Motor hat mit einem klassischen Harley-Davidson Motor, bis auf die langhubige Auslegung und den 45 Grad Zylinderwinkler nicht viel gemein. Der Motor leistet von 117PS mit 1130ccm bis 124 PS mit 1250ccm. Der Motor wurde in Zusammenarbeit mit Porsche auf Basis des Renntriebwerkes der VR1000 entwickelt. Dieser Motor ist heute die Basis aller Modelle der Sportster-Familie, auch fast alle Buell Modelle werden von leistungsgesteigerten, modellgepflegten Derivaten des Evolution Sportster Motors angetrieben. Der Motor reicht von 883cm³ mit 46 PS bis 1202cm³ mit 67PS. 2007 wird der Keihin-CV Vergaser durch eine elektronische Saugrohreinspritzung ersetzt.

Der 1340ccm Evolution Motor wurde seinem Namen gerecht, denn er war eine wahre Evolution. Der „Evo“ verbraucht deutlich weniger und erzeugt zeitgleich deutlich mehr Drehmoment. On Top dreht er ruhiger und ist dadurch auch langlebiger. Er war der Motor für die damals brandneue Softail, welche heute als Urvater der kompletten Softail-Baurreihe gilt.

Wieder einmal verleiht der Look der Rockerboxen diesem Harley Motor seinen Namen. Die Zylinderkopfabdeckung erinnert an Schaufeln, deswegen auch Shovelhead. Der 1340 ccm 65 PS Motor hat neue Zylinderköpfe mit überarbeiteten Kanälen und kompakten Brennräumen, höher verdichtende Kolben, neue Nockenwelle und einen neuen Vergaser.

Der damals neue kleine, moderne Ironhead Motor mit sportlichem Charakter wird über eine stirnradgetriebene Nockenwelle angetrieben. Die 883cm³ Version mit Grauguss-Zylinder und -Zylinderköpfe gab dem Motor den Namen Ironhead. Der Motor dient als Antrieb der damals neuen Sportster-Baureihe.

Der sportliche Version eines Flathead Motor verfügte über 742cm³ Hubraum und 30PS. 1954 vergrößerte Harley-Davidson den Motor auf 38PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 161 km/h.

Der Panhead Motor, welcher zu seiner Auslaufzeit 1965 über 60 PS verfügt, zählt als Vorbild der Electra Glide und verfügt zu diesem Zeitpunkt bereits über einen E-Starter. Den Namen hat der Panhead von der unverwechselbaren Kuchenpfannenoptik der Rockerboxen.

Der Knucklehead-Motor wurde von 36-47 produziert und war der erste Harley Motor mit Überkopfventilen und ist nicht zu unrecht der Wohl beliebteste Motor bei Harley Sammlern und auch bei unserem Captain. Der Name erhielt der Knuckelhead von seinen Rockerboxen, die den Knöcheln einer menschlichen Faust ähneln.

Der Flathead wurde im zweiten Weltkrieg in den WLA Maschinen für die US-Army verbaut und machten Harley-Davidson zu diesem Zeitpunkt zum größten Motorradhersteller der Welt. Benannt nach seinen flach gewölbten Zylinderköpfen erschien der erste Flathead Motor 1929. Die Ventile wurden seitlich angeordnet. Der Flathead Motor wird auf bis zu 1340ccm Hubraum und 34 PS optimiert.

Der V-Twin Motor wird grundlegend überarbeitet und optimiert. Ab sofort betätigt die Nockenwelle über eine Stößelstange das Einlassventil, welches im Zylinderkopf über dem Auslassventil angeordnet ist.

Die ersten V-Twins

Der Zweizylinder mit 45° Zylinderwinkel wird von Harley-Davidson konstruiert um mehr Leistung als bei den bis dato noch gängigen Einzylindern zu erzielen. Die erste Harley-Davidson war nichts anderes als an einem Fahrrad-Rahmen montierter Einzylinder Motor mit 25 bis 37 cubic inch, der das Hinterrad über einen Riemen direkt antrieb. Die ersten Versionen verfügten weder über eine Kupplung noch über ein Getriebe.

Um mehr Leistung als beim Einzylinder zu erzielen, konstruiert Harley-Davidson einen Zweizylinder mit 45° Zylinderwinkel. Die ersten V-Twins entstehen in einer Kleinserie von 27 Exemplaren. Für das Modelljahr 1911 wird der V2 grundlegend überarbeitet und verbessert. Nun betätigte die Nockenwelle über eine Stößelstange auch das Einlassventil, das im Zylinderkopf über dem seitlichstehenden Auslassventil angeordnet ist (inlet over exhaust; ioe).

Harley-Davidson Modellbezeichnungen: Ein kleines ABC

Harley-Davidson bezeichnet seine Modelle mit ausufernden Buchstaben- und Zahlenkolonnen wie FLHRSI, FXDWGI, FLHTCUI. Auf den ersten Blick wirkt das schlicht verwirrend, ist es aber nicht wirklich. Denn die Amis halten sich an eine historisch gewachsene und baureihenbezogene Systematik.

  • Zahlen: Stehen stets für Hubraum, wobei 1200 und 883 den Hubraum in Kubikzentimetern angeben.
  • 88 und 53: Geben den Hubraum im amerikanischen Maß, also in Cubic Inches wieder (1449 und 883 cm3).
  • XL: Steht immer für eine Sportster.
  • F: Luftgekühlte Big-Twin-Motoren.
  • L: Folgt auf das F, wenn der Twin Cam in einem Tourerfahrwerk mit 16-Zoll-Vorderrad steckt.
  • FX: Zusammenziehung von XL und FL. Gabel und Vorderrad entstammen der Sportster (XL) und Rahmen, Triebwerk und Hinterrad von den Tourern (FL).
  • D: Folgt auf das FX, handelt es sich um eine Dyna Glide.
  • ST: Folgt auf das FX, um eine Softail.

Dyna Glide vs. Softail

Die Dyna Glide (dynamisches Gleiten) verfügt stets über eine Telegabel, zwei stehende Federbeine und eine vibrationsisolierende Motoraufhängung, wohingegen eine Softail auch eine Springabel haben kann und immer eine starre Motoraufhängung sowie zwei unter dem Triebwerk liegende Federbeine besitzt. Weil die Federbeine nicht zu sehen sind, wirkt das Rahmenheck (tail), als wäre es starr (hard). Ist es aber nicht, weil gefedert, also soft. Die Softail-Modelle sind in touringorientierte FL- und sportlichere FX-Varianten unterteilt.

  • FLST: Version mit breiter FL-Gabel und 16-Zoll-Vorderrad.
  • FXST: Version mit schlanker Tele- oder Springergabel und 21-Zoll-Vorderrad.

Weitere Modellbezeichnungen

Die aufgeführten Basisbezeichnungen werden je nach Modellspezifikation um mehrere Buchstaben erweitert:

  • B: Bad Boy (böser Junge).
  • C: Classic oder Custom.
  • F: Fat Boy (fetter Junge).
  • G: Glide, WG: Wide Glide (weites Gleiten).
  • H: Highway.
  • I: Injection (Einspritzung).
  • R: Road King (Landstraßenkönig).
  • S: Sport, Springer oder Spezial.
  • T: Touring.
  • U: Ultra.

Bei einer FLHTCUI handelt es sich ergo um einen Tourer (FL) in der Highway-Touring-Variante (HT), ultra-klassisch gestylt (CU: Classic Ultra) mit Einspritzung (I). Weil das trotz aller Stringenz dann doch jemanden unter der Braincap überfordern könnte, darf dieses Motorrad auch unter Electra Glide Ultra Classic laufen.

Eigennamen und ihre Bedeutung

Nicht ohne Bedeutung steht dagegen Deuce, was im Englischen Teufel oder die Zwei im Glücksspiel heißt. Die Night Train lässt sich, weil ganz in Schwarz gehalten, mit Nachtzug übersetzen, der Zusatz Heritage bei der Softail mit Erbe beziehungsweise Kulturerbe. In der Dyna Low Rider bezieht sich die Bezeichnung auf die mit nur 640 Millimeter extrem niedrige Sitzhöhe. Ganz aus der Art geschlagen kommt die V-Rod (V vom Motorlayout, Rod von Hot Rod) daher. Ihr Typkürzel VRSC lautet ausgeschrieben V-Twin Racing Street Custom. Es erinnert, laut Harley, an die Herkunft des Motors, der aus der Werksrennmaschine VR 1000 stamme und der nun für jeden Käufer (Customer) zu haben ist. Die VRSC ist bis 2003 als A-Variante (Alpha) angeboten worden, seit 2004 gibt es die VRSCB-Variante (Beta).

Historische Entwicklung

Hier ist eine Tabelle, die die Entwicklung der Harley-Davidson Motoren zusammenfasst:

Motor Baujahre Hubraum Leistung (ca.) Besonderheiten
Einzylinder 1903-1909 25-37 cubic inch Variabel Erste Harley-Davidson Motoren
V-Twin (IOE) 1911- Variabel Variabel Einlassventil über Auslassventil
Flathead 1929- bis 1340 cm3 34 PS Ventile seitlich angeordnet
Knucklehead 1936-1947 1200 cm3 48 PS Erster Motor mit Überkopfventilen
Panhead 1948-1965 1200 cm3 50 PS Neue Zylinderköpfe aus Aluminium
Shovelhead 1966-1984 1340 cm3 65 PS Überarbeitete Zylinderköpfe
Evolution 1984-2000 1340 cm3 Variabel CAD-entwickelt, weniger Verbrauch
Twin Cam 1999-2017 1449 cm3 Variabel Mehr Leistung, steifere Verbindung
Milwaukee-Eight 2017-heute 1745-1923 cm3 Variabel Vierventiltechnik, mehr Drehmoment
Revolution Max 2021-heute 1250 cm3 150 PS Flüssigkeitsgekühlt, mittragendes Element

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