Anleitung zum Wechseln der Bremsflüssigkeit bei Harley Davidson mit ABS

Da viele Harley Davidson Modelle mit ABS ausgestattet sind, ist ein regelmäßiger Bremsflüssigkeitswechsel besonders wichtig. Hier ist eine detaillierte Anleitung, wie man diesen Wechsel selbst durchführen kann.

Vorbereitung

Zunächst muss das Moped senkrecht stehen und der Lenker nach links eingeschlagen sein, um den Bremsflüssigkeitsbehälter am Handhebel waagerecht zu stellen. Dazu kann ein Scherenwagenheber verwendet werden.

Es ist ratsam, einen Bremsflüssigkeitstester zu verwenden, um den Wassergehalt der alten und neuen Flüssigkeit zu überprüfen. Neue Bremsflüssigkeit sollte 0% Wasser enthalten.

Zum Durchpumpen der Bremsflüssigkeit kann eine Unterdruckpumpe verwendet werden. Der Vorteil ist, dass man nach ein paar Hüben an der Handpumpe genug Unterdruck auf der Saugseite hat, um sich minutenlang ganz entspannt auf das Nachfüllen des Bremsflüssigkeitsbehälters zu konzentrieren. Das Pumpen am Hand- oder Fußbremshebel entfällt, und damit auch das versehentliche Gewackel am Moped, das schon mal den Flüssigkeitsbehälter überschwappen lässt.

Es ist wichtig, Vorsorge zu treffen, da beim Bremsflüssigkeitswechsel leicht etwas daneben gehen kann. Ein bereitstehender Wassereimer ist daher dringend anzuraten. Da spüle ich dann auch alle mit Bremsflüssigkeit benetzten Teile vor dem Verbauen (Deckel, Dichtungen) oder Verstauen (Werkzeug). Getrocknet wird mit Küchenrolle.

Durchführung des Bremsflüssigkeitswechsels

Der Schlüssel sollte bei dieser Methode immer am Entlüftungsnippel bleiben, sonst kann man im Ernstfall nicht schnell genug das Leerziehen des Bremsflüssigkeitsbehälters stoppen. Solange das Ventil offen ist und noch Unterdruck da ist, fließt nämlich kontinuierlich Bremsflüssigkeit.

Um sicherzustellen, dass die frische Bremsflüssigkeit komplett durch das System gepumpt wurde, kann der Bremsflüssigkeitstester verwendet werden. Es sollte so lange gepumpt werden, bis die unten austretende Flüssigkeit 0% Wasseranteil hat.

Es ist wichtig zu vermerken, dass bei diesem Verfahren trotzdem keine Luft ins Bremssystem gelangt! Manchmal wundere ich mich über Kommentierungen z.B. im Onlineportal von Louis, wo sich Leute darüber beschweren, dass mit der "blöden Unterdruckpumpe" kein blasenfreies Saugergebnis zu erzielen ist. Hallo? Das ist auch gar nicht nötig!

ABS-spezifische Schritte

Bei ABS-Motorrädern gibt es verschiedene Ansätze zum Bremsflüssigkeitswechsel:

  • Variante 1: Man wechselt herkömmlich und entlüftet wie bei einem nicht ABS Modell.
  • Variante 2: Man hat auch eine Werkstattsoftware und kann eine Rekalibrierung des ABS auslösen
  • Variante 3: Man macht die Rekalibrierung und wechselt danach nochmals die Bremsflüssigkeit. Und entlüftet auch nochmals.

Die Variante 1 ist das was die meisten machen: Bremsflüssigkeit wechseln und auf das Beste hoffen. Meist klappt das auch, manchmal aber auch nicht. Dann braucht man Variante 2. Nämlich eine Werkstattsoftware, mit der man die ABS Anlage durchrütteln kann. Das geht meistens gut. Aber ganz sicher ist man immer noch nicht, ob wirklich alle Luft aus dem verzweigten Netz der Bremsleitungen raus ist. Deshalb empfiehlt die Factory Variante 3, nämich nach dem ABS reset nochmals die Flüssigkeit wechseln und neu entlüften. Das ist teuer und aufwendig. Und wer macht das schon? Nichtmal die Werkstätten. Und so richtig sicher ist man auch bei der Variante 3 nicht.

Es gibt verschiedene Meinungen darüber, ob und wie oft das ABS-System während des Bremsflüssigkeitswechsels aktiviert werden muss. Einige Experten empfehlen, die ABS-Einheit mit einem Service-Tool wie dem "Twin Scan 3 ABS" durchzuspülen, um Ablagerungen zu entfernen.

Eine weitere Möglichkeit ist, das ABS während einer Fahrt auf rutschigem Untergrund (z.B. nasser Wiese) zu aktivieren, um den Kreislauf zu spülen.

Wichtige Hinweise

  • Die Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch und nimmt mit der Zeit Wasser auf. Daher sollte sie regelmäßig gewechselt werden, unabhängig von den gefahrenen Kilometern.
  • Frische Bremsflüssigkeit ist in der Regel hellgelb, kann aber auch hellblau oder hellrot sein. Alte Bremsflüssigkeit ist grau bis schwarz.
  • Die DOT-Klassifizierung (DOT = Department of Transportation) bezieht sich auf den Siedepunkt von Bremsflüssigkeiten. Für Motorräder sind DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1 geeignet. Welche Bremsflüssigkeit benötigt wird, steht im Bordbuch.
  • Bremsflüssigkeit ist ätzend und kann Lacke und Kunststoffe angreifen. Daher sollten empfindliche Teile abgedeckt werden.

Empfehlungen für Bremsbeläge

Alle 2000km sollte man die Bremsbeläge kontrollieren und gegebenenfalls durch neue Beläge ersetzen.

Es gibt verschiedene Arten von Bremsbelägen, darunter Sintermetall- und organische Beläge. Sintermetallbeläge bremsen besser, besonders bei hohen Temperaturen, sind aber teurer und können zum Quietschen neigen. Organische Beläge sind billiger und leiser, verschleißen aber schneller.

Beim Wechseln der Bremsbeläge sollte der Bremssattel gereinigt und die Bremskolben zurückgedrückt werden. Es ist wichtig, die korrekten Drehmomentwerte beim Festziehen der Bremssättel zu beachten.

Bremsflüssigkeitstypen

Es gibt verschiedene Bremsflüssigkeiten. Diese sind nicht untereinander austauschbar (Ausnahme siehe unten). Ab 2006 verwendet Harley generell DOT4. DOT4 Bremsflüssigkeit ist hydrophil, also wasseranziehend. Es ist ein Polyalkohol. Später wurde das DOT5.1 entwickelt (Es darf nicht mit DOT5 verwechselt werden! Man achte auf das .1 am Ende). DOT 5.1 Bremsflüssigkeit ist auch hydrophil. Also wasseranziehend. Es ist auf Glykolbasis hergestellt und hat einen höheren Siedepunkt wie DOT4. Zudem greift es die Dichtungen nicht mehr an.

Vor 2004 wurde von Harley das DOT5 (genauer DOT5.0) verwendet. DOT5 darf nicht mit DOT4 oder DOT5.1 gemischt werden! Es ist eine Bremsflüssigkeit auf Silikonbasis, ist hydrophob (also wasserabstossend) und hat gleichfalls einen höheren Siedepunkt. Bei diesen Maschinen muss IMMER DOT5 verwendet werden. Wenn man DOT4 oder DOT5.1 in eine solche Anlage kippt, wurde der Alkohol (bzw. das Glykol) die Gummis angreifen, da DOT5 ja ein Silikon-ÖL ist.

Hier eine Zusammenfassung der Eigenschaften verschiedener DOT-Klassen:

DOT-Klasse Basis Hydrophil/Hydrophob Mischbarkeit
DOT 3 Glykol Hydrophil Mischbar mit DOT 4 und DOT 5.1
DOT 4 Glykol Hydrophil Mischbar mit DOT 3 und DOT 5.1
DOT 5.1 Glykol Hydrophil Mischbar mit DOT 3 und DOT 4
DOT 5 Silikon Hydrophob Nicht mischbar mit DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1

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