Etwa alle ein bis zwei Jahre braucht dein Motorrad neue Reifen. Je nach jährlicher Fahrleistung und Fahrstil kann das natürlich seltener oder auch häufiger der Fall sein. Doch egal ob wegen des Alters oder fehlendem Profil, um die Reifen zu wechseln müssen die Räder ausgebaut werden und im Anschluss natürlich auch wieder rein.
Der Radausbau und Radeinbau in der heimischen Werkstatt bzw. Garage ist möglich und mit ein wenig Geduld gut machbar. Die wichtigste Voraussetzung ist das richtige Werkzeug. Abgesehen von den Schrauben, für die die richtigen Schlüsselgrößen vorhanden sein müssen, ist der bzw. die Motorradheber entscheidend.
Hier ist eine detaillierte Anleitung, die besonders für Harley-Neulinge gedacht ist, um den Stress zu vermeiden, der bei der ersten Durchführung auftreten kann.
Vorbereitung
Bevor du mit dem Ausbau beginnst, stelle sicher, dass du das richtige Werkzeug zur Hand hast. Hier eine Liste der benötigten Ausrüstung:
- Motorradheber
- Kleine Holzklötzchen (3 cm x 5 cm x 10 cm)
- Kleiner PKW Hydraulikheber
- Spanngurte
- Kabelbinder
- Drehmoment-Schlüssel (10-50Nm und 20-150Nm)
- Ratsche mit 36er Nuss
- Ringschlüssel: 1’1/8 Zoll, 3/4 Zoll (=19mm)x2, 3/8 Zoll
- Inbus: 5/16 Zoll
- Torx: T-50
- Großer Kreuzschlitz-Schraubendreher
- Schraubensicherung Loctite 243
- Kleines, selbstgebautes Messwerkzeug (Schweißdraht-Methode)
Markierungsarbeiten
- Markiere die Position des Riemen-/Achsspanners, um später die ursprüngliche Riemenspannung wiederherstellen zu können.
- Fotografiere die Position aller Einzelteile. Beachte, dass die Nuten auf den Alu-Distanzhülsen immer nach außen zeigen.
- Vermesse die Position des Rades. Verwende dazu die von Harley empfohlene Schweißdraht-Methode: Biege einen Schweißdraht in der Form: kurze Seite =57mm; lange Seite =250mm. Stecke das spitze Ende in das dafür vorgesehene Loch in der Schwinge (etwa sieben cm vor der Achse) und misst an beiden Schwingenholmen den Abstand zwischen diesem Loch und dem Achsmittelpunkt mittels eines verschiebbaren O-Rings.
Lösen der Achsschraube
Löse die Achsschraube, solange das Motorrad noch auf festem Grund steht, um zu vermeiden, dass du dies später auf dem Motorradheber tun musst. Ziehe vorher den Sicherungsclip mit einer Zange aus der Nut und hebeln den Plastikstopfen aus der Achse. Für die Achsmutter (links) passt eine metrische 36er Nuss genau. Zum Kontern (rechts) benötigst du eventuell einen flachen 1.1/8 Zoll Ringschlüssel.
Positionierung des Fahrzeugs auf dem Motorradheber
Dynas haben an der rechten Rahmenschleife hinten eine Verstärkung, die ein gerades Aufbocken der Maschine ohne drei Unterleg-Klötzchen von 3 cm Höhe unmöglich macht. Die Positionierung dieser Klötzchen ist etwas heikel. Setze dich auf die Maschine, halte sie gerade und schiebe den Motorradheber von rechts darunter. Durch hin- und herschieben des Motorrads positioniere das erste Klötzchen hinten links genau vor einer Blechlasche am Rahmen (die zur Befestigung eines Kabels dient); die Positionen der anderen Klötzchen ergeben sich dann aus der Breite des Motorradhebers (bei dir 35 cm Außenmaß). So wird die Maschine, im Prinzip, fest und bestens austariert stehen.
Hebe das Motorrad langsam an und kontrolliere, ob die Klötzchen alle gut sitzen, ohne irgendwo an den Motor zu stoßen oder irgendwelche Kabel abzuklemmen. Arretiere den Heber in der obersten Position und sichere das Motorrad zusätzlich mit Spanngurten. Unterlege das Vorderrad, um ein Kippen nach vorne zu verhindern.
Bedingungen für kontrolliertes Arbeiten schaffen
Da das Hinterrad der Dyna 21 kg wiegt, stelle einen kleinen PKW-Hydraulikheber unter das Rad, um es anzuheben. Sichern das Rad von oben mit einem über die Sitzbank gelegten Spanngurt, der dann, sowie du den Hydraulikheber betätigst, Stück für Stück nachgezogen wird.
Der Ausbau
- Entferne den Schmutzabweiser unter dem Antriebsriemen. Löse dazu die drei kleinen 3/8 zölligen Befestigungsschrauben.
- Entspanne die Achse und den Antriebsriemen. Entferne die Achsmutter und drehe die beiden Spannschrauben an den Schwingenenden (Inbus, 5/16 Zoll) um fünf Umdrehungen zurück. Gebe dem Rad einen kleinen Ruck nach vorn, um die Achse von den Spannern zu lösen.
- Löse die Stoßdämpfer. Hebe das Hinterrad leicht an, bis die Schrauben der Dämpfer spannungsfrei sind. Entferne nur die unteren Dämpferschrauben (Torx-Schlüssel T-50; am linken Dämpfer zusätzlich einen gekröpften 3/4-Zoll Ringschlüssel zum Kontern). Löse die oberen Dämpferschrauben (3/8 Zoll=19mm, gekontert), aber entferne sie nicht. Drehe die Dämpfer nach oben und sichere sie mit einem Spannriemen. Entferne die Sitzbank, um an die Kontermuttern zu gelangen.
- Entferne die Steckachse. Hebe die Schwinge Stück für Stück an, bis die Achse über dem Auspuff steht. Baue den beim nächsten Arbeitsschritt eventuell herabfallenden Alu-Distanzhülsen mit einer Decke eine sanfte Landebahn. Ziehe die Steckachse unter leichten Drehbewegungen heraus, reinige und fette sie leicht ein.
- Befreie und sichere den Bremssattel. Schiebe den Bremssattel über seine Schiene (Widerlager) nach vorne. Verwende WD-40, falls nötig. Drücke die Bremsbeläge mit einem stumpfen Hebel auseinander und fixiere sie mit einem chinesischen Essstäbchen. Binde den Bremssattel mit einem Kabelbinder am Stoßdämpfer fest, um Zug am Bremsschlauch und Kratzer am Auspuff zu vermeiden. Achte darauf, dass die obere Führungsklammer der Bremsbeläge in der richtigen Position ist.
- Nimm den Antriebsriemen von der Riemenscheibe. Das Hinterrad ist nun frei. Senke den Hydraulikheber langsam ab und entspanne den Sicherungsgurt.
- Reinige und prüfe das Rad. Notiere die Nummern der Radlager: links (auf der Riemenscheiben-Seite): HD9276, F-559019, DK, 1125; rechts (auf der Bremsen-Seite): HD 9276, F-559019, DK, 1124.
Der Einbau
Der Einbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge, aber mit einigen zusätzlichen Tipps:
- Positioniere das Rad wieder unter dem hinteren Fender und ziehe den Antriebsriemen auf das Riemenrad. Hebe das Rad abwechselnd mit Hydraulikheber und Spannriemen an.
- Montiere den Bremssattel, indem du ihn über seine Schiene nach hinten schiebst und die Bremsscheibe in den Spalt der Bremsbeläge gleiten lässt.
- Hebe das Rad weiter an, bis die Radmitte über dem Auspuff steht. Überprüfe, ob das Rad sicher auf dem Hydraulikwagenheber steht und der Sicherungsgurt gespannt ist.
- Bringe alle Einzelteile, welche die Radachse aufnehmen sollen, in Position. Hebe die Schwinge von Hand leicht bis in die Höhe der Radmitte an. Positioniere zunächst links die lange, dann rechts die kurze Distanzhülse. Drücke das Rad einmal nach rechts, einmal nach links, um sie in ihren Aussparungen an den Radlagern zu platzieren.
- Füge die Steckachse ein. Schiebe die gesäuberte und leicht eingefettete Steckachse von rechts durch den rechten Schwingenholm, den Bremssattel, die rechte Buchse, die Radnabe, die linke Buchse und den linken Schwingenholm. Bringe alle Teile der Reihe nach in ihre perfekte Position.
- Montiere die Mutter mit Unterlegscheibe und ziehe sie mit 81-88 Nm an, nachdem der Riemen wieder gespannt wurde (die Anzahl Umdrehungen der Riemenspanner sollte notiert sein).
- Bringe das Rad mittig in der Gabel an und führe die gefettete Achse ein. Montiere Unterlegscheibe, Sicherungsscheibe und Mutter und ziehe sie mit 68-75 Nm an.
Vor der ersten Fahrt solltest du noch testen, ob die Bremsen auch richtig funktionieren.
Achtung: Vor dem Einbau sollte die Achse leicht gefettet (besser: Mit Alupaste bestrichen) werden.
Wichtig: Die Drehmomente können je nach Modell und Baujahr variieren. Die hier angegebenen Werte beziehen sich auf eine Harley-Davidson Sportster 1200 Custom Baujahr 1996.
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