Harley-Davidson: Die Geschichte eines Mythos

Die jüngere Wirtschaftsgeschichte von Harley-Davidson darf unumwunden als triumphal bezeichnet werden: Der US-Hersteller verkauft jährlich mehr Maschinen als alle Europäer zusammen.

Die Anfänge

Die Anfangsperiode von Harley-Davidson's wird aus gutem Grund als "geheimnisvoll" bezeichnet.

Im Jahr 1903 wurde Harley-Davidson bekanntlich von den Brüdern Walter und Arthur Davidson sowie William Harley gegründet. Später kam noch William Davidson hinzu.

Ihrer Manufaktur in Milwaukee entschlüpfen zunächst gewöhnliche, doch bald schon ziemlich zuverlässige 400er-Einzylinder mit Schnüffelventil als Einlasssteuerung, später anerkennend Silent Grey Fellow genannt.

1903 bezogen Harley und Arthur Davidson ihre erste eigene Werkstatt, einen kleinen Schuppen hinter dem Haus der Familie Davidson in Milwaukee.

Am 22. 9. 1907 wurde offiziell bei einem Notar die Harley-Davidson Motor Company of Milwaukee gegründet.

Präsident wurde Walter Davidson, Sekretär und Verkaufsmanager Arthur Davidson, William Harley Chefingenieur und William Davidson Vizepräsident und Produktionsleiter.

Von 1903 bis 1907 studierte Harley Maschinenbau an der University of Wisconsin-Madison und erhielt den Bachelor of Science Degree in Mechanical Engineering.

Die Gründung der Harley-Davidson Motor Company wird am 17. September 1907 notariell besiegelt.

Unterstützung erhielten sie von Arthurs Brüdern William H. Davidson sowie Vater William C.

1903 schließen sich William und Walter Davidson, ihrem Bruder und dessen Freund an.

"Diese Firma wurde von vier jungen Männern gegründet, die davon träumten, was sie alles sehen könnten, wenn sie einen Motor in einen Fahrradrahmen einbauen würden", sagt der Gründerenkel Willi G. Davidson.

Frühe Erfolge und Innovationen

Die Weiten des Kontinents erfordern jedoch mehr Power, der erste V-Twin debütiert 1909, ebenfalls mit Schnüffelventilen und kaum zukunftsträchtig.

Aber bereits mit 45 Grad Zylinderwinkel.

1911 machen sie es besser, der kompakte, wechselgesteuerte (Einlassventil hängend, Auslass stehend) F-Head entspricht dem Stand der Technik - und besteht seine Musterung: Die Armee, seit 1917 auf Seiten der Alliierten im Ersten Weltkrieg, ordert 20000 Stück und wird Stammkunde.

Trotzdem nennen sich die Amis so um 1920, als Europa unter den Kriegsfolgen ächzt, größte Motorradfabrik der Welt.

Walter, der Mechaniker in dem Quartett, bringt das Moped erst zum Laufen und dann zur Serienreife.

Das erste Serienmodell von 1905 legt stattliche 163.000 Kilometer zurück.

Die Maschine wechselt fünf Mal den Besitzer und hat nie größere Pannen.

Das spricht sich schnell herum und wird zur besten Werbung für die anvisierte Großproduktion.

Sein erstes Patent erhielt Harley am 27. November 1909 auf einen Riemenspanner, der ab dem Modell 7 zur Anwendung kam; weitere Patente folgten.

Die Technik und das Design der Harley-Davidson finden immer mehr Anhänger - auch im Ausland.

Die Modelle setzen sich gegen die große Konkurrenz in den Gründerjahren des motorisierten Fahrzeugbaus durch.

Krisen und Neuanfänge

Die Wirtschaftskrise ab Ende der 20er Jahre bringt allerdings auch Harley fast um, der Absatz sackt von 35000 Einheiten im Jahr 1926 auf 6000 in 1933.

Erschwerend kommt hinzu, dass Fords Autos kaum mehr kosten als die großen Harley-Tourer.

Mit dem seitengesteuerten Flathead- Motor (beide Ventile stehen) gelingt auf zivilem Terrain ein mittelfristiger Befreiungsschlag.

Mehr Luft verschafft der – endlich – obengesteuerte Knucklehead-Motor.

Dieser 1000er treibt ab 1936 die Dickschiffe an.

Dann wieder ein Krieg – 90000 Flatheads ziehen an die Front.

Die Legende will, dass Harley nur wegen dieses Auftrags genug Speck ansetzen konnte, um Indian zu überleben.

Der einzig verbliebene nationale Konkurrent, vor dem Krieg meist erfolgreicher, macht 1953 dicht.

Kultstatus und moderne Zeiten

Das großvolumige Motorrad ist zum Sportgerät geworden, den Markt dominieren Engländer.

Milwaukee reagiert 1957, die für Harley-Verhältnisse schlanke Sportster mit 883 cm3 großem, Ironhead getauftem ohv-Motor debütiert und poliert das Image der altväterlichen Marke auf.

Noch nachhaltiger soll sich auswirken, dass Tausende ehemaliger Militärmaschinen einem Volkssport zum Opfer fallen, den seine Erfinder – die Rocker der Westküste – choppen nennen.

Alles weg, was nicht unbedingt zum Fahren nötig ist, die Twins starten ihre Out-law-Karriere.

Und: Die Company verkauft ihr erstes Accessoire, eine schwarze Lederjacke.

Alleine im Zweiten Weltkrieg liefert das Unternehmen 90.000 Motorräder an die Armee, was das spätere Zivilgeschäft fördert.

Viele ehemaligen Soldaten haben sich im Einsatz mit Harley-Davidson gut arrangiert und legen sich nach Kriegsende ein eigenes Modell zu.

Weiterer Absatzanschub kommt von den ersten Motorradclubs wie Boozefighters, Satans Sinners oder Winoise.

Die radikalen Motorradfreunde - die üblicherweise auf einer Harley-Davidson gegen das Establishment kämpfen - sorgen in den Nachkriegsjahren dafür, dass sich das Image der Harley-Davidson-Motorräder vom fahrbaren Untersatz der Arbeiterklasse zur Rebellen-Maschine wandelt.

Der Kinofilm "Easy Rider" macht 1969 die Harley-Davidson endgültig zum Symbol eines nonkonformistischen Lebensstils.

Die Filmreise der Schauspieler Dennis Hopper und Peter Fonda auf ihrer Harley-Chopper wird zum Mythos von Freiheit und Unabhängigkeit.

An bekennenden prominenten Harley-Davidson-Fahrern hat es in der Firmengeschichte nie gefehlt.

Elvis Presley, Clark Gable, Marlene Dietrich und Sylvester Stallone zählen zu den Fans der Kultmarke.

Die Harley-Davidson Motor Company lässt sich das Rebellen-Image gut bezahlen.

Ihre Motorräder zählen zu den teuersten Zweirädern, die es zu kaufen gibt.

Ein Grund, warum trotz einiger Tiefen in der Firmengeschichte das Unternehmen noch immer der größte Motorrad-Produzent der USA ist.

Die Übernahme und die Rückkehr zum Erfolg

1981 kaufen 13 Manager die Firma von AMF zurück.

Sie stecken alle Entwicklungspower ins Evolution-Triebwerk, ein gemeinsam mit Porsche bereits angedachter wassergekühlter Motor wird storniert.

Die Evolution Engine ist wie neuer Wein in alten Schläuchen, endlich mit Leichtmetallzylindern, zum Beispiel, und echt haltbar.

Der richtige Motor für eine 20 Jahre andauernde Erfolgsgeschichte.

Alle Beteiligten gewöhnen sich rasch an enorme Steigerungsraten bei Umsatz, Produktion und Gewinn.

1994 entlassen die Amis runde 94000 Motorräder in die Freiheit, elf Jahre später sind’s über 329000.

Der Nettoumsatz wächst im selben Zeitraum von 1,2 Milliarden auf über 5,3 Milliarden Dollar, der Gewinn von 96 auf 959 Millionen*.

Die Harley Owners Group (H.O.G.)

Mit der Harley Owners Group (H.O.G) gründet sie gar den mit heute über 900000 Mitgliedern stärksten Biker-Club der Welt.

Marktpositionierung

Dagegen kommt nicht mal Honda an: Bei Motorrädern über 650 Kubikzentimetern hält der Weltmarkführer in Nordamerika einen Anteil von rund 19 Prozent, Harley-Davidson dagegen triumphiert mit – na? – wahnsinnigen 48 Prozent.

Jeff Bleustein, einer der cleveren 13 und bis März 2005 oberster Steuermann bei Harley, befand 2003 im MOTORRAD-Interview sehr gelassen, das Motorrad stehe erst am Anfang seiner Erfolgsgeschichte.

Es gehe lediglich darum, soziale Barrieren niederzureißen.

Noch Anfang der 90er Jahre reichten die Kapazitäten nicht mal für 80000 Motorräder.

Dann kamen in schneller Folge eine hoch- moderne Lackiererei, ein Entwicklungszentrum und neue Produktionsanlagen hinzu.

Heute müssen die insgesamt fünf Werke in den Bundesstaaten Wisconsin, Pennsylvania und Missouri weiteres Wachstum nicht fürchten.

Eine kleine Montagestätte in Brasilien verleiht internationales Flair, immerhin zählen die Importeure in allen wichtigen Ländern ebenfalls zu den offiziellen Außenposten.

Weshalb die Belegschaft weltweit stattliche 9600 Personen umfasst, davon – bei rund 6500 in der eigentlichen Produktion – knapp 8500 in den USA.

Buell: Der sportliche Ableger

Schon 1993 hat sich die Company in das Un- ternehmen ihres ehemaligen Ingenieurs Erik Buell eingekauft, fünf Jahre darauf den Laden beinahe komplett übernommen, schlauerweise jedoch Buell als Chairman installiert.

Bekanntlich werden all seine Motorräder von erheblich veränderten Harley-Twins ge- und über Harley-Händler vertrieben.

11000-mal im Jahr 2005, zehn Prozent mehr als 2004.

Eine doch sehr gedeihliche Verbindung – und eine weitere Erfolgsgeschichte.

Die aktuelle Situation

Im Jahr 1916 begann Harley-Davidson sein eigenes Magazin - "The Enthusiast" - herauszugeben, um der Kundschaft die neuesten Errungenschaften mitzuteilen.

Einmal im Jahr, meist im Spätsommer, gab es eine Sonderausgabe, in der die Modelle für das kommende Jahr vorgestellt wurden.

Die hier angebotenen Qualitätsnachdrucke sind Duplikate dieser speziellen Ausgaben, in denen jedes neue Modell im Detail beschrieben wird, was sie zu einer wertvollen Quelle macht für Leute, die so ein Bike restaurieren oder besitzen.

Heute schlägt in den aktuellen Touring-Maschinen mit dem Milwaukee-Eight bereits die neunte Motorengeneration.

Neben der beständigen Weiterentwicklung der Motoren wurde 2014 mit dem Projekt Live-Wire die erste Elektro-Harley-Davidson vorgestellt.

Die legendäre Motorradmarke aus Milwaukee hat eine lange Geschichte inne, entwickelt sich ständig weiter und wird uns hoffentlich auch in den nächsten Jahrzehnten mit dem schönen Eisen aus den Staaten beglücken.

Jahr Ereignis
1903 Gründung von Harley-Davidson durch die Brüder Davidson und William Harley
1907 Offizielle Registrierung der Harley-Davidson Motor Company
1909 Erster V-Twin Motor
1969 "Easy Rider" macht Harley-Davidson zum Symbol eines nonkonformistischen Lebensstils
1981 13 Manager kaufen die Firma von AMF zurück
1994 94.000 produzierte Motorräder
2005 329.000 produzierte Motorräder

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