Harley Davidson Bremsbeläge wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Als Harley-Fahrer genießt man nicht nur das Cruisen auf der Landstraße, sondern auch das Schrauben in der eigenen Garage. Eine der wichtigsten Wartungsarbeiten an jedem Bike ist der rechtzeitige Wechsel von Bremsbelägen und -scheiben. Bremsbeläge sind Verschleißteile - je nach Fahrweise und Gewicht der Maschine müssen sie regelmäßig erneuert werden. Auch Bremsscheiben unterliegen einem natürlichen Verschleiß durch Hitze, Reibung und Korrosion.

Alle 2000km sollte man die Bremsbeläge kontrollieren und gegebenenfalls durch neue Beläge ersetzen. Normalerweise sind die Beläge geschlitzt. Solange man noch einen Schlitz sieht, ist man über der 1.0mm Mindestdicke. Neue Bremsbeläge und ggf.

I. Wechsel der Bremsbeläge am Vorderrad

Die Bremsbeläge sollen gewechselt werden, wenn das Belagmaterial einer der vier Beläge auf weniger als 0,4 mm abgenutzt ist. Bremsbeläge nur im kompletten Doppel-Satz für die beiden Bremsscheiben des Vorderrades wechseln. Bei dieser Gelegenheit auch einen Blick auf den Zustand der Bremsschläuche und der Bremsscheiben werfen (Mindeststärke der vorderen Bremsscheibe 4,5 mm).

An beiden Seiten des Rades auf gleiche Weise vorgehen. Ein kleiner Unterschied zwischen rechts und links besteht in dem links angebrachten ABS-Sensor.

  1. Schutzgitter des Bremssattels abhebeln:
  2. Dann die beiden (identischen) Bremssattelbefestigungsschrauben (1 und 2) lösen. Dafür einen normalen, metrischen 10er-Zwölfkantschlüssel verwenden. Auf der linken Radseite, eventuell die Kabelbinder (3 und 4) des ABS-Drehzahlsensorkabels entfernen, dann zieht der gelöste Bremssattel nicht daran:
  3. Nach dem Entfernen des Bremssattels:
  4. Die Bremsbeläge mit einem geeigneten Werkzeug auseinander drücken, bis die Bremskolben in ihre Ausgangsstellung zurückgefahren sind.
  5. Das Werkstatthandbuch empfiehlt an dieser Stelle, den Ausgleichsbehälter des Haupt-Bremszylinders zu öffnen und Vorsorge zu treffen, dass die zurückgedrückte Bremsflüssigkeit nicht oben herausläuft. Man kann sich durch das Schauglas davon überzeugen, dass die Bremsflüssigkeit nicht über "max" zurückgedrückt wurde. Natürlich sollten, solange die Bremssättel ausgebaut sind, auch auf keinen Fall die Bremshebel betätigt werden.
  6. Den Haltestift (5) aus seiner Nut ziehen (gerade nach oben)...
  7. Den Bremsbelagstift (6) herausschrauben. Dafür einen metrischen 5er-Innensechskantschlüssel verwenden...
  8. Dann lassen sich die Bremsbeläge leicht entnehmen. Vor dem Einbau der neuen Beläge, die Feder (7), welche auch von oben zu sehen ist, auf Beschädigungen und guten Sitz prüfen. Sie muss nicht systematisch bei jedem Bremsbelagwechsel ausgetauscht werden.

Jetzt die neuen Bremsbeläge in gleiche Position wie die alten einsetzen. Ist eigentlich idiotensicher:

  • darauf achten, dass das Reibmaterial der Bremsbeläge (wie auf dem vorherigen Bild) in Richtung Bremsscheibe zeigt...
  • Ecken der Bremsbeläge in die Ecken der Bremssattel einführen.
  • die oberen Nasen der Bremsbeläge müssen an der Feder (7) anliegen.
  • ist alles in der richtigen Lage, kann der mitgelieferte, neue Bremsbelaghaltestift (5er-Innensechskant) ohne Schwierigkeiten durch die Löcher in den Bremsbelägen gesteckt und im Bremssattel festgeschraubt werden. Das Werkstatthandbuch gibt hier ein Anzugsmoment von leichten 8,5-11,5 Nm vor.
  • den mitgelieferten, neuen Sicherungs-Clip in die Nut des Bremsbelaghaltestiftes stecken.

Dann den Bremssattel mit den neuen Bremsbelägen über die Bremsscheibe schieben und mit den Bremssattel-Befestigungsschrauben fixieren. Auf der linken Seite, die Position des ABS Sensors beachten...

Befestigungsschrauben des Bremssattels (1 und 2) mit einem Drehmoment von 37,9-51,5 Nm festziehen.

Und nicht vergessen! Zum Schluss am Bremshebel pumpen, bis die Bremsbeläge wieder Kontakt mit der Bremsscheibe haben. Sonst könnte es bei der Probefahrt gefährlich werden.

II. Hinterradbremse

Nachdem man am Tourer den rechten Koffer abgenommen hat geht es, wie am Vorderrad, zunächst an den Ausbau des Bremssattels. Dazu werden die beiden Befestigungsschrauben (1 und 2) gelöst. Dazu nimmt man einen metrischen 8er Innensechskantschlüssel...

Hier könnte es zur ersten Schwierigkeit kommen. Je nach Felge lässt sich der Bremssattel nicht komplett von seinem Halter ziehen. Der Platz zur Felge ist dafür zu gering. Lösung: man zieht ihn so weit von seinem Halter wie es geht und drückt dann mit einem geeigneten Hebelwerkzeug die Bremsbeläge auseinander. Nun lässt sich der Bremssattel schräg stellen und von der Bremsscheibe nehmen.

Zum besseren Arbeiten empfiehlt es sich auch den rechten Seitendeckel aus seinen Gummihalterungen zu ziehen. Dann kommt man besser an den Plastik-Halteclip für den Bremsschlauch und das ABS-Sensorkabel und erhält mehr Bewegungsfreiheit.

Die weiteren Arbeitsschritte sind mit denen am Vorderrad weitgehend identisch:

  • Bremsbeläge auseinanderdrücken, bis die Bremskolben in ihre Ausgangsstellung zurückgefahren sind (hierbei die gleichen Hinweise wie beim Vorderrad, s.o., aus dem Werkstatthandbuch beachten)
  • Sicherungs-Clip entfernen.
  • Bremsbelaghaltestift mit dem metrischen 5er Innensechskantschlüssel herausschrauben.
  • alte Bremsbeläge entnehmen.

Dem Bremsbelagkit für das Hinterrad liegt ein Zettel in englischer Sprache mit besonderen "Instructions" bei. Diese betreffen das Auftragen der mitgelieferten Bremsbelag-Paste:

  1. Beide Bremsbeläge mit den Schablonen abkleben...
  2. Bremsbelag-Paste mittels des mitgelieferten Spachtels über die Aussparungen streichen und gut verteilen...
  3. Schablonen abziehen...

Dann erst die Bremsbeläge vorsichtig, ohne alles zu verschmieren, in den Bremssattel einführen. Nun, wie am Vorderrad fortfahren:

  • Bremsbelagstift einschrauben (Anzugsmoment 8,5-11,5 Nm).
  • Sicherungs-Clip aufstecken.
  • Bremssattel auf die Bremsscheibe schieben und mit den beiden 8er-Innensechkant-Schrauben fixieren (Anzugsmoment 58,3-65,1 Nm)...
  • Bremsschlauch und ABS-Sensorkabel wieder in ihren gemeinsamen Halte-Clip auf der Hinterradschwinge stecken.
  • Seitendeckel und Koffer wieder anbringen.

Und auch jetzt nicht vergessen! Am Bremspedal pumpen, bis die Bremsbeläge wieder an der Bremsscheibe anliegen.

Allgemeine Tipps und Hinweise

  • Stelle die Maschine sicher ab (idealerweise auf einem Montageständer) und entferne das Rad, wenn nötig.
  • Löse die Befestigungsschrauben des Bremssattels und nimm ihn vorsichtig ab.
  • Die Beläge sitzen meist durch Haltestifte oder Klammern gesichert - entferne diese und nimm die alten Beläge heraus.
  • Falls die Scheibe die Mindeststärke unterschreitet oder beschädigt ist: Löse die Befestigungsschrauben und tausche die Scheibe aus.
  • Damit die neuen Beläge passen, musst du die Bremskolben zurückdrücken.
  • Setze die neuen Beläge ein und sichere sie wieder mit Klammern oder Stiften.

Vor der ersten Fahrt: Mehrfach den Bremshebel betätigen, bis Druck aufgebaut ist. Der Wechsel von Bremsbelägen (und ggf. Bremsscheiben) ist mit etwas technischem Geschick auch für Hobbyschrauber machbar - besonders, wenn man weiß, worauf zu achten ist.

Wichtig ist die Verwendung hochwertiger Ersatzteile. Tipp: Motorradersatzteile findest du u. a.

Bremsflüssigkeit

Es lohnt sich, zusammen mit dem Belagwechsel auch gleich die Bremsflüssigkeit zu wechseln. Kostet nicht viel, und bringt Sicherheit. Die Bremsflüssigkeit altert. Sie nimmt mit der Zeit Wasser auf, welches dann an einer heissen Bremse verdampft, Gasblasen bildet und damit die Bremse ausser Kraft setzt. Besonders die hintere Bremse ist da anfällig, da sie wenig Kühlung erfährt.

Es gibt verschiedene Bremsflüssigkeiten. Diese sind nicht untereinander austauschbar (Ausnahme siehe unten). Ab 2006 verwendet Harley generell DOT4. DOT4 Bremsflüssigkeit ist hydrophil, also wasseranziehend. Es ist ein Polyalkohol. Später wurde das DOT5.1 entwickelt (Es darf nicht mit DOT5 verwechselt werden! Man achte auf das .1 am Ende). DOT 5.1 Bremsflüssigkeit ist auch hydrophil. Also wasseranziehend. Es ist auf Glykolbasis hergestellt und hat einen höheren Siedepunkt wie DOT4. Zudem greift es die Dichtungen nicht mehr an.

Vor 2004 wurde von Harley das DOT5 (genauer DOT5.0) verwendet. DOT5 darf nicht mit DOT4 oder DOT5.1 gemischt werden! Es ist eine Bremsflüssigkeit auf Silikonbasis, ist hydrophob (also wasserabstossend) und hat gleichfalls einen höheren Siedepunkt. Bei diesen Maschinen muss IMMER DOT5 verwendet werden. Wenn man DOT4 oder DOT5.1 in eine solche Anlage kippt, wurde der Alkohol (bzw. das Glykol) die Gummis angreifen, da DOT5 ja ein Silikon-Öl ist.

Sintermetallbeläge vs. Organische Beläge

Ich nehme Lucas/TRW Sinter(metall)beläge, die sind preiwert und gut (Testsieger). Die hinteren (SH) sind etwas härter und vermeiden dadurch das vorzeitige blockieren der Hinterbremse. Dazu haben sie eine längere Haltbarkeit. Die vorderen Beläge (SV) sind weicher und bremsen besser.

Die Lucas Beläge haben eigentlich nur einen Nachteil, nämlich dass sie manchmal zum quietschen neigen. Aber es gibt mittlerweile eine gute Abhilfe, eine Antiquietsch Folie, die vor der Montage auf die Rückseite des Belages geklebt wird.

Vorteile Sintermetall: Die Sinterbeläge bremsen besser, vor allen Dingen wenn sie heiss werden. Zum Beispiel bei Passabfahrten dauert es wesentlich länger, bevor sie ihre Bremswirkung durch Fading verlieren.

Nachteil Sintermetall: Sie sind teurer und neigen zum quietschen. Und sie beanspruchen die Bremsscheibe stärker (einer von beiden muss nachgeben).

Vorteile Organische: Die organischen Beläge sind billiger und bremsen leise. Sie geben ein gutes Bremsgefühl.

Nachteil Organische: Sie verschleissen schneller und kommen schneller in den Bereich des Fadings.

Testergebnisse von Sintermetallbelägen (DreamMachines, Okt. 12)

Hier die Ergebnisse (Bremsweg in Meter, alles Sintermetallbeläge mit Zulassung nach EG-BE, ABE, ECE, KBA oder Tüv).

Marke Preis (€) Bremsweg (m)
AP Racing Supersport 36,20 45,60
Brembo 39,95 45,90
EBC Brakes Double-H 64,97 53,10
EBC Brakes Extreme Pro 72,89 55,90
TRW Lucas MCB 813 SV 38,95 45,50
Motor Factory BY CCE Typ 8009059 27,50 49,50
NHC Sintered Typ # 44082-08 48,50 58,90
SBS Typ 853 H.HS 29,50 46,10

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