Auch wenn neuere Harleys mit Throttle-by-Wire funktionieren, d.h. der Dreh am Gasgriff wird elektrisch-elektronisch übertragen, ist es bei den Bikes, mit denen wir bevorzugt durch die Gegend bollern, die Sache etwas, naja, sagen wir, klassischer: Hier hängt alles am Draht. Die Drehung am Gasgriff wird durch einen verdrillten Draht rein mechanisch übertragen und bewegt am Vergaser entweder die Drosselklappe oder den Schieber, je nach Vergasertyp. Ein Dreh am Gasgriff lässt dann mehr Luft-Benzingemisch in den Motor - und braamm! Damit das auch so reibungslos funktioniert, wie man‘s gerne hat, wenn man mal zackig Gas geben will oder sogar muss, sollte man diesem eher bescheidenen Funktionsträger doch den einen oder anderen Kubikzentimeter Aufmerksamkeit schenken.
Grade, wer viel unterwegs ist oder die Mühle öfter mal draussen stehen hat, tut gut daran, die Schmierung optimal zu halten. Ausbauen, checken, schmieren, wieder einbauen oder gleich auswechseln - mit einem Gaszug kann man ne Menge machen.
Wann sollte man den Gaszug wechseln?
Die Inspektion ergibt: Hoppla, da stehen einzelne Drähtchen ab, der Zug ist geknickt, angefressen, rostig, die Umhüllung ist angenagt, das ganze Ding sieht aus, als wärs an einem Barnfind in einer abgefackelten Sumpfhütte? Hier keine falsche Gnade walten lassen: Austauschen.
Vorbereitung
- Bike senkrecht aufbocken: Z.B. mit Becker Minilift.
- Für Entspannung sorgen: Also nicht die eigene, wir haben ja noch nicht mal richtig angefangen. Den Gas-Zug entspannen! Das geht meist schon über den Einsteller, mit dem man den Zug nachjustieren kann. Unter Umständen ist es praktischer, den Zug am unteren Ende, am Vergaser auszuhängen. Dazu muss wahrscheinlich der Luftfilter(-deckel) entfernt werden. Muss er aber später sowieso.
- Gasgriffgehäuse zerlegen: Jetzt kann das Gasgriffgehäuse mit passendem Werkzeug (Inbusschlüssel, Schraubendreher) zerlegt werden (Schrauben am besten gleich sauber an einem sicheren Platz ablegen, zB. in der Magnetschale 87-961).
- Gasgriff entfernen: Den Gasgriff vorsichtig aus dem Gehäuse vom Lenker ziehen. Bei der Gelegenheit auch gleich mal die Griffgummis inspizieren - vielleicht wär da ja auch mal frische Griffe fällig...? Ideen gibt‘s genug.
- Nippel entfernen: Den Nippel am oberen Ende des Gaszugs seitlich aus dem Gasgriff schieben.
- Luftfilter abbauen: Wenn nicht schon an Punkt 2 passiert: jetzt den Luftfilterdeckel (ggf. auch die Luftfiltergrundplatte) abbauen, um an die Zugrolle (dem Schieber bei Schiebervergaser) zu kommen, in die das untere Ende des Gaszugs am Vergaser eingehängt ist. Auch hier wieder: Schrauben gleich in die Magnetschale.
- Unteres Ende aushängen: Unteres Ende des Gaszugs aus der Zugrolle oder dem Schieber am Vergaser aushängen.
- Gaszug prüfen: Den Gaszug (das innere Drahtseil) auf gebrochene und oder abstehende Drähtchen checken. Sieht gut aus? Kein Knick, keine abstehenden Drähtchen, auch am unteren Ende nicht? Dann geduldig von oben einige Spritzer WD 40 zwischen Drahtseil und Gaszughülle versickern lassen, dabei den Gaszug ineinander hin und herschieben, dann verteilt sich die Schmierschicht schneller. Jetzt bitte direkt zur 13 springen.
- Neuen Gaszug bestellen: Bevor jetzt der komplette Gaszug nach oben/vorne raus kommt: kurz checken, wie er durchs Moped verläuft. Für den Wiedereinbau merken oder ein paar Fotos davon machen. Ach ja: gut möglich, dass der Tank abgebaut werden muss. Aber jetzt erstmal: Einen neuen Gaszug bestellen. Wichtig: Form und Größe der Nippel feststellen, oben wie unten, evtl. mit dem Handbuch abgleichen. Länge des alten Zugs messen. Baujahr des Bikes feststellen. Ein gut sortiertes Regal mit modellspezifischen Gaszügen, steht bereit, alles versandfertig. Wem die unten stehende Auswahl zu kompliziert ist: bei W&W durchklingeln und sich beraten lassen.
Einbau des neuen Gaszugs
- Neuen Zug verlegen: Den neuen Zug wieder auf die alten Wege bringen, unter dem Tank, durch alle Führungen, sofern vorhanden, durchfädeln, dass er knickfrei und ohne Abrieb am Vergaser/Einspritzung ankommt. An der einen oder anderen Stelle evtl. mit Kabelbindern den Gaszug führen.
- Unteren Nippel einhängen: Unteren Nippel wieder in die Zugrolle (den Schieber) einhängen, Zughülle in die Aufnahme schieben. Luftfiltergrundplatte etc erst wieder montieren, wenn der Gaszug komplett montiert ist und alles flutscht.
- Gasgriff einfetten: Für die geschmeidige Beschleunigungsarbeit: Innenseite des Gasgriffs etwas einfetten, z.B. mit Pan-A-Grease 87-000, oberen Nippel in den Gasgriff einhängen. Den Gasgriff auf den Lenker schieben, in das Gasgriffgehäuse reinfummeln und vorsichtig wieder an die richtige Stelle bugsieren, mit den passenenden Schräubchen erstmal handfest zusammenschrauben. Kurzer Test, am besten im Sitzen: Geht der Gasgriff seidenweich? Steht der Bremshebel im richtigen Winkel? Wenn alles OK, Schrauben solide festziehen.
- Luftfilter montieren: Luftfiltergrundplatte und Luftfilter nebst Deckel wieder montieren. Eventuelle Kabelbinder oder andere Gaszugführungen nachziehen oder ersetzen.
- Spiel einstellen: Spiel im Gaszug? Das sollte sich durch Drehen an den Einstellschrauben (Kontermutter lösen) entfernen lassen. Das Gas soll beim Loslassen sofort zuschnappen. Also Motor anlassen und checken, ob die Gasannahme direkt und der Leerlauf normal ist.
Zusätzliche Hinweise
- Tank demontieren: Da die Züge ab Werk zwischen dem Tanktunnel und dem Rahmenoberrohr durch eine Halte-/Führungsschlaufe verbaut werden, ist es in aller Regel notwendig den Tank anzuliften oder ggf. sogar ganz abzunehmen.
- Schaltereinheit öffnen: Zuerst werden aber die Stellschrauben nahe den Umlenkröhrchen ganz entspannt (zusammengedreht). Danach werden die beiden Schrauben der Schaltereinheit entnommen. Die obere Schaltereinheit wird zur Seite geklappt, damit man nun die genügend langen Seilzüge mit den aufgesteckten Mitnehmern aus dem Gasgriff aushängen kann.
- Kleinteile sichern: Dabei umsichtig vorgehen, die lose am oberen, kugeligen Ende der Züge sitzenden Mitnehmer sind schnell runtergefallen und verschwinden immer dahin, wo man(n, frau natürlich auch) sie niemals vermutet hätte. Gleiches gilt für den Gasgriffbremsschuh vom "manuellen Tempomat", der lediglich auf einem in die untere Gehäusehällfte ragenden Dorn (vom sternförmigen Stellrad zwischen den Zugeingängen) lose aufliegt, und bei Unkenntnis dieser Zusammenhänge oder Unachtsamkeit einen ähnlichen Weg zu nehmen pflegt.
- Kabelbinder öffnen: Unter dem Tank die Kabelbinder öffnen, welche die Gaszüge halten.
- Drosselklappe aushängen: Dann den Luftfilter abbauen, danach an der Drosselklappe die beiden Gasbowdenzüge aushängen. Dazu mit einer Hand "Gas" geben, mit der anderen Hand die geöffnete Drosselklappe halten. Gasgriff loslassen aber die Drosselklappe weiter offen halten. Jetzt den Gaszug aushängen. Danach Drosselklappe zurück klappen lassen und den Rückholzug aushängen.
Problemlösungen
Der Gasgriff an meinem MZ-Gespann sitzt manchmal fest. Ich muss dann mehr Kraft aufwenden und ihn auch selbst zurückdrehen, weil die Federkraft des Vergasers dafür nicht mehr ausreicht. Mit ein bisschen Bastelei habe ich das Problem jetzt (hoffentlich!) lösen können.
Als Ursache für die Schwergängigkeit habe ich den Griffgummi ausgemacht. Der wird vom Gaszug gegen die Armatur gedrückt und frisst sich dadurch geradezu hinein. Innendurchmesser 28 mm, Außendurchmesser 40 mm (relativ egal, kann auch größer oder kleiner sein), Stärke 0,2 mm (im Prinzip auch egal). Die kosten nur ein paar Cent. Davon habe ich zwei zwischen Griffgummi und Armatur gesetzt. Warum gleich zwei? Damit sie sich auch gegeneinander verdrehen können. Ob das wirklich nötig ist, weiß ich nicht. Bis jetzt funktioniert es perfekt: die Reibung zwischen Alu und Gummi ist weg; der Gasgriff lässt sich leicht drehen und geht auch von alleine in die Ausgangsstellung zurück.
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